Organische SpeicherGamechanger der Energiewende

Die Organic-SolidFlow-Batterie von CMBlu kann große Energiemengen auf kleinstem Raum speichern.
(Bildquelle: CMBlu Energy)
Raus aus den Laboren, rein in den industriellen Maßstab. Mit dieser Prämisse starteten der Energiekonzern Uniper und der Energiespeicherhersteller CMBlu Energy im Sommer 2022 ihr Kooperationsprojekt UniBlu. Im Rahmen des Pilotvorhabens wird erstmalig eine große Organic-SolidFlow-Batterie in Deutschland installiert. Die innovative Batterie mit einer Leistung von einem Megawatt (MW) und einer Kapazität von einer Megawattstunde (MWh) steht am Uniper-Standort Staudinger im hessischen Großkrotzenburg und dient dazu, die technologische und wirtschaftliche Nutzung des Speicherprototypen von CMBlu Energy für die angestrebten Anwendungsgebiete zu validieren.
Fest und flüssig
Der Fokus liegt dabei auf dem Testen der Batterie beim Einsatz für verschiedene Marktkanäle. Die relativ kurze Speicherdauer des als Ein-Stunden-Batterie ausgelegten Stromspeichers erlaubt es, das System sehr häufig zu zyklieren und somit maximale Betriebserfahrung zu sammeln. Nachdem die genaue Konzeption des Großspeichers Ende des Jahres 2022 abgeschlossen wurde, wird die organische Batterie voraussichtlich im Sommer 2023 installiert und dann den Betrieb aufnehmen. Das Kooperationsprojekt UniBlu wird entscheidend dazu beitragen, die organische SolidFlow-Batterie „fit for purpose“ zu machen: Uniper bietet die Infrastruktur, CMBlu Energy die Technologie.
Dieser wird die Eigenschaft zugeschrieben, ein echter Gamechanger für den Erfolg der Energiewende zu sein. Denn die organischen CMBlu-Batteriespeicher verwenden feste (Solid) und flüssige (Flow) Elektrolyte auf Kohlenstoffbasis und benötigen daher keine seltenen Erden oder Metalle. Die verwendeten Materialien sind weltweit in praktisch unbegrenztem Umfang verfügbar und die Lieferketten entsprechend unproblematisch. Das macht sich auch beim Herstellungspreis bemerkbar, der unter dem von industriell produzierten Lithium-Ionen-Batterien liegt. Die CMBlu-Großspeicher sind im Gegensatz zu diesen zudem weder brennbar noch explosiv und somit äußerst sicher in der Anwendung. Sie verfügen über eine sehr hohe Energiedichte mit einer Round-Trip-Efficiency von über 80 Prozent, eine lange Lebensdauer und sind vollständig recyclebar. Mit den nachhaltigen Batteriespeichern lassen sich Leistung und Kapazität unabhängig voneinander skalieren und somit sehr große Energiemengen bis in den Gigawattstundenbereich speichern.
Unterbrechungsfreie Versorgung
Die Großspeicher sollen der energetischen Transformation deutschland- und weltweit zum Durchbruch verhelfen: Indem erneuerbare Energien durch die Speicher häufiger und langfristiger zur Verfügung stehen, also grundlastfähig werden, kann die Stromerzeugung durch konventionelle Kraftwerke zurückgefahren werden. Strom, der beispielsweise in einer sehr sonnenreichen oder windigen Region erzeugt wird, kann in großen Lagerhäusern voller SolidFlow-Batterien gesammelt und bedarfsweise abgegeben werden. Das verstetigt das Angebot an Strom aus erneuerbaren Quellen, erhöht deren Grundlastfähigkeit und senkt damit im besten Fall die Stromkosten. Auch im Fall von Blackouts im vorgelagerten Netz sollen die SolidFlow-Batterien künftig eine unterbrechungsfreie Stromversorgung gewährleisten, indem sie Kritische Infrastruktur am Laufen halten, bis alle Notfallsysteme greifen.
