Mittwoch, 24. Juni 2026

Gengenbach50 Prozent Beteiligung an Windpark

[22.11.2016] Die baden-württembergische Stadt Gengenbach will aktiv bei der Energiewende mitwirken und die kommunale Wertschöpfung erhöhen. Endura Kommunal hat die Stadt von Beginn an bei der Entwicklung eines Windparks begleitet, bis sich die Stadt bei Offenburg und der Projektentwickler Enercon auf eine 50 Prozent Beteiligung einigen konnten.

Aktuell wird der Untergrund für die Windenergieanlagen im geplanten Windpark Rauhkasten-Steinfirst bei Gengenbach vorbereitet, die Baugruben für die 3.500 Tonnen schweren Bodenfundamente werden ausgehoben. Der Bau der insgesamt vier Windräder soll im Januar 2017 beginnen, die Inbetriebnahme ist für Juli 2017 vorgesehen. Die Anlagen mit einer Gesamtleistung von 12 Megawatt sollen pro Jahr 13.800 Tonnen CO2 einsparen. Thorsten Erny, Bürgermeister von Gengenbach, freut sich: „Das entspricht der Leistung von rund 1.800 durchschnittlich großen Photovoltaikanlagen auf Wohnhäusern. Mit dem Windpark wird die Stadt mehr Strom produzieren, als ihre Einwohner verbrauchen.“ Die Windräder werden eine Nabenhöhe von 149 Metern erreichen, inklusive Rotoren wird die Gesamthöhe 206 Meter betragen. Eine einjährige Messung mit einem 140 Meter hohen Windmast hat ergeben, dass das Windaufkommen durchschnittlich bei 6,2 Metern pro Sekunde liegt, damit können die Anlagen wirtschaftlich betrieben werden. Doch wer profitiert von den Einnahmen? Das ist mit einem Anteil von 50 Prozent die Stadt Gengenbach und interessierte Bürger. Die andere Hälfte gehört dem Windanlagenhersteller und Projektentwickler Enercon. Begleitet hat den Deal die Freiburger Beratungsfirma Endura Kommunal, die das 21-Millionen-Euro-Projekt in Baden-Württemberg von Beginn an betreut. Für die Stadt sei die Projektentwicklung risikolos, die Kosten von rund 600.000 Euro übernehme der Projektentwickler. Wie Endura Kommunal mitteilt, führt die Beteiligung der Kommune zu einer erhöhten finanziellen Wertschöpfung. So könne Gengenbach das eingesetzte Eigenkapital mit sehr guten zweistelligen Renditen verzinsen und gleichzeitig die Bürger mit attraktiven Optionen beteiligen. Die Gemeinde habe so nicht nur die Sicht auf den Windpark, sondern profitiere auch von dessen wirtschaftlichem Nutzen.

Pachtgemeinschaft sorgt für Dorffrieden

Im Interesse der Grundstückseigentümer wurde eine Pachtgemeinschaft gegründet. Wenn Grundstückseigentümer mit verschiedenen Projektentwicklern Pachtverträge abschließen, führe dies erfahrungsgemaß dazu, dass sich Windparkprojekte verzögern oder gar komplett scheitern. Der Grund: Keines der Unternehmen kann ohne die Grundstücke des anderen einen Windpark entwickeln. Die Folge: Die Grundstückseigentümer kommen nicht zu ihren Pachteinnahmen, nicht selten ist der Dorffrieden in Gefahr. Eine Pachtgemeinschaft hingegen vermeide solche Probleme. Sie stärke die Stellung der Kommune und ihrer Eigentümer, Windparkprojekte würden schneller realisiert und die Eigentümer erhielten einen gerechten Anteil an den Pachterlösen. Der Hintergrund: Zahlreiche Unternehmen preisen sich als die richtigen Partner für die Windparkentwicklung in den Gemeinden mit windhöffigen Standorten an. Die Angebote sind schwer vergleichbar, weshalb es notwendig sei, einen Kriterienkatalog für die objektive Bewertung zu entwickeln. Außerdem werden mit einer öffentlichen Ausschreibung alle Anbieter gezwungen, ihre Angebote in einem einheitlichen Format und vergleichbar abzugeben, informiert Endura Kommunal. Besonders wichtig für den Erfolg eines solchen kommunalen Projekts sei auch die Kommunikation in alle Richtungen. „Unsere Stadt nutzte auch hier den Sachverstand von Rolf Pfeifer und seinen Kollegen“, sagt Bürgermeister Erny. „Der Verwaltung wurde durch die Vorbereitung und Begleitung der Termine mit Behörden, Gutachtern, Bürgern, Gemeinderäten, Nachbarkommunen und Gegnern des Projekts viel abgenommen.“ Die Kommune sei auch befähigt worden, in vielen fachspezifischen Belangen wie etwa dem Naturschutz kompetent vertreten zu sein. Obwohl Kommunen von der Gewerbesteuer und eventuellen Pachteinnahmen finanziell von der Energiewende vor Ort profitieren, werde die Beteiligung an Windrädern oft als finanzielles Risiko wahrgenommen, sagen die Experten von Endura Kommunal. Die Beteiligung von Gengenbach zeige indessen, dass diese Sicht nicht stimmt. Projektentwickler übernehmen unter bestimmten Voraussetzungen die Entwicklungskosten und geben sogar einen Teil der Windenergieanlagen in das Eigentum von Kommunen und Bürgern. Der Entwickler verzichte damit zwar auf einen Anteil seiner Gewinne, wisse aber auch, dass Planung, Genehmigung und Bau meist viel unproblematischer verlaufen.





Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Finanzierung

Difu: Befragung zum KfW‑Kommunalpanel erschienen

[19.06.2026] Viele Stadtwerke stehen bei der Finanzierung der Energiewende vor einer Eigenkapitallücke, obwohl Kommunen ihre Infrastrukturinvestitionen deutlich erhöhen wollen. Das aktuelle KfW-Kommunalpanel zeigt, warum die Umsetzung von Wärmewende und Infrastrukturumbau trotzdem ins Stocken geraten könnte. mehr...

BDEW/EY: Stadtwerkestudie veröffentlicht

[10.06.2026] Stadtwerke stehen vor einem historischen Investitionsschub für Stromnetze, Wärmewende, erneuerbare Energien und Digitalisierung. Eine neue Studie von BDEW und EY zeigt, warum dafür neue Finanzierungsmodelle und verlässliche politische Rahmenbedingungen entscheidend werden. mehr...

Großflächiger Solarpark mit zahlreichen Photovoltaikmodulen auf einer begrünten Freifläche am Waldrand. Im Hintergrund stehen drei Windkraftanlagen auf einem bewaldeten Höhenzug unter einem teilweise bewölkten Himmel. Die Aufnahme zeigt die Kombination von Solar- und Windenergie in einer ländlichen Landschaft.

NaturEnergy: Anleihe für Energiewendeprojekte

[05.06.2026] Eine Unternehmensanleihe mit einem Volumen von bis zu zehn Millionen Euro hat das Unternehmen NaturEnergy aufgelegt. Mit den Mitteln sollen vor allem Wind- und Solarparks sowie Stromspeicher und Umspannwerke finanziert werden. mehr...

Hamburg: EIB finanziert Stromnetz und Elektrobusse

[21.05.2026] Die Europäische Investitionsbank stellt Hamburger Unternehmen Finanzmittel für den Ausbau von Stromnetz und Elektromobilität zur Verfügung. Nach Angaben der Beteiligten fließen bis zu eine Milliarde Euro in das Stromverteilnetz und weitere 125 Millionen Euro in Elektrobusse und Lade-Infrastruktur. mehr...

Stadtwerke Kempen: Finanzierung aus der Crowd

[13.05.2026] Eine Million Euro haben die Stadtwerke Kempen für den Ausbau der Lade-Infrastruktur für Elektroautos eingesammelt. Das Geld stammt aus einem Crowdinvesting-Projekt über die Plattform DKB-Crowd. mehr...

Stadtwerke Münster: Start von Bürgerbeteiligung an Windenergieanlage

[07.05.2026] Die Stadtwerke Münster öffnen die Finanzierung ihrer neuen Windenergieanlage in Lemgo für Bürgerinnen und Bürger. Ab 11. Mai können Anwohner und später auch Stromkunden in das 5,7-Megawatt-Projekt investieren und sich eine feste Verzinsung sichern. mehr...

eueco: Bürgerbeteiligung als Finanzierungsstrategie

[29.04.2026] Ein neuer Leitfaden zeigt, wie Stadtwerke Bürgerkapital gezielt als Eigenkapital- und Co-Finanzierungsbaustein für die Energiewende einsetzen können. Angesichts wachsender Investitionen in Erneuerbare, Speicher und Netze rückt damit ein Finanzierungsmodell in den Blick, das Kapitalbeschaffung und lokale Bindung kombiniert. mehr...

bericht

Crowdfunding: Alternative Finanzierungsmodelle

[21.04.2026] Die Stadtwerke Hennigsdorf haben 20 Prozent der Kosten für ihren Wärmespeicher über Crowdfunding finanziert. Das Projekt zeigt, dass die finanzielle Beteiligung der Bevölkerung an solchen Projekten den Rückhalt für die Energiewende stärkt. mehr...

