Böhl-IggelheimEntstehung von kaltem Nahwärmenetz

Bohrung für die kalte Nahwärme in Böhl-Iggelheim.
(Bildquelle: Pint Bau)
Ein kaltes Nahwärmenetz mit Erdsonden soll in der rheinland-pfälzischen Gemeinde Böhl-Iggelheim die Wärmeversorgung der kommunalen Liegenschaften neu ordnen. Wie die Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz mitteilt, entsteht die Anlage am Standort der Jakob-Heinrich-Lützel-Grundschule im Ortsteil Iggelheim und soll später auf das umliegende Quartier ausgeweitet werden.
Der Schulkomplex wird derzeit noch über zwei Gaskessel beheizt. Im Zuge der kommunalen Klimaziele suchte die Gemeinde nach einer tragfähigen und langfristig wirtschaftlichen Lösung. Zunächst stand eine Wasser-Wasser-Wärmepumpe im Raum. Wegen der erforderlichen Wasserentnahmemengen und unterschiedlicher fachlicher Bewertungen zwischen Planern, Verwaltung und Genehmigungsbehörde verwarf die Gemeinde dieses Konzept. Auch Luft-Wasser-Wärmepumpen prüfte sie.
Vorprüfung gab Ausschlag
Den Ausschlag gab eine Vorprüfung Nahwärme durch das Kompetenzzentrum Nahwärme der Landesenergieagentur im Rahmen des Kommunalen Klimapakts. Dieses Instrument bewertet früh die technische Machbarkeit und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen kommunaler Wärmenetze. Das Ergebnis: Ein Netz mit Erdsonden auf dem Schulgelände ist technisch umsetzbar und wirtschaftlich tragfähig. Empfohlen wurde ein kaltes Nahwärmenetz als erweiterbare Infrastruktur.
Die Gemeinde entschied sich daraufhin für eine Lösung mit Sole-Wasser-Wärmepumpen. Erdsonden erschließen Umweltenergie aus dem Untergrund bei rund zehn Grad Celsius. Ein kaltes Netz verteilt diese Energie an die angeschlossenen Gebäude. Dort heben dezentrale Wärmepumpen die Temperatur auf das erforderliche Niveau für Heizung und Warmwasser an. Im Sommer lässt sich das System auch zur Kühlung nutzen.
Im ersten Schritt werden Altbau, Neubau, Sporthalle, evangelisches Gemeindezentrum und eine ehemalige Hausmeisterwohnung angeschlossen. Ende November 2025 fanden zwei Probebohrungen statt. Nach positiver Auswertung plant die Gemeinde 26 weitere Erdsonden. Die Detailplanung läuft. Zum Winter 2026/27 soll die Schule über das neue Netz versorgt werden.
Keimzelle für Quartierslösung
Nach Angaben der Agentur lassen sich jährlich rund 55 Tonnen CO₂ einsparen. Zugleich sinkt die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern und volatilen Lieferketten. Bürgermeister Peter Christ (CDU) sagt: „Ich bin froh, dass wir an der Jakob-Heinrich-Lützel Grundschule auf kalte Nahwärme setzen. Damit schützen wir das Klima nachhaltig und schaffen eine moderne und zukunftssichere Wärmeversorgung.“
Auch regionale Unternehmen sind eingebunden, darunter die Transferstelle Energie in Bingen, GRT Gebäudetechnik Rheinstrasse in Ingelheim sowie Pintbau aus der Eifel. Das stärkt die Wertschöpfung vor Ort.
Langfristig soll das Netz als Keimzelle für eine Quartierslösung dienen. Die Gemeinde hat Anwohner und Unternehmen angeschrieben, um ihr Interesse abzufragen. Bei ausreichender Beteiligung folgt eine vertiefte Prüfung zu Technik, Finanzierung und Betrieb. Damit versteht die Kommune das Projekt nicht nur als Sanierung eines Schulstandorts, sondern als strategischen Baustein ihrer Wärmewende.
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