Mittwoch, 14. Oktober 2026

BDEW Kongress 2016Zuverlässige Politik angemahnt

[08.06.2016] Heute startet in Berlin das größte Branchentreffen der Energie- und Wasserwirtschaft. Zum Auftakt des BDEW Kongresses nannte Hauptgeschäftsführer Stefan Kapferer die Forderungen der Energiewirtschaft an die Politik.

Der neue Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, Stefan Kapferer, hat die Politik dazu aufgerufen, die unternehmerischen Spielräume der Energieversorger nicht noch weiter einzuengen. „Das Ziel, die CO2-Emissionen zu reduzieren, erreichen wir am effizientesten über den Wettbewerb der besten Ideen aus einem funktionierenden Markt heraus. Der Versuch, die Zukunft bis ins Jahr 2050 im Detail am Schreibtisch von Ministerien zu planen, lähmt Innovationen“, sagte Kapferer zum Auftakt des BDEW-Kongresses 2016, der heute und morgen (8. bis 9. Juni) in Berlin stattfindet.
Die Unternehmen müssten sich auf immer neue gesetzliche Rahmenbedingungen einstellen. Erforderlich sei jedoch das Gegenteil: „Das Maß an Zuverlässigkeit, das beispielsweise hinsichtlich der Versorgungssicherheit von uns verlangt wird, erwarten wir auch von der Politik.“ Ganz wesentlich sei dieses Vertrauen beim Thema Netzausbau. „Das Bekenntnis zum Netzausbau darf in keiner Sonntagsrede zur Energiewende fehlen. Trotzdem handelt hier manche Landesregierung im offenen Widerspruch zu ihren eigenen Entscheidungen und früheren Absprachen auf Bundesebene. Auch bei den Verteilnetzen fehlt bisher die so entscheidende finanzielle Planungssicherheit samt belastbaren Anreizen, die im letzten Koalitionsvertrag in Aussicht gestellt wurden. Bis 2032 müssen bis zu 50 Milliarden Euro in die Verteilnetze investiert werden. Dafür brauchen wir stabile Investitionsbedingungen.“

Motor der Energiewende

Kapferer betonte, dass die erneuerbaren Energien der Motor der Energiewende seien. „Wie alle anderen Erzeugungsformen müssen wir ihre Einspeisung aber auf das Gesamtsystem abstimmen und den Ausbau wirtschaftlich effizient fortsetzen. Deshalb begrüßen wir die im Rahmen der EEG-Reform geplante Umstellung auf wettbewerbliche Ausschreibungen zur Bestimmung der Förderhöhe für EEG-Anlagen.“ Die Anstrengungen für mehr Kosteneffizienz sollten jedoch nicht durch großzügige Grenzwerte für Photovoltaik-Dachanlagen ausgebremst werden.
Im Wärmesektor könne es wiederum wesentlich kostengünstiger sein, durch Modernisierungen Effizienzpotenziale zu heben, anstatt ausschließlich auf einen Ausbau der Erneuerbaren zu setzen. 50 Prozent aller Wohnungen in Deutschland werden nach BDEW-Angaben mit Gas beheizt. Und auch bei neuen Heizungen entscheidet sich die Hälfte aller Kunden für Erdgas. Dieser Kontext müsse bei allen Zukunftsszenarien bedacht werden. Angesichts der vielfältigen Einsatzmöglichkeiten sieht Kapferer für Erdgas eine klare Perspektive über 2030 hinaus. „Die Flexibilität konventioneller Gaskraftwerke ist im Zusammenspiel mit der volatilen Einspeisung aus Erneuerbaren Energien unverzichtbar“, sagte Kapferer.

Chancen der Digitalisierung

Mit der fortschreitenden Digitalisierung verbindet Kapferer eine große Chance für Energieversorger, neue Geschäftsfelder zu erschließen. „Der digitale Wandel bedeutet neue Geschäftsfelder, aber auch neue Wettbewerber. Gleichzeitig ändern sich die Ansprüche der Kunden. Für die Energieversorger bedeutet dies, dass sie ihr Geschäftsmodell neu ausrichten müssen. Um sie dabei zu unterstützen, hat der BDEW kürzlich die ‚Digitale Agenda der Energiewirtschaft‘ veröffentlicht (wir berichteten). Darin geben wir den Unternehmen konkrete Instrumente und Empfehlungen an die Hand, um ihnen die Orientierung und Neuausrichtung zu erleichtern. Die Agenda formuliert darüber hinaus konkrete Handlungsempfehlungen für die Politik“, so der Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung abschließend. Diese Empfehlungen kann Kapferer heute Angela Merkel direkt geben. Die Kanzlerin spricht noch heute vormittag vor den Vertretern des Verbands.



Stichwörter: Politik, BDEW Kongress 2016


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