Freitag, 6. November 2026

Netzentwicklungspläne 2030CSU kritisiert zweite Entwürfe

[04.05.2017] Die Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) haben die zweiten Entwürfe des Netzentwicklungsplans und des Offshore-Netzentwicklungsplans 2030 veröffentlicht. Alternativen zur Entlastung des Netzknotens Grafenrheinfeld haben darin nicht überzeugt. Bayern mahnte derweil eine umweltfachliche Bewertung der Maßnahmen an.
Die Bayerische Staatsministerin für Wirtschaft und Medien

Die Bayerische Staatsministerin für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie Ilse Aigner (CSU) pocht beim Netzausbau weiterhin auf Alternativen.

(Bildquelle: CSU)

Die Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) 50Hertz, Amprion, Tennet und TransnetBW haben heute die zweiten Entwürfe des Netzentwicklungsplans (NEP) 2030 und des Offshore-Netzentwicklungsplans (O-NEP) 2030 der Bundesnetzagentur (BNetzA) übergeben. Wie die ÜNB melden, sind in die zweiten Entwürfe Anregungen aus der öffentlichen Konsultation zu den ersten Entwürfen von NEP und O-NEP 2030 eingeflossen. Die Konsultation wurde vom 31. Januar bis 28. Februar 2017 durchgeführt. Insgesamt zählten die ÜNB 2.116 Stellungnahmen zum NEP und 17 zum O-NEP.
Der neue Entwurf gibt den Netzverstärkungsbedarf auf Bestandstrassen je nach Szenario mit 7.600 bis 8.500 Trassenkilometern an. Der Ausbaubedarf neuer Leitungstrassen liege bei rund 3.600 Kilometern, wovon 2.400 Kilometer Gleichstromverbindungen sind. Für das Gesamtvolumen der Investitionen veranschlagen die Übertragungsnetzbetreiber je nach Szenario zwischen 32 und 34 Milliarden Euro. Der vorläufigen Berechnung liege dabei die Annahme zugrunde, dass die Gleichstromverbindungen DC1 (Emden Ost-Osterath) sowie DC3-5 (Brunsbüttel-Großgartach) vollständig als Erdkabel ausgeführt werden.
Den Bedarf für den Ausbau des bestehenden Offshore-Netzes geben die ÜNB mit 850 Kilometern an. Der Zubau-Bedarf liege bei 2.277 Kilometern. Das Gesamtvolumen der Investitionen belaufe sich auf rund 17 Milliarden Euro bis 2030 und auf rund 24 Milliarden Euro bis 2035.
Im zweiten Entwurf des NEP haben die ÜNB zudem im Rahmen einer Prüfung von Alternativen für die Projekte P43 (Mecklar/Hessen-Grafenrheinfeld) und P44 (Altenfeld/Thüringen-Grafenrheinfeld) eigenständige Netzanalysen mit den Alternativen P43mod (Mecklar/Hessen nach Urberach/Hessen) und P44mod (Altenfeld/Thüringen-Ludersheim) durchgeführt. Die ursprünglichen Maßnahmen P43 und P44 hätten sich dabei als netztechnisch effizienter erwiesen.

