Dienstag, 3. November 2026

StuttgartEnergiekommune dank Bildung und Sparen

[09.12.2025] Stuttgart will spätestens 2035 klimaneutral sein. Die Stadt arbeitet seit vielen Jahren an ihrem Energiemanagement und unterstützt auch Bürger beim Energiesparen. Schulen spielen dabei eine zentrale Rolle.

Mit Einsparprogrammen für die Einwohner und viel Bildungsarbeit macht sich Stuttgart auf den Weg in die Klimaneutralität.

(Bildquelle: Julian Herzog, CC BY 4.0)

Stuttgart verfolgt ihr Ziel, bis 2035 klimaneutral zu sein, seit Jahrzehnten. Ein Schwerpunkt liegt auf der Energiewende, die vom Amt für Umweltschutz koordiniert wird. Nun wurde die Stadt von der Agentur für Erneuerbare Energien zur Energiekommune des Monats Dezember gekürt.

Bereits 1977 begann man dort mit einem kommunalen Energiemanagement. Seither werden die Energie- und Wasserverbräuche der städtischen Gebäude erfasst. Maßnahmen sollen Einsparungen bringen. Seit 1995 setzt Stuttgart auf ein eigenes Contracting-Modell. Das Umweltamt vergibt dafür zinsfreie Darlehen. Für dieses Modell erhielt die Stadt den Klimaschutzpreis des damaligen Bundesumweltministeriums. Eine städtische Energierichtlinie legt zudem Standards für Neubauten und Sanierungen fest.

Alle neuen Gebäude sollen Plusenergiehäuser sein. Sie sollen mehr Energie erzeugen, als sie benötigen. Photovoltaikanlagen auf Dächern und Speicheranlagen gehören zur Vorgabe. Ein jährlicher Bericht dokumentiert die Entwicklungen. Darüber hinaus organisiert die Stadt Veranstaltungen, Beratungen und Kampagnen zur Energiewende.

Förderungen und Auszeichnungen

Stuttgart unterstützt private Haushalte, Unternehmen und Vereine beim Energiesparen. Dazu gehören Photovoltaik, Gebäudesanierungen und effizientere Heizungen. Programme zur Dach- und Fassadenbegrünung sowie für nachhaltige Mobilität ergänzen das Angebot. Eine Eissporthalle in Degerloch wird zur „Klimaneutralen Eiswelt“. Das Projekt nutzt Sonnenstrom und Wärmepumpen. Für dieses Engagement wurde die Stadt Stuttgart als eine von sechs „Klimaaktiven Kommunen 2025“ ausgezeichnet. Die Auszeichnung wurde vom Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit verliehen.

Schulen im Mittelpunkt

Die Stadt will auch Kinder und Jugendliche einbeziehen. Mit dem Projekt „Lukratives Energiesparen in Stuttgarter Schulen“ (LESS) soll ein frühes Bewusstsein für Energie gefördert werden. Schulen gehören zu den wichtigsten Gebäuden der Stadt. Sie werden schrittweise saniert. Die Uhlandschule gilt als Vorzeigeprojekt. Sie ist die erste sanierte Plusenergieschule Europas und erzeugt mehr Energie, als sie verbraucht. Dazu tragen Dämmung, Photovoltaik, dezentrale Lüftung und durch Geothermie betriebene Wärmepumpen bei. Barrierefreiheit und ein guter Komfort gehören ebenfalls dazu. Ein Monitoring begleitet die Nutzung.

Im November 2025 wurde auf der Wilhelm-Maybach-Schule eine weitere Solaranlage in Betrieb genommen. Damit sind auf allen geeigneten Schulen Photovoltaikanlagen installiert. Insgesamt sind auf städtischen Gebäuden 320 Anlagen installiert. Weitere 250 Anlagen sind geplant. Diese erzeugen rund 50 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr und vermeiden 18.000 Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente. Seit 2012 wird der restliche Strombedarf der Stadt vollständig aus erneuerbaren Quellen gedeckt.

Quartiere und Wärmeplanung

Für die kommunale Wärmeplanung wurden die Daten von etwa 200.000 Gebäuden ausgewertet. Empfehlungen für die Versorgung wurden entwickelt. Die Planung wurde vom Amt für Umweltschutz gemeinsam mit den Stadtwerken erstellt. Externe Büros waren nicht beteiligt. Dadurch ist eine Umsetzung gesichert.

Auch in der Quartiersentwicklung spielen Energie und soziale Fragen eine Rolle. Ein Beispiel ist der NeckarPark. Dort sollen Menschen auf kurzen Wegen wohnen und arbeiten können. Es sind Schulen, Kitas und ein Standort der Volkshochschule geplant. Die Wärmeversorgung nutzt Abwasser. Blockheizkraftwerke ergänzen die Versorgung. Für Neubauten gelten Solarpflichten. Zudem sind Dach- und Fassadenbegrünung sowie Regenwassernutzung vorgesehen.

Ein weiteres Projekt ist Stuttgart Rosenstein. Auf den heutigen Gleisflächen des Hauptbahnhofs sollen drei Quartiere und ein Park entstehen. Die Planung erfolgt unter Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger. Das Ziel ist eine stadtverträgliche, soziale und an den Klimawandel angepasste Planung.

Im Industriegebiet Synergiepark Vaihingen werden neue Lösungen für Wärme und Mobilität entwickelt. Durch Fahrradförderung und Ladestationen hat sich die Zahl der Radfahrenden seit 2020 erhöht. Eine zentrale Wärmeplanung ist angedacht. Dabei soll die Abwärme eines Rechenzentrums genutzt werden. Die Stadtwerke planen zudem drei Energiezentralen, die Geothermie und Abwasserwärme nutzen.

Austausch mit Bălți

Stuttgart arbeitet auch international. So soll eine Energiepartnerschaft mit der moldawischen Stadt Bălți Wissen teilen. Die Kommune hat eine Energierichtlinie nach Stuttgarter Vorbild entwickelt. Es wurden Energiemanagerinnen eingesetzt. „Konkrete Lösungen für globale Herausforderungen werden auf lokaler Ebene initiiert“, sagte der Leiter der Abteilung Außenbeziehungen. Laut Pressemitteilung sieht sich Stuttgart dadurch als Vorreiter bei erneuerbaren Energien.





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