BDEW-StudieKapazitätsmarkt kann KWK-Förderung nicht ersetzen
Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (KWK) lassen sich grundsätzlich in einen technologieoffenen Kapazitätsmechanismus integrieren, doch ein solcher Markt kann die bestehende Förderung nach dem KWK-Gesetz nicht vollständig ersetzen. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Untersuchung, die der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) beim Beratungsunternehmen Frontier Economics in Auftrag gegeben hat.
Die Bundesregierung plant derzeit die Einführung eines Kapazitätsmechanismus, um die Versorgungssicherheit im Stromsystem langfristig abzusichern. Vor diesem Hintergrund analysierte die Studie, wie sich Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen in ein solches Marktdesign einfügen lassen, welche regulatorischen Voraussetzungen nötig wären und wie der Mechanismus mit der bestehenden Förderung zusammenwirken könnte.
KWK-Anlagen spielen bereits heute eine zentrale Rolle in der deutschen Energieversorgung. Rund zwei Drittel der steuerbaren Stromerzeugungskapazitäten – etwa 60 Gigawatt – verfügen über eine Nutzwärmeauskopplung. Damit tragen sie zugleich zur Strom- und Wärmeversorgung, zur Effizienzsteigerung und zum Klimaschutz bei.
Für Investoren ist vor allem die langfristige Planbarkeit entscheidend. „Investoren brauchen einen langfristigen Planungshorizont. Sie müssen jetzt wissen, wie das künftige regulatorische Umfeld von KWK-Anlagen beschaffen ist“, sagt Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung. Viele Anlagen seien inzwischen stark gealtert, sodass in den kommenden Jahren umfangreiche Ersatzinvestitionen anstünden. Ziel müsse ein stabiler Investitionsrahmen für moderne KWK-Anlagen sein, der gleichzeitig Überförderung vermeide.
Die Modellrechnungen der Studie zeigen, dass Erlöse aus einem technologieoffenen Kapazitätsmechanismus – bei gleichzeitig sinkenden Strommarkterlösen – die heutigen Zahlungen aus der KWK-Förderung unter aktuellen Marktbedingungen nicht vollständig kompensieren würden. Je nach Anlagentyp lägen die Gesamterlöse über die Laufzeit deutlich unter dem heutigen Niveau. Entscheidend für die Wirtschaftlichkeit wäre daher die konkrete Ausgestaltung des Kapazitätsmarkts.
Besonders kritisch könnten jährliche Gesamtemissionsgrenzwerte für die Teilnahme am Kapazitätsmarkt sein. Auch eine vollständige Anrechnung der stromseitigen Emissionen nach Vorgaben der europäischen Regulierungsbehörde ACER würde vor allem gasbasierte KWK-Anlagen mit hohen Anteilen an der Wärmeerzeugung einschränken.
Damit KWK-Anlagen dennoch sinnvoll teilnehmen können, sieht die Studie flexible Sekundärmärkte als wichtige Voraussetzung. Dort könnten Marktteilnehmer bereits eingegangene Kapazitätsverpflichtungen weitergeben und so auf wärmebedingte Einsatzrestriktionen reagieren, die für viele KWK-Anlagen typisch sind.
Als Fazit hält die Untersuchung fest: Ein technologieoffener Kapazitätsmechanismus kann die bestehende KWK-Förderung nicht ersetzen. Für Investoren sei deshalb eine zügige Verlängerung des Förderrahmens notwendig. Zudem müsse die Evaluierung der KWK-Förderung eng mit der operativen Einführung eines Kapazitätsmarkts verknüpft werden, um Planungssicherheit zu schaffen und gleichzeitig eine Überförderung zu vermeiden.
B.KWK: Analyse der Rolle der KWK
[17.02.2026] Der Branchenverband B.KWK wertet in einer Kurzanalyse Messdaten aus dem Jahr 2025 aus. Demnach ergänzen KWK-Anlagen die erneuerbaren Energien gezielt und orientieren sich am Strommarkt. Der Verband fordert eine Verlängerung des Förderrahmens. mehr...
Herrenchiemsee: Kulturerbe hat Nahwärmesystem erhalten
[19.01.2026] Auf der Herreninsel im Chiemsee ist ein neues Nahwärmesystem mit Holzvergaser-Blockheizkraftwerk in Betrieb gegangen, das mehrere denkmalgeschützte Gebäude nahezu autark mit Wärme und Strom versorgt. Das Projekt zeigt, wie sich erneuerbare Energietechnik auch in sensiblen Kulturerbe-Strukturen technisch anspruchsvoll integrieren lässt. mehr...
