Bitkom-UmfrageWachsende Sorge um Stromnetz

Laut einer aktuellen Bitkom-Umfrage steigt die Nachfrage nach intelligenten Messsystemen.
(Bildquelle: Bitkom Research 2026)
Die Sorge um die Sicherheit der Stromversorgung wächst. Nach einer repräsentativen Haushaltsbefragung im Auftrag des Digitalverbands Bitkom halten 74 Prozent der Befragten das deutsche Stromnetz für anfällig gegenüber Sabotage oder gezielten physischen Angriffen, 71 Prozent sehen eine hohe Verwundbarkeit durch Cyber-Angriffe. Wie der Bitkom berichtet, fordern zugleich 93 Prozent, der Sicherheit beim Umbau des Energiesystems denselben Stellenwert einzuräumen wie Klimaschutz und Kosten.
Anlass für die Untersuchung sind unter anderem jüngste Vorfälle wie ein Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz und ein Feuer in einem Umspannwerk in Reutlingen. Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder betont, digitale Technologien spielten sowohl bei Angriffen auf Stromnetze als auch bei deren Schutz eine Schlüsselrolle. Tausende Kilometer Leitungen und die wachsende Zahl dezentraler Erzeugungsanlagen ließen sich nur mit digitaler Überwachung und wirksamen Cyber-Sicherheitsmaßnahmen zuverlässig betreiben und absichern.
Hälfte der Haushalte rechnet mit Stromausfällen
Fast die Hälfte der Haushalte rechnet inzwischen mit längeren Stromausfällen am eigenen Wohnort. 46 Prozent halten einen mehrstündigen Ausfall für wahrscheinlich, 17 Prozent haben nach eigenen Angaben innerhalb der vergangenen zwölf Monate bereits einen Stromausfall von mindestens fünf Minuten erlebt. Nur 26 Prozent sehen Deutschland insgesamt gut auf einen längeren Blackout vorbereitet.
Die Sicherheitsbedenken bremsen die Zustimmung zur Energiewende jedoch nicht. 72 Prozent der Befragten halten deren Tempo für zu langsam, 92 Prozent sprechen sich für eine schnellere Unabhängigkeit von Öl und Gas aus. Gleichzeitig sind nur 15 Prozent mit der Energiepolitik der Bundesregierung zufrieden.
Transparenz beim Stromverbrauch erwünscht
Groß ist auch das Interesse an mehr Transparenz beim Stromverbrauch. 90 Prozent möchten ihren aktuellen Verbrauch so einfach nachvollziehen können wie den Kraftstoffverbrauch eines Autos. 67 Prozent wünschen sich mehr Informationen über die Klimawirkung ihres Energieverbrauchs.
Eine zentrale Rolle schreibt Bitkom intelligenten Messsystemen zu. Smart Meter erfassen Verbrauchsdaten digital und übertragen sie über ein Smart-Meter-Gateway. Darüber hinaus können sie Preis- und Steuersignale empfangen und so Wärmepumpen, Wallboxen oder Batteriespeicher in ein flexibles Stromsystem einbinden. Acht Prozent der Haushalte nutzen bereits ein solches System, weitere 61 Prozent sind daran interessiert. Gleichzeitig fühlen sich 77 Prozent der Haushalte ohne Smart Meter nach eigener Einschätzung nicht ausreichend informiert, und 48 Prozent äußern Datenschutzbedenken.
Großes Interesse an dynamischen Stromtarifen
Auch dynamische Stromtarife stoßen auf großes Interesse. Zwar nutzen bislang erst zwei Prozent der Befragten einen solchen Tarif, doch 68 Prozent können sich dies vorstellen. 90 Prozent wären bereit, ihren Stromverbrauch an aktuelle Strompreise anzupassen, wenn sich dadurch Kosten sparen lassen. 85 Prozent würden Geräte automatisch dann betreiben oder laden lassen, wenn Strom besonders günstig verfügbar ist.
Insgesamt sehen 89 Prozent der Haushalte die Digitalisierung als Chance für die Energiewende. Bitkom leitet daraus die Forderung ab, den Smart Meter Roll-out zu beschleunigen, die Steuerungsinfrastruktur auszubauen und digitale Anwendungen sowie KI im Netzbetrieb schneller in die Praxis zu bringen. Nur so lasse sich die Energiewende sicher, effizient und verbraucherfreundlich umsetzen.
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