Freitag, 30. Januar 2026

KRITIS-DachgesetzBDEW fordert Tempo

[30.01.2026] Der Bundestag hat gestern das KRITIS-Dachgesetz zur Umsetzung der CER-Richtlinie verabschiedet. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft fordert nun Tempo, klare Zuständigkeiten und eine praxisnahe Ausgestaltung, um die Resilienz kritischer Infrastrukturen wirksam zu erhöhen.

Kerstin Andreae, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des BDEW, begrüßt das KRITIS-Dachgesetz zur Umsetzung der CER-Richtlinie.

(Bildquelle: Thomas Trutschel/BDEW)

Der Bundestag hat in zweiter und dritter Lesung das Gesetz zur Umsetzung der CER-Richtlinie und zur Stärkung der Resilienz Kritischer Anlagen gestern verabschiedet. Wie der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) mitteilt, bewertet dessen Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung Kerstin Andreae den Beschluss als wichtigen Schritt, der jedoch keinen Zeitverlust dulde. Transparenz sei für die demokratische Akzeptanz notwendig, müsse bei Kritischen Infrastrukturen aber mit Sicherheitsanforderungen abgewogen werden. Veröffentlichungen dürften dort eingeschränkt werden, wo sie operative Risiken erhöhten; in dieser Hinsicht weise das Gesetz in die richtige Richtung.

Nach Darstellung des Verbands hat insbesondere der jüngste Anschlag auf das Stromnetz in Berlin gezeigt, dass Geschwindigkeit bei der Identifizierung von Risiken sowie bei der Umsetzung der Verordnung und der Festlegung verbindlicher Anforderungen entscheidend ist. Für den Energiesektor sei deshalb eine umgehende Veröffentlichung der nationalen Risikoanalyse erforderlich. Betreiber benötigten diese Grundlage, um Gefährdungen realistisch zu bewerten und geeignete Schutzmaßnahmen einzuleiten. Zugleich verweist der BDEW auf die Finanzierungsfrage und spricht sich für eine faire Kostenverteilung zwischen Staat und Wirtschaft aus.

Der Verband fordert zudem einheitliche, praktikable und bürokratiearme Vorgaben, die eng mit der Umsetzung der europäischen NIS-2-Richtlinie verzahnt sind. Doppelregulierungen und widersprüchliche Anforderungen, etwa bei neu definierten kritischen Komponenten, die bereits in der NIS-2-Umsetzung geregelt sind, würden nach Einschätzung des BDEW personelle und finanzielle Ressourcen binden und damit die operative Sicherheit schwächen.

Als geeigneten Ansatz nennt der Verband einen gemeinsamen Resilienz- und Sicherheitskatalog der Bundesnetzagentur. Voraussetzung sei jedoch eine klare Zuständigkeits- und Festlegungskompetenz der Behörde für den Energiesektor. Ergänzend fordert der BDEW tragfähige und kurzfristig umsetzbare Lösungen für die Drohnenabwehr sowie eine geklärte Finanzierung entsprechender Maßnahmen. Resilienz entstehe nicht durch Ankündigungen, sondern durch verbindliche Zuständigkeiten, hohes Umsetzungstempo und praxistaugliche Regelwerke, so der Verband.



Stichwörter: Politik, BDEW, KRITIS-Dachgesetz


Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Politik

Gebäudeenergiegesetz: Spitzenverbände fordern Reform

[29.01.2026] Mehrere Spitzenverbände aus Energie-, Kommunal- und Immobilienwirtschaft fordern eine schnelle und grundsätzliche Reform des Gebäudeenergiegesetzes hin zu einem Gebäudemodernisierungsgesetz. Sie verlangen klare, investitionsfreundliche und praxistaugliche Regeln, die nationale und europäische Vorgaben zusammenführen. mehr...

VKU: Kurskorrektur beim Offshore-Ausbau gefordert

[28.01.2026] Der Verband kommunaler Unternehmen fordert anlässlich des Nordsee-Gipfels eine Kurskorrektur beim Ausbau der Offshore-Windenergie. Ziel sei ein Ausbaupfad, der Systemkosten begrenzt, Netze besser auslastet und Investitionen wirtschaftlich tragfähig macht. mehr...

BSW-Solar: Bündnis fordert Fortsetzung der Photovoltaik-Förderungen

[28.01.2026] Ein breites Bündnis aus Wirtschafts- und Zivilgesellschaftsverbänden warnt vor geplanten Kürzungen bei der Förderung von Photovoltaik auf Gebäuden. Nach Ansicht der Unterzeichner würde ein Abbau der Förderung den Solarausbau bremsen, Strompreise verteuern und die Klimaziele gefährden. mehr...

