Donnerstag, 2. Juli 2026

Smart MeteringMehrwert für Netzbetreiber

[17.07.2017] Intelligente Messsysteme sind die Basis für neue Geschäftsmodelle. Messstellen- und Netzbetreiber können ihren Heimvorteil ausspielen und den Zugang zum Endkunden an Dritte vermarkten. Dabei nutzen sie ihr Niederspannungsnetz als Infrastruktur für die Datenkommunikation.
Intelligentes Messsystem

Intelligentes Messsystem, bestehend aus devolo SMGWplus und dem devolo 3.HZ Basiszähler.

(Bildquelle: devolo)

Das Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende schafft die Grundlage für einen umfassenden Umbau des Energiesektors. Die Integration dezentraler, erneuerbarer Anlagen bleibt dabei weiterhin eine große Aufgabe für die Netzbetreiber. Die regenerative Energiegewinnung wird nun um ein digitalisiertes Energie- und Netz-Management ergänzt. Dieses stellt sicher, dass alle Marktteilnehmer kommunikativ verbunden sind und so Erzeugung, Speicherung und Verbrauch optimal und schnell aufeinander abgestimmt werden können. Jetzt liegt es an der Energiewirtschaft, insbesondere auch an den lokalen Messstellen- und Netzbetreibern, die neuen Möglichkeiten technisch und wirtschaftlich sinnvoll zu nutzen. Zukunftsweisende Geschäftsmodelle mit so genannten Mehrwertdiensten stehen aktuell im Fokus der Branche. Doch was genau verbirgt sich hinter diesem neuen Modebegriff?
Das Gesetz schreibt den verpflichtenden Einbau von intelligenten Messsystemen (iMsys) vor. Kernkomponente ist das Smart Meter Gateway (SMGW). Es verschlüsselt und versendet die Messdaten der Spartenzähler einer Liegenschaft. Dafür wird ein hochsicherer Kommunikationskanal zwischen SMGW und berechtigten Empfängern aufgebaut. Über diesen geschützten Kanal können aber auch neue Service-Dienstleistungen angeboten werden. Anbieter solcher Mehrwertdienste, im Gesetz „aktive externe Markteilnehmer“ genannt, müssen vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zertifiziert sein. Darüber hinaus benötigen sie die Zustimmung des jeweiligen Endkunden, um auf seine Daten oder seine Flexibilitäten wie Photovoltaik-Wechselrichter, Nachtspeicherheizung oder Stromspeicher zugreifen zu dürfen. Was heißt das für die örtlichen Stadtwerke? Welche Möglichkeiten ergeben sich daraus für Messstellen- und Verteilnetzbetreiber?

Optimiertes Netz-Management

Netzbetreiber profitieren zunächst von den aktuellen Verbrauchs- und Einspeisewerten, die die intelligenten Messsysteme liefern können. Diese Daten ermöglichen ein deutlich besseres Monitoring und eine exaktere Steuerung der Niederspannungsebene. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, über die intelligenten Messsysteme viele verteilte, kleinere regenerative Anlagen zu einem virtuellen Kraftwerk zusammenzuschließen und dieses netz- oder handelsoptimiert zu betreiben.
Der örtliche Versorger kann Gewerbe- und Industrieunternehmen Angebote zum netzdienlichen Energiebezug unterbreiten. Sind die Unternehmen in der Stromnachfrage flexibel, profitieren sie von günstigeren Stromtarifen. Der Netzbetreiber kann im Gegenzug Einspeisespitzen glätten und Lastspitzen verschieben. Die Bereitstellung der Stromleitung als Infrastruktur für Dritte ist für den Netzbetreiber ein weiterer Mehrwert. Mit einem mehrwertdienstfähigen SMGW können etwa Mieterstrommodelle mit einer Photovoltaikanlage oder einem Blockheizkraftwerk kommunikativ sicher im Mehrparteienhaus implementiert und den Mietern angeboten werden.
Gerätehersteller können ihren Kunden über die sichere Kommunikationsinfrastruktur zudem Wartungsverträge anbieten. Heizungsanlagen, PV-Wechselrichter oder Waschmaschinen können Fehler- und Störungsmeldungen über die vorhandene Infrastruktur an den Hersteller als registrierten, externen Marktteilnehmer weiterleiten. Die Techniker des Herstellers oder des Installateurbetriebs können sofort reagieren und Schäden durch defekte Geräte abwenden. Sogar eine Überwachung des Leerstands kann dem Immobilieninhaber angeboten werden. So können etwa undichte Wasserrohre erkannt oder Stromdiebstahl aufgedeckt werden.

