Donnerstag, 2. April 2026

Kölner VerkehrsbetriebeLadestrom aus Bremsenergie

[14.07.2022] Eine E-Bus-Ladestation, deren Energie sich unter anderem aus der Bremsenergie von Straßenbahnen speist, hat das Ingenieurbüro Fehringer aus Dortmund für den Energieversorger RheinEnergie und die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB AG) umgesetzt.
Köln: Bremsenergie der Straßenbahnen liefert Ladestrom für E-Busse.

Köln: Bremsenergie der Straßenbahnen liefert Ladestrom für E-Busse.

(Bildquelle: Kölner Verkehrs-Betriebe AG / Christoph Seelbach)

Das Ingenieurbüro Fehringer aus Dortmund hat jetzt für den Energieversorger RheinEnergie und die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB-AG) eine E-Bus-Ladestation umgesetzt, deren Energie sich unter anderem aus der Bremsenergie von Straßenbahnen speist. Wie das Ingenieurbüro mitteilt, ist Dreh- und Angelpunkt der Ladestation ein durchdachtes Batterie- und Energie-Management-System für ausgemusterte Autobatterien. Dieses sei perfekt ausbalanciert und mit WAGO-Automatisierungstechnik vielfältig vernetzt. Seit Ende Dezember 2020 stehe die fertige E-Bus-Ladestation mit einer Ladeleistung von bis zu 500 Kilowatt (kW) in Köln-Bocklemünd. Die finale Inbetriebnahme sei im April 2021 abgeschlossen worden.
Sie sei das praxistaugliche Ergebnis eines Forschungsprojekts, das vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) und dem Projektträger Jülich (PTJ) gefördert worden ist. Die E-Bus-Ladestation sei nachhaltig, da der notwendige Strom durch freiwerdende Bremsenergie von Straßenbahnen erzeugt, die ansonsten verloren ginge. Außerdem bestehe der Energiespeicher in der E-Bus-Ladestation aus Second-Life-Batterien.

Second-Life-Batterien als stabiler Energiespeicher

Bei den eingesetzten Second-Life-Batterien handele es sich um ausgemusterte E-Auto-Batterien der Ford Werke. Jede für sich allein sei mittlerweile zu schwach, um als Antriebsbatterie eines E-Autos zu dienen. Sie seien aber noch kraftvoll genug, um sie im Zusammenschluss als Zwischenspeicher zu nutzen. „Wir hauchen diesen Batterien wieder neues Leben ein“, bringt es Nicolaj Fehringer, geschäftsführender Geselleschafter des Ingenieurbüros Fehringer, auf den Punkt. „Andernfalls hätten diese Batterien als umweltbelastender Sondermüll geendet, obwohl sie noch bis zu 80 Prozent ihrer ursprünglichen Kapazität aufweisen.“
Dem Ingenieurbüro zufolge besteht die Krux darin, dass jede einzelne Batterie ihre eigene Geschichte, ihren eigenen Charakter hat. Das erschwere den Zusammenschluss der in Reihe geschalteten Second-Life-Batterien zu einem stabilen Energiespeicher als E-Bus-Ladestation. Die Lösung: „Das von uns entwickelte Batterie-Management-System bringt diese Batterien auf ein gemeinsames Spannungslevel. Dafür wird jede einzelne Batteriespannung gemessen und ausbalanciert“, erklärt Nicolaj Fehringer. Laut Ingenieurbüro Fehringer musste hinter dieser Technik ein eigenes Batterie-Management-System entwickelt werden, das speziell für das genannte Konzept mit den Second-Life-Batterien zugeschnitten ist. Das dafür ebenso neu entwickelte, übergeordnete Energie-Management-System sorge für das funktionale Zusammenspiel aller technischen Komponenten.

