Freitag, 25. September 2026

Nordrhein-WestfalenNeues Online-Portal Geothermie

[01.02.2023] Das neue Online-Portal Geothermie erlaubt einen tiefen Blick in den Untergrund in Nordrhein-Westfalen.

Der Geologische Dienst NRW (GD NRW) hat jetzt eine neue Version des Online-Portals Geothermie in Nordrhein-Westfalen freigeschaltet. Wie GD NRW mitteilt, wurde die Erweiterung des bundesweit ersten Portals zur Geothermie vom nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministerium beauftragt und gemeinsam mit dem Landesbetrieb IT.NRW entwickelt. Für die erfolgreiche Nutzung der Geothermie sei das Wissen über die geologische Beschaffenheit des Untergrunds unverzichtbar. Sei es in den letzten Jahren dabei hauptsächlich um oberflächennahe Geothermieprojekte gegangen, steige aktuell die Nachfrage nach Daten für mitteltiefe und tiefe Projekte rasant. Mit der neuen Version des Portals ständen nun auch geothermisch relevante Informationen bis in mehr als 5.000 Meter Tiefe bereit. Dies sei insbesondere für die Wärmeversorgung von Quartieren bis hin zur Einspeisung von sauberer Erdwärme in Fernwärmenetze von Bedeutung.

Risiko in der Planungsphase reduzieren

„Unser Portal ist seit 20 Jahren ein wichtiges Tool für die Planung von Erdwärmeanlagen für Eigenheime und zunehmend auch für größere Projekte“, erklärt Geologe Ingo Schäfer vom GD NRW. Ulrich Pahlke, Direktor des Geologischen Dienstes NRW, ergänzt: „Heute ist das Portal eine wichtige Brücke zur Wärmewende und orientiert sich daher an den Bedürfnissen der jetzigen Zeit: eine lokale, unabhängige, sichere und insbesondere klimafreundliche Wärmeversorgung für NRW. Mit der Erweiterung des Portals um die mitteltiefe und tiefe Geothermie stellen wir für Kommunen, Energieversorger und Unternehmen mit hohem Wärmebedarf wichtige Geo-Daten zur Verfügung und nehmen damit bereits in der Planungsphase einen Teil des Risikos aus den Projekten.“
„In einem ersten Schritt stellen wir die Daten für den Raum Rheinland und den Nordrand des Rheinischen Schiefergebirges bereit“, sagt Schäfer, „weitere Regionen sollen folgen.“

Unverzichtbare Kennwerte

Angaben von GD NRW zufolge ist neben mehr als 10.000 prognostischen geologischen Schichtverzeichnissen, basierend auf Messungen an Bohrkernen, erstmals eine Angabe der erwarteten Wärmeleitfähigkeiten bis in 1.000 Meter Tiefe möglich. Für die Bemessung von Erdwärmesonden seien dies unverzichtbare Kennwerte. Neu sei außerdem die Möglichkeit, sich Bohrungen in der Nähe des geplanten Projektstandorts sowie bestehende bergrechtliche Erdwärmefelder anzeigen zu lassen. Im neuen Portal sei zudem ein Planungstool zur Berechnung der benötigten Sondenlänge bis 1.000 Meter Tiefe enthalten. Das Tool WebEWS wurde an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen entwickelt und gemeinsam für das Portal angepasst.
Für die mögliche Wärmeversorgung von Kommunen oder ganzen Städten könne die Verbreitung von potenziell für die Geothermie geeigneten Gesteinsschichten im Untergrund abgerufen werden. „Für Geothermievorhaben, die deutlich höhere Temperaturen benötigen und damit tiefer als 1.000 Meter reichen, fokussieren wir uns in NRW auf Kalkgesteine. Durch ihre Hohlräume kann heißes Wasser zirkulieren, das etwa über Fernwärmenetze großräumig zu Heizzwecken genutzt werden könnte. Das Portal gibt daher nun auch Auskunft über die Verbreitung, Tiefe und Mächtigkeiten von Kalksteinschichten bis in mehr als 5.000 Meter Tiefe“, erläutert Schäfer und ergänzt: „Die Planung von Anlagen und die Durchführung der einzelnen Projektschritte, vom bergrechtlichen Antrag bis hin zur ersten Bohrung, sollte erfahrenen Planungsbüros überlassen werden, denn sie haben dafür das notwendige Know-how.“





Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Geothermie
bericht

Geothermiekonferenz: Fortschritte bei Wärmenutzung aus der Tiefe

[24.09.2026] Auf der 21. Geothermiekonferenz in Bochum haben Fachleute, Kommunen und Energieversorger über den Stand der Geothermienutzung in Nordrhein-Westfalen und aktuelle Projekte berichtet. Im Mittelpunkt standen Erkundungen für die tiefe Geothermie, konkrete Vorhaben von Versorgern sowie die Förder- und Unterstützungsangebote des Landes. mehr...

LIAG: Geothermie könnte Olympiastadion mit Wärme versorgen

[21.09.2026] Oberflächennahe Geothermie könnte den Wärmebedarf des Berliner Olympiastadions rechnerisch vollständig decken. Modellberechnungen zeigen zudem, welches Potenzial große Sportflächen für die Wärmewende in Städten bieten können. mehr...

