MarburgErkundungsbohrungen geplant

Auf dem Gelände des Marburger Freizeitbads AquaMar sollen jetzt geothermische Erkundungsbohrungen durchgeführt werden.
(Bildquelle: Patricia Grähling, Stadt Marburg)
Das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen (HMWEVW) hat jetzt die LEA LandesEnergieAgentur Hessen (LEA Hessen) beauftragt, geothermische Erkundungsbohrungen und Untersuchungen in hessischen Städten und Gemeinden durchzuführen. Wie die Stadt Marburg mitteilt, erfolgen die Auswertung und Aufbereitung der hierbei gewonnenen Erkenntnisse durch das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG). Insgesamt würden 20 Erkundungsbohrungen in hessischen Kommunen durchgeführt, die zu Erdwärmesonden ausgebaut werden. Eignet sich ein Standort, könne die Erdwärme nicht nur Energie- und Wärmelieferant für Hauseigentümer sein, sondern auch für Kommunen, die Baugebiete erschließen wollen, oder für Gewerbeimmobilien.
Auch auf dem Gelände des Freizeitbads AquaMar in Marburg würden anhand einer bis zu 100 Meter tiefen Erkundungsbohrung Kenntnisse über die geologische und geothermische Situation vor Ort gesammelt.
Verlauf der Bohrung
Bei der Bohrung werde ein Bohrgerät mit einem Tieflader angeliefert und positioniert. Ein Bohrmeißel an der Spitze des Bohrgestänges arbeite sich dann auf eine Tiefe von bis zu 100 Meter vor. In der Bergmannsprache nenne man dies „abteufen“. Das dadurch gelöste Gesteinsmaterial werde mit Wasser nach oben aus dem Bohrloch befördert. Dabei würden kontinuierlich Gesteinsproben zur geologischen Beschreibung entnommen.
Nachdem die geplante Bohrtiefe erreicht ist, werde das Bohrgestänge ausgebaut. Danach werde eine Erdwärmesonde in das Bohrloch eingelassen. Sie bestehe aus zwei U-förmigen Kunststoffrohren. Das Bohrloch werde anschließend mit einer Zement-Bentonit-Suspension verfüllt. Dies sei erforderlich, um die Erdwärmesonde mit dem umgebenden Gestein fest zu verbinden. Damit werde ein hoher Wärmeaustausch zwischen Sonde und Erdreich erreicht. Zudem werde das Bohrloch gegen grundwasserführende Schichten abgedichtet.
Anschließend untersuche das HLNUG die Gesteinsproben. Eine Fachfirma führe ein bis zwei Wochen nach Einbau der Erdwärmesonde einen so genannten Thermal-Response-Test (TRT) durch und bestimme dabei die Wärmeleitfähigkeit des Untergrunds. Ergänzend werde in der Erdwärmesonde die Temperatur des Untergrunds ermittelt.
Ergebnisse als Grundlage für weitere Schritte
In einem Steckbrief fasse das HLNUG die Ergebnisse zusammen und stelle sie auf seiner Website der Öffentlichkeit zur Verfügung. Auf Grundlage des Steckbriefs könnten Bauwillige, Kommunen, Bohrfirmen und Energieversorger zuverlässig die richtige Dimensionierung von Erdwärmesonden sowie die Bohr- und Ausbauarbeiten planen. Die auf dem Gelände des Freizeitbads AquaMar installierte Erdwärmesonde könne nach Abschluss der Tests von der Kommune zur nachhaltigen Wärmegewinnung genutzt werden.
Für die Universitätsstadt Marburg sei die Erkundungsbohrung ein Baustein in der Umsetzung des Klima-Aktionsplans 2030. Für die Transformation hin zur Klimaneutralität sei die Prüfung des Ausbaus von Geothermie eine wesentliche Maßnahme des Klima-Aktionsplans, da hier ein großes Potenzial für die städtische Wärmewende liegt. Diese Bohrung sei deshalb für die Universitätsstadt von enormer Bedeutung. Mit der Bohrung werde ermittelt, ob das AquaMar künftig mit Geothermie beheizt werden kann. So könnten der CO2-Ausstoß und die Kosten gesenkt werden. Denn derzeit werde das AquaMar mit Erdgas beheizt. Aber auch für andere Gebäude in der Stadt könnte Erdwärme genutzt werden. Dazu solle es im nächsten Schritt eine gesamtstädtische Wärmeplanung geben.
Wuppertal: Machbarkeitsstudie zur tiefen Geothermie
[01.04.2026] Die Fraunhofer IEG und die Wuppertaler Stadtwerke starten eine Machbarkeitsstudie zur Nutzung tiefer Geothermie in Wuppertal. Die Untersuchung soll klären, ob Erdwärme aus mehreren tausend Metern Tiefe künftig zur klimafreundlichen Wärmeversorgung der Stadt beitragen kann. mehr...
Herrsching am Ammersee: Gymnasium nutzt PVT-Module
[26.03.2026] Ein Gymnasium in Herrsching am Ammersee nutzt erstmals PVT-Module in Kombination mit Geothermie für seine Energieversorgung. Das hybride System reduziert den Bedarf an Erdsonden deutlich und zeigt, wie sich Flächen- und Genehmigungsgrenzen in Neubauten überwinden lassen. mehr...