Diese technologischen und wirtschaftlichen Argumente haben auch das Interesse von Uniper geweckt: „Uniper hat klare Dekarbonisierungsziele – gleichzeitig stehen wir für Versorgungssicherheit ein. Dabei spielen innovative Technologien eine wichtige Rolle, die unsere Aktivitäten rund um die erneuerbaren Energien unterstützen. Mit CMBlu Energy haben wir bewusst einen Partner gewählt, der als weltweit einziger Entwickler und Anbieter von SolidFlow-Batterien Innovationsführer bei der Herstellung sicherer, nachhaltiger und günstiger Großspeicher ist“, sagt Arne Hauner, Director Innovation bei Uniper. Er ergänzt: „Von der Organic-SolidFlow-Batterie von CMBlu erwarten wir eine bessere Zyklenfestigkeit als für andere Batteriesysteme in dieser Größenordnung und dass sie sich dank des modularen Aufbaus auch bedarfsgerecht erweitern lässt.“
Schrittweiser Ausbau geplant
Mit dem UniBlu-Projekt legt Uniper an seinem Kraftwerksstandort Staudinger – zehn Kilometer entfernt von der CMBlu-Energy-Zentrale in Alzenau – den Grundstein für einen sukzessiven Ausbau des SolidFlow-Stromspeichers. Ziel ist es, am zentral gelegenen Energieknotenpunkt in Großkrotzenburg schrittweise einen Multi-Megawatt-Speicher aufzubauen. Verläuft das Projekt in den nächsten Monaten und Jahren erfolgreich, kann das Konzept auch auf andere Kraftwerksstandorte von Uniper übertragen werden. So können aus vielen Kohle- und Gaskraftwerken, die im Zuge der Energiewende in Deutschland künftig stufenweise abgeschaltet werden, Standorte für große SolidFlow-Energiespeicher werden, die mit ihrer langen Speicherdauer und großen Kapazität die Volatilität erneuerbarer Energien ausgleichen, die Stromnetze durch Peak Shaving stabilisieren oder energieintensiven Industrien als Back-up-Lösung im Fall von Dunkelflauten dienen.
Ein weiterer Vorteil: SolidFlow-Batterien lassen sich im Gegensatz zu Lithium-Ionen-Batterien, wo dies aus brandschutztechnischen Gründen nicht möglich ist, auch auf engstem Raum unbegrenzt hoch stapeln. Mit den standardmäßigen Fünf-Stunden-Batteriemodulen von je 40 Kilowatt beziehungsweise 200 Kilowattstunden von CMBlu Energy könnte man in einer zehn Meter hohen Halle somit eine Megawattstunde Energie auf einer Fläche von unter drei Quadratmetern unterbringen. In einem 50 mal 50 Meter großen Gebäude mit dieser Höhe wäre also inklusive Verkehrsflächen Platz für 1.250 SolidFlow-Batteriemodule mit insgesamt 250 MWh.
Platzsparende Unterbringung
Bis es so weit ist, müssen die Strings und Batterieeinheiten, die bei Uniper im Kraftwerk Staudinger installiert werden, im Rahmen der zunächst zweijährigen Betriebszeit tausende Zyklen der Be- und Entladung absolvieren. Dazu werden sie in die vorhandene Infrastruktur des Kraftwerks eingebunden. Die Pilotanlage wird also nicht von der im Kraftwerk erzeugten Energie gespeist, sondern ist an einen separaten Netzanschluss des Kraftwerks gekoppelt.
Hinsichtlich des Standorts der Batterie auf dem Staudinger-Gelände war man bei der Planung des Projekts verhältnismäßig flexibel. Aufgrund der weder brennbaren noch explosiven Materialien des Großspeichers kann er platzsparend direkt in einer ehemaligen Maschinenhalle untergebracht werden. Dank der Stapelbarkeit der Speichermodule nimmt die ganze SolidFlow-Batterie nur knapp 200 Quadratmeter ein. So steht im Kraftwerk Staudinger zukünftig konventionelle Stromerzeugungstechnik direkt neben modernster, organischer Energiespeichertechnologie. Das Projekt UniBlu stellt somit auch einen Ausblick auf die anstehende Transformation der Energiewirtschaft dar, die alten Kraftwerksstandorten vollkommen neue Funktionen gibt.
https://www.cmblu.com/de
Dieser Beitrag ist in der Ausgabe März/April 2023 von stadt+werk erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren.
RWE: Bau von Großbatteriespeicher im Tagebau Hambach
[04.08.2026] RWE errichtet im Tagebau Hambach einen Großbatteriespeicher mit 236 Megawatt Leistung und 470 Megawattstunden Speicherkapazität. Die Anlage soll ab 2027 das Stromnetz stabilisieren und zeigt, wie ehemalige Tagebauflächen für die Energiewende genutzt werden. mehr...
Stadtwerke Tübingen: Solarpark erhält Batteriespeicher
[29.07.2026] Die Stadtwerke Tübingen erweitern ihren größten Solarpark um ein Batterie-Energie-Speicher-System. Das Projekt soll ab Herbst überschüssigen Solarstrom zwischenspeichern und zeigt, welche Rolle Großspeicher künftig für Netzbetrieb und Wirtschaftlichkeit spielen können. mehr...
Trianel: Baubeschluss für Batteriepark gefasst
[21.07.2026] Für den Batteriepark Waltrop ist der Baubeschluss für Umspannwerk und Infrastruktur gefallen. Das Projekt soll mit 900 MW Leistung und mindestens 1.800 MWh Speicherkapazität zu den größten Batteriespeichern Deutschlands zählen und rückt nach regulatorischer Klarheit in die Bauphase. mehr...
