Samstag, 7. Februar 2026

Serie Kommunales EnergiemanagementOption Energie-Contracting

[08.09.2017] Wie können Städte und Gemeinden sowohl Klimaschutzmaßnahmen umsetzen als auch den Gemeindehaushalt entlasten? stadt+werk begleitet das Energieeffizienz-Netzwerk im baden-württembergischen Enzkreis auf seinem Weg, die Energieeffizienzpotenziale seiner kommunalen Liegenschaften zu erschließen. Teil 4 der Serie.
Die Netzwerkbeauftragten des kommunalen Energieeffizienz-Netzwerks im Enzkreis.

Die Netzwerkbeauftragten des kommunalen Energieeffizienz-Netzwerks im Enzkreis.

(Bildquelle: KEA)

Im Jahr 2015 schlossen sich acht Gemeinden aus dem Enzkreis in Baden-Württemberg zu einem kommunalen Energieeffizienz-Netzwerk zusammen. Gemeinsam und voneinander lernen lautet das Motto. Die Idee hatte das Kompetenzzentrum Energiemanagement der KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg. Nachdem jede Gemeinde ein Energieteam zusammengestellt und mithilfe einer professionellen Software ein monatliches Energieverbrauchscontrolling etabliert hatte, standen im nächsten Schritt investive Maßnahmen in kommunalen Liegenschaften im Fokus der Netzwerktreffen.

Investive Energiesparmaßnahmen besprochen

Kommunales Energie-Management schafft eine sehr gute Grundlage dafür, investive Maßnahmen umzusetzen. Der Grund: Das Energie-Management optimiert zum einen den Energieverbrauch. Zum anderen ist dieser nun präzise dokumentiert. So ist die erforderliche Kesselleistung oder das Volumen einer zentralen Brauchwarmwasserbereitung bereits bekannt. Das vermeidet eine zu große Dimensionierung und senkt damit die Investitionskosten.
Um eine energetische Sanierung der Nichtwohngebäude vorzubereiten, führten die Netzwerkkommunen aus dem Enzkreis zunächst eine Vor-Ort-Analyse durch. Dabei untersuchten sie den baulichen Wärmeschutz und die Anlagentechnik für Heizung, Kühlung und Trinkwassererwärmung sowie Lüftung, Klimatisierung und Beleuchtung. Auf dieser Basis planten die Kommunen daraufhin eine integrale Sanierung, bei der die Anlagetechnik und der bauliche Wärmeschutz gleichermaßen modernisiert werden. Jedes Vorhaben basiert auf einem Sanierungsfahrplan, der die energetische Qualität jedes Gebäudes umfassend abbildet – sowohl für den Ist- als auch für den Zielzustand. Hinzu kam ein Plan für die einzelnen Maßnahmen.
Die Wirtschaftlichkeit der geplanten Schritte spielt dabei eine entscheidende Rolle. Im Netzwerktreffen beleuchtete der Netzwerk-Manager die unterschiedlichen Methoden zur Ermittlung der Wirtschaftlichkeit von Energieeffizienzmaßnahmen wie etwa die statische Amortisationsrechnung, die Ermittlung des internen Zinsfußes oder die so genannte Vollkostenrechnung. Die Teilnehmer waren überrascht, dass nicht nur die Vorhaben selbst, sondern auch die gewählte Berechnungsmethode über die Wirtschaftlichkeit einer Sanierung entscheidet. Das Netzwerktreffen widmete sich darüber hinaus weiteren wichtigen Fragen bei Sanierungsvorhaben: Welche Zielgruppe muss mit welchen Argumenten überzeugt werden? Wurden mögliche Energiepreissteigerungen bei der Berechnung einkalkuliert? Wurden die Umweltfolgekosten berücksichtigt?

Planungs- und Finanzierungsinstrument Contracting

Sobald die Kommunen die Umsetzung der Maßnahmen beschlossen hatten, standen sie vor der Entscheidung, die Sanierungsvorhaben in Eigenregie oder im Rahmen von Energie-Contracting umzusetzen. Netzwerk-Manager Claus Greiser erklärte ihnen das Vorgehen: Beim Energie-Contracting übernimmt ein Energiedienstleister die Umsetzung der vorab ermittelten Energieeinsparmaßnahmen. Der auch Contractor genannte Dienstleister ist damit zuständig für die Planung, die Finanzierung, den Umbau, den Betrieb und die Instandhaltung der umgesetzten Schritte. Oft gehört auch das Energie-Management zu seinen Aufgaben.
Ein Contractor garantiert vertraglich eine Energiekosteneinsparung. Für seine Dienstleistungen und die von ihm getätigten Investitionen erhält er einen Teil der Einsparung. Daher ist es im wirtschaftlichen Interesse des Contractors, die Maßnahmen effizient zu planen, im gegebenen Kostenrahmen mängelfrei umzusetzen, effizient zu betreiben und regelmäßig zu warten. Gezielt eingesetzt kann Energie-Contracting den Haushalt der Kommune entlasten – sie benötigt für die Energiesparmaßnahmen praktisch keine eigenen Investitionsmittel mehr.





Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Energieeffizienz

Essen: Modernisierung der Straßenbeleuchtung

[06.02.2026] Essen modernisiert ihre Straßenbeleuchtung und hat 1.394 Laternen auf LED-Technik umgestellt. Die Maßnahme senkt den Energieverbrauch deutlich und ist Teil eines umfassenden städtischen Umrüstungsprogramms. mehr...