Offene Linux-Programmierbarkeit

Das Ausbalancieren der Energieträger sei eine wichtige Schlüsselkomponente. Die dafür notwendigen Algorithmen habe ein achtköpfiges Team des Ingenieurbüros Fehringer in eineinhalb Jahren aufwendiger Entwicklungsarbeit programmiert – auf in Linux speicherprogrammierbaren Steuerungen (SPS) von WAGO. „Genau diese offene und einfache Linux-Programmierbarkeit hat den Ausschlag gegeben, WAGO-Technik für die Kommunikation und Regelung zu nutzen“, sagt Nicolaj Fehringer. Sie sei wichtig, „um unser auf Linux basierendes Datenbanksystem an den Energiespeicher anzubinden“.
Unter dem Motto „open and easy“, so das Ingenieurbüro, lassen sich mit dem PFC200, der speicherprogrammierbaren Steuerung (SPS) von WAGO, nicht nur komplexe Algorithmen und Schnittstellen in klassischer IEC-61131-Programmierung umsetzen, sondern beispielsweise auch mit offenen Programmiersprachen wie C++, Python oder NodeRed arbeiten oder Funktionen einfach via Docker implementieren. Mit dem WAGO PFC200 würden die Energiedatenflüsse des Energiespeichers der E-Bus-Ladestation dirigiert. Damit könnten eine Vielzahl von Schnittstellen adaptiert und die daraus resultierenden Datenflüsse visualisiert, analysiert und verarbeitet werden. Somit entstehe eine Datendrehscheibe, die komplexe Systeme mit einer seit über zwanzig Jahren etablierten Industrie-Hardware-Plattform vernetzt. Abgerundet werde das Ganze durch die Möglichkeit, diese Prozesse nutzerfreundlich beispielsweise in HTML5 oder Grafana dezentral auf dem PFC-Controller zu visualisieren. Diese gesammelten und aufbereiteten Daten hälfen, das Laden der Busse über das zehn Kilovolt-Netz beziehungsweise das Batterie- und Energie-Management-System noch weiter zu optimieren – je nach Anforderung und Verfügbarkeit.

Leuchtturmprojekt für mehr Nachhaltigkeit

In diesem komplexen System müsse der Strom zweimal gewandelt werden: von Gleichstrom (DC) der Bremsenergie in Wechselstrom (AC) der Batteriespeicher, um im Ladepunkt wieder den Gleichstrom (DC) bereitzustellen, mit dem die E-Busse Strom auftanken können. „Dennoch bleibt der Wirkungsgrad der Elektromobilität größer als der von benzinbetriebenen Fahrzeugen“, ist Nicolaj Fehringer überzeugt. Dem Ingenieurbüro zufolge kommt hinzu, dass mit der genutzten Bremsenergie eine bisher verschwendete Energiequelle nutzbar gemacht wird und ausgemusterte E-Auto-Batterien ein zweites Leben erhalten. Diese E-Bus-Ladestation mit ihrem innovativen Batterie- und Energie-Management-System sei daher ein Leuchtturmprojekt, das die Negativaspekte der E-Mobilität reduziere und die Energiebilanz hin zu mehr Nachhaltigkeit verbessere.





Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Elektromobilität

BMV: Mehrparteienhäuser sollen Lade-Infrastruktur erhalten

[26.03.2026] Das Bundesverkehrsministerium startet ein 500-Millionen-Euro-Programm für Lade-Infrastruktur in Mehrparteienhäusern. Damit soll der Ausbau privater Lademöglichkeiten deutlich beschleunigt werden – ein Engpass, der bislang viele am Umstieg auf E-Mobilität hindert. mehr...

Baden-Württemberg: Pilotprojekt zum Laden von E-Autos gestartet

[24.03.2026] Das Pilotprojekt LadeFlexBW erprobt intelligentes, netz- und marktdienliches Laden privater Elektrofahrzeuge unter Alltagsbedingungen. Der Feldtest in Baden-Württemberg soll zeigen, wie sich dezentrale Flexibilität auch ohne Smart Meter wirtschaftlich nutzen lässt. mehr...

Berlin: Ausbau der Lade-Infrastruktur auf öffentlichen Flächen

[23.03.2026] Berlin baut die Lade-Infrastruktur auf eigenen Liegenschaften aus und hat 61 neue Ladepunkte installiert. Das Pilotprojekt soll zeigen, wie öffentliche Flächen den Umstieg auf Elektromobilität beschleunigen können und welche Rolle sie für die Klimaziele der Stadt spielen. mehr...

eMob#2: Fachkonferenz zur E-Mobilität

[20.03.2026] Die Fachkonferenz eMob#2 stellt aktuelle Lösungen für Lade-Infrastruktur, Flottenmanagement und Abrechnung in den Mittelpunkt. Das Branchentreffen Ende April in Frankfurt am Main zeigt, wie Betreiber ihre E-Flotten effizienter steuern und abrechnen können. mehr...

Flotte! Der Branchentreff: Hager präsentiert witty flex

[17.03.2026] Hager stellt mit witty flex eine bidirektionale Ladestation für Elektrofahrzeuge vor. Das System soll Energie nicht nur ins Auto laden, sondern auch ins Gebäude zurückspeisen – und zeigt damit, wohin sich Lade-Infrastruktur für Gebäude und Flotten entwickelt. mehr...