Stadtwerke Weimar: Aufsuchungserlaubnis für Tiefengeothermie erhalten

[14.09.2026] Die Stadtwerke Weimar dürfen das Potenzial für Tiefengeothermie im Raum Weimar untersuchen. Eine bis Juni 2031 befristete Erlaubnis umfasst ein rund 495 Quadratkilometer großes Gebiet und ist Voraussetzung für weitere Erkundungen. mehr...

Stadtwerke Bernau: Tiefengeothermieprojekt pausiert

[11.09.2026] Die Stadtwerke Bernau haben die Planungen für eine Tiefengeothermiebohrung am Schönfelder Weg vorerst gestoppt. Nach einer erneuten Prüfung sei der Bau und Betrieb der geplanten Anlage derzeit wirtschaftlich nicht darstellbar. Der kommunale Versorger will nun alternative Lösungen für eine klimaneutrale Wärmeversorgung untersuchen. mehr...

Geologischer Dienst NRW: Erkundungen im nördlichen Münsterland

[03.09.2026] Im nördlichen Münsterland untersucht der Geologische Dienst NRW das Potenzial für tiefe Erdwärme. Drei Seismik-Trassen sollen Kommunen und Stadtwerken zeigen, wo sich weitere Erkundungen für die Wärmeversorgung lohnen. mehr...

Münster: Hochschulstandort baut Geothermie-Anlage weiter aus

[02.09.2026] Die FH Münster baut ihre Geothermie-Anlage am Technologie-Campus Steinfurt für 18,8 Millionen Euro aus. Künftig soll Erdwärme rund 64 Prozent des Wärmebedarfs decken und zugleich als Reallabor für effizientere Wärmepumpen dienen. mehr...

Stadtwerke Munster-Bispingen: Heißes Wasser mit bis zu 154 Grad Celsius entdeckt

[28.08.2026] Die Stadtwerke Munster-Bispingen sehen nach ersten Arbeiten am Tiefengeothermie-Projekt in Munster gute Chancen für eine wirtschaftliche Wärmenutzung. In einem ertüchtigten Bohrloch stieß die Unternehmenstochter HeideGeo auf Wasser mit Temperaturen von bis zu 154 Grad Celsius. mehr...

München: Seismik-Messungen gestartet

[26.08.2026] Im Großraum München wird der tiefe Untergrund in den kommenden Monaten großflächig untersucht. Die Daten sollen ein dreidimensionales geologisches Modell ermöglichen und die Planung weiterer Geothermieprojekte unterstützen. Die Messungen sind Teil des Forschungsprojekts GIGA-M. mehr...

Fraunhofer IEG: Forschungsprojekt zu Kalkgestein in der Rhein-Ruhr-Region

[17.08.2026] Ein Forschungsprojekt entwickelt neue Werkzeuge für die Tiefengeothermie in der Rhein-Ruhr-Region. R3Chain soll das Potenzial von Kalkgestein genauer bestimmen und Stadtwerken sowie Energieversorgern frühere Planungssicherheit geben. mehr...

Fraunhofer IEG: EU-Projekt entwickelt neue Bohrtechnik

[13.08.2026] Das EU-Projekt UPLIFT entwickelt mit der MTD-Technologie eine Bohrtechnik, die bestehende Geothermiebohrungen durch seitliche Mikro-Bohrungen erweitern soll. Das Verfahren wird in einer drei Kilometer tiefen Bohrung in Tschechien getestet und soll höhere Wärmeleistungen bei geringerem Erschließungsrisiko ermöglichen. mehr...

Hamburg: Tiefengeothermie-Projekt steht kurz vor Inbetriebnahme

[10.08.2026] Hamburgs erstes Tiefengeothermie-Projekt steht vor der Inbetriebnahme. Noch 2026 soll Erdwärme aus mehr als 1.300 Metern Tiefe in das Fernwärmenetz von Wilhelmsburg eingespeist werden. mehr...

Badenova: Vorbereitung von Tiefbohrungen

[10.08.2026] Das Geothermieprojekt Erdwärme Breisgau hat die bergrechtliche Genehmigung für die nächste Projektphase erhalten. Badenova und Herrenknecht bereiten nun die Bohrungen vor und investieren gemeinsam in die Erschließung eines Tiefengeothermie-Reservoirs. mehr...

Rheinisches Revier: Vorbereitung zu seismischen Messungen

[27.07.2026] Fraunhofer IEG bereitet seismische Messungen zur Erkundung des geothermischen Potenzials im Rheinischen Revier vor. Die Untersuchungen sollen die Datengrundlage für kommunale Wärmeplanung und künftige Geothermieprojekte verbessern. mehr...

EWP Potsdam: Bohrstart für Tiefengeothermie

[17.07.2026] Die Energie und Wasser Potsdam hat am Heizkraftwerk Süd die Bohrungen zur Erschließung von Tiefengeothermie begonnen. Mit dem Projekt soll eine weitere erneuerbare Wärmequelle für die Fernwärmeversorgung der Landeshauptstadt erschlossen werden. mehr...

München: Große Seismik-Kampagne

[14.07.2026] Im Großraum München beginnt Ende August eine groß angelegte seismische Messkampagne zur Erkundung von Geothermiepotenzialen. Nach Angaben des Forschungsprojekts GIGA-M soll dabei erstmals ein durchgängiges dreidimensionales Modell des tiefen Untergrunds entstehen. mehr...