WindenergieChance für die Klimaziele

Wolfram Axthelm ist seit Februar 2019 ist er zudem einer von zwei Geschäftsführern im Bundesverband Erneuerbare Energie, dem Dachverband der Erneuerbare-Energien-Branche.
(Bildquelle: BWE)
Im Dezember 2021 hat die neue Bundesregierung offiziell ihre Arbeit aufgenommen. Die Ampelkoalition von SPD-Kanzler Olaf Scholz sieht sich mit der Beschleunigung der Energiewende in Deutschland einer gewaltigen Aufgabe gegenüber. Der Koalitionsvertrag und die ersten konkreten Maßnahmen der Regierung weisen aber in die richtige Richtung.
Ehrliche Eröffnungsbilanz
Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, hat in seiner Eröffnungsbilanz Klimaschutz wenig Zweifel daran gelassen, wie es in Deutschland um die Energiewende steht: nicht gut. Die ehrliche Eröffnungsbilanz ist zugleich die Schlussbilanz des scheidenden Ministers Peter Altmaier (CDU). Die Zahlen waren dramatisch. Der Zubau brach von durchschnittlichen 4.500 Megawatt (MW) zwischen 2014 und 2017 auf unter 1.000 MW im Jahr 2019 ein. Ein massiver Beschäftigungsabbau war die Folge, der die gesamte Wertschöpfungskette traf. Trotzdem fehlte ein aktiver Befreiungsschritt für die Windenergie.
Aus eigener Kraft erholt
In den vergangenen zwei Jahren gelang es der Branche, sich aus eigener Kraft aus dem Tal herauszuarbeiten. Der Zubau erholt sich, bleibt aber schwach. Im Jahr 2021 wurden fast 2.000 MW Leistung neu installiert. Realistische Schätzungen gehen von einem Zubau zwischen zweieinhalb und drei Gigawatt für das Jahr 2022 aus. Das wird nicht genug sein, um die Ziele im Klimaschutz zu erreichen. Umso wichtiger, dass die Bundesregierung nun deutlich unterstreicht, die Hemmnisse und Blockaden schnell beseitigen zu wollen. Klimaschutzminister Robert Habeck hat klar umrissen, wie es gelingen wird, bis zum Jahr 2030 80 Prozent des deutschen Energiebedarfs aus erneuerbaren Energien zu decken: Der Zubau der Windenergie an Land muss deutlich und schnell steigen.
Dafür sollen zwei umfangreiche Gesetzespakete das Fundament legen. Kern des ersten Maßnahmenbündels, das so genannte Osterpaket, soll die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) bilden. Wichtigster Punkt im Hinblick auf die Beschleunigung wird sein, die erneuerbaren Energien als Gut des öffentlichen Interesses zu definieren. Damit werden Abwägungsprozesse bei Flächenausweisungen innerhalb von Genehmigungsverfahren oder bei gerichtlichen Überprüfungen klarer und mit einer Priorität für die Energiewende versehen. Klar ist auch, dass das EEG neue Ausschreibungsmengen definiert, die Bürgerenergie stärkt und die kommunale Beteiligung verbessert.
Flächenpotenziale entfesseln
Parallel sollen Blockaden durch die Deutsche Flugsicherung und militärisches Radar beendet werden. Allein militärische Belange blockieren aktuell mehr als 4.400 MW Windenergieleistung. Oft sogar in Flächen, die bereits für die Windenergienutzung ausgewiesen sind. Eine direkte und unbürokratische Abstimmung der beteiligten Ressorts könnte hier schnell Flächenpotenziale entfesseln und Projekte genehmigungsfähig machen.
Für das Sommerpaket wird ein Bündel komplexerer Maßnahmen erwartet. Insbesondere die im Koalitionsvertrag zugesagten zwei Prozent Landesfläche für die Windenergie an Land sollen hier umgesetzt werden. Für den Bundesverband WindEnergie steht dabei fest: Kein Bundesland soll sich aus der Verantwortung nehmen können. Insbesondere angesichts des deutlich ausgeprägten Nord-Süd-Gefälles ein überfälliger, regulativer Schritt. Der Verband hat in seinem Aktionsprogramm für die 20. Legislaturperiode bereits einen möglichen Weg aufgezeigt, wie diese Regelung rechtssicher erfolgen könnte.