Rheinisches Revier: Gigawattpakt erreicht Ausbauziele

[26.01.2026] Der Gigawattpakt im Rheinischen Revier erreicht schneller als geplant zentrale Ausbauziele: Die installierte Leistung erneuerbarer Energien ist seit Ende 2020 auf 4,4 Gigawatt gestiegen. Damit rückt die für 2028 vorgesehene Marke von fünf Gigawatt bereits nach knapp vier Jahren in greifbare Nähe. mehr...

Schleswig-Holstein: Erhöhung des Bürgerenergiefonds

[20.01.2026] Schleswig-Holstein erhöht den Bürgerenergiefonds um weitere fünf Millionen Euro und stärkt damit die Finanzierung von Energieprojekten in Bürgerhand. Das Gesamtvolumen des Fonds steigt auf 15 Millionen Euro und soll neue Wind-, Solar- und Wärmeprojekte anschieben. mehr...

BDEW: Stellungnahme zur Kraftwerksstrategie

[19.01.2026] Bundesregierung und EU-Kommission haben sich auf Eckpunkte der Kraftwerksstrategie verständigt und damit den Weg für neue Ausschreibungen und zusätzliche gesicherte Leistung geebnet. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft sieht darin ein wichtiges Signal für Versorgungssicherheit und Investitionen in steuerbare Kapazitäten. mehr...

BDEW: Zehn-Punkte-Papier für mehr Resilienz

[14.01.2026] Nach dem mehrtägigen Stromausfall infolge eines Brandanschlags in Berlin fordert der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft rasche politische und rechtliche Konsequenzen. Ein Zehn-Punkte-Papier soll die Resilienz Kritischer Energie- und Wasserinfrastrukturen gegen Sabotage, Ausfälle und Krisen stärken. mehr...

Deutscher Landkreistag: Änderungen an KRITIS-Dachgesetz gefordert

[12.01.2026] Ein mehrtägiger Stromausfall nach einem Anschlag im Berliner Südwesten hat aus Sicht der Landkreise gravierende Schwachstellen in der Krisenvorsorge offengelegt. Der Deutsche Landkreistag dringt deshalb auf einen umfassenderen Schutz Kritischer Infrastrukturen und auf Nachbesserungen beim geplanten KRITIS-Dachgesetz. mehr...

Sachsen: Fortsetzung der zentralen Wasserstoff-Anlaufstelle

[12.01.2026] Sachsen setzt die Arbeit seiner zentralen Wasserstoff-Anlaufstelle fort und beauftragt die bisherige Trägergemeinschaft erneut. Damit soll der Aufbau einer durchgängigen Wasserstoffwirtschaft bis 2030 weiter unterstützt werden. mehr...

Niedersachsen: Gewerbesteueraufkommen für Offshore-Windparks gesichert

[07.01.2026] Niedersachsen ordnet die Gewerbesteuer für Offshore-Windparks neu und sichert damit dauerhaft hohe Einnahmen für seine Kommunen. Kern der Regelung ist die Zuweisung der Hebeberechtigung an Wilhelmshaven ab 2026, mit umfangreichen Umverteilungseffekten über den Kommunalen Finanzausgleich. mehr...

AEE: Fortschritte bei Flächen-Ausweisungen

[07.01.2026] Die Bundesländer kommen bei der Ausweisung von Flächen für Windenergie voran, erreichen die gesetzten Zwischenziele jedoch bislang nur teilweise. Ein Hintergrundpapier der Agentur für Erneuerbare Energien zeigt zudem deutliche Unterschiede zwischen den Ländern sowie Fortschritte bei Genehmigungen und Photovoltaik-Freiflächen. mehr...

Schleswig-Holstein: Forschungszentrum für Leistungselektronik geplant

[06.01.2026] Schleswig-Holstein will am Campus der HAW Kiel ein neues Forschungszentrum für Leistungselektronik errichten und dafür bis zu 15,28 Millionen Euro bereitstellen. Das Vorhaben soll Forschung, industrielle Anwendung und Technologietransfer im Kontext der Energiewende bündeln. mehr...

BSI: Richtlinie für Smart Meter Gateways überarbeitet

[19.12.2025] Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik hat die Technische Richtlinie TR-03109-6 für die Administration von Smart Meter Gateways überarbeitet. Die neue Version 2.0 wird mit der nächsten Zertifizierung der Gateway-Administrator-Systeme ab 2027 verbindlich. mehr...

Stadtwerke Lübeck: Umfrage zu Investitionen in Energiewende

[17.12.2025] Die Bereitschaft zu staatlichen Investitionen in die Klimaneutralität ist in Deutschland tief gespalten. Eine repräsentative Umfrage zeigt zugleich, dass viele Bürgerinnen und Bürger klare Prioritäten bei Infrastrukturprojekten erwarten und kommunalen Unternehmen dabei eine zentrale Rolle zuschreiben. mehr...