Darmstadt/WiesbadenFortschritte bei kommunaler Wärmeplanung

Die beiden hessischen Städte Wiesbaden und Darmstadt vermelden jeweils Fortschritte bei der kommunalen Wärmeplanung.
(Bildquelle: Wissenschaftsstadt Darmstadt)
Zwei Hessische Großstädte treiben jetzt den strategischen Umbau ihrer Wärmeversorgung voran und konkretisieren dafür ihre kommunalen Wärmepläne. Wie die Landeshauptstadt Wiesbaden und die Wissenschaftsstadt Darmstadt jeweils berichten, sollen die Planungen als verbindlicher Orientierungsrahmen für Bürger, Wohnungswirtschaft, Versorger und Verwaltung dienen und den Weg zur Klimaneutralität bis 2045 ebnen.
In Wiesbaden hat der Magistrat am 20. Januar beschlossen, den Entwurf der kommunalen Wärmeplanung offenzulegen. Nach Angaben der Stadtverwaltung hat das Beteiligungsverfahren mit der Vorstellung im Ausschuss für Umwelt, Klima und Energie am 27. Januar begonnen. Bürgerinnen und Bürger sowie Träger öffentlicher Belange können bis zum 1. März Stellungnahmen abgeben. Der Entwurf bündelt die Ergebnisse eines mehrjährigen Planungsprozesses, den das städtische Umweltamt gemeinsam mit dem Energieversorger ESWE Versorgung, lokalen Akteuren sowie externen Gutachtern von Ramboll und dem Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung IFAM durchgeführt hat.
Drei Szenarien
Grundlage der Wiesbadener Planung sind Analysen der bestehenden Wärmeversorgungsstruktur und der Potenziale erneuerbarer Wärmequellen. Darauf aufbauend wurden drei Szenarien für eine klimaneutrale Wärmeversorgung bis 2045 entwickelt. Wie die Stadt mitteilt, fiel die Auswahl des Zielszenarios nach Kriterien wie möglichst niedrigen Kosten für die Bevölkerung, technologischer Offenheit bei künftigen Heizsystemen und realistischer Umsetzbarkeit. Das Stadtgebiet wurde anschließend in Wärmeversorgungsgebiete gegliedert. Ergänzend entstand eine Umsetzungsstrategie mit zentralen Maßnahmen für Netzausbau, Erzeugungsinfrastruktur und schrittweise Dekarbonisierung. Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) bezeichnet die Wärmeplanung als zentralen Baustein auf dem Weg zur Klimaneutralität. Bürgermeisterin Christiane Hinninger (Bündnis 90/Die Grünen) hebt die enge Einbindung von Netzbetreibern und Versorgern hervor. ESWE-Vorstandschef Jörg Höhler verweist auf die Herausforderung der praktischen Umsetzung, insbesondere beim Aufbau der nötigen Infrastruktur unter Straßen und in Gebäuden. Der vollständige Entwurf kann im Umweltamt am Gustav-Stresemann-Ring sowie über die städtische Beteiligungsplattform eingesehen werden.
Strategischer Fahrplan für Investitionen
In Darmstadt hat der Magistrat die kommunale Wärmeplanung am 28. Januar beschlossen und am Folgetag öffentlich vorgestellt. Wie die Wissenschaftsstadt Darmstadt mitteilt, entstand das Konzept in enger Zusammenarbeit mit dem Energieversorger ENTEGA. Ziel ist es, eine klimafreundliche und zugleich wirtschaftliche Wärmeversorgung für Gebäude und Unternehmen aufzuzeigen und deren Umsetzung durch kommunale Angebote zu begleiten. Die Planung ordnet für alle Stadtteile mögliche künftige Versorgungsstrukturen zu und soll als strategischer Fahrplan für Investitionsentscheidungen dienen.