Ahlerstedt: Batteriespeicher in Betrieb genommen

[30.01.2026] Terra One hat im niedersächsischen Ahlerstedt einen Batteriespeicher mit 15 MW Leistung und 30 MWh Kapazität in Betrieb genommen. Die Anlage soll Überschüsse aus Wind- und Solarstrom aufnehmen und zur Stabilisierung des regionalen Stromnetzes beitragen. mehr...

dena: Gebäudereport 2026 erschienen

[29.01.2026] Der dena-Gebäudereport 2026 zeigt: Der Gebäudesektor verfehlt weiterhin seine Klimaziele, bietet zugleich aber erhebliche Markt- und Beschäftigungschancen. Vor allem energetische Sanierungen, Speicherlösungen und der Ausbau der Wärmepumpen gelten als zentrale Hebel für Klimaschutz und Konjunktur. mehr...

Mannheim: Aktualisierung thermografischer Energiedaten

[29.01.2026] MVV aktualisiert in Mannheim-Sandhofen die thermografischen Energiedaten des Gebäudebestands. Die neuen Aufnahmen sollen die kommunale Wärmeplanung unterstützen und Eigentümern Hinweise auf energetische Schwachstellen liefern. mehr...

Kreis Viersen: Kom.EMS-Zertifikat erhalten

[27.01.2026] Der Kreis Viersen ist als erster Kreis in Nordrhein-Westfalen nach dem Standard des Kommunalen Energiemanagement-Systems Kom.EMS zertifiziert worden. Das digitale System soll der Energieverbrauch senken, Kosten reduzieren und den Klimaschutz in öffentlichen Gebäuden effizienter machen. mehr...

Bonn: Projektstart zu Echtzeit-Energiecontrolling

[20.01.2026] Bonn testet erstmals ein Echtzeit-Energiecontrolling für ausgewählte kommunale Gebäude. Das Pilotprojekt soll Verbrauchsdaten kontinuierlich erfassen, Einsparpotenziale sichtbar machen und die Grundlage für weitere Investitionen liefern. mehr...

BMWSB: Neustart von Förderprogramm

[01.12.2025] Nach einem Jahr Förderpause startet das Programm Energetische Stadtsanierung erneut und unterstützt Kommunen beim klimafreundlichen Umbau ihrer Quartiere. Laut Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen stehen 2025 wieder umfangreiche Mittel für Konzepte und Sanierungsmanagement bereit. mehr...

LENA: Bauherrenmappe feiert Jubiläum

[01.12.2025] Seit zehn Jahren dient die Bauherrenmappe Sachsen-Anhalt als kostenloser Leitfaden für private Bau- und Sanierungsprojekte. Die Landesenergieagentur Sachsen-Anhalt blickt zum Jubiläum auf ein Jahrzehnt kontinuierlicher Aktualisierung und Beratung zurück. mehr...

Trier: Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED

[28.11.2025] Die Stadt Trier hat ihre gesamte Straßenbeleuchtung schneller als geplant auf vernetzte LED-Technik umgestellt und senkt damit deutlich den Energieverbrauch. Das neue System ermöglicht zudem eine zentral gesteuerte, bedarfsgerechte Beleuchtung im gesamten Stadtgebiet. mehr...

Energieatlas Rheinland-Pfalz: Zehnjähriges Jubiläum

[27.11.2025] Der Energieatlas Rheinland-Pfalz feiert sein zehnjähriges Bestehen und erscheint jetzt in einem neuen Design. Das Datenportal gilt als zentrales Werkzeug für die Analyse regionaler Energiewende-Fortschritte. mehr...

beegy: Mit HEMS Eigenversorgung steuern

[05.11.2025] Sinkende Einspeisevergütungen lenken den Fokus privater PV-Anlagen zunehmend auf den Eigenverbrauch. Laut beegy können intelligente Heim-Energiemanagementsysteme die Wirtschaftlichkeit für Prosumer deutlich steigern. mehr...

Nordrhein-Westfalen: Förderung energieeffizienter Schulgebäude

[28.10.2025] Nordrhein-Westfalen und die Europäische Union fördern den Bau energieeffizienter Schulgebäude mit rund 43 Millionen Euro aus dem EFRE/JTF-Programm. Das Land will damit moderne Lernorte schaffen und zugleich die Energiekosten der Kommunen senken. mehr...

Konstanz: Entwicklung eines Szenarieneditors

[28.10.2025] In Konstanz entsteht derzeit eine digitale Anwendung, die die Energieplanung auf Quartiersebene erleichtern soll. Im Rahmen des Smart-Green-City-Projekts entwickelt die Universität Konstanz gemeinsam mit Stadt und Stadtwerken einen sogenannten Szenarieneditor, mit dem sich verschiedene Energieversorgungskonzepte simulieren und vergleichen lassen. mehr...

Herten: Umrüstung der Straßenbeleuchtung abgeschlossen

[28.10.2025] Nach rund sechseinhalb Jahren ist die LED-Umrüstung der Hertener Straßenbeleuchtung abgeschlossen. Mehr als 7.000 Laternen im Stadtgebiet leuchten nun energieeffizient und klimafreundlich. mehr...

Neubrandenburger Stadtwerke: Kooperation mit Handwerksunternehmen

[15.10.2025] Die Neubrandenburger Stadtwerke (neu.sw) haben eine Energiepartnerschaft mit nb-haustechnik und Buderus geschlossen. Ziel ist es, Hauseigentümern im Raum Neubrandenburg klimafreundliche Komplettlösungen für Wärme, Strom und Mobilität aus einer Hand anzubieten. mehr...