Dienstag, 2. Juni 2026

Smart-Meter-InitiativeBilanz nach drei Jahren Neustart-Gesetz

[02.06.2026] Die Smart-Meter-Initiative zieht drei Jahre nach dem Gesetz zum Neustart der Digitalisierung der Energiewende eine gemischte Bilanz des Smart Meter Roll-outs in Deutschland. Der Einbau intelligenter Stromzähler kommt voran, doch strukturelle Probleme bremsen den Ausbau und die Nutzung dynamischer Stromtarife weiterhin.

Die Smart-Meter-Initiative zieht drei Jahre nach Inkrafttreten des Gesetzes zum Neustart der Digitalisierung der Energiewende Bilanz.

(Bildquelle: adobestock)

Drei Jahre nach Inkrafttreten des Gesetzes zum Neustart der Digitalisierung der Energiewende sieht die Smart-Meter-Initiative (SMI) Fortschritte beim Einbau intelligenter Stromzähler, aber auch erhebliche Hindernisse. Wie die von Tibber, Octopus Energy, Ostrom und Rabot Energy gegründete Initiative berichtet, ist der Smart Meter Roll-out nach langem Stillstand zwar in Gang gekommen, bleibt jedoch deutlich hinter den Erfordernissen der Energiewende zurück.

Während Smart Meter 2023 in deutschen Haushalten kaum verbreitet waren, lag die bundesweite Roll-out-Quote nach den jüngsten verfügbaren Daten der Bundesnetzagentur Ende 2025 bei 5,5 Prozent (wir berichteten). Gleichzeitig gewinnen intelligente Stromzähler und dynamische Stromtarife an Bedeutung. Hintergrund sind unter anderem zunehmend häufige Phasen negativer Strompreise.

Zersplitterung des Messstellenmarkts

Nach Angaben der SMI zeigen die Daten des Smart-Meter-Atlas deutliche Unterschiede zwischen großen und kleinen Messstellenbetreibern. Große grundzuständige Messstellenbetreiber wie Stromnetz Berlin und Westnetz haben die vorgeschriebene Roll-out-Quote von 20 Prozent bis Ende 2025 deutlich übertroffen und bereits mehr als die Hälfte ihrer Haushalte mit intelligenten Messsystemen ausgestattet. Dagegen haben 77 Messstellenbetreiber bislang kein einziges intelligentes Messsystem installiert. Insgesamt zählte die Bundesnetzagentur zuletzt 599 Messstellenbetreiber mit weniger als 30.000 Messstellen. Diese erreichten im Durchschnitt lediglich eine Roll-out-Quote von 14,6 Prozent.

Die Initiative sieht in der starken Zersplitterung des deutschen Messstellenmarkts eine wesentliche Ursache für die langsame Entwicklung. „Aus Branchenkreisen ist immer wieder zu hören, dass es mindestens 500.000 Messstellen braucht, damit sich die Investitionen lohnen. Die in Europa fast einzigartige Kleinteiligkeit des deutschen Messstellenbetriebs ist daher aus ökonomischen Gründen eine strukturelle Bremse des Roll-outs“, sagt Matthias Martensen, Mitgründer von Ostrom und Mitglied der SMI. Positiv bewertet die Initiative, dass sich inzwischen erste Zusammenschlüsse kleiner Stadtwerke abzeichnen.

Hürden der dynamischen Stromtarife

Kritisch sieht die SMI auch die Verbreitung dynamischer Stromtarife. Zwar sind alle Stromanbieter seit 2025 verpflichtet, entsprechende Tarife anzubieten. Nach Einschätzung der Initiative existieren viele Angebote jedoch nur formal, seien schwer auffindbar oder wenig attraktiv gestaltet. Deshalb verbleibt die Mehrheit der Haushalte weiterhin in klassischen Fixtarifen. Gleichzeitig wächst das Interesse der Verbraucher. Laut einer Erhebung des Verbraucherzentrale Bundesverbands nutzten 2022 lediglich zwei Prozent der Haushalte dynamische Tarife. 2024 lag dieser Anteil bereits bei sieben Prozent, während das Interesse von 45 auf 60 Prozent stieg.

Martensen fordert, dynamische Tarife insbesondere für Eigenheime mit Elektroauto, Wärmepumpe oder Batteriespeicher zum Regelfall zu machen. Nur wenn Verbraucher finanzielle Vorteile hätten, ihren Stromverbrauch in Zeiten hoher Erzeugung und niedriger Preise zu verlagern, könnten Smart Meter ihr Potenzial für das Energiesystem entfalten.

Darüber hinaus spricht sich die Initiative für echte dynamische Netzentgelte aus. Derzeit fehlen nach Einschätzung der SMI vielen Netzbetreibern sowohl die erforderliche IT-Infrastruktur als auch die Datengrundlage für eine netzauslastungsabhängige Bepreisung. Fortschritte sieht die Initiative jedoch in der Umsetzung von Modul 3 des § 14a EnWG. Seit 2026 bieten Netzbetreiber zeitvariable Netzentgelte an, die insbesondere Besitzern von Wärmepumpen oder Wallboxen finanzielle Anreize geben, ihren Stromverbrauch in Zeiten geringer Netzauslastung zu verschieben. Dadurch lassen sich die Netzkosten spürbar senken.





Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Smart Metering

Voltaris: Neue Zählerprüfanlage in Betrieb genommen

[24.04.2026] Voltaris hat in Merzig eine neue digitale Zählerprüfanlage mit 20 zusätzlichen Prüfplätzen in Betrieb genommen. Die Erweiterung reagiert auf steigende Stückzahlen durch den Smart-Meter-Roll-out und erhöht die Prüfkapazität deutlich. mehr...