Kernbestandteile der Darmstädter Wärmeplanung sind eine Analyse des aktuellen Wärmebedarfs, eine Potenzialanalyse, ein Szenario für den künftigen Bedarf sowie eine Zonierungskarte. Diese weist Stadtbereiche aus, in denen perspektivisch Wärmenetze erwartet werden. Stadtplanungsdezernent Michael Kolmer sieht darin eine Orientierungshilfe für Eigentümer, die vor dem Austausch ihrer Heizungsanlagen stehen. Tiefbaudezernent Paul Georg Wandrey betont den Nutzen für die Infrastrukturplanung, etwa bei der Koordination von Leitungsbau, Straßenaufbrüchen und Verkehrsführung. Begleitend zur Erarbeitung der Planung wurden laut Stadt zahlreiche Informationsveranstaltungen durchgeführt. Eine zentrale Bürgerinformationsveranstaltung ist für das erste Quartal 2026 angekündigt.
Rechtlicher Rahmen
Rechtlich stützt sich die Darmstädter Wärmeplanung auf das hessische Energiegesetz sowie auf das bundesweite Gesetz für die Wärmeplanung und zur Dekarbonisierung der Wärmenetze. Die Stadt ist demnach verpflichtet, eine kommunale Wärmeplanung zu erstellen, zu veröffentlichen und regelmäßig zu aktualisieren. Für Kommunen mit mehr als 100.000 Einwohnern gilt eine Frist bis zum 30. Juni 2026. Da Darmstadt seine Planung bereits vor Inkrafttreten des Bundesgesetzes begonnen hat, greift nach Angaben der Stadt ein Bestandsschutz nach Landesrecht. Die nächste turnusmäßige Fortschreibung ist in fünf Jahren vorgesehen.
Kommunale Wärmeplanung: Kommunikation bleibt entscheidend
[05.11.2026] 83 Prozent der Kommunen sehen zusätzlichen Kommunikationsbedarf bei der Wärmeplanung. Die Kommunikationsagentur trurnit Pressewerk empfiehlt, Bürgerinnen und Bürger frühzeitig einzubeziehen und klar zwischen Planungen und verbindlichen Zusagen zu unterscheiden. mehr...
München: Weniger Wärmebedarf im Netz
[03.11.2026] Im Münchner Stadtteil Freiham senken optimierte Heizungsanlagen und spezielle Wärmepumpen den Energiebedarf öffentlicher Gebäude. Nach Angaben des Herstellers varmeco ermöglichen niedrige Rücklauftemperaturen zugleich eine effizientere Nutzung des Geothermie-Fernwärmenetzes. mehr...
Stadtwerke Bochum: Fernwärmeausbau und Wärmepumpen geplant
[02.11.2026] Nach dem Beschluss der kommunalen Wärmeplanung konkretisiert Bochum die nächsten Schritte für den Umbau der Wärmeversorgung. Die Stadtwerke wollen das Fernwärmenetz ausbauen und das Stromnetz auf den zunehmenden Einsatz von Wärmepumpen vorbereiten. mehr...
Fraunhofer IEG: Hochtemperatur-Wärmepumpe erzeugt Prozessdampf
[30.10.2026] Im Papierwerk von Felix Schoeller in Weißenborn wird eine Hochtemperatur-Wärmepumpe erprobt, die industrielle Abwärme zur Dampferzeugung nutzt. Erste Betriebsergebnisse zeigen, wie sich dadurch der Erdgasverbrauch und die CO₂-Emissionen senken lassen. mehr...
enercity: Gemeinschaftsunternehmen gegründet
[27.10.2026] enercity Contracting und Stadt.Energie.Speicher wollen den Einsatz von Großwärmepumpen in Nah- und Fernwärmenetzen vorantreiben. Das gemeinsame Unternehmen EnerSes Wärme soll insbesondere Stadtwerke und Kommunen bei der Umstellung auf erneuerbare Wärme unterstützen. mehr...
