Leutkirch im AllgäuAuf dem Weg zur nachhaltigen Stadt

Einweihung des neuen Solarparks in Leutkirch: Mit Gottes Segen auf dem Weg zur nachhaltigen Energieversorgung.
(Bildquelle: K21 media AG)
Der momentan zweitgrößte Solarpark in Baden-Württemberg ist zum Jahreswechsel in der Stadt Leutkirch im Allgäu ans Netz gegangen. Realisiert wurde das Projekt im Rahmen der Initiative Nachhaltige Stadt Leutkirch in Kooperation mit dem Zweckverband Oberschwäbische Elektrizitätswerke (OEW), der Energiegenossenschaft Leutkirch sowie der EnBW Energie Baden-Württemberg. Bemerkenswert sind nicht nur die nackten Zahlen: Die Anlage nimmt eine Fläche von knapp 101.000 Quadratmetern oder 16 Fußballfeldern ein, soll mit einer installierten Leistung von fünf Megawatt rund fünf Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr erzeugen und damit etwa 1.500 Haushalte mit Sonnenstrom versorgen sowie jährlich etwa 2.800 Tonnen CO2 einsparen. Insgesamt wurden rund zehn Millionen Euro in den Solarpark investiert.
Als richtungsweisend kann auch gelten, wie die Stadt Bürger, Vereine und Institutionen beim Ausbau der erneuerbaren Energien im Rahmen der Nachhaltigen Stadt einbezieht (14858+wir berichteten). Ziel ist es, Leitlinien und Strategien für eine nachhaltige Stadtentwicklung unter besonderer Berücksichtigung des energetischen Bausteins zu schaffen. Der Solarpark ist das erste konkrete Projekt, das im Zuge der Initiative realisiert worden ist. Die Bürger wurden dabei nicht nur im Vorfeld der Planung eingebunden, sondern können sich zudem über ein zweckgebundenes Darlehen der Energiegenossenschaft an der Anlage beteiligen. Der Aufsichtsratsvorsitzende der Energiegenossenschaft, Michael Krumböck, meint: „Eine solche regionale Investition verbessert die Akzeptanz von Energieerzeugungsanlagen und wird künftig zu einem entscheidenden Faktor beim weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien in der Region.“ Im Vorfeld der Einweihung lobte auch der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller das Projekt als vorbildlich: „Der Solarpark in Leutkirch ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie es gelingen kann, die Bevölkerung beim dringend erforderlichen Ausbau erneuerbarer Energien zu beteiligen. Die Nachhaltige Stadt entspricht genau dem Dialogverständnis der Landesregierung, die Bürgerinnen und Bürger hierbei mitzunehmen.“
Leistung auch bei trübem Wetter
Dass die Stadt Leutkirch beim Umbau ihrer Energieversorgung in erster Linie auf Sonnenenergie setzt, ist nicht verwunderlich. Schließlich erfreut sich die Stadt in Süddeutschland einer außergewöhnlich hohen Zahl von Sonnenstunden im Jahr und stand im Bereich der Mittelstädte bereits dreimal an der Spitze der Solar-Bundesliga. Am Tag der offiziellen Einweihung ist von der #bild2 Sonne zwar ausnahmsweise einmal nichts zu sehen, „aber selbst bei diesem trüben Wetter erbringt unser neuer Solarpark noch zehn Prozent Leistung und versorgt somit 150 Haushalte mit Strom“, lobt Leutkirchs Oberbürgermeister Hans-Jörg Henle.
Errichtet wurde die Photovoltaikanlage auf dem Gelände einer ehemaligen Kiesgrube nahe der A 96. Ein landwirtschaftlicher Betrieb wäre auf dieser so genannten Konversionsfläche laut eines Gutachtens nur eingeschränkt möglich gewesen, dennoch müsse bei solchen Projekten der Nutzungskonflikt immer sorgfältig abgewogen werden, meint Oberbürgermeister Henle. Im Anschluss an die Standortfindung sei der Solarpark dann nahezu in Rekordzeit konzipiert und der Bebauungsplan innerhalb von nur sechs Monaten umgesetzt worden. Die Errichtung des Parks wurde im Laufe von nur sechs Wochen abgeschlossen. Warum die Projektpartner derart zur Eile drängten, erklärt Oberbürgermeister Hans-Jörg Henle: „Wir hatten uns das ehrgeizige Ziel gesetzt, die Anlage noch 2011 ans Netz zu bekommen, um die Einspeisevergütung für dieses Jahr ausnutzen zu können. Andernfalls wäre die Wirtschaftlichkeit des Solarparks deutlich schlechter ausgefallen.“
Projekt mit Modellcharakter
Für die EnBW, auf deren Initiative der Solarpark in Leutkirch zustande kam, hat das Projekt Modellcharakter. Vorstandsvorsitzender Hans-Peter Villis sagt: „Das Projekt zeigt, dass wir die erneuerbaren Energien in unserer Heimatregion Baden-Württemberg ausbauen und die Kommunen auf ihrem Weg in die dezentrale und effiziente Energieversorgung unterstützen.“ Mit dem Piloten Leutkirch hat der Energieversorger noch einiges vor. Bereits konkret geplant sind beispielsweise die Errichtung einer Biomasseanlage sowie von Windkraftanlagen. Villis: „Hier können wir realisieren, was wir letztlich auch in anderen Regionen im Land vorhaben.“
Von anderen Konzepten, welche derzeit bundesweit in Kommunen erprobt werden, unterscheidet sich die Initiative Nachhaltige Stadt aufgrund der in Leutkirch vorherrschenden Standortfaktoren. Als Mittelzentrum mit rund 23.000 Einwohnern und wirtschaftlich starker Standort mit leistungsfähiger Industrie kann die Kommune nach Aussage von Hans-Peter Villis zum Beispiel schon per Definition kein Bioenergiedorf sein – dazu unterscheide sich der spezifische Energiebedarf zu stark. In Leutkirch stünde daher nicht nur die technische Machbarkeit eines nachhaltigen Energiekonzeptes im Vordergrund, sondern es werde vor allem geprüft, ob sich die Maßnahmen auch wirtschaftlich umsetzen lassen.
Erster Schritt zum neuen Energiezeitalter
Vor Kurzem hat der Gemeinderat der Stadt Leutkirch beschlossen, die EnBW und die Energieagentur Ravensburg mit der Erstellung eines kommunalen Energiekonzeptes zu beauftragen, das Anfang 2013 vorgestellt werden soll. Ziel ist es, herauszufinden, welche Elemente in Zukunft benötigt werden und welche eher hinderlich sind.
OEW-Geschäftsführerin Barbara Endriss sagte, die Inbetriebnahme der Photovoltaikanlage sei ein erster wichtiger Schritt auf dem Weg in ein neues Energiezeitalter. Denn eines ist nach Angaben von Barbara Endriss sicher: Eine flächendeckende, bezahlbare und zuverlässige Stromversorgung kann im Klein-Klein nicht funktionieren. Endriss: „Die Herausforderungen, welche die Energiewende an uns alle stellt, sind so groß, dass wir diese nur gemeinschaftlich bewältigen können. In Leutkirch sind wir hier auf dem richtigen Weg.“
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