Baden-WürttembergKI soll Genehmigung von Windkraftanlagen beschleunigen

Das Land Baden-Württemberg will für schnellere Genehmigungsverfahren von Windenergie jetzt digitale Werkzeuge und Künstliche Intelligenz einsetzen.
(Bildquelle: adobestock)
Baden-Württemberg setzt bei der Genehmigung von Windenergieanlagen auf digitale Werkzeuge und Künstliche Intelligenz, um Verfahren weiter zu beschleunigen. Wie das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg mitteilt, hat Umweltministerin Thekla Walker (Bündnis 90/Die Grünen) dem Kabinett entsprechende Projekte vorgestellt.
Hintergrund ist ein deutlicher Anstieg der Anträge. Im Jahr 2025 beantragten Projektierer mehr als 1.000 neue Anlagen. Die Behörden genehmigten 100 Windenergieanlagen mit zusammen 660 Megawatt. Bezogen auf die Leistung ist das ein Rekordwert. Derzeit befinden sich fast 1.800 Anlagen in Planung, 1.372 davon im laufenden Genehmigungsverfahren. Weitere 205 Anlagen sind bereits genehmigt, aber noch nicht in Betrieb.
Um die Masse der Verfahren zu bewältigen, entwickelt das Land gemeinsam mit dem Landratsamt Neckar-Odenwald-Kreis ein sogenanntes Rulemapping-System. Eine KI prüft eingereichte Unterlagen automatisiert auf Vollständigkeit und formale Anforderungen. Sie gleicht Inhalte mit Vorgaben aus dem Immissionsschutz, etwa zu Lärm, aus dem Natur- und Artenschutz sowie aus dem Denkmalschutz ab. So sollen Fehler früh auffallen und Nachforderungen sinken.
Ein zweites Projekt setzt beim Einwendungsmanagement an. Hier unterstützt eine KI die Behörden dabei, Masseneinwendungen thematisch zu clustern. Sachbearbeiter können Argumente schneller bündeln und strukturiert abarbeiten. Seit Ende 2025 führen zudem digitale Verfahrensassistenten Antragsteller und Behörden Schritt für Schritt durch das Verfahren. Die Software gibt Hinweise, stellt Fachwissen bereit und standardisiert Abläufe. Das soll die Qualität der Anträge erhöhen und die Bearbeitungszeit weiter senken.
Nach Angaben des Ministeriums dauerte ein Genehmigungsverfahren in Baden-Württemberg 2025 ab vollständigem Antrag im Schnitt 13,2 Monate. Der Bundesdurchschnitt lag bei 16,8 Monaten. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen) erklärte nach der Kabinettssitzung, das Land habe die Planungs- und Genehmigungszeiten bereits mehr als halbiert und bleibe für die Branche attraktiv.
Damit genehmigte Projekte auch realisiert werden, verweist die Landesregierung auf die Ausschreibungen nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz. Projektierer erhalten über Auktionen der Bundesnetzagentur eine garantierte Mindestvergütung, sofern der Börsenstrompreis unter dem gebotenen Wert liegt. Da die Zahl der Genehmigungen voraussichtlich weiter steigt, fordert das Land vom Bund eine Erhöhung des Ausschreibungsvolumens um 30 Prozent. Zudem solle das Referenzertragsmodell im EEG erhalten bleiben, um Standortnachteile süddeutscher Anlagen auszugleichen und Investitionen zu sichern.
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