Samstag, 10. Januar 2026

MarburgErkundungsbohrungen geplant

[28.10.2022] In hessischen Städten und Gemeinden sollen demnächst insgesamt 20 geothermische Erkundungsbohrungen durchgeführt werden. So auch auf dem Gelände des Marburger Freizeitbads AquaMar.
Auf dem Gelände des Marburger Freizeitbads AquaMar sollen jetzt geothermische Erkundungsbohrungen durchgeführt werden.

Auf dem Gelände des Marburger Freizeitbads AquaMar sollen jetzt geothermische Erkundungsbohrungen durchgeführt werden.

(Bildquelle: Patricia Grähling, Stadt Marburg)

Das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen (HMWEVW) hat jetzt die LEA LandesEnergieAgentur Hessen (LEA Hessen) beauftragt, geothermische Erkundungsbohrungen und Untersuchungen in hessischen Städten und Gemeinden durchzuführen. Wie die Stadt Marburg mitteilt, erfolgen die Auswertung und Aufbereitung der hierbei gewonnenen Erkenntnisse durch das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG). Insgesamt würden 20 Erkundungsbohrungen in hessischen Kommunen durchgeführt, die zu Erdwärmesonden ausgebaut werden. Eignet sich ein Standort, könne die Erdwärme nicht nur Energie- und Wärmelieferant für Hauseigentümer sein, sondern auch für Kommunen, die Baugebiete erschließen wollen, oder für Gewerbeimmobilien.
Auch auf dem Gelände des Freizeitbads AquaMar in Marburg würden anhand einer bis zu 100 Meter tiefen Erkundungsbohrung Kenntnisse über die geologische und geothermische Situation vor Ort gesammelt.

Verlauf der Bohrung

Bei der Bohrung werde ein Bohrgerät mit einem Tieflader angeliefert und positioniert. Ein Bohrmeißel an der Spitze des Bohrgestänges arbeite sich dann auf eine Tiefe von bis zu 100 Meter vor. In der Bergmannsprache nenne man dies „abteufen“. Das dadurch gelöste Gesteinsmaterial werde mit Wasser nach oben aus dem Bohrloch befördert. Dabei würden kontinuierlich Gesteinsproben zur geologischen Beschreibung entnommen.
Nachdem die geplante Bohrtiefe erreicht ist, werde das Bohrgestänge ausgebaut. Danach werde eine Erdwärmesonde in das Bohrloch eingelassen. Sie bestehe aus zwei U-förmigen Kunststoffrohren. Das Bohrloch werde anschließend mit einer Zement-Bentonit-Suspension verfüllt. Dies sei erforderlich, um die Erdwärmesonde mit dem umgebenden Gestein fest zu verbinden. Damit werde ein hoher Wärmeaustausch zwischen Sonde und Erdreich erreicht. Zudem werde das Bohrloch gegen grundwasserführende Schichten abgedichtet.
Anschließend untersuche das HLNUG die Gesteinsproben. Eine Fachfirma führe ein bis zwei Wochen nach Einbau der Erdwärmesonde einen so genannten Thermal-Response-Test (TRT) durch und bestimme dabei die Wärmeleitfähigkeit des Untergrunds. Ergänzend werde in der Erdwärmesonde die Temperatur des Untergrunds ermittelt.

Ergebnisse als Grundlage für weitere Schritte

In einem Steckbrief fasse das HLNUG die Ergebnisse zusammen und stelle sie auf seiner Website der Öffentlichkeit zur Verfügung. Auf Grundlage des Steckbriefs könnten Bauwillige, Kommunen, Bohrfirmen und Energieversorger zuverlässig die richtige Dimensionierung von Erdwärmesonden sowie die Bohr- und Ausbauarbeiten planen. Die auf dem Gelände des Freizeitbads AquaMar installierte Erdwärmesonde könne nach Abschluss der Tests von der Kommune zur nachhaltigen Wärmegewinnung genutzt werden.
Für die Universitätsstadt Marburg sei die Erkundungsbohrung ein Baustein in der Umsetzung des Klima-Aktionsplans 2030. Für die Transformation hin zur Klimaneutralität sei die Prüfung des Ausbaus von Geothermie eine wesentliche Maßnahme des Klima-Aktionsplans, da hier ein großes Potenzial für die städtische Wärmewende liegt. Diese Bohrung sei deshalb für die Universitätsstadt von enormer Bedeutung. Mit der Bohrung werde ermittelt, ob das AquaMar künftig mit Geothermie beheizt werden kann. So könnten der CO2-Ausstoß und die Kosten gesenkt werden. Denn derzeit werde das AquaMar mit Erdgas beheizt. Aber auch für andere Gebäude in der Stadt könnte Erdwärme genutzt werden. Dazu solle es im nächsten Schritt eine gesamtstädtische Wärmeplanung geben.





Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Geothermie

GeoTHERM: Fraunhofer IEG zeigt Wärmewende-Forschung

[19.12.2025] Fraunhofer IEG präsentiert auf der GeoTHERM 2026 in Offenburg anwendungsnahe Forschung für die Wärmewende und positioniert Geothermie als zentrale Säule nachhaltiger Wärmeversorgung. mehr...

