Sonntag, 29. März 2026

Lade-InfrastrukturVerantwortung teilen

[27.03.2025] Um den Verkehr auf Elektromobilität umzustellen, ist ein Ausbau des öffentlichen Ladenetzes notwendig. Für Kommunen und Stadtwerke bieten sich dabei Konzessionsmodelle an, bei denen sie Nutzung und Betrieb von Ladepunkten an privatwirtschaftliche Betreiber übertragen.

Beim Ausbau der Lade-Infrastruktur bietet sich für Stadtwerke und Kommunen ein Konzessionsmodell an.

(Bildquelle: stock.adobe.com/mpix-foto)

Alle Kommunen müssen sich mit dem Ausbau der öffentlichen Lade-Infrastruktur (LIS) beschäftigen. Der flächendeckende, bedarfsgerechte Ausbau einer kommunalen, öffentlich zugänglichen Lade-Infrastruktur ist komplex und kostenintensiv. Ein Weg, sowohl die administrativen als auch die finanziellen Belastungen zu reduzieren, ist es, beim LIS-Ausbau und -Betrieb auf das Konzessionsmodell zu setzen.

Konzept erstellen

Um ein investorengestütztes öffentliches Ladenetz auf den Weg zu bringen, sollte zunächst ein Lade-Infrastruktur-Konzept erstellt werden, das auf das gewünschte Konzessionsmodell zugeschnitten ist. Konzessionsmodell bedeutet, dass Kommunen im Rahmen einer vertraglichen Vereinbarung die Nutzung und den Betrieb von Ladepunkten für 

E-Fahrzeuge an privatwirtschaft­liche Betreiber übertragen. Der Betreiber übernimmt in diesem Modell die Verantwortung für die Errichtung, den Betrieb und die Wartung der Lade-Infrastruktur, während die Kommune im Gegenzug von einem Teil der Einnahmen oder anderen Vereinbarungen profitiert. Das Konzessionsmodell ermöglicht es Kommunen, Lade-Infrastruktur bereitzustellen, ohne die gesamte finanzielle und betriebliche Verantwortung selbst tragen zu müssen, und fördert die Zusammenarbeit mit privaten Unternehmen, die über die notwendigen Ressourcen und Fachkenntnisse verfügen.

Ein maßgeschneidertes LIS-Konzept ist die Grundlage für eine zukunftssichere öffentliche Lade-Infrastruktur und manchmal sogar eine Voraussetzung dafür, Förderungen in Anspruch nehmen zu können. Hilfreiche Informationen zu diesem Thema finden sich beispielsweise in den kostenfreien LIS-Leitfäden für Kommunen der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur oder des Beratungsunternehmens M3E. Ein gutes Beispiel für ein umfassendes LIS-Konzept bietet etwa der Landkreis Harburg auf seiner Energiewegweiser-Webseite zum kostenfreien Download an.

Los-Aufteilung und die Markt­erkundung

Steht das Lade-Infrastruktur-Konzept und wurde eine Entscheidung für ein Betriebsmodell – in unserem Fall das Konzessionsmodell – getroffen, dann folgen die Los-Aufteilung und die Markterkundung, welche die spätere Ausschreibung vorbereiten. Eine Los-Aufteilung ist dann ratsam, wenn die Zahl der Ladestandorte einen bestimmten Wert übersteigt. Die zu errichtenden Ladestationen werden dabei nach bestimmten Kriterien, etwa nach geografischer Nähe und betriebswirtschaftlichen Aspekten, gruppiert und in Bündeln in verschiedene Lose aufgeteilt, die später separat ausgeschrieben werden. Auf diese Weise können lokale Eigenheiten besser berücksichtigt und zudem das Betriebs- und Ausfallrisiko für die Kommune minimiert werden, weil die Verantwortung für die öffentliche Lade-Infrastruktur auf mehrere Schultern verteilt wird. Idealerweise erfolgt bei der Los-Aufteilung auch ein finaler Check durch Experten, um sicherzustellen, dass die vorgesehenen Ladepunkte zukunftsfähig sind und allen rechtlichen und technischen Vorgaben an öffentliche Lade-Infrastruktur entsprechen.

Zwischenschritt Markterkundung

Bevor es an die Ausschreibung der einzelnen Lose geht, gibt es den Zwischenschritt der Markterkundung. Eine Markterkundung ist nicht zwingend notwendig, aber sinnvoll. Denn im Rahmen dieser Evaluationsmaßnahme, die zugleich als Machbarkeitsstudie dient, wird geprüft, ob das Vorhaben wie gewünscht umsetzbar ist und welche Anbieter sowie Betriebsmodelle geeignet sind. Alle relevanten Unterlagen werden mit interessierten Investoren geteilt, die sich an der Markterkundung beteiligen möchten. Die Ergebnisse helfen, die Ausschreibung optimal an die Marktsituation anzupassen und sicherzustellen, dass alle Lade­punkte den aktuellen Standards entsprechen.

Externe Unterstützung

Mit einem angepassten Konzept erfolgt nun eine Ausschreibung. Kommunen müssen rechtliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen berücksichtigen und sicherstellen, dass die Lösungen zukunftsfähig sind. In der Ausschreibung werden Anforderungen an Technik, Betriebsmodelle und Abrechnungsoptionen gestellt. Nach dem Ende der Ausschreibung werden die eingegangenen Angebote ausgewertet, was idealerweise von marktkundigen Beratern begleitet wird. Dabei sollten verschiedene Kriterien wie die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Anbieters, Wartungs-, Service- und Betriebskonzepte sowie die Preisgestaltung berücksichtigt werden, um einen langfristig sicheren und zuverlässigen Betrieb zu gewährleisten. Im letzten Schritt erfolgt der Zuschlag, und der Startschuss für den Aufbau öffentlicher Lade-Infrastruktur ist gegeben.

Der Ausbau der öffentlichen Lade-Infrastruktur in Kommunen ist eine der großen Zukunftsaufgaben – und eine Herausforderung, die ohne externe Unterstützung kaum zu bewältigen ist. Das Konzessionsmodell bietet eine zukunftssichere Lösung, indem es private Investoren und Experten in den Aufbau und Betrieb einbindet und Kommunen so von finanziellen sowie administrativen Belastungen befreit und zudem rechtlich absichert. Welche Lösung genau passt, muss stets individuell vor Ort entschieden werden. Wichtig ist es, alle relevanten Akteure sowie marktkundige Unterstützung einzubinden, denn die Verkehrswende gelingt nur gemeinsam.


Der Autor, Dr. Christian MilanDr. Christian Milan ist Gründer und Geschäftsführer des auf nachhaltige Mobilität spezialisierten Beratungsunternehmens M3E. M3E unterstützt Unternehmen sowie Kommunen bei der Implementierung nachhaltiger, kosteneffizienter Mobilitätslösungen und Energie-Infrastrukturen.



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