Aigner: P44, P44mod und P43 kommen nicht infrage

Massive Kritik kam aus Bayern. Die bayerische Wirtschafts- und Energieministerin Ilse Aigner (CSU) ließ wissen: „Die Haltung der bayerischen Staatsregierung ist klar: Wir lehnen die Wechselstromprojekte P44 und P44mod sowie P43 weiterhin entschieden ab.“ Die Ministerin berief sich dabei unter anderem auf die energiepolitische Vereinbarung vom 1. Juli 2015. Infolge der Vereinbarung wurden die Alternativen P43 und P44mod überhaupt erst entwickelt. Entsprechend blieb die Wirtschaftsministerin dabei: Der Netzknoten Grafenrheinfeld müsse unbedingt entlastet werden. Selbst die Alternative P44mod komme nicht in Betracht. Aigner: „Wir werden weiterhin auf eine punktgenaue Einhaltung der Vereinbarung vom Juli 2015 drängen und uns in politischen Verhandlungen auf Bundes- und Länderebene dafür einsetzen, dass das Projekt P43 und die Maßnahmen P44 und P44mod nicht kommen. Wir fordern die Bundesnetzagentur auf, neben rein netztechnischen Erwägungen auch umweltfachliche Kriterien in die Bewertung der Maßnahmen einzubeziehen.“ Das Projekt P43 widerspreche zudem dem Grundsatz Netzoptimierung vor Netzausbau. Die Alternative P43mod sei durch die vorgesehene Aufrüstung einer bestehenden Leitung in Hessen eindeutig vorteilhafter. Schließlich gehe es beim Netzausbau auch darum, eine faire Lastenverteilung zu erreichen. „Es kann nicht sein, dass Bayern die Last überwiegend alleine schultert“, erklärte Aigner.
Die Bundesnetzagentur wird in den kommenden Monaten den ihr vorgelegten Entwurf prüfen. Bevor der NEP 2030 abschließend von der BNetzA bestätigt wird, wird es eine weitere Konsultation geben. Veränderungen gegenüber dem NEP 2024 sind dann vom Bundesgesetzgeber im Bundesbedarfsplan zu beschließen.





Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Netze | Smart Grid

Hamburger Energienetze: Neues Verfahren für Großanschlüsse

[05.11.2026] Die Hamburger Energienetze führen ein neues Verfahren zur Vergabe von Netzanschlusskapazitäten ein. Hintergrund sind steigende Leistungsanforderungen und Verzögerungen beim Netzausbau. Neue Großanschlüsse können vorerst nicht mehr zugesagt werden. mehr...

Verteilnetzausbau: 66 Milliarden Euro Einsparpotenzial

[04.11.2026] Beim Ausbau der Stromverteilnetze könnten bis 2045 rund 66 Milliarden Euro eingespart werden. Eine Studie von Agora Energiewende zeigt, wie sich die Kosten durch eine bessere Netzauslastung, flexible Anschlüsse und einen effizienteren Netzbetrieb um etwa ein Viertel senken lassen. mehr...

Stadtwerke München: Zwei neue 110-kV-Schaltanlagen bestellt

[02.11.2026] Die Stadtwerke München haben bei Siemens Energy zwei neue 110-Kilovolt-Schaltanlagen mit insgesamt 120 Schaltfeldern bestellt. Die Anlagen sollen das Stromnetz für den steigenden Leistungsbedarf ertüchtigen und kommen ohne klimaschädliche fluorierte Isoliergase aus. mehr...

Advertorial: Netzdigitalisierung für kleinere Netzbetreiber – Wie der Einstieg mit begrenzten Ressourcen gelingt

[28.10.2026] Steigende Anschlussanfragen, lückenhafte Netzdaten und wachsende Anforderungen fordern kleinere Netzbetreiber. Wie sich die Digitalisierung mit begrenzten Ressourcen angehen lässt, zeigt die envelio Roadshow im November 2026. Im Mittelpunkt stehen Praxisberichte, der Austausch mit anderen Netzbetreibern und konkrete Schritte für den eigenen Betrieb. mehr...

sw netz: Neues Umspannwerk in Wiesbaden

[27.10.2026] Der Wiesbadener Netzbetreiber sw netz baut im Stadtteil Amöneburg ein neues Umspannwerk. Die Anlage soll die Stromversorgung angesichts steigender Anforderungen durch Wärmewende, Elektromobilität und neue Gewerbeansiedlungen langfristig sichern. mehr...

