Donnerstag, 22. Oktober 2026

BundeswirtschaftsministeriumMarkthochlauf beschleunigen

[22.10.2026] Mit einem Zehn-Punkte-Plan will das Bundeswirtschaftsministerium den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft in Deutschland voranbringen. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) begrüßt die Initiative, hält die vorgesehenen Maßnahmen jedoch für nicht ausreichend.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) hat einen Zehn-Punkte-Plan zur Stärkung des Wasserstoffmarktes beschlossen. Wie das Ministerium mitteilt, sollen die Maßnahmen die Wettbewerbsfähigkeit von Wasserstoff verbessern, den Ausbau der Infrastruktur voranbringen und die Nachfrage ankurbeln. Hintergrund sind die anhaltend hohen Erzeugungskosten, die bislang deutlich über der Zahlungsbereitschaft vieler potenzieller Abnehmer liegen und den Markthochlauf verzögern.

Der Maßnahmenkatalog umfasst vier Handlungsfelder. Um die Kosten zu senken, setzt das Ministerium unter anderem auf eine Anpassung der europäischen Anforderungen an erneuerbaren Wasserstoff, verlässliche Stromnetzentgelte und günstigere Importe aus unterschiedlichen Herkunftsländern. Beim Infrastrukturaufbau sollen neben dem Wasserstoff-Kernnetz auch Importkorridore, Speicher und die Transformation bestehender Gasverteilnetze berücksichtigt werden.

Milliardenförderung für industrielle Wasserstoffnutzung

Ein Schwerpunkt liegt auf der Stärkung der Nachfrage. Dazu plant das BMWE ein eigenes Wasserstoff-Förderfenster im Programm für CO2-Differenzverträge mit einem Volumen von mindestens 1,5 Milliarden Euro. Insgesamt sind für die Differenzverträge bis zu 8,7 Milliarden Euro vorgesehen, die auch Wasserstoffprojekten offenstehen. Zudem soll die technische Umrüstung von Kraftwerken mit einer Gesamtleistung von vier Gigawatt auf Wasserstoff gefördert werden. Die gesetzliche Grundlage dafür wird derzeit erarbeitet.

Weitere Nachfrageimpulse erwartet das Ministerium durch die Schaffung eines Leitmarktes für emissionsarmen Stahl. So sollen Offshore-Windenergieanlagen künftig Stahl verwenden, der unter Einsatz von erneuerbarem oder kohlenstoffarmem Wasserstoff hergestellt wurde. Ergänzend plant das BMWE eine Wasserstoff-Technologie-Roadmap und eine stärkere Einbindung des Nationalen Wasserstoffrats in die Regierungsberatung.

BDEW fordert mehr Investitionssicherheit

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) bewertet den Zehn-Punkte-Plan grundsätzlich positiv, sieht jedoch erheblichen Nachbesserungsbedarf. „Es ist deshalb richtig, dass das Ministerium die Kosten senken und den Markt voranbringen will“, erklärt Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung. Allerdings blieben die vorgeschlagenen Instrumente zu zaghaft, um die erforderliche Ausweitung von Erzeugung und Nachfrage zu erreichen.

Insbesondere fordert der Verband einen eigenständigen Wasserstoff-Differenzvertrag, der die Kostenlücke zwischen der Wasserstoffbereitstellung und der Zahlungsbereitschaft der Abnehmer absichert. Ein solches Instrument könne Erzeugung, Beschaffung und Handel besser miteinander verbinden und sei weniger komplex als industrielle CO2-Differenzverträge. Dafür müsse ab 2027 ein eigener Haushaltstitel im Klima- und Transformationsfonds mit ausreichenden Mitteln eingerichtet werden.

Kritisch beurteilt der BDEW auch die bislang wenig konkreten Aussagen zum Infrastrukturaufbau. Der vorausschauende Ausbau von Wasserstoffnetzen und Speichern sei notwendig, um Investitionssicherheit zu schaffen. Es fehle jedoch eine klare Strategie, wie dieser Ausbau mit der Entwicklung von Angebot und Nachfrage abgestimmt werden soll.

Europäische Zusammenarbeit stärken

Unterstützung erhält das Ministerium für seine Absicht, die europäischen Vorgaben für erneuerbaren Wasserstoff praxisgerechter zu gestalten. Die Überarbeitung des entsprechenden delegierten Rechtsakts der EU sei entscheidend, um Investitionen zu erleichtern und Kosten zu reduzieren. Gleichzeitig fordert der BDEW eine stärkere Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten beim Aufbau eines europäischen Wasserstoffmarktes. Deutschland solle dabei eine führende Rolle übernehmen und die Gründung einer europäischen Wasserstoff-Allianz vorantreiben.

Auch bei der heimischen Produktion sieht der Verband Handlungsbedarf. Die geplanten Elektrolyseprojekte auf der Nordseefläche SEN-1 mit jeweils 250 Megawatt Leistung seien ein sinnvoller Ansatz. Darüber hinaus müsse aber auch die Wasserstofferzeugung an Land schneller ausgebaut werden. Entscheidend für den Markthochlauf seien nach Auffassung des BDEW verlässliche Rahmenbedingungen und wirksame Investitionsanreize entlang der gesamten Wertschöpfungskette.





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