BDEW: Smart Meter Roll-out erreicht Zielquote

[01.04.2026] Der Roll-out intelligenter Messsysteme in Deutschland hat 2025 deutlich an Fahrt gewonnen und die gesetzliche Zielquote erreicht. Neue Zahlen der Bundesnetzagentur zeigen den Fortschritt – und werfen zugleich einen Blick auf verbleibende Hürden bei einzelnen Unternehmen. mehr...

Voltaris: Neues Kernmodul für Steuerung im intelligenten Messwesen

[31.03.2026] Voltaris führt mit aEMT Basis ein neues Kernmodul für die Steuerung im CLS-Umfeld ein. Die Lösung soll Stadtwerke beim wachsenden Steuer-Roll-out unterstützen und zentrale Prozesse der intelligenten Netzintegration vereinfachen. mehr...

Stadtwerke Bernau: Pflicht-Roll-out-Quote erreicht

[27.03.2026] Die Stadtwerke Bernau erreichen die gesetzliche Quote beim Smart Meter Roll-out und starten die nächste Ausbaustufe. Der weitere Ausbau sowie ein freiwilliges Angebot ab 2026 zeigen, wie sich der Messstellenbetrieb strategisch neu aufstellt. mehr...

Hager: Anpassung an novellierte Vorgaben

[24.03.2026] Die novellierte VDE-AR-N 4100:2026-04 bringt neue Anforderungen für Zähleranlagen und erstmals klare Vorgaben für Wandleranlagen. Hager reagiert darauf mit angepassten Systemen und digitalen Planungstools, die Elektroinstallateuren die Umsetzung erleichtern sollen. mehr...

GISA/TMZ: Fortsetzung der Zusammenarbeit

[12.03.2026] GISA stellt Thüringer Mess- und Zählerwesen Service künftig auch das Management steuerbarer lokaler Systeme (CLS) vollständig als Software-as-a-Service bereit. Mit der Verlängerung ihrer Smart-Metering-Partnerschaft um fünf Jahre bauen beide Unternehmen ihre gemeinsame Plattform für Gateway-Administration und Messdatenmanagement weiter aus. mehr...

enercity Netz/EnBW: Migration von knapp 21.000 intelligenten Messsystemen

[11.02.2026] enercity Netz hat den bundesweit bislang größten Wechsel eines Gateway-Administrators für Smart-Meter-Gateways abgeschlossen. Rund 21.000 intelligente Messsysteme wurden dabei in vergleichsweise kurzer Zeit und mit niedriger Verlustquote zu EnBW Utility Services migriert. mehr...

Smart-Meter-Initiative: Atlas zum Ausbau veröffentlicht

[10.02.2026] Der neue Smart-Meter-Atlas der Smart-Meter-Initiative macht den Stand des Pflicht-Roll-outs intelligenter Messsysteme nach Netzgebieten sichtbar. Die aktuellen Daten zeigen deutliche regionale Unterschiede, mit Berlin an der Spitze und strukturellen Problemen vor allem bei kleineren Betreibern. mehr...

E-world: rku․it legt Schwerpunkt auf SMGWA

[02.02.2026] rku․it will auf der E-world 2026 neue Plattform- und Managed-Services-Lösungen für die Energiewirtschaft vorstellen. Im Fokus stehen unter anderem Smart Meter Gateway Administration, Automatisierung und KI-gestützte Prozesse. mehr...

Power Plus Communications: GWA-System steuert vier Wallboxen gleichzeitig

[23.01.2026] Vier Wallboxen wurden erstmals parallel über ein SMGWplus aus einem GWA-System gesteuert. Der Test zeigt, dass die Lösung skalierbar ist und die Steuerung im Energienetz praxistauglich erweitert werden kann. mehr...

BSI: Richtlinie für Smart Meter Gateways überarbeitet

[19.12.2025] Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik hat die Technische Richtlinie TR-03109-6 für die Administration von Smart Meter Gateways überarbeitet. Die neue Version 2.0 wird mit der nächsten Zertifizierung der Gateway-Administrator-Systeme ab 2027 verbindlich. mehr...

PPC: Breitband Powerline für die Kommunikationsinfrastruktur

[19.12.2025] In Rheinland-Pfalz haben Pfalzwerke Netz und die PPC-Tochter Coms4Grid den Roll-out einer breitbandigen Powerline-Kommunikationslösung für Energienetze gestartet. Das WAN-as-a-Service-Projekt soll bis 2026 auf insgesamt 15.000 Endpunkte anwachsen und die Digitalisierung der Netzinfrastruktur vorantreiben. mehr...

Smight: Studie zum Energiewirtschaftsgesetz

[30.10.2025] Eine gemeinsame Studie von Horizonte Group und Smight vergleicht erstmals verschiedene Strategien zur Umsetzung des § 14a EnWG. Das Ergebnis: Stationsmesstechnik erweist sich in fast allen Szenarien als deutlich wirtschaftlicher als ein rein auf intelligente Messsysteme gestützter Ansatz. mehr...

smartOPTIMO/peerMetering: Entwicklung einer Funklösung zur intelligenten Messinfrastruktur

[24.10.2025] Das Osnabrücker Start-up peerMetering hat gemeinsam mit smartOPTIMO eine Funklösung entwickelt, die den Smart Meter Roll-out in Mehrfamilienhäusern vereinfachen soll. Durch die Verbindung von bis zu 30 digitalen Zählern mit nur einem Gateway wird der Einbau kostengünstiger und schneller – ohne Eingriffe in die Gebäudestruktur. mehr...