InterviewPioniergeist trifft Exzellenz

Dr. Uwe Lauber
(Bildquelle: Everllence SE)
Herr Dr. Lauber, MAN Energy Solutions trägt seit Mitte 2025 den Namen Everllence. Welches strategische Signal möchten Sie mit dem neuen Namen insbesondere an den Energiemarkt senden?
Die Umbenennung ist die logische Folge unserer Entwicklung der vergangenen Jahre. Wir sind heute im Markt längst nicht mehr nur für Motoren und Turbomaschinen bekannt, sondern unterstützen erfolgreich weltwirtschaftliche Schlüsselindustrien wie die Energiewirtschaft bei der Reduzierung von schwer vermeidbaren Emissionen. Diesen Wandel unterstreichen wir mit unserem neuen Namen. Der inhaltliche Wandel startete schon früher und ebenfalls mit einer Namensänderung: 2018 haben wir begonnen, technologische Lösungen zur Senkung von klimaschädlichen Emissionen in den strategischen Fokus zu nehmen. Aus MAN Diesel & Turbo wurde deshalb MAN Energy Solutions. Heute sind wir nicht nur als Hersteller klimaneutraler Schiffs- und Kraftwerksmotoren etabliert, sondern auch marktführend als Anbieter von Großwärmepumpen und CCUS, also Anlagen zur CO2-Abscheidung. Wir sind ein größeres, wachstumsstärkeres und breiter aufgestelltes Unternehmen geworden. Mit dem neuen Namen tragen wir dieser Entwicklung Rechnung – ohne unsere Geschichte zu vergessen. In Everllence steckt zum einen das Wort Ever im Sinne von First Ever, also die Rückbesinnung auf den einzigartigen Ingenieurs- und Pioniergeist, der das Unternehmen seit 260 Jahren auszeichnet. Zum anderen greift es den Begriff Excellence auf, der unser Selbstanspruch ist.
Welche Rolle spielt das Leitmotiv „Moving big things to zero“ in Ihrer Strategie?
Mit diesem Leitmotiv konzentrieren wir uns vor allem auf die Dekarbonisierungs- und Effizienzlösungen für jene Sektoren der Weltwirtschaft, die klimaschädliche Emissionen kaum vermeiden können. Der Energiewirtschaft bieten wir beispielsweise zukunftsfähige Dual-Fuel- und Gasmotoren an, die mit klimaneutralen Kraftstoffen CO2-Emissionen reduzieren. Unsere Großwärmepumpen wiederum dekarbonisieren weltweit die Wärmeversorgung von Städten und Industrieanlagen. Zudem sorgen unsere Technologien zur CO2-Abscheidung und Speicherung für die sichere Entnahme von unvermeidbaren CO2-Emissionen aus industriellen Prozessen. All diese Technologien sind keine Zukunftsmusik, sondern bereits im Markt erprobt.
Und welche dieser Technologien hat Ihrer Einschätzung nach das größte Wachstumspotenzial?
Für die Zukunft haben sowohl Großwärmepumpen als auch die CO2-Abscheidung große Bedeutung. 40 Prozent der CO2-Emissionen weltweit werden durch die Wärmeerzeugung verursacht. Mit nur einer Großwärmepumpenlösung lässt sich über das Fernwärmenetz klimaneutrale Wärme für zehntausende Haushalte bereitstellen. So könnte die Wärmeversorgung ganzer Städte dekarbonisiert werden. Auch an der CO2-Abscheidung führt kein Weg vorbei. Sie könnte etwa in der Zementindustrie eingesetzt werden, die weltweit circa acht Prozent der CO2-Emissionen verursacht.
„Wir unterstützen die Energiewirtschaft bei der Reduzierung von schwer vermeidbaren Emissionen.“
Welche Bedeutung messen Sie dem Hochlauf von grünem und blauem Wasserstoff bei?
Wasserstoff wird in Zukunft zum unverzichtbaren Rohstoff für die Produktion synthetischer Kraftstoffe, mit denen unsere Kraftwerks- und Schiffsmotoren klimaneutral werden. Die Nachfrage wird immens sein, daher brauchen wir hier endlich einen pragmatischen Ansatz. Natürlich muss das Ziel grüner Wasserstoff sein, aber aktuell ist dieser nur in sehr geringen Mengen verfügbar. Wenn uns also blauer Wasserstoff helfen kann, Produktionskapazitäten aufzubauen, Skaleneffekte zu erzielen und den Markthochlauf zu beschleunigen, müssen wir ihn als Brückenkraftstoff anerkennen. Der Wasserstoffhochlauf tritt schon viel zu lange auf der Stelle, und wir können diesen nicht noch länger mit langwierigen Grundsatzdiskussionen aufhalten.