Ultranet: TransnetBW schließt Leitungsbau für ab

[23.10.2026] Der Übertragungsnetzbetreiber TransnetBW hat den Leitungsbau für die Gleichstromverbindung Ultranet zwischen Mannheim-Wallstadt und Philippsburg abgeschlossen. Der erste Stromfluss ist für Ende 2026 vorgesehen. mehr...

Kisters: Neue Softwaregeneration für Messstellenbetreiber

[23.10.2026] Auf den metering days 2026 stellt Kisters neue webbasierte Anwendungen für das Messdatenmanagement und die Zählerfernauslesung vor. Weitere Schwerpunkte sind die Steuerung nach § 14a EnWG und die Integration intelligenter RLM-Messsysteme. mehr...

Baden-Württemberg: Task Force soll Netzausbau beschleunigen

[22.10.2026] Baden-Württemberg will den Ausbau der Stromverteilnetze deutlich beschleunigen. Eine neue Task Force soll Netzengpässe beseitigen, Anschlussverfahren verkürzen und die Infrastruktur für die Energiewende stärken. mehr...

Bundesnetzagentur: Netzengpässe verursachen höhere Kosten

[15.10.2026] Das Volumen der Maßnahmen gegen Netzengpässe ist im zweiten Quartal 2026 um rund zehn Prozent gesunken. Dennoch stiegen die Kosten auf 673 Millionen Euro, vor allem wegen höherer Vorhaltekosten für Reservekraftwerke. mehr...

Hager: Neue Lösungen für intelligente Netze

[12.10.2026] Hager erweitert sein Portfolio für die Energiewende. Im Mittelpunkt stehen netzdienlich steuerbare Lade-Infrastruktur, bidirektionales Laden und eine vereinfachte Spannungsversorgung intelligenter Messsysteme. Die neuen Lösungen reagieren unter anderem auf regulatorische Anforderungen an Elektromobilität und Smart-Meter-Infrastruktur. mehr...

Netzentgelte: Zahlen für das kommende Jahr veröffentlicht

[05.10.2026] Die vorläufigen Übertragungsnetzentgelte für 2027 liegen bei durchschnittlich 3,54 Cent je Kilowattstunde und damit über dem Wert von 2026. Ohne den vorgesehenen Bundeszuschuss von 5,525 Milliarden Euro würden sie nach Angaben der Netzbetreiber auf 6,52 Cent steigen. mehr...

SüdLink: Umplanung erforderlich

[01.10.2026] Beim Bau der Stromtrasse SüdLink sind im Raum Heilbronn in Baden-Württemberg Umplanungen erforderlich. Wegen neuer geologischer Erkenntnisse kann ein bereits gebauter Schacht bei Bad Friedrichshall-Kochendorf nicht wie vorgesehen genutzt werden. mehr...

Westnetz: Reaktion auf Kritik am Smart-Meter-Roll-out

[23.09.2026] Westnetz reagiert auf die Kritik der Smart-Meter-Initiative an Problemen beim Smart-Meter-Roll-out. Der Netzbetreiber räumt Einschränkungen bei der Marktkommunikation ein und will offene Vorgänge mit zusätzlichen Ressourcen und spezialisierten Teams schneller abbauen. mehr...

Smight: Kritische Netzsituationen erkennen

[15.09.2026] Der Anbieter Smight hat mit SMIGHT NeMS ein neues Netzmanagementsystem für die Niederspannung vorgestellt. Die Plattform soll Messdaten, Steuerung und Prognosen zusammenführen und Verteilnetzbetreiber bei der Umsetzung regulatorischer Vorgaben unterstützen. mehr...

Regensburg: Netzbetreiber modernisiert Schaltanlage

[11.09.2026] Regensburg Netz hat eine Mittelspannungsschaltanlage im Norden der Stadt umfassend modernisiert. Die neue Anlage kommt ohne das Isoliergas Schwefelhexafluorid aus und soll die Betriebssicherheit erhöhen. Zum Einsatz kommt Clean-Air-Technologie von Schneider Electric. mehr...