BeratungZwei Seiten einer Medaille

Mediatoren vermitteln zwischen den Beteiligten.
(Bildquelle: Shawn Hempel/Fotolia.com)
Die Planung und Umsetzung von Maßnahmen zur Erzeugung erneuerbarer Energien birgt Konfliktpotenzial. Im Mittelpunkt der Konflikte stehen nach Erfahrung des Kompetenzzentrums Naturschutz und Energiewende (KNE) häufig Eingriffe in Natur und Landschaft. Dabei wird öffentlich infrage gestellt, ob die räumliche und technische Planung gewährleistet, dass das ökologische System vor Ort in der Lage ist, den Eingriff aufzufangen und ein Tötungsrisiko geschützter (Tier-)Arten möglichst ausgeschlossen wird. Damit verbunden ist ein entsprechend zäher Aushandlungsprozess darüber, wie die technische Umsetzung gestaltet sein muss, damit der Naturhaushalt mit seinen Tier- und Pflanzenpopulationen in die Lage versetzt wird, widerstandsfähig auf den Eingriff reagieren zu können, um seine Vitalität zu erhalten.
Verschiedene Konfliktthemen
Die Fallberatungen des KNE zeigen, dass sich die naturschutzrelevanten Konfliktthemen je nach Energieträger und Technologie erheblich unterscheiden. In Bezug auf Windenergie stehen die Gefahr der Kollision von Greifvögeln, anderen Vogelarten und Fledermäusen mit Rotorblättern, drohender Habitatverlust durch die Anlagen und Infrastruktur – insbesondere im Wald – sowie die Errichtung vielfach bis zu 200 Meter hoher vertikaler Strukturen in Offenlandschaften im Mittelpunkt des lokalen Widerstands. Bei der Solarenergie sind es Veränderungen der für Tier- und Pflanzenarten zur Verfügung stehenden Flächen durch die Überdeckung mit Photovoltaikmodulen. Konflikte um Biogas bewegen sich neben einer Auseinandersetzung über den natur- und umweltverträglichen Energiepflanzenanbau um Themen wie Geruchsbelästigung, Lärm sowie die verstärkte Beanspruchung von Straßen und Wirtschaftswegen durch die Anlieferung des Gärmaterials für die Biogasanlage. Im Bereich der Wasserkraft schließlich stehen Konflikte oft im Zusammenhang mit dem Schutz der Fischpopulation, der Mindestwasserführung und mit der Vorgabe, durch geeignete Einrichtungen und Betriebsweisen die Durchgängigkeit des Gewässers zu erhalten oder wiederherzustellen, etwa durch Fischaufstiegs- und -abstiegshilfen.
Die Beeinträchtigung des Landschaftsbilds ist neben der Sicherung der Funktionen des Naturhaushalts das zweite wesentliche Moment in Energiewende-Konflikten. Windenergieanlagen, flächenintensive Photovoltaikanlagen, Vermaisung durch intensiven Anbau von Energiepflanzen sowie Zerschneidungseffekte durch Stromtrassen verändern das Landschaftsbild. Darüber hinaus kommen vor Ort häufig weitere individuelle Interessen ins Spiel. Dazu zählen unter anderem die möglichen gesundheitlichen Auswirkungen von Schallemissionen und Schattenwurf von Windenergieanlagen, die Sorge um den Wert der eigenen Immobilie in Nachbarschaft zum Windpark, die Ungleichverteilung direkter finanzieller Vor- und Nachteile durch die Pachtzahlungen für die Standortflächen sowie die fehlende regionale Teilhabe am Betrieb einer Anlage oder eines Windparks. Die Bereitschaft aller beteiligten Akteure, sich an einen Tisch zu setzen und konstruktiv miteinander zu verhandeln, wird auf eine oftmals harte Probe gestellt.
Lösungsorientierter Dialog
Zusätzlich angeheizt werden kann ein Konflikt durch fehlende Kommunikation zwischen den professionellen und zivilgesellschaftlichen Akteuren, mangelnde Informationspolitik sowie die als ungenügend wahrgenommene Beteiligung im Planungs- und Genehmigungsverfahren. Gegenseitiges Vertrauen und der Glaube an ein gerechtes Verfahren werden infrage gestellt. Sprechen die Beteiligten in solch zugespitzten Situationen nicht miteinander, eskalieren die Konflikte schnell. Debatten verhärten sich, erste Spannungen treten auf und verschiedene Positionen stehen sich in aller Öffentlichkeit vermeintlich unvereinbar gegenüber. Die Meinungen werden fundamentaler, grundsätzlicher und allgemeinpolitisch. Die Beteiligten prallen mit ihren Standpunkten aufeinander, die Fronten verhärten sich und die Zeichen stehen eher auf Kampf als auf Kooperation und Verhandlung. Aufgabe eines neutralen Konflikt-Managements ist es daher, alle involvierten Akteure zurück an einen Tisch und in einen lösungsorientierten Dialog zu bringen.
Einvernehmliche Klärung
Gemeinsame, sachangemessene Lösungen zu finden, potenziellen Konflikten frühzeitig vorzubeugen und bei der Klärung eskalierter Auseinandersetzungen zu helfen, sind die Aufgaben des vor rund drei Jahren gegründeten und bundesweit tätigen KNE. Es unterstützt einen naturverträglichen Ausbau der erneuerbaren Energien und ist für alle Akteure ein unabhängiger und neutraler Ansprechpartner für die Lösung von Konflikten im Spannungsfeld von Energiewende sowie Natur- und Umweltschutz. Die Konfliktberatung gestaltet Aushandlungsprozesse vor Ort. Sie nimmt die Interessen aller beteiligten Akteure gleichermaßen in den Blick und zielt auf eine einvernehmliche Klärung der Konfliktsituation ab. Dazu gehört die gemeinsame Beratung von Naturschutzverbänden, Vorhabenträgern und Kommunen ebenso wie die Einzelberatung von Akteuren und Anwohnern vor gemeinsamen Gesprächsterminen. Das Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende übernimmt auch die Moderation von nicht-öffentlichen Konfliktgesprächen. Für die Moderation und eine intensivere Bearbeitung von Konflikten stehen mehr als 50 vom KNE speziell fortgebildete Mediatoren in allen Regionen Deutschlands zur Verfügung.
Das Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende trägt mit seinen Angeboten zur Umsetzung einer natur- und umweltverträglichen Energiewende bei. Im konkreten Konfliktfall bietet es aber eine ergebnisoffene Beratung, mit dem zentralen Ziel, dass die Akteure eine einvernehmliche Lösung finden.
Dieser Beitrag ist in der Ausgabe Juli/August von stadt+werk im Schwerpunkt Windenergie erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren.
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