Mittwoch, 8. April 2026

BeratungZwei Seiten einer Medaille

[26.08.2019] Der Ausbau erneuerbarer Energien bringt Veränderungen für die Natur und die Lebensumwelt der Bürger mit sich. Die Umsetzung der Vorhaben ist deshalb häufig umstritten. Konfliktberatung, etwa für den Windparkbau, bietet das Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende.
Mediatoren vermitteln zwischen den Beteiligten.

Mediatoren vermitteln zwischen den Beteiligten.

(Bildquelle: Shawn Hempel/Fotolia.com)

Die Planung und Umsetzung von Maßnahmen zur Erzeugung erneuerbarer Energien birgt Konfliktpotenzial. Im Mittelpunkt der Konflikte stehen nach Erfahrung des Kompetenzzentrums Naturschutz und Energiewende (KNE) häufig Eingriffe in Natur und Landschaft. Dabei wird öffentlich infrage gestellt, ob die räumliche und technische Planung gewährleistet, dass das ökologische System vor Ort in der Lage ist, den Eingriff aufzufangen und ein Tötungsrisiko geschützter (Tier-)Arten möglichst ausgeschlossen wird. Damit verbunden ist ein entsprechend zäher Aushandlungsprozess darüber, wie die technische Umsetzung gestaltet sein muss, damit der Naturhaushalt mit seinen Tier- und Pflanzenpopulationen in die Lage versetzt wird, widerstandsfähig auf den Eingriff reagieren zu können, um seine Vitalität zu erhalten.

Verschiedene Konfliktthemen

Die Fallberatungen des KNE zeigen, dass sich die naturschutzrelevanten Konfliktthemen je nach Energieträger und Technologie erheblich unterscheiden. In Bezug auf Windenergie stehen die Gefahr der Kollision von Greifvögeln, anderen Vogelarten und Fledermäusen mit Rotorblättern, drohender Habitatverlust durch die Anlagen und Infrastruktur – insbesondere im Wald – sowie die Errichtung vielfach bis zu 200 Meter hoher vertikaler Strukturen in Offenlandschaften im Mittelpunkt des lokalen Widerstands. Bei der Solarenergie sind es Veränderungen der für Tier- und Pflanzenarten zur Verfügung stehenden Flächen durch die Überdeckung mit Photovoltaikmodulen. Konflikte um Biogas bewegen sich neben einer Auseinandersetzung über den natur- und umweltverträglichen Energiepflanzenanbau um Themen wie Geruchsbelästigung, Lärm sowie die verstärkte Beanspruchung von Straßen und Wirtschaftswegen durch die Anlieferung des Gärmaterials für die Biogasanlage. Im Bereich der Wasserkraft schließlich stehen Konflikte oft im Zusammenhang mit dem Schutz der Fischpopulation, der Mindestwasserführung und mit der Vorgabe, durch geeignete Einrichtungen und Betriebsweisen die Durchgängigkeit des Gewässers zu erhalten oder wiederherzustellen, etwa durch Fischaufstiegs- und -abstiegshilfen.
Die Beeinträchtigung des Landschaftsbilds ist neben der Sicherung der Funktionen des Naturhaushalts das zweite wesentliche Moment in Energiewende-Konflikten. Windenergieanlagen, flächenintensive Photovoltaikanlagen, Vermaisung durch intensiven Anbau von Energiepflanzen sowie Zerschneidungseffekte durch Stromtrassen verändern das Landschaftsbild. Darüber hinaus kommen vor Ort häufig weitere individuelle Interessen ins Spiel. Dazu zählen unter anderem die möglichen gesundheitlichen Auswirkungen von Schallemissionen und Schattenwurf von Windenergieanlagen, die Sorge um den Wert der eigenen Immobilie in Nachbarschaft zum Windpark, die Ungleichverteilung direkter finanzieller Vor- und Nachteile durch die Pachtzahlungen für die Standortflächen sowie die fehlende regionale Teilhabe am Betrieb einer Anlage oder eines Windparks. Die Bereitschaft aller beteiligten Akteure, sich an einen Tisch zu setzen und konstruktiv miteinander zu verhandeln, wird auf eine oftmals harte Probe gestellt.

Lösungsorientierter Dialog

Zusätzlich angeheizt werden kann ein Konflikt durch fehlende Kommunikation zwischen den professionellen und zivilgesellschaftlichen Akteuren, mangelnde Informationspolitik sowie die als ungenügend wahrgenommene Beteiligung im Planungs- und Genehmigungsverfahren. Gegenseitiges Vertrauen und der Glaube an ein gerechtes Verfahren werden infrage gestellt. Sprechen die Beteiligten in solch zugespitzten Situationen nicht miteinander, eskalieren die Konflikte schnell. Debatten verhärten sich, erste Spannungen treten auf und verschiedene Positionen stehen sich in aller Öffentlichkeit vermeintlich unvereinbar gegenüber. Die Meinungen werden fundamentaler, grundsätzlicher und allgemeinpolitisch. Die Beteiligten prallen mit ihren Standpunkten aufeinander, die Fronten verhärten sich und die Zeichen stehen eher auf Kampf als auf Kooperation und Verhandlung. Aufgabe eines neutralen Konflikt-Managements ist es daher, alle involvierten Akteure zurück an einen Tisch und in einen lösungsorientierten Dialog zu bringen.