Auf dem Stromnetz surfen

Viele weitere Mehrwertdienste und Geschäftsmodelle sind denkbar und werden die Energiebranche verändern. Das Smart Meter Gateway devolo SMGWplus ist so konzipiert, dass berechtigte externe Marktteilnehmer ihre zukünftigen Dienste darüber abbilden können, ohne dass eine zusätzliche Steuerbox erforderlich ist.
Mit den vielen neuen Möglichkeiten steigt auch der Bedarf an Bandbreite. Bei der WAN-Kommunikation (Wide Area Network) zwischen Zählerplatz und Server-Back-End kommen insbesondere die Mobilfunkgeneration LTE (Long Term Evolution) und Breitband-Powerline (BPL) in Betracht. Beide Kommunikationsformen bietet devolo in seinem SMGWplus an. Ein Vorteil der Powerline- gegenüber der Funktechnologie ist die hundertprozentige Gebäudedurchdringung. Dicke Wände und Decken sowie die Tatsache, dass sich die meisten Zählerplätze unterhalb der Erdoberfläche befinden, stellen für die Powerline-Kommunikation kein Hindernis dar.
Neben der verlässlichen Erreichbarkeit des Zählerplatzes benötigen externe Marktteilnehmer eine flächendeckende und ausreichend hohe Datenrate, damit sie Mehrwertdienste zuverlässig anbieten können. Breitband-Powerline bietet den Vorteil von maximalen Datenraten und sehr kurzen Reaktionszeiten, die gerade für netzdienliche Anwendungen und Mehrwertdienste vorteilhaft sind. Bei der BPL-Technologie setzt der Powerline-Weltmarktführer devolo auf den internationalen Standard ITU-T G.9960, auch als HomeGrid-Standard G.hn bekannt. Dieser Standard berücksichtigt optimal die schwierigen Anforderungen für Access-BPL und nutzt das Frequenzband zwischen 2 und 30 Megahertz (MHz) bestmöglich aus. Im Vergleich zu anderen BPL-Varianten gewährleistet G.hn ein deutlich stabileres Datennetz.

Georg Offner

Offner, GeorgGeorg Offner leitet das Produktmanagement und Marketing bei devolo Smart Grid und ist seit 2008 bei der devolo AG in den Bereichen Smart Grid, Smart Home und e-Mobility beschäftigt. Davor arbeitete der Elektrotechniker für verschiedene Firmen als Projektleiter und Projektingenieur im Bereich der digitalen Datenkommunikation.

Stichwörter: Smart Metering, devolo,


Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Smart Metering

Stadtwerke Neustadt: Einführung von aEMT-Basismodul

[01.07.2026] Die Stadtwerke Neustadt an der Weinstraße führen für das CLS-Management das aEMT-Basismodul von Voltaris ein. Damit schaffen sie die technischen Voraussetzungen für die netzdienliche Steuerung nach § 14a EnWG und treiben den Steuer-Roll-out im intelligenten Messwesen voran. mehr...

Advertorial: Rollout zwischen Regulierung und Praxis

[11.06.2026] Der Smart-Meter-Rollout nimmt Fahrt auf – doch zwischen regulatorischen Vorgaben, technischen Anforderungen und Marktprozessen bleibt die Umsetzung anspruchsvoll. Die BDEW-Fachtagung Messwesen 2026 bringt am 29. und 30. September in Köln Expertinnen und Experten aus Behörden, Verbänden und Unternehmen zusammen, um gemeinsam Antworten auf die drängendsten Praxisfragen zu finden. mehr...

M-TEC: Präsentation von intelligentem Einspeisezähler

[09.06.2026] M-TEC stellt mit dem ENERGY-HERO einen intelligenten Einspeisezähler für systemoffene Energielösungen vor. Die auf der Intersolar Europe präsentierte Lösung soll PV-Anlagen, Speicher und Wärmepumpen herstellerübergreifend vernetzen und ab September auch in die Kostal-Welt integriert werden. mehr...

Smart-Meter-Initiative: Bilanz nach drei Jahren Neustart-Gesetz

[02.06.2026] Die Smart-Meter-Initiative zieht drei Jahre nach dem Gesetz zum Neustart der Digitalisierung der Energiewende eine gemischte Bilanz des Smart Meter Roll-outs in Deutschland. Der Einbau intelligenter Stromzähler kommt voran, doch strukturelle Probleme bremsen den Ausbau und die Nutzung dynamischer Stromtarife weiterhin. mehr...