Rheinmetall/TankE: Kooperation zu Ladebordsteinen

[16.03.2026] Rheinmetall und TankE wollen den Ladebordstein als integrierte Lade-Infrastruktur für Elektrofahrzeuge in die Fläche bringen. Die strategische Partnerschaft soll den Ausbau öffentlicher und privater Ladepunkte beschleunigen – vor allem dort, wo klassische Ladesäulen an Platz- oder Bauvorgaben scheitern. mehr...

Hamburg: 120. öffentlicher Ladepunkt in Betrieb genommen

[13.03.2026] Der Energieversorger enercity hat in Hamburg seinen 120. öffentlichen Ladepunkt für Elektroautos in Betrieb genommen und führt erstmals intelligentes Laden an AC-Ladesäulen ein. Die Funktion soll Ladekosten senken und ist Teil eines groß angelegten Ausbaus der Lade-Infrastruktur der Hansestadt bis 2027. mehr...

Frankfurt am Main: Stadt plant zusätzliche Ladepunkte

[06.03.2026] Frankfurt am Main startet eine neue Ausbauphase für öffentliche Ladepunkte und bereitet die Vergabe weiterer Standorte an private Betreiber vor. Ziel ist ein stadtweiter Roll-out mit rund 2.500 zusätzlichen Ladepunkten, um den wachsenden Bedarf der Elektromobilität zu decken. mehr...

Enervie: Kooperation für mehr E-Lkw

[23.02.2026] Die Enervie Gruppe und die Jürgens Gruppe möchten den Nutz- und Schwerlastverkehr in der Region elektrifizieren. Dazu sind neue E-Lkw-Flotten und Ladepunkte auf Betriebshöfen geplant. Ein erstes Projekt wird in Lüdenscheid umgesetzt. mehr...

Zwei neue Elektro-Nutzfahrzeuge der Mainzer Entsorgungsbetriebe stehen vor einem modernen Verwaltungsgebäude: links ein weißer Iveco-Transporter mit Ladefläche, rechts ein größerer Mercedes-Benz-Lkw. Vor beiden Fahrzeugen informieren grüne Aufsteller über die Ausstattung und den Einsatz im kommunalen Betrieb.

Rheinland-Pfalz: E-Fahrzeuge im Mainzer Fuhrpark

[11.02.2026] Das Land Rheinland-Pfalz unterstützt die Mainzer Entsorgungsbetriebe bei der Anschaffung neuer Elektro-Nutzfahrzeuge. Aus dem Kommunalen Investitionsprogramm Klimaschutz und Innovation fließen rund 4,6 Millionen Euro. mehr...

Ennepe-Ruhr-Kreis: Wo fehlen öffentliche Ladestationen?

[11.02.2026] Im Ennepe-Ruhr-Kreis sollen Bürgerinnen und Bürger Hinweise geben, wo öffentliche Ladestationen für Elektroautos fehlen. Die Kreisverwaltung sammelt die Vorschläge online als Grundlage für ein neues Lade-Infrastrukturkonzept. mehr...

Öffentliche Ladesäule für Elektroautos in einem Wohngebiet, an der ein weißes E-Auto angeschlossen ist und lädt.

Ladeinfrastruktur: Planungstool für Ladesäulen

[06.02.2026] Kommunen erhalten ein neues digitales Werkzeug für den Ausbau öffentlicher Ladepunkte. Das kostenlose Planungstool soll vor allem Städten und Gemeinden mit wenig Erfahrung Orientierung geben. Es wurde von der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur entwickelt. mehr...

Würzburg: 15. Platz im VDA-Ranking zur Elektromobilität

[20.01.2026] Würzburg verfügt über 388 öffentliche Ladepunkte und erreicht damit im aktuellen VDA-Städteranking Platz 15. Der regionale Versorger WVV sieht sich dadurch in seiner Ausbaustrategie für Elektromobilität bestätigt. mehr...

TU Darmstadt: Forschungsprojekt zu KI-gestütztem Energiemanagementsystem

[12.01.2026] Ein Forschungsprojekt an der TU Darmstadt entwickelt ein KI-gestütztes Energiemanagementsystem für elektrische Nutzfahrzeugflotten, das Ladeprozesse mit dem Strommarkt verzahnt. Ziel ist es, Netze zu stabilisieren, Kosten zu senken und erneuerbare Energien besser zu nutzen. mehr...

Gera: Zehn weitere E-Busse für ÖPNV

[09.01.2026] Gera erhält weitere zehn Elektrobusse für den öffentlichen Nahverkehr. Die Anschaffung wird mit 4,4 Millionen Euro aus EU-Mitteln gefördert und schließt auch neue Lade-Infrastruktur ein. mehr...