TÜV-StudieUnterschätztes Risiko

TÜV-Studie: Die wenigsten Befragten rechnen mit Veränderungen durch intelligente Netze.
(Bildquelle: TÜV Süd / Technomar)
Die Energiewirtschaft und das produzierende Gewerbe unterschätzen das Risikopotenzial, das von der Modernisierung der Stromnetze ausgeht. Das Bewusstsein für die Angreifbarkeit von intelligenten Netzen ist kaum vorhanden und Schutzmaßnahmen sind Mangelware. Das sind Ergebnisse der Studie „Security & Safety in einer smarten Energiewelt“, die das Unternehmen TÜV Süd zum Auftakt der Hannover Messe 2013 vorstellt hat. Für die Studie wurden Entscheidungsträger bei großen Energieversorgern, Stadtwerken und Fertigungsbetrieben befragt.
Kai Strübbe, Leiter des Bereichs Embedded Systems bei TÜV Süd, sagte: „Die vermehrte Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energien und der Umbau der Stromnetze zu Smart Grids sind Herausforderungen für die Versorgungssicherheit und die Netzstabilität.“ Viele moderne Produktionsanlagen würden aufgrund zeitkritischer Prozesse empfindlich auf Netzschwankungen oder Stromausfälle reagieren, so Strübbe. Zudem wachse durch Smart Grids die Bedrohung durch Schad-Software und Hacker-Attacken, von denen sowohl Produktionsanlagen, als auch die gesamte Versorgungsinfrastruktur betroffen sein könnten. Dennoch glauben die meisten Befragten, dass die Einführung von intelligenten Netzen nicht zu einer merklichen Beeinträchtigung der Versorgungsqualität führen wird. Dies habe zur Folge, dass im produzierenden Gewerbe nur die Hälfte der befragten Unternehmen ausreichend gegen Störungen bei der Stromversorgung geschützt ist, so die TÜV-Studie. 32 Prozent bewerten ihre Situation als sicher und 17 Prozent als sehr sicher.
Dieser Selbsteinschätzung entspreche auch die Tatsache, dass mehr als die Hälfte der Fertigungsbetriebe im Fall von Netzstörungen über keinerlei technische oder organisatorische Gegenmaßnahmen verfüge. Mehr für die Sicherheit tun will auch in Zukunft nur eine Minderheit der befragten Unternehmen: 28 Prozent bei den Energieversorgern, 45 Prozent bei den Stadtwerken und 22 Prozent im produzierenden Gewerbe. Nach Angaben von TÜV Süd ist zudem der Schutz vor Schad-Software oder Hacker-Angriffen wenig überzeugend. Nur 48 Prozent der Befragten im produzierenden Gewerbe gaben an, in dieser Hinsicht sicher oder sehr sicher zu sein. Bei den großen Energieversorgern halten sich immerhin 57 Prozent der Befragten für gut gewappnet gegen solche Attacken, bei den Stadtwerken sind es 54 Prozent.
In dieses Bild passten auch die Aussagen, dass 62 Prozent der Energieversorger keinen Gesamtverantwortlichen für die IT-Sicherheit haben. Auch bei 33 Prozent der Stadtwerke und 42 Prozent der Fertigungsbetriebe gebe es keinen solchen Verantwortlichen. „Vor allem die Aussagen zur IT Security sehen wir mit großer Sorge“, erklärte Kai Strübbe. „Denn durch die zunehmende Ausstattung der Stromnetze mit Intelligenz und die Kommunikationsfähigkeit von Smart Grids erhöht sich auch das Risiko für feindliche Angriffe.“
Powerpoint-Präsentation mit den Ergebnissen der Studie „Security & Safety in einer smarten Energiewelt“ (PDF, 780 KB)
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