Praxisforum Tiefengeothermie: Schwerpunkte des Programms
[23.03.2026] Das Praxisforum Tiefengeothermie stellt vier thematische Foren für sein Programm 2026 vor, darunter ein neues Wärmenetz-Forum. Die Veranstaltung in Pullach will zeigen, wie sich die heimische Energiequelle schneller ausbauen lässt und gewinnt vor dem Hintergrund hoher Energiepreise an Brisanz. mehr...
Vulcan Energy: Neuer Bohrplatz in Rohrbach
[18.03.2026] Vulcan Energy baut mit dem Bohrplatz Trappelberg in Rohrbach einen weiteren Standort für sein Geothermie- und Lithiumprojekt Lionheart bei Landau. Der Ausbau soll klimaneutrale Wärme liefern und die industrielle Lithiumgewinnung in der Region voranbringen. mehr...
Plattform Erneuerbare Energien BW: Informationsportal zur Geothermie gestartet
[13.03.2026] Die Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg hat das Informationsportal Geothermie BW gestartet. Die neue Online-Plattform soll Transparenz über Projekte der tiefen Geothermie schaffen und den fachlichen Austausch zwischen Bürgern, Kommunen und Fachakteuren im Land stärken. mehr...
Fraunhofer IEG: Studie belegt Geothermie-Potenzial von verkarsteten Kalkgesteinen
[11.03.2026] Verkarstete Kalkgesteine in zwei bis drei Kilometern Tiefe könnten in Nordrhein-Westfalen ein bislang unterschätztes Reservoir für geothermische Wärme sein. Neue Bohrkernanalysen aus Iserlohn zeigen, welches Potenzial diese Gesteinsschichten für Wärmenetze und Industrieversorgung besitzen. mehr...
GeoTHERM expo & congress: Messe bestätigt ihren Stellenwert
[06.03.2026] Die GeoTHERM expo & congress 2026 in Offenburg hat ihre Rolle als führende europäische Fachmesse für Geothermie erneut bestätigt. Mehr Besucher, starke internationale Beteiligung und ein Innovationspreis für ein neues seismisches Erkundungsfahrzeug zeigen, wie dynamisch sich die Branche im Zuge der Wärmewende entwickelt. mehr...
Stadtwerke Bruchsal: John Deere erhält grüne Fernwärme
[06.03.2026] Das Bruchsaler Werk von John Deere soll künftig mit geothermisch basierter Fernwärme versorgt werden. Ein neuer Liefervertrag mit den Stadtwerken Bruchsal und die Übernahme der Energiezentrale sollen die Wärmewende vor Ort voranbringen. mehr...
Stadtwerke Münster: Kalte Nahwärme im Neubaugebiet
[27.02.2026] Im Neubaugebiet Albachten-Ost setzen die Stadtwerke Münster auf ein zentrales Wärmesystem, das mit Erdwärme betrieben wird. Rund 100 Erdsonden werden künftig rund 500 Wohneinheiten mit Wärme versorgen. Die Investitionskosten belaufen sich auf 8,5 Millionen Euro. mehr...
Berlin: Kicken und wärmen
[23.02.2026] Unter einem Fußballspielfeld in Berlin entsteht ein großflächiges Geothermie-Kollektorfeld, das vier öffentliche Gebäude vollständig mit erneuerbarer Wärme versorgt. Das Projekt am Maikäferpfad gilt als wirtschaftlich tragfähiges Modell für die kommunale Wärmewende und zeigt, wie sich Sportflächen energetisch doppelt nutzen lassen. mehr...
Praxisforum Tiefengeothermie: Neuer Name spiegelt Aufschwung
[23.02.2026] Das Praxisforum Geothermie Bayern firmiert künftig als Praxisforum Tiefengeothermie und richtet sich damit neu aus. Die Umbenennung reagiert auf das Geothermie-Beschleunigungsgesetz und den bundesweiten Ausbau der Tiefengeothermie – und markiert einen strategischen Schritt für das Branchentreffen im Oktober 2026. mehr...
Trier: Kaltes Nahwärmenetz im Bau
[18.02.2026] Im Trierer Stadtteil Gartenfeld entsteht derzeit ein neues Wärmenetz. Es nutzt oberflächennahe Geothermie und soll sowohl Neubauten als auch Bestandsgebäude versorgen. Laut den Projektbeteiligten ist das Vorhaben als Pilotprojekt angelegt. mehr...
Fraunhofer IEG: Mehr Tempo bei Geothermie
[16.02.2026] Auf der GeoTHERM in Offenburg präsentiert das Fraunhofer IEG neue Ansätze zur Nutzung von Erdwärme. Das Ziel besteht darin, die Geothermie schneller in den Massenmarkt zu bringen. Die Forschenden sehen großes Potenzial für Kommunen und Industrie. mehr...
Potsdam: In der heißen Phase
[12.02.2026] Potsdam ist ein bundesweit und europäisch beachtetes Leuchtturmprojekt für Tiefengeothermie und erneuerbare Fernwärme. Das Vorhaben zeigt, wie die Wärmewende technisch machbar und wirtschaftlich umsetzbar ist. mehr...
Forschung: Den Blick in den Untergrund öffnen
[02.02.2026] Um das Potenzial von Geothermie als klimaneutrale Wärmequelle zu nutzen, brauchen Stadtwerke nicht nur Investitionsbereitschaft, sondern auch fundierte Daten und erprobte Technologien. Hier setzt das Reallabor Geothermie Rheinland des Fraunhofer IEG an. mehr...
















