Donnerstag, 15. Oktober 2026

DresdenPilotstadt für Klimaneutralität?

[10.02.2022] Mit dem Programm „100 klimaneutrale und intelligente Städte bis 2030“ unterstützt die EU Städte dabei, Ideen zur Klimaneutralität zu erarbeiten und umzusetzen. Dresden hat sich jetzt hierfür beworben.

Die sächsische Landeshauptstadt Dresden bewirbt sich für die EU-Mission „100 klimaneutrale und intelligente Städte bis 2030“. Wie die Stadt mitteilt, haben dafür insgesamt 377 europäische Städte eine Interessenbekundung eingereicht. Im Rahmen der Mission würden europaweit 100 Pilotstädte ausgesucht. Diese würde die EU bis 2030 darin unterstützen, innovative und bürgernah umsetzbare Ideen zur Klimaneutralität zu erarbeiten und umzusetzen – als europäische Forschungs- und Innovationsförderung.
Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) erläutert die Gründe für die Einreichung der Interessensbekundung folgendermaßen: „Mit dieser Bewerbung bekennen wir uns einmal mehr zu unserem Ziel, in Dresden den CO2-Ausstoß zu senken und ambitionierte Klimaziele zu erreichen. Doch Klimaneutralität ist für viele Menschen noch sehr abstrakt und angesichts steigender Energiepreise schwindet auch die Zustimmung für so manche gut gemeinte Maßnahme zum Klimaschutz. Hier wollen wir im Rahmen der EU-Mission neue Wege gehen. Stadt und Umland, Wissenschaft und Forschung, klassische Wirtschaft und innovative High-Tech-Industrie – dies alles bietet exzellente Möglichkeiten, unsere Stadt klimafreundlicher zu gestalten. Hier sehe ich großes Potenzial für die Entwicklung und die Implementierung von innovativen und nachhaltigen Lösungen, die europaweit Modell-Charakter haben können.“

Abgestimmte Maßnahmen für Klimaneutralität

Angaben der Stadt Dresden zufolge ist die Dresdner Bewerbung das Gemeinschaftswerk einer Arbeitsgruppe aus Stadtverwaltung, SachsenEnergie, Stadtentwässerung Dresden und Stadtreinigung Dresden. Viele aufeinander abgestimmte Maßnahmen sollten gemeinsam für künftige Klimaneutralität sorgen. So solle unter anderem der hohe Energiebedarf der leistungsstarken Dresdner Industrie zunehmend von erneuerbaren Energien zuverlässig sichergestellt werden. Außerdem werde der Ausbau von Photovoltaikanlagen vorangetrieben und in Verbindung mit der umliegenden Region auch Windenergie genutzt. Die Dresdner Fernwärme entstehe bereits in hocheffizienter Kraft-Wärme-Kopplung. Das Fernwärmesystem werde für die künftige Integration erneuerbarer Energien fit gemacht. Ein Meilenstein sei dafür bereits 2020 mit der Fertigstellung der Fernwärmetrasse im Elbdüker erreicht worden. Der verstärkte Einsatz erneuerbarer Energien bedeute auch, dass mehr Energiespeicher für Strom und Wärme benötigt werden, um Erzeugung und Nachfrage besser in Einklang zu bringen.
Die öffentliche Beleuchtung des Hauptstraßennetzes solle mit 2.500 langlebigen, energieeffizienten LED-Leuchten mit zusätzlicher Nachtstromeinsparung ausgestattet werden, das spare Energie und reduziert die Lichtemission.

Schlüsselthema: Mobilität

Auch Verkehr und Mobilität seien Schlüsselthemen. Radfahren spare gegenüber motorisiertem Verkehr Emissionen, müsse dafür aber auch attraktiv sein. 480 radverkehrsbezogene Baumaßnahmen ständen auf dem Plan, um in Dresden ein Netz von Hauptrouten und diversen Radschnellverbindungen zum Umland zu schaffen. Im Fokus stünden auch Strategien für effizientere Ampelsteuerung und bessere Verkehrssicherheit. Der Stadtbahnausbau 2030 habe das Ziel, die meistbefahrenen Buslinien durch Straßenbahnen zu ersetzen. Eine Straßenbahnverbindung Plauen – Johannstadt würde eine Dieselbuslinie ablösen, die durch die Innenstadt führt.
Beim Thema Müll und Abfall gehe es um Smart Waste: Digitalisierung des Managements in der Abfall- und Wertstoffsammlung: Verknüpfung von Datenbanken, Tracking- und Telematiksystemen zur optimierten Planung von Sammeltouren für 135.000 Behälter – von der Nutzung und Wartung bis zum Austausch und Recycling.
Das Schließen von Energie- und Stoffkreisläufen und die Weiterentwicklung von Smart-City-Anwendungen seien ebenso vorgesehen wie innovative Mobilitätskonzepte und klare Nachhaltigkeitsvorgaben für den Neubau und die Sanierung von kommunalen Gebäuden.
Die Entscheidung der EU-Kommission werde im Frühjahr 2022 erwartet. Wichtige Elemente bei der Auswahl der Pilotstädte seien innovative, anwendungsorientierte Lösungen, partizipative Entscheidungsprozesse, ein nachhaltiges Wirtschafts- und Finanzierungsmodell, integrierte Stadt- und Verkehrsplanung sowie die Nutzung digitaler Technologien und Plattformen. Im Falle des Zuschlags würde die Landeshauptstadt Dresden gemeinsam mit der EU-Kommission einen so genannten Climate City Contract (CCC) entwickeln, der als integriertes Strategiedokument dient.





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