Freitag, 18. September 2026

NetzausbauFreileitungen statt Erdkabel

[18.09.2025] Die Betreiber der großen Stromübertragungsnetze sprechen sich eindeutig gegen sogenannte Hybridlösungen aus, bei denen beim Netzausbau Erdkabel und Freileitungen kombiniert werden. Sie führen Kosten, Technik, Akzeptanz und Genehmigungsverfahren als Gründe an.

Erdkabel: Die Kosten für den Netzausbau haben sich durch die teurere Technik verdoppelt.

(Bildquelle: TransnetBW GmbH)

Die Übertragungsnetzbetrieber 50Hertz, TenneT und TransnetBW haben in einem gemeinsamen Positionspapier erklärt, dass neue Gleichstromtrassen wie OstWestLink, NordWestLink und SuedWestLink als Freileitungen gebaut werden sollten. Nach ihren Angaben ließen sich dadurch mindestens zwanzig Milliarden Euro sparen. Die Netzbetreiber erinnern daran, dass 2015 der Erdkabelvorrang gesetzlich eingeführt wurde, um mehr Akzeptanz zu erreichen. Dieses Ziel sei verfehlt worden, heißt es im Papier. Stattdessen seien neue Konflikte entstanden, etwa mit Landwirten und Grundstückseigentümern. Gleichzeitig hätten sich die Kosten durch die teurere Technik verdoppelt.

Zusätzliche Risiken durch Hybridlösungen

Nach Einschätzung der Netzbetreiber sind reine Freileitungen in mehrfacher Hinsicht überlegen. Sie seien leichter zu reparieren und schneller wieder in Betrieb. Fehler ließen sich einfacher lokalisieren. Zudem senke die bessere Verfügbarkeit die sogenannten Redispatch-Kosten, also die Ausgaben für den Ausgleich von Netzengpässen. Dagegen brächten Hybridlösungen zusätzliche Risiken mit sich, etwa durch die notwendigen Übergabestationen zwischen Kabel und Leitung. Diese seien technisch komplex, anfällig und teuer.

Auch beim Flächenverbrauch sehen die Unternehmen deutliche Vorteile. Freileitungen beanspruchen Boden fast nur an den Maststandorten. Kabeltrassen erforderten dagegen durchgehende Eingriffe in den Boden. Jede Übergabestation zwischen Kabel und Leitung beanspruche zusätzlich bis zu 3,4 Hektar Fläche. Dies könne vor allem Land- und Forstwirtschaft dauerhaft belasten.

Warnung vor erheblichen Verzögerungen

Die Netzbetreiber warnen zudem vor erheblichen Verzögerungen in Genehmigungsverfahren. Jeder Wechsel zwischen Erdkabel und Freileitung müsse gesondert begründet und genehmigt werden. Dadurch entstünden neue Konflikte zwischen Kommunen und Bundesländern. Erfahrungen aus dem SuedLink-Projekt hätten bereits gezeigt, dass Hybridlösungen regionale und überregionale Auseinandersetzungen verstärkten. Nach Angaben der Netzbetreiber ließe sich die Bauzeit der drei geplanten Leitungen um mindestens ein Jahr verkürzen, wenn sie als reine Freileitung ausgeführt würden. Die Hybridvariante sei nur ein scheinbarer Kompromiss, tatsächlich aber deutlich aufwendiger und konfliktträchtiger.





Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Netze | Smart Grid

Smight: Kritische Netzsituationen erkennen

[15.09.2026] Der Anbieter Smight hat mit SMIGHT NeMS ein neues Netzmanagementsystem für die Niederspannung vorgestellt. Die Plattform soll Messdaten, Steuerung und Prognosen zusammenführen und Verteilnetzbetreiber bei der Umsetzung regulatorischer Vorgaben unterstützen. mehr...

Regensburg: Netzbetreiber modernisiert Schaltanlage

[11.09.2026] Regensburg Netz hat eine Mittelspannungsschaltanlage im Norden der Stadt umfassend modernisiert. Die neue Anlage kommt ohne das Isoliergas Schwefelhexafluorid aus und soll die Betriebssicherheit erhöhen. Zum Einsatz kommt Clean-Air-Technologie von Schneider Electric. mehr...

Konstanz: Erneuerung von Hochspannungsleitung

[08.09.2026] Die Stadtwerke Konstanz haben eine grenzüberschreitende 110-Kilovolt-Leitung aus der Schweiz erneuert. Das Projekt ist Teil eines umfassenden Netzausbaus, mit dem sich der Versorger auf einen bis zu dreimal höheren Leistungsbedarf vorbereitet. In den kommenden Jahren sollen dafür mehr als 150 Millionen Euro investiert werden. mehr...