Fragen des Artenschutzes
Ebenfalls im Sommerpaket sollen die Fragen des Artenschutzes geklärt werden. Während sich die Populationen der als besonders windsensibel eingestuften Arten stabil oder deutlich positiv entwickeln, wird der Artenschutz mehr und mehr von den Gegnern der Windenergie missbraucht. Hier sieht der Koalitionsvertrag unter anderem eine Standardisierung der Artenschutzbestimmungen sowie die Einführung von Signifikanzschwellen vor. Eine bundeseinheitliche Regelung wird ein unerlässlicher Beitrag sein, um den Natur- und Artenschutz mit dem Klimaschutz zu versöhnen.
Zusätzlich will die Bundesregierung im Planungs- und Genehmigungsrecht einen Durchbruch schaffen. Im Wahlkampf zog sich das Thema durch alle Parteien, Scholz forderte eine Verkürzung der Genehmigungsdauer für Windenergieanlagen auf sechs Monate. Angesichts der aktuellen durchschnittlichen Dauer von bis zu sechs Jahren wäre allerdings schon eine Halbierung dieser Zeit ein Gewinn.
Die Bundesregierung legt vor, der Bundesrat wird an vielen Stellen mitentscheiden können und Brüssel muss mindestens beim EEG zustimmen. Deshalb braucht es jetzt Tempo, um am 1. Januar 2023 mit einem erneuerten Rechtsrahmen durchstarten zu können. Der Leistungsträger Windenergie wird gebraucht, um Haushalten, Verkehr, Gewerbe und Handel, Unternehmen und Industrie den Weg zur Klimaneutralität zu erleichtern.
Insgesamt lässt sich festhalten, dass die neue Bundesregierung eine ehrliche Analyse der Problemfelder beim Ausbau der erneuerbaren Energien gestartet und wirkungsvolle Gegenmaßnahmen formuliert hat. Nun gilt es, Segel zu setzen und Kurs zu halten. Die Windenergiebranche steht bereit und wird die Bundesregierung hierbei unterstützen.
https://www.bee-ev.de
Dieser Beitrag ist in der Ausgabe März/April 2022 von stadt+werk erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren.
Kreis Steinfurt: Bürgerwind sichert Wertschöpfung vor Ort
[11.08.2026] Im Kreis Steinfurt soll Bürgerwind dafür sorgen, dass ein größerer Teil der Wertschöpfung aus Windenergie in der Region bleibt. Kommunen, Bürger, Banken und Unternehmen sind dabei über ein regionales Netzwerk in die Projekte eingebunden. mehr...
Rheinland-Pfalz: Kommunale Anstalt für Flächenpooling
[11.08.2026] Die Verbandsgemeinde Bad Bergzabern bündelt Flächen für den Ausbau der Windenergie und hat dafür eine kommunale Anstalt gegründet. Mehr als 80 Verhandlungsmandate stärken die Position der Kommune gegenüber Projektentwicklern und sollen regionale Wertschöpfung sichern. mehr...
Ingstetten: Repowering von Windpark
[10.08.2026] Qualitas Energy hat mit dem Repowering des Windparks Ingstetten in Baden-Württemberg begonnen. Sechs neue Windenergieanlagen mit zusammen 42 MW Leistung sollen ab Ende 2027 deutlich mehr Strom liefern als die bisherigen Anlagen. mehr...
Advertorial: WindEnergy Hamburg 2026 – Lösungen für die Energieversorgung von morgen
[05.08.2026] Der Ausbau erneuerbarer Energien stellt Stadtwerke, Netzbetreiber und Energieversorger vor neue Herausforderungen. Themen wie Netzausbau, Energiespeicherung, Wasserstoff und Digitalisierung gewinnen zunehmend an Bedeutung. Vom 22. bis 25. September 2026 bringt die WindEnergy Hamburg die internationale Windenergiebranche zusammen und bietet eine Plattform für den Austausch über Lösungen für eine sichere, nachhaltige und zukunftsfähige Energieversorgung. mehr...
Niedersachsen: Land fördert Produktionsstätte für Windenergieanlagen
[30.07.2026] Jupiter Bach baut in Cuxhaven eine neue Produktionsstätte für Bauteile von Windenergieanlagen. Das Land Niedersachsen fördert die Investition mit 650.000 Euro und stärkt damit den Ausbau der Windenergie-Lieferkette am Hafen. mehr...