Kreis Karlsruhe: Schule stellt Wärmeversorgung auf erneuerbare Energien um
[26.10.2026] Der Landkreis Karlsruhe will die Wärmeversorgung der Ludwig-Guttmann-Schule in Karlsbad vollständig auf erneuerbare Energien umstellen. Das rund 1,9 Millionen Euro teure Projekt soll die CO₂-Emissionen der Wärmeerzeugung um 95 Prozent senken und wird vom Bund gefördert. mehr...
Hamburg: enercity versorgt neuen Stadtteil
[20.10.2026] enercity übernimmt die Wärme- und Kälteversorgung des neuen Hamburger Stadtteils Grasbrook. Bereits zum Versorgungsstart 2031 sollen mehr als 90 Prozent der Wärme aus erneuerbaren Energien und industrieller Abwärme stammen. Bis 2040 ist eine vollständig klimaneutrale Versorgung geplant. mehr...
Wärmenetze: Banken sehen hohe Finanzierungsrisiken
[19.10.2026] Banken schätzen die Finanzierung von Wärmenetzen als riskanter ein als die von Stromnetzen. Eine Studie des Fraunhofer ISI zeigt, welche Hürden beim Ausbau der Fernwärme bestehen und wie sich die Finanzierung erleichtern lässt. mehr...
Oldenburg: Wärmewende-Beirat nimmt Arbeit auf
[19.10.2026] In Oldenburg hat ein Beirat zur Begleitung der kommunalen Wärmewende seine Arbeit aufgenommen. Das Gremium soll Empfehlungen erarbeiten, wie die Stadt ihre Wärmeversorgung klimaneutral gestalten und dabei soziale und wirtschaftliche Aspekte berücksichtigen kann. mehr...
Sachsen: Millionen für Wärmewende bewilligt
[12.10.2026] Sachsen hat erste Millionenförderungen für den Umbau der kommunalen Wärmeversorgung bewilligt. Sechs größere Projekte sollen den Einsatz erneuerbarer Energien voranbringen und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verringern. mehr...
Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm: Vorarbeiten für zwei Flusswasserwärmepumpen
[12.10.2026] Die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm beginnen Mitte Oktober mit Vorarbeiten für zwei Flusswasserwärmepumpen an der Donau. Die Anlagen sollen ab 2027 regenerative Wärme für die Fernwärmeversorgung liefern. mehr...
Meersburg: Wärme aus dem Bodensee
[12.10.2026] Baden-Württemberg will landeseigene Gebäude in Meersburg künftig mit Wärme aus dem Bodensee versorgen. Insgesamt 13 Liegenschaften sollen schrittweise an das geplante Seewärme-Netz angeschlossen werden. mehr...
Stuttgart: Stadtwerke prüfen neues Wärmenetz in Feuerbach
[12.10.2026] Die Stadtwerke Stuttgart prüfen den Aufbau eines Wärmenetzes in Feuerbach, das zwischen 2030 und 2035 entstehen könnte. Eigentümer und Unternehmen können bereits jetzt unverbindlich ihr Interesse an einem Anschluss bekunden. mehr...
Dresden: Wärmeplan beschlossen
[07.10.2026] Der Dresdner Stadtrat hat den kommunalen Wärmeplan beschlossen und dabei Prüfgebiete ausgeweitet sowie den Maßnahmenplan angepasst. Mit dem Digitalen Energielotsen setzt die Stadt bereits eine Maßnahme um, die Gebäudeeigentümer bei Fragen zu Wärmeversorgung, Sanierung und Heizungstausch unterstützen soll. mehr...
N-Ergie: Genehmigung für Altholz-Heizkraftwerk
[05.10.2026] N-Ergie hat die Genehmigung für ein neues Altholz-Heizkraftwerk am Standort Nürnberg-Sandreuth erhalten. Die Anlage soll ab Ende 2029 Strom und Fernwärme erzeugen und bis zu 40 Megawatt thermische Leistung bereitstellen. mehr...













