InterviewKnow-how als Mehrwert

Andreas Loh, Geschäftsführer von Iqony Energies
(Bildquelle: Iqony Energies)
Herr Loh, welche Leistungen im Bereich Wärmeversorgung bietet Iqony Kommunen und Stadtwerken an?
Neben den Aktivitäten im Saarland ist Iqony in rund 30 eigenständigen Fernwärmeversorgungsgebieten tätig, die sich durch unterschiedliche Gesellschaftsformen und Erzeugungstechnologien – von der Geothermie bis zu Biomasseanlagen – auszeichnen. Wir verfügen über ein breites Spektrum an Erzeugungsformen bis hin zu Anlagen, die die unvermeidbare Abwärme nutzen, was im Saarland mit seinem großen Grubengasnetz von besonderer Bedeutung ist.
Wie passen Sie sich den spezifischen Anforderungen jeder Kommune oder jedes Stadtwerks an?
Jede Region hat ihre eigenen Herausforderungen und wir erstellen für jedes Gebiet einen individuellen Transformationsplan. Dazu müssen wir die Gebäudestrukturen, die vorhandenen Erzeuger und Netzstrukturen sowie die Abwärmepotenziale genau analysieren. Unser Ziel ist es immer, die effizienteste und kostenoptimalste Lösung zu finden, die gleichzeitig einen Beitrag zur Dekarbonisierung leistet.
Welche Technologien und Ansätze empfehlen Sie für die Umstellung und Erstellung kommunaler Wärmepläne?
Die kommunale Wärmeplanung ist ein entscheidender Baustein für die Wärmewende. Wichtige Technologien sind dabei Wärmepumpen, H2-Ready-Anlagen und Biogas-Blockheizkraftwerke. Auch Geothermie, Biomasseanlagen und innovative Lösungen wie Abwärme aus Kläranlagen oder Rechenzentren spielen eine Rolle. Gerade die Geothermie wird sicherlich ein Zukunftsthema sein, wir verfolgen das auch sehr aufmerksam und glauben auch langfristig stark an die Tiefengeothermie. Aber die Herausforderungen sind groß. Geothermie erfordert sehr hohe Anfangsinvestitionen. Bei der Fernwärme kommt es darauf an, die bestehenden Netze besser auszulasten und die Erzeugung zu optimieren.
Wie unterstützen Sie Kommunen bei der Umstellung von KWK-Anlagen auf erneuerbare Energien?
Bei der Umstellung auf erneuerbare Energien konzentrieren wir uns auf die effizienteste Nutzung vorhandener Technologien und Ressourcen. Biomasse ist ein wichtiger Bestandteil unserer Strategie, eine aktuelle Herausforderung ist der Zugang zu Wasserstoff. Wir sind als Konzern in zwei Projekten aktiv, in Duisburg-Walsum und in Völklingen-Fenne, die wir als Modellprojekte bezeichnen würden. Das Problem ist aber, dass es in der Nähe kein Wasserstoffnetz gibt. Und da muss man ehrlich sein: Die Bundesregierung ist in Vorleistung gegangen und hat ein Backbone-Netz, ich würde fast sagen, zusammengebastelt. Aber wir wissen noch nicht, wann das zur Verfügung steht. Entweder müssen diese Netze noch gebaut werden oder die Erdgasnetze werden mitgenutzt. Und dann ist da noch die Frage, zu welchen Kosten man Wasserstoff bekommt. Deshalb kann das Thema Wasserstoff in aktuellen Projekten nur selten eine Rolle spielen.
Mit unserem neuen Eigentümer Asterion, der auf Infrastrukturinvestitionen spezialisiert ist, verstehen wir uns als privater Partner der Kommunen.
Wie sieht es bei Biomasse aus? Es wäre doch sehr einfach möglich, stärker auf Biogas zu setzen als Brennstoff für KWK Anlagen.
Was die Biomasse betrifft, so sind wir wahrscheinlich einer der größten Betreiber solcher Anlagen und planen derzeit einige neue. Ob wir expandieren, hängt stark davon ab, ob wir Zugang zu ausreichend Biomasse haben. In letzter Zeit sind die Preise für Biomasse gesunken, was die Situation verbessert hat. Aber es gibt auch Herausforderungen, zum Beispiel mit den Kommunen, die Bedenken wegen des Transports und der Entsorgung der Biomasse haben. Dennoch gibt es Kommunen und Industriekunden, die an solchen Projekten interessiert sind. Beim Thema Biogas, insbesondere Biomethan, ist der Zugang schwieriger. Die Probleme des Biogas-Händlers bmp greengas haben Vertrauen gekostet und auch Verluste verursacht. Biomethan ist nur begrenzt verfügbar und ohne gute Verträge kein verlässlicher Energieträger. Außerdem ist Biomethan derzeit sehr teuer. Zusammenfassend: Biomasse funktioniert für uns, Wasserstoff wird wahrscheinlich in der Breite erst nach 2035 relevant. Kurzfristig setzen wir eher auf Wärmepumpen und innovative Lösungen mit Abwärme.