Einvernehmliche Klärung

Gemeinsame, sachangemessene Lösungen zu finden, potenziellen Konflikten frühzeitig vorzubeugen und bei der Klärung eskalierter Auseinandersetzungen zu helfen, sind die Aufgaben des vor rund drei Jahren gegründeten und bundesweit tätigen KNE. Es unterstützt einen naturverträglichen Ausbau der erneuerbaren Energien und ist für alle Akteure ein unabhängiger und neutraler Ansprechpartner für die Lösung von Konflikten im Spannungsfeld von Energiewende sowie Natur- und Umweltschutz. Die Konfliktberatung gestaltet Aushandlungsprozesse vor Ort. Sie nimmt die Interessen aller beteiligten Akteure gleichermaßen in den Blick und zielt auf eine einvernehmliche Klärung der Konfliktsituation ab. Dazu gehört die gemeinsame Beratung von Naturschutzverbänden, Vorhabenträgern und Kommunen ebenso wie die Einzelberatung von Akteuren und Anwohnern vor gemeinsamen Gesprächsterminen. Das Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende übernimmt auch die Moderation von nicht-öffentlichen Konfliktgesprächen. Für die Moderation und eine intensivere Bearbeitung von Konflikten stehen mehr als 50 vom KNE speziell fortgebildete Mediatoren in allen Regionen Deutschlands zur Verfügung.
Das Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende trägt mit seinen Angeboten zur Umsetzung einer natur- und umweltverträglichen Energiewende bei. Im konkreten Konfliktfall bietet es aber eine ergebnisoffene Beratung, mit dem zentralen Ziel, dass die Akteure eine einvernehmliche Lösung finden.

Dr. Bettina Knothe

Knothe, Dr. BettinaDr. Bettina Knothe leitet die Abteilung Konfliktberatung des Kompetenzzentrums Naturschutz und Energiewende (KNE). Sie ist promovierte Biologin (Fach Umweltplanung) und lizensierte Mediatorin des Bundesverbands Mediation.



Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Windenergie
Mehrere moderne Windenergieanlagen stehen im Windpark Minfeld in einer offenen Agrarlandschaft. Die hohen Windräder drehen sich über Feldern und Wegen, im Hintergrund sind weitere Anlagen sowie eine leicht hügelige Landschaft zu erkennen.

JUWI: Repowering in Minfeld

[02.04.2026] Im Landkreis Germersheim sind zwei neue Windkraftanlagen in Betrieb genommen worden. Sie ersetzen vier ältere Anlagen und werden deutlich mehr Strom erzeugen. Laut den Betreibern steigt der Ertrag des Windparks dadurch erheblich. mehr...

Mehrere Windräder stehen in einer offenen Landschaft und drehen sich im Licht der untergehenden oder aufgehenden Sonne. Im Vordergrund ist ein großes, gebogenes Bauteil einer Windenergieanlage zu sehen, das den Blick auf die Anlagen im Hintergrund teilweise einrahmt.

Bundesnetzagentur: Windkraft-Ausschreibung deutlich überzeichnet

[01.04.2026] Die Nachfrage nach neuen Windkraftprojekten in Deutschland bleibt hoch. So war die jüngste Ausschreibung mehr als doppelt überzeichnet. Branchenvertreter sehen darin ein Signal für zusätzliche Ausbaupotenziale. mehr...

Bau einer Windkraftanlage aus der Vogelperspektive: Ein Kran hebt Turmteile über einem Waldgebiet, Arbeiterinnen und Arbeiter sind am Fundament im Einsatz.

Bundesrat: Initiative für mehr Windkraft

[30.03.2026] Der Bundesrat hat eine Initiative zur Förderung der Windenergie an Land beschlossen. Noch im Jahr 2026 soll eine Sonderausschreibung über 5.000 Megawatt erfolgen. Mehrere Bundesländer unterstützen den Vorstoß. Auch vom BDEW kommt Zustimmung. mehr...

Uniper: Stadtwerke Wolfenbüttel erhalten Windstrom

[30.03.2026] Uniper liefert künftig Windstrom aus Niedersachsen exklusiv an die Stadtwerke Wolfenbüttel. Der Vertrag soll regionale Ökostromangebote stärken und zeigen, wie Post-EEG-Windparks wirtschaftlich weiterbetrieben werden können. mehr...