Netzplanung: Strom, Gas und Wasserstoff rücken enger zusammen

[08.09.2026] Die Bundesnetzagentur hat die Entwürfe für die neuen Szenariorahmen Strom sowie Gas und Wasserstoff zur Konsultation gestellt. Sie zeigen mögliche Entwicklungen von Energieerzeugung und -verbrauch bis 2040 und 2045 und bilden damit die Grundlage für die weitere Netzplanung. mehr...

Mitnetz Strom: Pilotprojekt zur Auswertung historischer Netzdaten

[04.09.2026] Künstliche Intelligenz soll bei mehreren Verteilnetzbetreibern historische Netzdaten zu Niederspannungskabeln besser nutzbar machen. Das Pilotprojekt Cable Age prüft, wie sich daraus belastbare Informationen für Datenmanagement, Netzplanung und Asset Management gewinnen lassen. mehr...

Umfrage: Probleme beim Roll-out von Smart Metern

[31.08.2026] Eine Befragung des Verbraucherzentrale Bundesverbands zeigt weiter Schwierigkeiten beim Ausbau intelligenter Messsysteme. 91 Prozent der befragten Messstellenbetreiber berichten von Problemen. mehr...

bericht

Smart Grid: Kostengünstigster Weg zum Netzzustand

[31.08.2026] Eine Studie von Smight und der Horizonte-Group zeigt: Der Einsatz von Stationsmesstechnik ist in den meisten Fällen der wirtschaftlichste Weg zur Netzzustandsermittlung. Die Kostenunterschiede zu anderen Ansätzen sind dabei teilweise erheblich. mehr...

Bremerhaven: Forschungsprojekt zur Belastbarkeit von Stromkabeln

[25.08.2026] Ein Forschungsprojekt in Bremerhaven entwickelt ein Monitoring-System, das die thermische Belastung erdverlegter Hochspannungskabel bei zunehmender Bodenaustrocknung überwachen soll. Besonders für die Anbindung von Offshore-Windparks könnte die Technik helfen, klimabedingte Risiken für kritische Netzinfrastruktur frühzeitig zu erkennen. mehr...

bericht

Regulatorik: Hochspannung im System

[20.08.2026] Energieversorger müssen sich in den kommenden Jahren auf zahlreiche regulatorische Neuerungen einstellen. MaBiS-Hub, Lieferantenwechsel Gas in 24 Stunden, AgNeS, HEDWIG und MiSpeL bringen insbesondere für die IT-Infrastrukturen Herausforderungen mit sich. mehr...

Schleswig-Holstein: Suedlink-Tunnel fertiggestellt

[20.08.2026] Unter der Elbe ist der Tunnel für die Stromtrasse Suedlink fertig vorgetrieben. Das Bauwerk ElbX bringt den Netzausbau zwischen Schleswig-Holstein und Niedersachsen einen entscheidenden Schritt voran und soll ab 2028 Windstrom in den Süden transportieren. mehr...

CLS-Management: Thüga SmartService startet Roll-out

[18.08.2026] Thüga SmartService hat bei fünf Messstellenbetreibern das CLS-Management in den produktiven Betrieb überführt. Bis Ende August sollen fünf weitere Kunden folgen. Für das Gesamtjahr sind 40 Produktivsetzungen geplant. mehr...

Bundesnetzagentur: Rückläufige Zahlen bei Netzengpassmanagement

[13.08.2026] Das Netzengpassmanagement ist im ersten Quartal 2026 deutlich zurückgegangen. Die Bundesnetzagentur verzeichnete weniger Maßnahmen und Kosten, zugleich verschieben sich die Engpässe zunehmend in die Verteilernetze. mehr...

Mitnetz Strom: Drohnen überwachen das Stromnetz

[10.08.2026] Mitnetz Strom setzt Drohnen flächendeckend für die Inspektion und Überwachung seines Stromnetzes ein. Die Technik soll den Netzbetrieb sicherer und effizienter machen und liefert zugleich Daten für KI-gestützte Zustandsanalysen. mehr...

evu+: Online-Karte bietet Überblick über Stromverteilnetze

[06.08.2026] Eine neue Online-Karte zeigt die Stromnetzbetreiber in Deutschland und ihre angeschlossenen Erzeugungsanlagen sowie Batteriespeicher. Die Übersicht soll die Rolle der Verteilnetzbetreiber für Energiewende und Versorgungssicherheit anhand öffentlicher Daten sichtbar machen. mehr...

Mitnetz Strom: Investitionen in das Stromnetz in Brandenburg

[03.08.2026] Mitnetz Strom investiert 2026 rund 119 Millionen Euro in den Ausbau und die Modernisierung des Stromnetzes in Brandenburg. Die Vorhaben sollen zusätzliche Netzkapazitäten für erneuerbare Energien schaffen und die Versorgungssicherheit in mehreren Regionen stärken. mehr...