Luftaufnahme des Solarparks Görgeshausen. Im Vordergrund stehen auf einer Ackerfläche mehrere Reihen neuer Metallgestelle für Solarmodule, teils noch ohne Paneele. Im oberen Bildbereich sind bereits fertig montierte Solarmodulreihen zu sehen. Links verlaufen eine Autobahn und eine Bahnstrecke parallel am Gelände vorbei. Rechts grenzt ein bewaldeter Hang an den Solarpark. Rundherum liegen Felder, Wiesen und am oberen linken Rand Wohnhäuser des Ortes.

Görgeshausen: Solarpark offen für Bürgerbeteiligung

[17.04.2026] Bürgerinnen und Bürger haben die Möglichkeit, sich finanziell an der Erweiterung des Solarparks Görgeshausen in Rheinland-Pfalz zu beteiligen. Mit diesem Vorhaben wollen die Energieversorgung Mittelrhein und die Energiegesellschaft Görgeshausen rund 400.000 Euro einsammeln. mehr...

bericht

Bürgerbeteiligung: Kunden als Investoren

[13.04.2026] Mit ihrem Bürgerfinanzierungsmodell sammeln die Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim zur Umsetzung der Energiewende benötigtes Kapital. Anleger profitieren dabei von attraktiven Zinsen. Diese Win-win-Situation war nur mit professioneller Unterstützung umsetzbar. mehr...

Hauptsitz des Stadtwerks am See in einem modernen, dreigeschossigen Bürogebäude mit grauer Fassade, umgeben von Bäumen und Grünflächen, mit Parkplatz und Firmenschild im Vordergrund.

Stadtwerk am See: Finanziell attraktive Geldanlage

[03.03.2026] Die Kunden des Stadtwerks am See haben die Möglichkeit, sich am Erfolg des gesamten Unternehmens zu beteiligen. Der kommunale Versorger gibt zehn Millionen Euro in Form von Genussrechten aus. mehr...

Visualisierung des Agri-Solarparks in Münster-Amelsbüren mit aufgeständerten Solarmodulen über landwirtschaftlicher Fläche; darunter wächst Getreide, ein Traktor fährt zwischen den Modulreihen bei tief stehender Sonne.

Stadtwerke Münster: Bürgerbeteiligung an Solarpark

[25.02.2026] Die Stadtwerke Münster bieten eine Bürgerbeteiligung an einem neuen Agri-Solarpark an. Das Projekt verbindet Stromerzeugung mit Landwirtschaft. Anlegerinnen und Anleger erhalten vier Prozent Zinsen pro Jahr bei einer Laufzeit von zehn Jahren. mehr...

VKU/BDEW: Stellungnahme zum Diskussionspapier der Bundesnetzagentur

[19.02.2026] Die Branchenverbände VKU und BDEW haben sich jetzt jeweils zum Diskussionspapier der Bundesnetzagentur zu möglichen Einspeisenetzentgelten positioniert. Beide Verbände begrüßen Reformschritte bei den Stromnetzentgelten, lehnen dynamische Einspeiseentgelte jedoch ab. mehr...

Bundesnetzagentur: Orientierungspunkte für Einspeiseentgelte vorgelegt

[19.02.2026] Die Bundesnetzagentur hat jetzt Orientierungspunkte für Einspeiseentgelte vorgelegt. Daraus geht hervor, dass die Behörde Stromerzeuger ab 2029 systematisch an den Netzkosten beteiligen und dafür ein Kapazitätsentgelt sowie dynamische Einspeiseentgelte einführen will. mehr...

Sachsen: Förderbank unterstützt Energiewendeprojekte

[19.02.2026] Der Sachsenkredit Energie und Speicher der Sächsischen Aufbaubank finanziert Photovoltaik-, Windkraft- und Speicherprojekte in Sachsen. Wie das Instrument 2025 Investitionen von rund 1,2 Millionen Euro ermöglichte und was das für kommunale Infrastruktur bedeutet, zeigt das Beispiel Bad Muskau. mehr...