Welche Rolle spielt Energie-Management bei Iqony?
Als Betreiber von Energienetzen legen wir großen Wert darauf, unsere Erzeugung so wirtschaftlich und effizient wie möglich zu gestalten. Zu diesem Zweck haben wir – teilweise in Zusammenarbeit mit dem Bundeswirtschaftsministerium – im Rahmen eines Pilotprojekts umfangreiche Software-Programme entwickelt. Ziel ist es, unsere Erzeugung und unsere Netze, insbesondere die Hydraulik, auf Basis von Wetterprognosen zu optimieren. Denn wir wollen den Energieverbrauch minimieren, indem wir unsere Wärmeerzeugung an die Temperaturen und deren Auswirkungen auf den Heizbedarf der Menschen in einer Kommune anpassen. Auf diese Weise verbrauchen wir weniger Energie, was das System insgesamt effizienter macht. Die Optimierung von Gebäudestrukturen ist für uns derzeit kein Geschäftsfeld. Wir konzentrieren uns auf den Betrieb der Netze, um diese so optimal wie möglich zu gestalten, was letztlich zu niedrigeren Fernwärmekosten führt.
Wo sehen Sie die größten Herausforderungen bei der Transformation der Strom- und Wärmeversorgung?
Die größte Herausforderung in unserem Bereich ist sicherlich die Kostenfrage. Es wurden Summen von bis zu 600 Milliarden für die Umsetzung der Energiewende genannt, und ich habe sogar von noch höheren Beträgen gehört. Daneben gibt es weitere Probleme. Zum Beispiel brauchen wir qualifizierte Fachleute, die in der Lage sind, die Netze zu planen und mit den potenziellen Energieerzeugern zu verbinden. Wichtig ist auch, dass das Ganze wirtschaftlich tragfähig ist. Das heißt, wir brauchen auch Leute im Vertrieb, die Geschäftsmodelle entwickeln können.
Wie verändert sich das Geschäft von Iqony durch den neuen Eigentümer?
Mit unserem neuen Eigentümer Asterion, der auf Infrastrukturinvestitionen spezialisiert ist, verstehen wir uns als privater Partner der Kommunen. Wir bringen nicht nur finanzielle Mittel ein, sondern wollen auch in der Energieerzeugung aktiv werden und kommunale Partnerschaften aufbauen, um gemeinsame Unternehmen zu entwickeln. Dabei steht nicht nur die Finanzierung im Vordergrund, sondern wir wollen auch einen Beitrag zur CO2-Einsparung leisten. Wichtig ist uns, dass wir wirtschaftlich erfolgreich sind und gleichzeitig die Bürgerinnen und Bürger in der Lage und bereit sind, die Wärmekosten zu tragen. Unser Mehrwert liegt nicht nur in der finanziellen Unterstützung, sondern auch in unserem Know-how. Wir haben die Ingenieure und Planer, um die Anlagen effizient zu betreiben.
Bremerhaven: Wärme für kommunale Wohnungen
[22.07.2026] Eine langfristige Vereinbarung zur Wärmeversorgung von mehr als 5.000 Wohnungen haben die Städtische Wohnungsgesellschaft Bremerhaven und swb geschlossen. Nach Angaben von swb soll damit die Wärmeversorgung des kommunalen Wohnungsbestands schrittweise weiterentwickelt und auf dem Weg zur Klimaneutralität Fernwärme mit dezentralen Wärmelösungen kombiniert werden. mehr...
Konstanz: Wärmeverbund für neuen Stadtteil
[22.07.2026] Die Stadtwerke Konstanz und die Firma solarcomplex haben die Projektgesellschaft Wärmeversorgung Hafner gegründet. Sie soll den Aufbau und Betrieb eines Wärmeverbunds im ersten Bauabschnitt des Neubaugebiets Hafner übernehmen. mehr...
Bamberg: Beispielhafte Wärmewende im Quartier
[20.07.2026] Der Lagarde Campus in Bamberg soll nach Angaben der Fraunhofer-Allianz Energie zeigen, wie eine klimaneutrale und wirtschaftliche Wärmeversorgung in urbanen Quartieren umgesetzt werden kann. Das Projekt verbindet erneuerbare Wärmequellen, digitale Steuerung und sektorenübergreifende Energieversorgung. Die Erfahrungen sollen auch in die kommunale Wärmeplanung einfließen. mehr...