Trianel: Fortschritte bei drei Windenergieprojekten
[27.07.2026] Trianel hat bei drei Windenergieprojekten in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen wichtige Meilensteine erreicht. Der kommunale Projektentwickler erweitert damit sein Windportfolio und treibt den Ausbau weiterer Anlagen voran. mehr...
Baden-Württemberg: Ausbautempo für Windkraft steigern
[22.07.2026] Der Ausbau der Windenergie in Baden-Württemberg hat sich im ersten Halbjahr 2026 beschleunigt. Nach Angaben der Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg reichen Tempo und Ausschreibungsergebnisse jedoch weiterhin nicht aus, um die Ausbauziele zu erreichen. mehr...
RWE: Repowering von Windpark
[21.07.2026] RWE ersetzt im Windpark Rethen-Vordorf in Niedersachsen drei Altanlagen durch drei deutlich leistungsstärkere Windräder. Nach dem Zuschlag der Bundesnetzagentur soll das Repowering die Erzeugungskapazität vervierfachen und den Ausbau der Windenergie am bestehenden Standort voranbringen. mehr...
Heidelberg: Bürgerentscheid pro Windenergie
[15.07.2026] Die Bürgerinnen und Bürger Heidelbergs haben sich in einem Bürgerentscheid mehrheitlich für die Entwicklung des Lammerskopfs als Standort für Windenergieanlagen ausgesprochen. Mit Erreichen des gesetzlichen Quorums ist das Ergebnis bindend. mehr...
Dardesheim: Glücksfall Windpark
[13.07.2026] Windenergie schafft Akzeptanz, wenn ihre Wertschöpfung vor Ort ankommt. Der BürgerEnergiePark Druiberg in Dardesheim zeigt, wie kommunale Förderung, Bürgerstrom und finanzielle Beteiligung ein nahezu konfliktfreies Repowering-Projekt möglich machen. mehr...
Kreis Reutlingen: Windpark Gomadingen ans Netz gegangen
[13.07.2026] Der Windpark Gomadingen mit fünf Windenergieanlagen ist ans Netz gegangen und verfügt über eine installierte Leistung von rund 31 Megawatt. Das Projekt versorgt rechnerisch rund 21.500 Haushalte mit Strom und zeigt, wie kommunale Beteiligung und regionale Wertschöpfung den Ausbau der Windenergie unterstützen. mehr...
Stadtwerke Lübeck/STAWAG: Windpark in Betrieb gegangen
[10.07.2026] Die Stadtwerke Lübeck und die STAWAG haben den Windpark Rohlsdorf in Ostholstein mit vier Nordex-Anlagen und 20,1 MW Leistung in Betrieb genommen. Das Gemeinschaftsprojekt liefert künftig rund 53 Millionen kWh Ökostrom pro Jahr und markiert den weiteren Ausbau des gemeinsamen Windportfolios in Schleswig-Holstein. mehr...
Frankfurt am Main: Baustart von Windpark
[08.07.2026] Der vor den Toren der Stadt Frankfurt am Main gelegene Windpark Schäferköppel geht mit vier Windenergieanlagen in die Bauphase. Das Gemeinschaftsprojekt von Mainova, Kommunen und Bürgerenergiegenossenschaft soll die regionale Energiewende voranbringen und setzt auf kommunale sowie finanzielle Bürgerbeteiligung. mehr...
RWE: Kontrollzentrum für Offshore-Windpark eröffnet
[02.07.2026] RWE hat in Jemgum ein neues Kontrollzentrum für den Betrieb seiner Offshore-Windparks eröffnet. Von dort aus steuert das Unternehmen künftig Anlagen in Deutschland und Kontinentaleuropa rund um die Uhr und schafft zugleich zusätzliche Arbeitsplätze in der Region. mehr...
Netzanbindungsprojekt Ostwind 4: Öffentlichkeitsbeteiligung gestartet
[17.06.2026] Für das Netzanbindungsprojekt Ostwind 4 hat die Öffentlichkeitsbeteiligung für die Abschnitte Küstenmeer und Land begonnen. Bis zum 24. Juli 2026 können Betroffene Stellungnahmen einreichen und damit Einfluss auf ein zentrales Infrastrukturprojekt für die Offshore-Windenergie in der Ostsee nehmen. mehr...















