GrünwaldBeginn von Geothermie-Bohrarbeiten

Die Bohrarbeiten am Geothermie-Projekt Laufzorn II haben jetzt begonnen.
v.l.: Jan Neusiedl, Grünwalds Erster Bürgermeister; Andreas Lederle, Geschäftsführer der Erdwärme Grünwald GmbH; Kerstin Schreyer, Landtagsabgeordnete; Manuel Pretzl, Stadtrat München
(Bildquelle: Erdwärme Grünwald)
Mit der symbolträchtigen Weihe des Bohrmeißels ist der Startschuss für die Bohrarbeiten am Geothermie-Projekt Laufzorn II in Grünwald gefallen. Wie das Unternehmen Erdwärme Grünwald mitteilt, wurde die Zeremonie auf dem Bohrplatz südlich von München im Beisein von über 150 Gästen begangen. Sie knüpfe an eine lange Tradition des Bergbaus an, bei der Geistliche um Schutz für Mensch und Technik während der Tiefbohrungen bitten. Gesegnet wurde das Spezialgerät von einem katholischen und einem evangelischen Geistlichen.
Die Gemeinde Grünwald verfolgt mit dem Projekt das Ziel, ihre Wärmeversorgung vollständig auf nachhaltige Geothermie umzustellen. Der Erste Bürgermeister Jan Neusiedl betonte die Tragweite des Vorhabens: „Der Bohrmeißel, den wir heute weihen, und die große Baustelle, die wir hier erleben, tragen dazu bei, dass unsere Gemeinde ihre Wärmeversorgung künftig komplett aus nachhaltiger, CO₂-freier Geothermie beziehen kann.“
Bereits im Vorfeld der Weihe war auf dem Bohrplatz die rund 700 Tonnen schwere Bohranlage installiert worden. Nach fünf Jahren Planung und Vorbereitung beginnt nun der operative Teil des Projekts. Insgesamt sind bis zu sechs Tiefbohrungen vorgesehen, die in Tiefen zwischen 3.600 und 4.000 Metern führen und eine kumulierte Bohrstrecke von etwa 30.000 Metern ergeben könnten. Die geologischen Bedingungen gelten als günstig: Erwartet wird heißes Tiefenwasser mit etwa 130 Grad Celsius, das mit einer Förderrate von rund 200 Litern pro Sekunde zur Energiegewinnung genutzt werden soll.
Der Geschäftsführer von Erdwärme Grünwald, Andreas Lederle, hob neben den technischen Aspekten auch den gesellschaftlichen Anspruch des Projekts hervor: „Wir sprechen nicht nur von Kilometern im Erdreich, von Rohren, Pumpen und Temperaturen. Wir sprechen auch von einem uralten Antrieb der Menschheit – dem Streben nach dem Besseren.“ Die Vorteile der Geothermie lägen auf der Hand: Sie sei wetterunabhängig, biete Versorgungssicherheit, reduziere die Abhängigkeit von fossilen Energien und ermögliche lokale Wertschöpfung bei langfristig niedrigen Betriebskosten.
Seit 2011 versorgt die Anlage Laufzorn I über 2.000 Liegenschaften mit Wärme und speist überschüssige Energie in Form von Strom ins Netz ein. Mit Laufzorn II will die Gemeinde diesen Weg konsequent fortsetzen. Der Bau des neuen Heizwerks ist für 2026 angesetzt, die Inbetriebnahme der Anlage ist für den Winter 2027/28 geplant.
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