Montag, 19. Oktober 2026

WärmenetzeBanken sehen hohe Finanzierungsrisiken

[19.10.2026] Banken schätzen die Finanzierung von Wärmenetzen als riskanter ein als die von Stromnetzen. Eine Studie des Fraunhofer ISI zeigt, welche Hürden beim Ausbau der Fernwärme bestehen und wie sich die Finanzierung erleichtern lässt.

Ergebnisse der Frage „Wie relevant sind für Sie die folgenden Risikofaktoren bei der Finanzierung von Wärmenetzen?“ (m = Mittelwert der Einschätzungen)

(Bildquelle: Fraunhofer ISI/HFT Stuttgart)

Mehr als die Hälfte der befragten Bankenvertreter bewertet die Finanzierung von Wärmenetzen als riskanter als die von Stromnetzen. Das geht aus einer Kurzstudie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI und der Hochschule für Technik Stuttgart hervor. Wie das Fraunhofer ISI mitteilt, sehen 58 Prozent der Befragten höhere oder deutlich höhere Risiken. Als größte Unsicherheitsfaktoren gelten mögliche Einnahmeausfälle und schwer kalkulierbare Erlöse. Technische Risiken spielen dagegen eine geringere Rolle.

Für die Untersuchung befragten die Wissenschaftler zwischen März und Juni 2026 insgesamt 48 Vertreter von Sparkassen, Geschäftsbanken, Förder- und Entwicklungsbanken sowie Volks- und Raiffeisenbanken. Die Umfrage ist nicht repräsentativ. Da mehrere Personen derselben Bank teilnehmen konnten, entsprechen die 48 Antworten zudem nicht zwingend ebenso vielen Kreditinstituten.

Neubau erfordert mehr Eigenkapital

Die Studie zeigt deutliche Unterschiede zwischen der Finanzierung bestehender Wärmenetze und dem Neubau. Bei Bestandsnetzen liegt das von den Befragten angegebene typische Finanzierungsvolumen zwischen 0,5 und 250 Millionen Euro. Für Neubauprojekte reicht die Spanne von 2,5 bis 500 Millionen Euro.
Auch beim Eigenkapital stellen Banken an Neubauprojekte tendenziell höhere Anforderungen. Während die geforderten Eigenkapitalquoten bei Bestandsnetzen zwischen acht und 30 Prozent liegen, reichen sie bei Neubauprojekten von acht bis 50 Prozent. Die Kreditlaufzeiten bewegen sich in beiden Fällen zwischen zehn und 30 Jahren, fallen bei Neubauprojekten im Durchschnitt jedoch länger aus.

Nach Einschätzung der Studienautoren erschweren insbesondere Markt- und Erlösrisiken die Finanzierung. Dazu zählen geringere Wärmeabsatzmengen als erwartet, zu niedrige Preise oder Zahlungsausfälle. Kostensteigerungen und Genehmigungsrisiken bewerteten die Befragten als weniger problematisch.

Förderung und langfristige Verträge helfen

Als wichtigste Voraussetzungen für günstigere Finanzierungsbedingungen nennen die befragten Banken verlässliche Förderprogramme, langfristige Wärmelieferverträge und eine finanzielle Beteiligung der Kommunen. Insbesondere langfristige Abnahmeverpflichtungen können nach Einschätzung der Befragten dazu beitragen, künftige Einnahmen besser zu kalkulieren.

Darüber hinaus kommt es aus Sicht der Banken auf ausreichendes Eigenkapital, klare Haftungsregelungen und wirtschaftlich tragfähige Projekte an. Wichtig sei auch, Wärmenetze wirtschaftlich von defizitären Unternehmensbereichen zu trennen, damit ihre Zahlungsströme eigenständig bewertet werden können.

Öffentliche Hand soll Risiken absichern

Um Investitionen in Wärmenetze zu erleichtern, sprechen sich mehrere Befragte für eine stärkere Beteiligung der öffentlichen Hand an den Finanzierungsrisiken aus. Als mögliche Instrumente nennen sie staatliche Garantien, Bürgschaften und Haftungsfonds auf Bundes- oder Landesebene. Auch schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren könnten die Finanzierung erleichtern.

Die Studienautoren sehen insbesondere in langfristig verlässlichen Förderbedingungen und einer Aufteilung der Risiken zwischen öffentlichen und privaten Kapitalgebern Möglichkeiten, die Investitionstätigkeit zu stärken. Standardisierte Verträge und Bewertungsverfahren sowie die frühzeitige Einbindung von Banken könnten ebenfalls helfen.

Der Finanzierungsbedarf ist erheblich. Nach den vom Fraunhofer ISI angeführten Untersuchungen könnten Wärmenetze bis 2045 rund ein Drittel der Wohnungen in Deutschland versorgen. Dafür müsste das Investitionsvolumen bis 2030 auf etwa das Dreifache des heutigen Niveaus steigen. Gerade für Kommunen und Stadtwerke stellt die Finanzierung solcher Vorhaben eine große Herausforderung dar.





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