DVGW-KongressWasserstoff im Fokus

DVGW-Kongress mit breitem Themenspektrum und einem Schwerpunkt auf Wasserstoff.
(Bildquelle: DVGW)
Der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) geht auch in diesem Jahr bei seiner Leitveranstaltung wieder aktuelle Themen der Energie- und Wasserwirtschaft an. Im Bereich Wasser stehen der Klimawandel und die öffentliche Wasserversorgung im Vordergrund. Dabei werden Themen wie die ressourceneffiziente und klimaneutrale Wasserversorgung, Resilienz und Schutz der Versorgungsinfrastrukturen oder die wasserbewusste Gesellschaft adressiert.
Das Themenspektrum ist auch im Energiebereich breit angelegt und reicht von der Umsetzung eines zukünftigen Wasserstoff-Marktdesigns, der integrierten Netzplanung als Schlüsselfaktor für die Transformation über die kommunale Wärmeplanung mit erneuerbaren Gasen im Wärmemarkt und dem Einsatz von Wasserstoff in der Industrie bis hin zu Projekten und Initiativen zum Wasserstoffimport und -transport. Als spezielle Themen finden das Carbon Management und die CO2-Transportinfrastruktur in einem Extra-Themenblock Berücksichtigung.
Fokus auf Wasserstoff-Leitungsinfrastruktur
Ein besonderer Fokus liegt auf der Leitungsinfrastruktur für Wasserstoff. Diese muss laut Gerald Linke in ganz Deutschland verfügbar sein. Der Vorstandsvorsitzende des DVGW begrüßt, dass die Interoperabilität von Fernleitungs- und Verteilnetzen geplant wird. Allerdings ist der Status quo wenig zufriedenstellend. In diesem Zusammenhang hat der Bund der Wasserstoffregionen kürzlich ein Positionspapier an Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) übergeben. Dieses konstatiert, dass Deutschland aktuell noch weit von dem in der Nationalen Wasserstoffstrategie (NWS) gesteckten Ziel von zehn Gigawatt Elektrolysekapazität im Jahr 2030 entfernt ist. Zudem sind die aktuellen Projekte vornehmlich für den Eigenverbrauch von Großindustrien, etwa in Stahlwerken, vorgesehen.
Der Bund der Wasserstoffregionen befürchtet, dass so die Transformation ganzer Sektoren verschleppt wird. Die Kompetenzplattform für politische Akteure regionaler Wasserstoffkonzepte regt deshalb mit dem Konzept H2Regional eine spezielle Förderarchitektur für regionale Wasserstoffwirtschaften an. DVGW-Chef Linke ist überzeugt: „Der Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft in Deutschland kann nur gelingen, wenn er regional stattfindet.“ Die Diskussion mit der Bundesregierung darüber müsse nun schnellstens erfolgen. Schließlich profitiere von der Stärkung der regionalen Akteure das ganze Land.
Nicht Stilllegung, sondern Weiterentwicklung
Nicht gut angekommen sind beim DVGW in diesem Zusammenhang die Vorschläge der Bundespolitik im „Green Paper Transformation Gas-/Wasserstoff-Verteilernetze“. Dieses setzt laut Linke die falschen Akzente: „Nicht die Stilllegung der dringend für die Energiewende benötigten Gasinfrastruktur sollte im Mittelpunkt der Diskussion stehen, sondern deren Weiterentwicklung zur Klimaneutralität.“ Die Bundesregierung müsse endlich praxistaugliche Vorschläge machen, wie eine sichere und gleichzeitig umweltschonende Energieversorgung unseres Landes mit Wasserstoff und klimaneutralen Gasen auf einer Ebene mit Strom in Zukunft gelingen kann, fordert der DVGW-Chef.
Für Linke ist unbestritten, dass nur eine gleichwertige Berücksichtigung von Wasserstoff und Strom zum Erfolg führen wird. Gute Argumente für Wasserstoff lieferte kürzlich eine DVGW-Analyse in Zusammenarbeit mit EWI, DBI und ef.Ruhr. Diese zeigt, dass die Versorgung mit grünen Gasen unter dem Strich deutlich günstiger ist als die Versorgung mit Strom. Während die Gesamtkosten bis 2045 für die Wasserstoff-Netzinvestitionen bei rund 70 Milliarden Euro liegen, betragen sie laut Studie für den Stromnetzausbau rund 730 Milliarden Euro.
Dieser Beitrag ist in der Ausgabe Juli/August 2024 von stadt+werk erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren.
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