Können Sie konkrete Projekte nennen, mit denen Everllence aktuell zur Dekarbonisierung von Energieversorgern beiträgt?
Im vergangenen Jahr haben wir im dänischen Esbjerg erfolgreich eine Meerwasserwärmepumpe in Betrieb genommen (wir berichteten). Sie ersetzt ein stillgelegtes Kohlekraftwerk und versorgt über 25.000 Haushalte mit klimaneutraler Fernwärme, was jährlich 120.000 Tonnen CO2 spart. Zudem werden wir in den kommenden Jahren gemeinsam mit RheinEnergie in Köln die mit 150 Megawatt (MW) größte Flusswärmepumpe in Europa bauen. Diese wird 50.000 Haushalte klimaneutral mit Wärme versorgen.
Welche Rolle spielen die Stadtwerke in Bezug auf innovative Dekarbonisierungslösungen?
Die kommunale Wärmeversorgung steht vor der größten Transformation in der Geschichte der Bundesrepublik, und die Stadtwerke sind diejenigen, die diese Herkulesaufgabe meistern. Ihre Rolle kann also gar nicht hoch genug geschätzt werden. Bis 2028 müssen alle Kommunen ihre Wärmeplanung abgeschlossen haben. In dieser entscheidenden Phase wollen wir Partner der Kommunen sein. Im Markt begegnen wir einerseits einem immensen Interesse an Großwärmepumpen. Andererseits sehen wir, dass der Wissensstand zu dieser Technologie noch gering ist – bislang haben Kommunen ja vor allem Kraftwerke gebaut. Auch auf behördlicher Seite fehlt noch die Erfahrung im Umgang mit der Technologie, was zu teils schmerzhaften Verzögerungen bei den Genehmigungsverfahren führt. Dass Großwärmepumpen die ideale Technologie für eine effiziente und umweltfreundliche Wärmewende sind, beweisen wir in Esbjerg. Ich bin überzeugt, dass bald viele weitere Stadtwerke davon Gebrauch machen werden.
Gibt es Projekte, bei denen Sie erstmals verschiedene Ihrer Technologien in einem integrierten Ansatz zusammenführen?
Unsere Gas- und Dual-Fuel-Motoren können die unabhängige Energieversorgung von Daten- und Rechenzentren sichern. Das ist ein gigantischer globaler Markt, der aktuell durch den Boom bei Künstlicher Intelligenz rasant wächst. Gleichzeitig produzieren diese IT-Infrastrukturen Abwärme, die sich durch die zusätzliche Integration unserer Wärmepumpenlösungen in Hochtemperaturwärme umwandeln lässt. Einerseits versorgen wir so die Rechenzentren zuverlässig mit Energie. Andererseits können wir die Abwärme aus den Rechenzentren nutzen, um diese über eine Großwärmepumpe ins Fernwärmenetz einzuspeisen. Noch wird dieses Leistungsvermögen nicht ausgeschöpft, aber wir sehen darin großes Potenzial für die Energie- und Wärmewende.
Wie verändern geopolitische Entwicklungen und die europäische Energie- und Klimapolitik die Prioritäten von Everllence?
Der Kampf gegen den Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Davor können wir die Augen nicht verschließen. Zugleich muss man anerkennen, dass neben die Megatrends Dekarbonisierung und Digitalisierung, an denen wir 2018 unsere Strategie ausgerichtet haben, weitere globale Herausforderungen getreten sind. Sicherheit etwa hat heute einen ganz anderen Stellenwert als noch vor einigen Jahren. Die jüngsten Ereignisse in Berlin, wo ganze Stadtteile über Tage von der Elektrizitätsversorgung abgeschnitten wurden, zeigen eindringlich, dass die Energiewirtschaft als Betreiber Kritischer Infrastruktur davon massiv betroffen ist. Und wieder stehen die Stadtwerke hier in der ersten Reihe.
Wo steht Everllence im Jahr 2030?
In den vergangenen sechs Jahren haben wir jedes Jahr neue Rekordauftragseingänge verbucht. Wir sind klar auf Wachstumskurs. Das wollen wir natürlich weiterführen und in den kommenden Jahren unsere Position als Dekarbonisierungs-Champion festigen. Unser klares Ziel ist es, dass bis 2030 unsere klimaneutralen Lösungen den Großteil unseres Umsatzes ausmachen.
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