Steag Iqony: Wärmespeicher auf Schalke
[09.07.2026] Die Steag Iqony Group hat nach etwas mehr als zwei Jahren Bauzeit einen Wärmespeicher in Gelsenkirchen in Betrieb genommen. Die Anlage soll die Ruhrfernwärme flexibler machen und Erzeugung sowie Verbrauch zeitlich besser aufeinander abstimmen. mehr...
EWE: Großwärmepumpe ist eingetroffen
[08.07.2026] EWE hat die Großwärmepumpe für das Wärmenetz im Oldenburger Stadtteil Ohmstede geliefert. Die Anlage ist das Kernstück der Modernisierung der Heizzentrale und soll die Wärmeversorgung klimafreundlicher sowie unabhängiger von fossilen Energieträgern machen. mehr...
Bremen: Klimaturm eingeweiht
[07.07.2026] Auf der Bremer Überseeinsel ist der erste Klimaturm der Stadt in Betrieb gegangen, eine vertikale Luft-Wasser-Großwärmepumpe für urbane Quartiere. Das System soll eine Lücke zwischen Fernwärme und dezentralen Wärmepumpen schließen und könnte für die kommunale Wärmeplanung in schwer erschließbaren Gebieten relevant werden. mehr...
enercity: Mehr Wärme aus Müllverbrennung
[29.06.2026] Die Energieversorgung in Hannover soll künftig stärker auf Fernwärme aus der thermischen Abfallverwertung setzen. EEW Energy from Waste und enercity erweitern dafür die Wärmekapazität der Anlage in Hannover-Lahe von 50 auf bis zu 85 Megawatt. mehr...
Berlin: Hauptstadt hat Wärmeplan
[29.06.2026] Berlin hat einen gesamtstädtischen Wärmeplan beschlossen und legt damit den Fahrplan für eine klimaneutrale Wärmeversorgung bis 2045 fest. Das Konzept zeigt, wo Wärmenetze ausgebaut werden sollen und wo dezentrale Lösungen sinnvoll sind. mehr...
Augsburg: Kommunaler Wärmeplan beschlossen
[29.06.2026] Augsburg hat seinen kommunalen Wärmeplan beschlossen und legt damit die strategische Grundlage für die Wärmewende fest. Das Konzept zeigt mögliche Versorgungswege auf und wird durch neue Beratungs- und Unterstützungsangebote für Bürgerinnen und Bürger ergänzt. mehr...
Tettnang: Richtfest für Nahwärmezentrale
[24.06.2026] Das Nahwärmeprojekt in Tettnang hat einen weiteren Meilenstein erreicht. Knapp elf Monate nach dem Spatenstich wurde das Richtfest für die Energiezentrale gefeiert. Die erste Versorgung öffentlicher Gebäude mit erneuerbarer Wärme ist für September 2026 vorgesehen. mehr...
Hanau: Kommunaler Beirat soll Wärmeplan begleiten
[23.06.2026] Hanau richtet einen Kommunalen Entwicklungsbeirat ein, der die Umsetzung der kommunalen Wärmeplanung begleiten soll. Das neue Beteiligungsformat bringt Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammen und soll Konflikte bei der Wärmewende frühzeitig sichtbar machen. mehr...
DStGB/DGRV: Genossenschaften als Motor der kommunalen Wärmewende
[19.06.2026] Eine neue Publikation von DStGB und DGRV zeigt, wie Genossenschaften die kommunale Wärmewende voranbringen können. Anhand von Praxisbeispielen verdeutlicht sie, warum gerade Städte, Gemeinden und ländliche Regionen von diesem Modell profitieren. mehr...
Nürnberg: Spatenstich für neues Heizkraftwerk
[17.06.2026] N-ERGIE baut im Nürnberger Südwesten ein innovatives Heizkraftwerk für eine klimafreundliche Fernwärmeversorgung. Die Anlage soll ein neues Stadtquartier und Teile des bestehenden Netzes versorgen und gilt als wichtiger Baustein der Wärmewende. mehr...
Koblenz: Konkretisierung der Wärmepläne
[15.06.2026] Koblenz treibt die kommunale Wärmeplanung voran und konkretisiert Projekte für Wärmenetze in mehreren Stadtteilen. Neue Bundesvorgaben verändern zwar den gesetzlichen Rahmen, doch für Eigentümer werden nun wichtige Weichen für die künftige Wärmeversorgung gestellt. mehr...
Krefeld/Kassel: Fortschritte bei der Wärmeplanung
[15.06.2026] Die Städte Krefeld und Kassel treiben ihre kommunale Wärmeplanung voran und schaffen damit strategische Grundlagen für die Wärmewende. Während Krefeld den politischen Fahrplan bereits beschlossen hat, hat Kassel die nächste Beschlussstufe erreicht und bereitet die verstärkte Umsetzung vor. mehr...
















