endura kommunalAn der Wertschöpfung partizipieren
Die finanzielle Bürgerbeteiligung für den neuen Windpark Rauhkasten-Steinfirst bei Gengenbach ist gestartet. Wie das Unternehmen endura kommunal mitteilt, können ab sofort interessierte Bürger der umliegenden Gemeinden von den Gewinnen profitieren. Zusammen mit den Stadtwerken Gengenbach übernehmen sie 50 Prozent des Windparks. Die Idee für die Wertschöpfung vor Ort kam nach eigenen Angaben von der Freiburger Beratungsfirma endura kommunal, die das 21-Millionen-Euro-Projekt in Baden-Württemberg von Beginn an begleitete. Seit Anfang Juli 2017 ist der Windpark am Netz. Die vier Windenergieanlagen mit einer Nabenhöhe von 149 Metern und einer Nennleistung von insgesamt zwölf Megawatt können rund 9.000 Haushalte im Jahr mit Ökostrom versorgen. Die Gemeinde werde daher künftig mehr Strom erzeugen als ihre 5.500 Haushalte verbrauchen, informiert das Unternehmen. Die Kosten der Projektentwicklung von 600.000 Euro übernahm der Windanlagenhersteller Enercon, der die andere Hälfte des Windparks hält. Für die baden-württembergische Stadt sei die Planung daher ohne Risiko gewesen, informiert endura kommunal.
Verzinsung von 2,5 Prozent für die Bürger
Das im Rahmen der Bürgerbeteiligung eingeworbene Geld dient zur Finanzierung von zwei der vier Windenergieanlagen. Zu diesem Zweck wurde die Windenergie Gengenbach GmbH gegründet. Sie ist ein Tochterunternehmen der Stadtwerke Gengenbach, die die Möglichkeit der Bürgerbeteiligung geschaffen haben. Das eingesetzte Geld der Bürger wird mit 2,5 Prozent pro Jahr fest verzinst. Die Mindestbeteiligung liegt bei 1.000 Euro, die Höchstsumme bei 10.000 Euro. Die Laufzeit der Windbeteiligung beträgt 20 Jahre. Die Rückzahlung erfolgt nach zehn Jahren in jährlichen Raten. Rechtliche Hilfestellung bei der Ausarbeitung des Beteiligungsangebots kam von den Rechtsexperten Sterr-Kölln & Partner aus Freiburg. Wie endura kommunal mitteilt, soll die durchschnittliche Jahresenergieproduktion der beiden Anlagen der Windenergie Gengenbach 14,2 Millionen Kilowattstunden (brutto) betragen. Das Angebot, sich mit einem qualifizierten Nachrangdarlehen an den Windkraftanlagen zu beteiligen, gelte für alle, die in den Postleitzahlgebieten von Gengenbach, Berghaupten, Friesenheim, Hohberg, Ohlsbach, Biberach, Lahr, Oberharmersbach, Seelbach, Zell am Harmersbach oder Nordrach wohnen.
Pachtgemeinschaft bringt Vorteile
Die Freiburger Firma endura kommunal hat den gesamten Prozess von Beginn an bis zur Bürgerbeteiligung begleitet. Sie wählte einen Projektentwickler mit aus und kümmerte sich um Termine mit Behörden, Gutachtern, Bürgern, Gemeinderäten, Nachbarkommunen und Projektgegnern. Durch die Bildung einer Pachtgemeinschaft und eines Anlagen-Pools konnten die Interessen der verschiedenen Grundstückseigentümer zusammengeführt werden, berichtet endura kommunal. Auch das Gewerbesteuer-Pooling habe für Frieden in der Region gesorgt. Die an die drei Gemeinden zu entrichtende Gewerbesteuer werde gerecht aufgeteilt. Das Kooperationsmodell habe sich auch für den Projektentwickler gelohnt, berichtet das Beratungsunternehmen. Sind die beteiligten Kommunen, die Grundstückseigentümer und die Bürger dabei, verlaufen Planung, Genehmigung und Bau meist viel unproblematischer. Projekte dieser Art scheitern selten. Dafür würden Projektentwickler auch auf einen Teil ihrer Gewinne verzichten, die wie im Fall des Windparks Gengenbach, der Region zugutekommen, berichtet das Beratungsunternehmen.
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