NRW: Tool zur Artenschutzprüfung soll Genehmigungsverfahren verkürzen

[27.03.2026] Nordrhein-Westfalen führt ein digitales Tool ein, das Artenschutzprüfungen für Windenergieanlagen automatisiert erstellt. Das soll Genehmigungsverfahren deutlich verkürzen und den Ausbau der Windkraft bei gleichbleibenden Schutzstandards beschleunigen. mehr...

Frankfurt am Main: Infrastruktur für Windpark entsteht

[25.03.2026] Mainova hat jetzt mit den Erschließungsarbeiten für den Windpark Schäferköppel im Norden Frankfurts begonnen. Das Projekt schafft die Grundlage für vier leistungsstarke Anlagen und soll ab 2027 regionalen Grünstrom liefern. mehr...

Badenova: Bau des Windparks Sirnitz/Dreispitz gestartet

[25.03.2026] Der Bau des Windparks Sirnitz/Dreispitz mit fünf Großanlagen startet mit der Fundamentierung. Das Projekt soll ab Ende 2026 klimafreundlichen Strom für rund 50.000 Menschen liefern und markiert einen wichtigen Schritt für die regionale Energiewende. mehr...

Trianel: Vier neue Windparks erworben

[23.03.2026] Trianel baut seine Windenergieaktivitäten aus und sichert sich vier neue Projekte mit rund 100 Megawatt Leistung. Die Kooperation mit BMR soll Entwicklung, Finanzierung und Betrieb bündeln und den Ausbau trotz schwieriger Rahmenbedingungen beschleunigen. mehr...

Windenergieanlage auf einer Waldlichtung im Schwarzwald, umgeben von dichtem Wald und Mittelgebirgslandschaft unter wolkigem Himmel.

Süddeutschland: Milliardenpotenzial durch mehr Windkraft

[12.03.2026] Eine aktuelle Studie plädiert für einen stärkeren Ausbau der Windenergie in Süddeutschland. Mehr Windkraftanlagen in Bayern und Baden-Württemberg könnten die Kosten im Stromsystem deutlich senken. Branchenverbände fordern deshalb eine Änderung der Förderregeln. mehr...

Baden-Württemberg: 22 Windpark-Projektierer warnen vor Aus von Windenergie

[02.03.2026] 22 Windpark-Projektierer aus dem Südwesten warnen vor einem faktischen Aus für neue Anlagen in Baden-Württemberg. Sie sehen den Ausschreibungsmechanismus des EEG als Ursache und drängen die Bundesregierung zu raschen Korrekturen. mehr...

Stadtwerke Tübingen: Geplanter Windpark wird verkleinert

[02.03.2026] Die Stadtwerke Tübingen reduzieren den geplanten Windpark Rammert von 13 auf zehn Anlagen. Grundlage sind neue Windmessungen und Gutachten, die Wirtschaftlichkeit und Genehmigungsfähigkeit einzelner Standorte neu bewerten. mehr...

Baden-Württemberg: KI soll Genehmigung von Windkraftanlagen beschleunigen

[26.02.2026] Baden-Württemberg beschleunigt die Genehmigung von Windkraftanlagen mit KI-gestützten Prüf- und Assistenzsystemen. Angesichts von mehr als 1.000 neuen Anträgen im Jahr 2025 und fast 1.800 Projekten in Planung soll die Digitalisierung Verfahren weiter verkürzen und Investitionen absichern. mehr...

50Hertz: Unterlagen für Seetrasse eingereicht

[17.02.2026] 50Hertz hat die Genehmigungsunterlagen für die Seetrasse des Offshore-Projekts Ostwind 4 vollständig eingereicht, darunter erstmals eine 525-Kilovolt-Hochspannungsgleichstromübertragung in der deutschen Ostsee. Damit startet das formelle Verfahren für den Netzanschluss eines Ein-Gigawatt-Windparks nordöstlich von Rügen und rückt die Realisierung des Vorhabens näher. mehr...

RWE: Hochzeitsvorbereitungen für Offshore-Umspannwerke

[12.02.2026] Zwei Offshore-Umspannwerke für das 1,6-Gigawatt-Nordseecluster sind in Saint-Nazaire fertiggestellt und bereit für den Einsatz vor der deutschen Küste. Mit der Installation der bis zu 2.500 Tonnen schweren Plattformen rückt die Inbetriebnahme des ersten Bauabschnitts 2027 näher. mehr...

RWE: Stromabnahmevertrag mit Amazon geschlossen

[04.02.2026] RWE und Amazon haben einen Stromabnahmevertrag über 110 MW Offshore-Windenergie aus dem Projekt Nordseecluster B geschlossen. Der Vertrag stärkt den Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland und unterstützt Amazons Ziel der CO2-Neutralität bis 2040. mehr...