Thüringen: Lösung optimiert iKWK-Anlage
[15.01.2026] Mit Optimierungstechnologie des Fraunhofer IOSB-AST steuert das Unternehmen TWS Thüringer Wärme Service seine neuen iKWK-Anlagen in Gera-Langenberg und Ohrdruf kostenoptimal und förderkonform. Die Lösung verbindet Marktchancen am Strommarkt mit hoher Versorgungssicherheit im Wärmenetz. mehr...
Interview: Lösungen für die Balance im Netz
[06.01.2026] Aus dem BHKW-Pionier 2G Energy ist ein internationaler Anbieter dezentraler Energielösungen geworden. stadt+werk sprach mit dem neuen Vorstandschef Pablo Hofelich über Wachstum, Strategie und die Rolle des Unternehmens im Energiesystem der Zukunft. mehr...
Cogen Europe: Christian Grotholt erhält Lifetime Award
[05.12.2025] Cogen Europe hat Christian Grotholt in Brüssel für sein Lebenswerk in der europäischen Kraft-Wärme-Kopplung geehrt. Der Mitgründer von 2G Energy erhielt den Lifetime Award für jahrzehntelanges Engagement in der dezentralen Energieversorgung. mehr...
Stadtwerke Heidelberg: iKWK-Anlage nutzt Frequenzumrichter
[30.10.2025] Die Stadtwerke Heidelberg setzen bei ihrer innovativen Kraft-Wärme-Kopplungsanlage im Energiepark Pfaffengrund auf Ultra-Low Harmonic Drives von ABB. Die Frequenzumrichter sollen Oberwellen vermeiden und so einen stabilen und effizienten Betrieb der leistungsstarken Luft-Wasser-Wärmepumpen gewährleisten. mehr...
Kraft-Wärme-Kopplung: Klimaschutz wirtschaftlich erreichen
[06.10.2025] Die Elektrifizierung des Wärmesektors gewinnt an Bedeutung. Werden hier unterschiedliche Technologien klug kombiniert, gehen Wirtschaftlichkeit und Klimaschutz Hand in Hand. Zudem sollten die Potenziale eines dezentralen Back-up-Systems besser gehoben werden. mehr...
Gotha: iKWK-Anlage in Betrieb
[18.08.2025] Die Gothaer Stadtwerke Energie haben in Gotha-Siebleben eine innovative Kraft-Wärme-Kopplungsanlage in Betrieb genommen. Das Zusammenspiel von Blockheizkraftwerk, Luft-Wärmepumpe und Power-to-Heat soll jährlich rund 230 Tonnen CO₂ einsparen und 400 Haushalte mit klimafreundlicher Wärme versorgen. mehr...
Quartierskonzepte: Krisensichere Energieversorgung
[04.08.2025] Die Kombination aus BHKW, Photovoltaikanlage und einem Batteriespeicher mit Notstromfunktion gewährleistet in der Gemeinde Wackersdorf die Versorgungssicherheit sowohl im Alltag als auch im Krisenfall. mehr...
Interview: Mehr Mut zur Dezentralität
[24.07.2025] Nach drei Jahrzehnten an der Spitze von 2G Energy verabschiedet sich Christian Grotholt aus dem operativen Geschäft. Im Gespräch mit stadt+werk zieht der Mitgründer und langjährige CEO eine persönliche Bilanz. mehr...
Erkner: Zweite Großwärmepumpe angeliefert
[18.07.2025] Mit der Anlieferung der zweiten Großwärmepumpe ist das neue Heizsystem in Erkner Mitte vollständig. Ab Herbst liefert es erstmals grüne Fernwärme – mehr als die Hälfte davon aus erneuerbaren Quellen. mehr...
Bundesnetzagentur: Mehr Wettbewerb bei KWK
[14.07.2025] Die Bundesnetzagentur hat die Zuschläge für die Ausschreibungen von konventionellen und innovativen Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen vergeben. Die Nachfrage war in beiden Verfahren deutlich höher als das ausgeschriebene Volumen. mehr...
Stadtwerke Duisburg: Wärme aus der Kläranlage
[07.07.2025] Die Stadtwerke Duisburg haben an der Kläranlage Huckingen die größte innovative Kraft-Wärme-Kopplungsanlage (iKWK) ihrer Art in Deutschland in Betrieb genommen. Sie entzieht gereinigtem Abwasser Wärme und speist diese in das Fernwärmenetz ein. mehr...
Serie Best Practice KWK: Konzept für resiliente Energieversorgung
[16.06.2025] Zur Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit bieten sich modular aufgebaute Gasmotorenkraftwerke an. Sie können bei Bedarf hochflexibel sowohl Strom für den Kapazitätsmarkt als auch Wärme für Fernwärmenetze bereitstellen. mehr...















