Rhein-Hunsrück-KreisWärmeplanung abgeschlossen

Vierseeblick bei Boppard: Umweltwärme aus dem Rhein wurde in kommunalen Wärmeplanung ebenfalls berücksichtigt.
(Bildquelle: Unsplash/Luca J)
Der Rhein-Hunsrück-Kreis verfügt nun über eine abgeschlossene kommunale Wärmeplanung, die als strategische Grundlage für den Umbau der Wärmeversorgung dient. Wie die Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz berichtet, haben die Stadt Boppard sowie die Verbandsgemeinden Hunsrück-Mittelrhein, Simmern-Rheinböllen, Kastellaun und Kirchberg ihre Wärmepläne in einem gemeinsamen Verfahren erstellt und damit einen interkommunalen Ansatz gewählt.
Federführend war die Stadt Boppard, deren Klimaschutzmanager Dominik Nachtsheim die Vorteile des Vorgehens in der gebündelten Datenerhebung und Analyse sieht. Durch die gemeinsame Planung konnten Synergien genutzt und Potenziale auch über kommunale Grenzen hinweg betrachtet werden. So wurde etwa ein Industriegebiet in einer benachbarten Verbandsgemeinde als mögliche Abwärmequelle für den Bopparder Stadtteil Buchholz mit untersucht. Zudem kann der Rhein-Hunsrück-Kreis die Ergebnisse direkt für die Fortschreibung seines Klimaschutzkonzepts nutzen, ohne den Wärmebereich gesondert neu zu bearbeiten.
Wärmesektor verursacht hohe CO₂-Emissionen
Die Bestandsanalyse zeigt, dass ein großer Teil der Gebäude im Kreis vor 1979 errichtet wurde und erhebliche energetische Sanierungspotenziale aufweist. Zugleich ist die Wärmeversorgung derzeit noch stark von fossilen Energieträgern geprägt, da Öl- und Gasheizungen dominieren und erneuerbare Energien bislang nur einen geringen Anteil haben. Entsprechend verursacht der Wärmesektor weiterhin hohe CO₂-Emissionen.
Den Analysen zufolge stehen im Kreisgebiet jedoch vielfältige erneuerbare Wärmequellen zur Verfügung. Solarthermie, oberflächennahe Geothermie, Biomasse, Umweltwärme aus dem Rhein sowie Abwasserwärme könnten künftig einen wesentlichen Beitrag leisten. Bei kontinuierlicher energetischer Sanierung ließe sich der Wärmebedarf bis 2040 deutlich senken; bereits ein vergleichsweise kleiner Teil der ermittelten technischen Potenziale würde ausreichen, um den künftigen Bedarf rechnerisch vollständig zu decken.
Auf dieser Grundlage wurde ein Zielszenario entwickelt, das die Kommunen in unterschiedliche Wärmeversorgungsgebiete einteilt. In bestehenden oder potenziell geeigneten Bereichen gilt der Auf- oder Ausbau von Wärmenetzen als sinnvoll, während in anderen Gebieten dezentrale Lösungen wie Wärmepumpen, Biomasseheizungen oder Solarthermie im Vordergrund stehen. Für bestimmte Prüfgebiete sind weitergehende Untersuchungen vorgesehen. Der Wärmeplan ist dabei nicht verbindlich, sondern versteht sich als Orientierungshilfe.
Orientierung für Bürgerinnen und Bürger
Für die Stadt Boppard ergibt sich aus dem Zielszenario unter anderem, dass der Stadtkern und der Ortskern Bad Salzig langfristig als Wärmenetzgebiete geeignet sind. Das Neubaugebiet Buchholz wird über ein Nahwärmenetz versorgt, das sich bereits in der Umsetzung befindet, während in den übrigen Stadtteilen voraussichtlich dezentrale Versorgungslösungen dominieren werden.
Die Planung soll auch Bürgerinnen und Bürgern Orientierung bieten. In Einzelversorgungsgebieten empfiehlt sich demnach eine frühzeitige Auseinandersetzung mit individuellen Lösungen und entsprechenden Beratungsangeboten, während in Gebieten mit Wärmenetzperspektive ein Anschluss technisch plausibel erscheint. In Prüfgebieten bleiben konkrete Empfehlungen weiteren Untersuchungen vorbehalten.
Mit dem Abschluss der Planung beginnt nun die Umsetzungsphase. In potenziellen Wärmenetzgebieten sind Machbarkeitsstudien vorgesehen, um Technik, Kosten und Betreibermodelle zu klären. Parallel will der Rhein-Hunsrück-Kreis Informations- und Beratungsangebote zur energetischen Sanierung ausbauen und die Ziele der Wärmeplanung in kommunale Entwicklungs- und Bauleitplanung integrieren. Nils Füllenbach von der Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz bewertet die Ergebnisse als solide Grundlage für eine langfristig klimaneutrale Wärmeversorgung im Kreis.
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