PwC-StudieGlasfaserausbau stößt an wirtschaftliche Grenzen

Laut einer Studie von PwC stößt der Glasfaserausbau zunehmend an seine wirtschaftlichen Grenzen.
(Bildquelle: adobe stock)
Der Glasfaserausbau in Deutschland stößt zunehmend an wirtschaftliche Grenzen. Wie die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC in ihrer Studie „Glasfaser in Deutschland – Ein Markt unter Monetarisierungsdruck“ berichtet, stehen viele Netzbetreiber trotz umfangreicher Investitionen vor sinkender Rentabilität, weil ein großer Teil der gebauten Anschlüsse bislang nicht aktiviert wurde.
Während in den vergangenen Jahren vor allem der Netzausbau im Mittelpunkt stand, rücken nun Auslastung und Refinanzierung in den Fokus. „Der deutsche Glasfasermarkt hat sich in den vergangenen Jahren stark auf den Ausbau der Netze fokussiert. Nun sind Netzauslastung und Monetarisierung die größten Herausforderungen der Branche“, sagt Michael Driemeyer, Director bei PwC.
Niedrige Aktivierungsquoten
Nach Angaben von PwC verlängern die niedrigen Aktivierungsquoten die Amortisationszeiten erheblich. Das betrifft sowohl den bereits errichteten Ausbau bis ins Gebäude (FTTB) als auch den weiteren Ausbau bis in die Wohnung (FTTH). Für beide Ausbaustufen sei eine schnelle Gewinnung von Kunden entscheidend, um die Investitionen zu refinanzieren.
Die Nachfrage bleibt jedoch hinter den Erwartungen zurück. Viele Haushalte sehen in ihren bestehenden VDSL- oder Kabelanschlüssen derzeit keinen ausreichenden Anlass zum Wechsel. In Mehrfamilienhäusern verzögern zudem fehlende Zustimmungen von Eigentümern häufig den FTTH-Ausbau. Gleichzeitig stehen die Netzbetreiber vor einem Dilemma: Höhere Preise könnten zwar die Investitionen besser absichern, würden aber die Nachfrage zusätzlich bremsen.
Ein weiteres Problem sieht PwC im drohenden Überbau. Viele Unternehmen planen den Glasfaserausbau in denselben wirtschaftlich attraktiven Regionen. Auf Grundlage der Ausbauankündigungen errechnet die Studie bis 2030 einen theoretischen Überbau von rund sechs Millionen Anschlüssen, sofern alle Vorhaben umgesetzt werden. Entstehen parallele Netze, sinken die Auslastung und damit die Wirtschaftlichkeit. Bleiben einzelne Projekte aus, werden dagegen nicht alle Betreiber ihre Ausbauziele erreichen.
Open Access als Gegenmodell
Als Gegenmodell nennt PwC Open Access, also die gemeinsame Nutzung bestehender Glasfasernetze durch mehrere Anbieter. Dadurch ließen sich sowohl die Auslastung als auch die Aktivierungsquoten erhöhen. Nach Einschätzung des Unternehmens verhindern bislang jedoch fehlende technische Standards und aufwendig auszuhandelnde Kooperationsverträge eine breite Umsetzung.
Zugleich wächst das Risiko bilanzieller Wertberichtigungen. Viele Netzbewertungen der vergangenen Jahre basierten auf ehrgeizigen Geschäftsplänen. Hohe Zinsen, gestiegene Tiefbau- und Materialkosten sowie ungenutzte Anschlüsse setzen diese Annahmen unter Druck. Bereits die Ankündigung eines konkurrierenden Ausbaus in derselben Region könne den bilanziellen Wert eines Netzes mindern, weil mit geringeren Marktanteilen gerechnet werden müsse.
PwC empfiehlt den Unternehmen deshalb, ihre Geschäftsmodelle frühzeitig anzupassen. Je nach Ausgangslage seien eine stärkere Kundenaktivierung, Kooperationen über Open Access, Zusammenschlüsse mit anderen Netzbetreibern oder auch der Verkauf von Netzen mögliche Wege, um auf die veränderten Marktbedingungen zu reagieren.
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