Donnerstag, 22. Oktober 2026

Fraunhofer IEGForschungsprojekt soll Akzeptanz der Geothermie stärken

[22.10.2026] Ein neues Forschungsprojekt soll die Kommunikation über seismische Risiken bei Tiefengeothermieprojekten verbessern und die Bürgerbeteiligung stärken. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie fördert das Vorhaben mit rund 2,27 Millionen Euro.

Das neue Verbundprojekt SAURIER soll die Akzeptanz von Geothermie erhöhen.

(Bildquelle: STAWAG)

Das Fraunhofer-Institut für Energieinfrastrukturen und Geotechnologien (IEG) koordiniert ein neues Forschungsprojekt zur Kommunikation seismischer Risiken bei Tiefengeothermieprojekten. Wie das Institut mitteilt, soll das Verbundprojekt SAURIER wissenschaftliche Erkenntnisse über Erschütterungen verständlicher aufbereiten und neue Verfahren zur Beteiligung der Öffentlichkeit entwickeln. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie fördert das Vorhaben im Rahmen seines achten Energieforschungsprogramms mit rund 2,27 Millionen Euro. Die Projektlaufzeit reicht vom 1. September 2026 bis zum 30. August 2029.

Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Kommunen, Behörden und Betreiber über mögliche Erschütterungen durch tiefe Geothermie informieren können. Viele seismische Ereignisse sind nur mit Messinstrumenten nachweisbar. Dennoch können bereits schwache Erschütterungen die öffentliche Wahrnehmung beeinflussen und Diskussionen über Geothermieprojekte auslösen. Das Forschungsprojekt soll deshalb technische Bewertungen mit Erkenntnissen über Risikowahrnehmung und Informationsbedürfnisse der Bevölkerung verbinden.

Dazu kombinieren die beteiligten Forschungseinrichtungen seismologische Analysen mit sozialwissenschaftlichen Untersuchungen. Geplant sind unter anderem Bevölkerungsbefragungen, Workshops und der Austausch mit Kommunen, Behörden und Anlagenbetreibern. Auf dieser Grundlage sollen verständliche Visualisierungen seismischer Ereignisse und Konzepte zur Vermittlung ihrer Gefährdungseinschätzung entstehen.

Die entwickelten Kommunikations- und Beteiligungsansätze sollen in mehreren Fallstudienregionen unter Praxisbedingungen untersucht werden. Als Ergebnis ist ein Leitfaden vorgesehen, der Kommunen, Behörden und Betreiber bei der Planung und Begleitung von Geothermieprojekten unterstützen soll. Nach Angaben des Fraunhofer IEG könnten die Ansätze auch bei anderen Untergrundtechnologien eingesetzt werden, etwa bei der geologischen Speicherung von CO₂ oder Wasserstoff.

An dem Verbundprojekt beteiligen sich neben dem Fraunhofer IEG die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), das Helmholtz-Zentrum für Geoforschung (GFZ) und das Institut für geothermisches Ressourcenmanagement (igem). Mehrere geologische Landesbehörden sowie weitere Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft begleiten das Vorhaben. Sie bringen Erfahrungen aus Genehmigungsverfahren, geologischer Überwachung, Projektentwicklung und Öffentlichkeitsarbeit ein.





Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Geothermie

Nürnberg: N-Ergie erkundet Geothermiepotenzial

[21.10.2026] Der Energieversorger N-Ergie will ab dem 9. November den Untergrund in Nürnberg und Umgebung auf sein Potenzial für Tiefengeothermie untersuchen. Auf sechs Messlinien mit einer Gesamtlänge von rund 110 Kilometern sollen Daten für die mögliche Nutzung von Erdwärme gewonnen werden. mehr...

Fraunhofer IEG: Forschungsvorhaben zu Grubenwasser

[06.10.2026] Das Fraunhofer IEG und die Technische Hochschule Georg Agricola wollen die Nutzung von Grubenwasser für die Wärmeversorgung gemeinsam vorantreiben. Im Fokus stehen ehemalige Bergbauregionen, in denen bestehende Infrastrukturen als Wärmequellen oder -speicher dienen könnten. mehr...

bericht

Geothermiekonferenz: Fortschritte bei Wärmenutzung aus der Tiefe

[24.09.2026] Auf der 21. Geothermiekonferenz in Bochum haben Fachleute, Kommunen und Energieversorger über den Stand der Geothermienutzung in Nordrhein-Westfalen und aktuelle Projekte berichtet. Im Mittelpunkt standen Erkundungen für die tiefe Geothermie, konkrete Vorhaben von Versorgern sowie die Förder- und Unterstützungsangebote des Landes. mehr...