Voltaris: Neue Zählerprüfanlage in Betrieb genommen

[24.04.2026] Voltaris hat in Merzig eine neue digitale Zählerprüfanlage mit 20 zusätzlichen Prüfplätzen in Betrieb genommen. Die Erweiterung reagiert auf steigende Stückzahlen durch den Smart-Meter-Roll-out und erhöht die Prüfkapazität deutlich. mehr...

BDEW: Smart Meter Roll-out erreicht Zielquote

[01.04.2026] Der Roll-out intelligenter Messsysteme in Deutschland hat 2025 deutlich an Fahrt gewonnen und die gesetzliche Zielquote erreicht. Neue Zahlen der Bundesnetzagentur zeigen den Fortschritt – und werfen zugleich einen Blick auf verbleibende Hürden bei einzelnen Unternehmen. mehr...

Voltaris: Neues Kernmodul für Steuerung im intelligenten Messwesen

[31.03.2026] Voltaris führt mit aEMT Basis ein neues Kernmodul für die Steuerung im CLS-Umfeld ein. Die Lösung soll Stadtwerke beim wachsenden Steuer-Roll-out unterstützen und zentrale Prozesse der intelligenten Netzintegration vereinfachen. mehr...

Stadtwerke Bernau: Pflicht-Roll-out-Quote erreicht

[27.03.2026] Die Stadtwerke Bernau erreichen die gesetzliche Quote beim Smart Meter Roll-out und starten die nächste Ausbaustufe. Der weitere Ausbau sowie ein freiwilliges Angebot ab 2026 zeigen, wie sich der Messstellenbetrieb strategisch neu aufstellt. mehr...

Hager: Anpassung an novellierte Vorgaben

[24.03.2026] Die novellierte VDE-AR-N 4100:2026-04 bringt neue Anforderungen für Zähleranlagen und erstmals klare Vorgaben für Wandleranlagen. Hager reagiert darauf mit angepassten Systemen und digitalen Planungstools, die Elektroinstallateuren die Umsetzung erleichtern sollen. mehr...

GISA/TMZ: Fortsetzung der Zusammenarbeit

[12.03.2026] GISA stellt Thüringer Mess- und Zählerwesen Service künftig auch das Management steuerbarer lokaler Systeme (CLS) vollständig als Software-as-a-Service bereit. Mit der Verlängerung ihrer Smart-Metering-Partnerschaft um fünf Jahre bauen beide Unternehmen ihre gemeinsame Plattform für Gateway-Administration und Messdatenmanagement weiter aus. mehr...

enercity Netz/EnBW: Migration von knapp 21.000 intelligenten Messsystemen

[11.02.2026] enercity Netz hat den bundesweit bislang größten Wechsel eines Gateway-Administrators für Smart-Meter-Gateways abgeschlossen. Rund 21.000 intelligente Messsysteme wurden dabei in vergleichsweise kurzer Zeit und mit niedriger Verlustquote zu EnBW Utility Services migriert. mehr...

Smart-Meter-Initiative: Atlas zum Ausbau veröffentlicht

[10.02.2026] Der neue Smart-Meter-Atlas der Smart-Meter-Initiative macht den Stand des Pflicht-Roll-outs intelligenter Messsysteme nach Netzgebieten sichtbar. Die aktuellen Daten zeigen deutliche regionale Unterschiede, mit Berlin an der Spitze und strukturellen Problemen vor allem bei kleineren Betreibern. mehr...

E-world: rku․it legt Schwerpunkt auf SMGWA

[02.02.2026] rku․it will auf der E-world 2026 neue Plattform- und Managed-Services-Lösungen für die Energiewirtschaft vorstellen. Im Fokus stehen unter anderem Smart Meter Gateway Administration, Automatisierung und KI-gestützte Prozesse. mehr...

Power Plus Communications: GWA-System steuert vier Wallboxen gleichzeitig

[23.01.2026] Vier Wallboxen wurden erstmals parallel über ein SMGWplus aus einem GWA-System gesteuert. Der Test zeigt, dass die Lösung skalierbar ist und die Steuerung im Energienetz praxistauglich erweitert werden kann. mehr...

BSI: Richtlinie für Smart Meter Gateways überarbeitet

[19.12.2025] Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik hat die Technische Richtlinie TR-03109-6 für die Administration von Smart Meter Gateways überarbeitet. Die neue Version 2.0 wird mit der nächsten Zertifizierung der Gateway-Administrator-Systeme ab 2027 verbindlich. mehr...