Schornsheim: Klimaneutrales Neubaugebiet fertiggestellt

[11.12.2025] Schornsheim hat das neue Neubaugebiet Gänsweide übernommen, das komplett auf Erdwärme setzt. MVV zufolge ist es das erste Gebiet der Verbandsgemeinde Wörrstadt, das mit einem kalten Nahwärmenetz erschlossen wurde. mehr...

AGFW: Statement zum Geothermie-Beschleunigungsgesetz

[10.12.2025] Der Bundestag hat das Geothermie-Beschleunigungsgesetz beschlossen und damit neue Standards für schnellere Planfeststellungsverfahren bei Wärmeleitungen gesetzt. Der Energieeffizienzverband AGFW warnt vor möglichen zusätzlichen Hürden durch unklare Formulierungen im Gesetz. mehr...

badenovaWÄRMEPLUS: Plan für Erdwärmeprojekt eingereicht

[09.12.2025] badenovaWÄRMEPLUS hat jetzt den Hauptbetriebsplan für das Projekt Erdwärme Breisgau beim Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau eingereicht. Die Behörde prüft nun die technischen Unterlagen für die geplanten Tiefenbohrungen im Oberrheingraben. mehr...

GeoTHERM: Kongressprogramm online

[08.12.2025] Die GeoTHERM 2026 präsentiert ein umfangreiches zweitägiges Kongressprogramm mit internationaler Expertise aus Wissenschaft und Industrie. Erstmals werden alle Vorträge per App simultan in drei Sprachen übertragen. mehr...

Geothermiekongress 2025: Wichtige Weichen gestellt

[28.11.2025] Die deutsche Erdwärmebranche sieht sich nach dem Geothermiekongress 2025 im Aufwind. Laut Bundesverband Geothermie wurden in Frankfurt am Main zentrale Weichen für Skalierung, Industrialisierung und politischen Rückenwind gestellt. mehr...

NRW.Energy4Climate: Materialien zu kommunaler Wärmeplanung veröffentlicht

[25.11.2025] NRW.Energy4Climate veröffentlicht neue Materialien zur Unterstützung der kommunalen Wärmeplanung in Nordrhein-Westfalen. Die Publikationen reichen von Wirtschaftlichkeitsleitfäden über Musterleistungsverzeichnisse für tiefe Geothermie bis hin zu einer Broschüre über Betreibermodelle für Abwasserwärme. mehr...

Geothermie: Neues Fachbuch bietet Überblick

[21.11.2025] Ein neues Fachbuch gibt einen umfassenden Überblick über Technik, Planung und Betrieb moderner Geothermie-Projekte. Das Werk soll Fachleute und Entscheider bei der Wärmewende unterstützen. mehr...

Hörstel: Kalte-Nahwärme-Netz in Betrieb gegangen

[20.11.2025] Im Hörsteler Uferquartier ist ein neues Kalte-Nahwärme-Netz in Betrieb gegangen. SWTE Netz setzt damit auf geothermische Wärme, die nach Angaben des Unternehmens steigende gesetzliche Anforderungen bereits heute erfüllt. mehr...

Potsdam: Bundesumweltminister besucht Tiefengeothermie-Baustelle

[20.11.2025] Bundesumweltminister Carsten Schneider und EU-Kommissar Dan Jørgensen haben in Potsdam eine Tiefengeothermie-Baustelle besichtigt und sich über den Stand der Wärmewende informiert. Das Projekt gilt als zentraler Baustein für eine klimafreundliche Fernwärme. mehr...

Berlin: Erdwärmesonden dürfen tiefer bohren

[17.11.2025] Berlin lässt Erdwärmesonden künftig tiefer bohren und hebt die bisherige 100-Meter-Grenze auf. Die Senatsverwaltung sieht darin einen wichtigen Schritt für die Wärmewende. mehr...

Deutscher Geothermikongress: Forschungsarbeiten zur Wärmewende

[06.11.2025] Auf dem Deutschen Geothermiekongress 2025 in Frankfurt am Main präsentiert das Fraunhofer IEG praxisnahe Forschung für eine schnellere Wärmewende. Im Fokus stehen Technologien, die Geothermie vom Nischenprodukt zur industriellen Lösung führen sollen. mehr...

LBEG: BS Energy darf Erdwärme aufsuchen

[05.11.2025] BS Energy erhält drei neue Erlaubnisfelder zur Aufsuchung von Erdwärme in der Region zwischen Gifhorn und Salzgitter. Das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie will damit Tiefengeothermie-Projekte zur Wärmegewinnung voranbringen. mehr...

STAWAG: Vorbereitungen für seismische Messungen

[05.11.2025] In Aachen beginnen die Vorbereitungen für seismische Untersuchungen, die den Untergrund für ein mögliches Tiefengeothermie-Projekt erkunden sollen. Dabei informiert die STAWAG die Anwohner und bittet – wo nötig – um Zustimmung für Messgeräte und Zufahrten. mehr...

Praxisforum Geothermie Bayern: Großes Interesse an Tiefengeothermie

[27.10.2025] Die Tiefengeothermie in Bayern erreicht einen neuen Rekord: 24 Anlagen lieferten 2024 rund 3,4 Terawattstunden Wärme – über 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Beim Praxisforum Geothermie Bayern in Pullach wurden zudem die besten Projekte und Persönlichkeiten der Branche ausgezeichnet. mehr...