LIAG: Geothermie könnte Olympiastadion mit Wärme versorgen

[21.09.2026] Oberflächennahe Geothermie könnte den Wärmebedarf des Berliner Olympiastadions rechnerisch vollständig decken. Modellberechnungen zeigen zudem, welches Potenzial große Sportflächen für die Wärmewende in Städten bieten können. mehr...

Stadtwerke Weimar: Aufsuchungserlaubnis für Tiefengeothermie erhalten

[14.09.2026] Die Stadtwerke Weimar dürfen das Potenzial für Tiefengeothermie im Raum Weimar untersuchen. Eine bis Juni 2031 befristete Erlaubnis umfasst ein rund 495 Quadratkilometer großes Gebiet und ist Voraussetzung für weitere Erkundungen. mehr...

Stadtwerke Bernau: Tiefengeothermieprojekt pausiert

[11.09.2026] Die Stadtwerke Bernau haben die Planungen für eine Tiefengeothermiebohrung am Schönfelder Weg vorerst gestoppt. Nach einer erneuten Prüfung sei der Bau und Betrieb der geplanten Anlage derzeit wirtschaftlich nicht darstellbar. Der kommunale Versorger will nun alternative Lösungen für eine klimaneutrale Wärmeversorgung untersuchen. mehr...

Geologischer Dienst NRW: Erkundungen im nördlichen Münsterland

[03.09.2026] Im nördlichen Münsterland untersucht der Geologische Dienst NRW das Potenzial für tiefe Erdwärme. Drei Seismik-Trassen sollen Kommunen und Stadtwerken zeigen, wo sich weitere Erkundungen für die Wärmeversorgung lohnen. mehr...

Münster: Hochschulstandort baut Geothermie-Anlage weiter aus

[02.09.2026] Die FH Münster baut ihre Geothermie-Anlage am Technologie-Campus Steinfurt für 18,8 Millionen Euro aus. Künftig soll Erdwärme rund 64 Prozent des Wärmebedarfs decken und zugleich als Reallabor für effizientere Wärmepumpen dienen. mehr...

Stadtwerke Munster-Bispingen: Heißes Wasser mit bis zu 154 Grad Celsius entdeckt

[28.08.2026] Die Stadtwerke Munster-Bispingen sehen nach ersten Arbeiten am Tiefengeothermie-Projekt in Munster gute Chancen für eine wirtschaftliche Wärmenutzung. In einem ertüchtigten Bohrloch stieß die Unternehmenstochter HeideGeo auf Wasser mit Temperaturen von bis zu 154 Grad Celsius. mehr...

München: Seismik-Messungen gestartet

[26.08.2026] Im Großraum München wird der tiefe Untergrund in den kommenden Monaten großflächig untersucht. Die Daten sollen ein dreidimensionales geologisches Modell ermöglichen und die Planung weiterer Geothermieprojekte unterstützen. Die Messungen sind Teil des Forschungsprojekts GIGA-M. mehr...

Fraunhofer IEG: Forschungsprojekt zu Kalkgestein in der Rhein-Ruhr-Region

[17.08.2026] Ein Forschungsprojekt entwickelt neue Werkzeuge für die Tiefengeothermie in der Rhein-Ruhr-Region. R3Chain soll das Potenzial von Kalkgestein genauer bestimmen und Stadtwerken sowie Energieversorgern frühere Planungssicherheit geben. mehr...

Fraunhofer IEG: EU-Projekt entwickelt neue Bohrtechnik

[13.08.2026] Das EU-Projekt UPLIFT entwickelt mit der MTD-Technologie eine Bohrtechnik, die bestehende Geothermiebohrungen durch seitliche Mikro-Bohrungen erweitern soll. Das Verfahren wird in einer drei Kilometer tiefen Bohrung in Tschechien getestet und soll höhere Wärmeleistungen bei geringerem Erschließungsrisiko ermöglichen. mehr...

Hamburg: Tiefengeothermie-Projekt steht kurz vor Inbetriebnahme

[10.08.2026] Hamburgs erstes Tiefengeothermie-Projekt steht vor der Inbetriebnahme. Noch 2026 soll Erdwärme aus mehr als 1.300 Metern Tiefe in das Fernwärmenetz von Wilhelmsburg eingespeist werden. mehr...

Badenova: Vorbereitung von Tiefbohrungen

[10.08.2026] Das Geothermieprojekt Erdwärme Breisgau hat die bergrechtliche Genehmigung für die nächste Projektphase erhalten. Badenova und Herrenknecht bereiten nun die Bohrungen vor und investieren gemeinsam in die Erschließung eines Tiefengeothermie-Reservoirs. mehr...