Fraunhofer-Studie: Entlastung durch Batteriespeicher
[03.07.2026] Das deutsche Stromsystem könnte nach einer Analyse des Fraunhofer-Instituts für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (IEE) jährlich um fast vier Milliarden Euro entlastet werden. Dafür könnten mehr Batteriespeicher sorgen. mehr...
Klostermansfeld: Größter Batteriespeicher Deutschlands entsteht
[03.07.2026] BW ESS hat den Bau des größten Batteriespeichers Deutschlands in Klostermansfeld begonnen. Die Anlage soll das Stromnetz stabilisieren und zeigt, welche Rolle Großspeicher für den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien spielen. mehr...
EnBW: Baustart eines Großbatteriespeichers
[26.06.2026] Im Energiepark Philippsburg hat der Bau eines Großbatteriespeichers begonnen. Nach Angaben von EnBW soll die Anlage erneuerbare Energien zwischenspeichern und so zur Stabilisierung des Stromnetzes beitragen. mehr...
The smarter E: Neue Batteriespeicher vorgestellt
[25.06.2026] Der Batteriehersteller SVOLT Energy hat auf der Messe The smarter E Europe 2026 neue Energiespeicherlösungen für Privathaushalte, Unternehmen, Großprojekte und Rechenzentren vorgestellt. Die neuen Systeme sollen unterschiedliche Anforderungen und Einsatzgebiete abdecken. mehr...
BSW-Solar: Speicherboom in Deutschland
[23.06.2026] Der Ausbau von Batteriespeichern in Deutschland hat im ersten Quartal 2026 deutlich an Fahrt gewonnen. Vor allem Großspeicher legten stark zu. Der Bundesverband Solarwirtschaft sieht dennoch Risiken für den weiteren Ausbau und fordert Änderungen bei Netzanschlüssen und Regulierung. mehr...
Großbatteriespeicher: Bruchsal als Innovationsstandort
[22.06.2026] In Bruchsal soll noch in diesem Jahr Europas erster Großbatteriespeicher auf Basis der Zink-Bromid-Technologie in Betrieb gehen. Das Projekt wird von CAPAC Energy gemeinsam mit den Stadtwerken Bruchsal, TRIWO und JP Holding entwickelt. mehr...
Heemsen: Villa hat PV-Anlage mit Batteriespeicher erhalten
[16.06.2026] E.ON hat den Waldkindergarten Villa Wildschwein in Heemsen mit einer Photovoltaikanlage samt Batteriespeicher ausgestattet. Das Projekt verbessert nicht nur die Energieversorgung, sondern zeigt den Kindern schon früh, wie erneuerbare Energien im Alltag funktionieren. mehr...
Energiespeicherung: Großspeicher für Kohlerevier
[11.06.2026] Wie Speicher zum Strukturwandel beitragen können, zeigt ein Projekt, welches das Unternehmen Voltfang innerhalb von nur zwölf Monaten im ehemaligen Kohlerevier Alsdorf realisiert hat. Der Speicher ist wirtschaftlich rentabel und entlastet gleichzeitig das Netz. mehr...
VKU: Ausbau von Großbatteriespeichern gewinnt an Dynamik
[11.06.2026] Kommunale Energieversorger treiben den Ausbau von Großbatteriespeichern voran. Eine VKU-Umfrage zeigt hohe Investitionsbereitschaft, zugleich fordert der Verband bessere Rahmenbedingungen für den weiteren Hochlauf. mehr...
Next Kraftwerke / Eco Stor: Vertrag für Großbatteriespeicher in Förderstedt
[03.06.2026] Für ein Batteriespeicherprojekt in Sachsen-Anhalt haben Next Kraftwerke und Eco Stor eine langfristige Vermarktungsvereinbarung abgeschlossen. Die Anlage soll nach ihrer vollständigen Inbetriebnahme eine Leistung von 300 Megawatt erreichen. mehr...
Tauber Energy: Bau eines Batteriespeicher in Wertheim
[28.05.2026] Ein Batteriespeicher zur Stabilisierung des Netzes entsteht zur Zeit in Wertheim. Die Anlage von Tauber Energy hat eine Anschlussleistung von über 15 Megawatt. mehr...
Trianel: Batteriepark hat letzte Genehmigungen erhalten
[21.05.2026] Der geplante Batteriepark in Waltrop hat die letzten Genehmigungen für einen 900-MW-Großspeicher erhalten. Das Milliardenprojekt der Partner Trianel, Luxcara und BKW rückt damit näher an den Baustart, stößt aber auf Unsicherheit durch die Debatte um Netzentgelte für Speicher. mehr...













