Dienstag, 3. Februar 2026

StuttgartGroßwärmepumpe für 10.000 Haushalte

[09.04.2024] In Stuttgart-Münster wurde eine Großwärmepumpe offiziell in Betrieb genommen. Sie kann Fernwärme für 10.000 Haushalte bereitstellen.
Kann 10.000 Haushalte versorgen: Großwärmepumpe in Stuttgart-Münster.

Kann 10.000 Haushalte versorgen: Großwärmepumpe in Stuttgart-Münster.

(Bildquelle: EnBW)

Mit der Inbetriebnahme der Großwärmepumpe am EnBW-Kraftwerksstandort Stuttgart-Münster können künftig rechnerisch 10.000 Haushalte mit klimaneutraler Fernwärme versorgt werden. Der Gesamtanteil der klimaneutralen Fernwärme in der Region steigt damit um rund zehn Prozentpunkte auf etwa 25 Prozent. Dies unterstützt auch die Stadt Stuttgart bei der Erreichung ihrer Klimaschutzziele. Die Großwärmepumpe mit einer Leistung von bis zu 24 Megawatt (MW) ist eine der ersten Anlagen dieser Größenordnung in Deutschland. Sie nutzt die Abwärme aus dem Kühlwasserkreislauf des benachbarten Restmüllheizkraftwerks und wird mit zertifiziertem Ökostrom aus der Müllverbrennung betrieben.

15.000 Tonnen CO2 weniger

Die erzeugte Fernwärme reduziert den CO2-Ausstoß um rund 15.000 Tonnen pro Jahr. Durch die Entnahme von Umweltwärme aus dem Kühlwasser des Restmüllheizkraftwerks wird zudem der Wärmeeintrag in den Neckar reduziert. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz im Rahmen des Ideenwettbewerbs „Reallabore der Energiewende“ gefördert und ist dem Verbundforschungsprojekt „Großwärmepumpen in Fernwärmenetzen – Installation, Betrieb, Monitoring und Systemintegration“ zugeordnet. 

Die Herausforderung während der Bauphase bestand vor allem darin, die Großwärmepumpe in die bestehenden Anlagen und die Infrastruktur des traditionsreichen Kraftwerksstandorts Stuttgart-Münster zu integrieren – und das bei laufendem Betrieb. Derzeit entsteht am Standort des Restmüllheizkraftwerks neben der Großwärmepumpe ein wasserstoffbetriebenes Gaskraftwerk mit einer Leistung von 124 MW, das im Laufe des Jahres 2025 die Kohlekessel am Standort ersetzen wird. Damit ist die Fernwärmeerzeugung in Stuttgart dann kohlefrei. In den 2030er-Jahren soll dann in einem weiteren „Fuel Switch“ Wasserstoff zur klimaneutralen Strom- und Wärmeerzeugung eingesetzt werden.

Konsequente Dekarbonisierung

Die offizielle Inbetriebnahme der Großwärmepumpe fand am 8. April 2024 im Beisein von Thekla Walker (Bündnis 90/Die Grünen), Ministerin für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft des Landes Baden-Württemberg, Peter Pätzold, Bürgermeister der Landeshauptstadt Stuttgart für Städtebau, Wohnen und Umwelt, und Georg Stamatelopoulos, Vorstandsvorsitzender der EnBW Energie Baden-Württemberg AG, statt.
Stamatelopoulos betonte: „Heute ist ein guter Tag für die EnBW und die Stadt Stuttgart: Unser Standort Stuttgart-Münster macht einen weiteren wichtigen Schritt auf dem Weg zur klimaneutralen Erzeugung von Strom und Wärme. Wir setzen die Dekarbonisierung der Fernwärme in Stuttgart konsequent fort und nehmen eine hochmoderne Großwärmepumpe in Betrieb.“
Walker betonte: „Was hier in Münster umgesetzt wird, hat Vorbildcharakter. Das Projekt zeigt: Wärmepumpentechnik funktioniert auch im großen Maßstab und kann auf einen Schlag tausende Haushalte mit klimafreundlicher Wärme versorgen. Das ist ein großer Schritt für die Energiewende in der Region Stuttgart und ein wichtiges Signal für ganz Baden-Württemberg: Klimaneutralität bis 2040 ist machbar. Dass insgesamt zwei der fünf vom Bund geförderten Großwärmepumpen in Baden-Württemberg stehen, zeigt den Transformationswillen unseres Bundeslands.“





Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Wärmeversorgung

Gebäudeenergiegesetz: Spitzenverbände fordern Reform

[29.01.2026] Mehrere Spitzenverbände aus Energie-, Kommunal- und Immobilienwirtschaft fordern eine schnelle und grundsätzliche Reform des Gebäudeenergiegesetzes hin zu einem Gebäudemodernisierungsgesetz. Sie verlangen klare, investitionsfreundliche und praxistaugliche Regeln, die nationale und europäische Vorgaben zusammenführen. mehr...

Pforzheim: Energiezentrale in Betrieb gegangen

[29.01.2026] In Huchenfeld ist eine neue Energiezentrale in Betrieb gegangen, die den Pforzheimer Stadtteil künftig mit überwiegend erneuerbarer Wärme versorgen soll. Betreiber sind die Stadtwerke Pforzheim, die damit ihre Nah- und Fernwärmestrategie weiter ausbauen. mehr...

Nexiga/DBI: Wärmebedarf von Gebäuden berechnen

[21.01.2026] Eine neue, normbasierte Methode berechnet erstmals den Wärmebedarf nahezu aller Gebäude in Deutschland gebäudescharf. Entwickelt von Nexiga und der DBI-Gruppe, soll sie Kommunen, Energiewirtschaft und Wohnungswirtschaft präzisere Planungsgrundlagen liefern. mehr...

Herrenchiemsee: Kulturerbe hat Nahwärmesystem erhalten

[19.01.2026] Auf der Herreninsel im Chiemsee ist ein neues Nahwärmesystem mit Holzvergaser-Blockheizkraftwerk in Betrieb gegangen, das mehrere denkmalgeschützte Gebäude nahezu autark mit Wärme und Strom versorgt. Das Projekt zeigt, wie sich erneuerbare Energietechnik auch in sensiblen Kulturerbe-Strukturen technisch anspruchsvoll integrieren lässt. mehr...

Rhein-Hunsrück-Kreis: Wärmeplanung abgeschlossen

[16.01.2026] Im Rhein-Hunsrück-Kreis ist die kommunale Wärmeplanung abgeschlossen und zeigt Wege zu einer klimaneutralen Wärmeversorgung auf. Kennzeichnend ist die interkommunale Zusammenarbeit mehrerer Kommunen, die ihre gesetzlich geforderten Wärmepläne gemeinsam erarbeitet haben. mehr...

bericht

Wärmeversorgung: Hoher Energieeinsatz, große Hebel

[13.01.2026] Wie Gewerbegebiete die Wärmewende vorantreiben können, zeigt ein Projekt im Ruhrgebiet. Im Rahmen von EMG.Ruhr sollen wirtschaftlich genutzte Flächen systematisch für eine klimafreundliche Energie-Infrastruktur erschlossen werden. mehr...

Fellbach: Fortschritte bei Wärmeplanung

[09.01.2026] Fellbach treibt die kommunale Wärmeplanung mit dem Ziel einer klimaneutralen Wärmeversorgung bis 2040 voran. Der Gemeinderat setzt dabei auf Machbarkeitsstudien für Wärmenetze, den Ausbau von Photovoltaik und Wärmepumpen sowie auf eine intensive Information der Bürgerschaft. mehr...

Stadtwerke Osnabrück: Zwischenbilanz zu Wärmepumpen-Komplettpaket

[08.01.2026] Nach einem Jahr ziehen die Stadtwerke Osnabrück eine positive Zwischenbilanz ihres Wärmepumpen-Komplettpakets. Das gemeinsam mit Industriepartnern und regionalem Handwerk entwickelte Modell stößt auf anhaltendes Interesse und wird inzwischen durch PV- und Speicherlösungen ergänzt. mehr...

bericht

Hamburg: Wärme aus Abwasser

[07.01.2026] Mit der größten Abwasserwärmepumpe Deutschlands treiben die Hamburger Energiewerke und Hamburg Wasser die Wärmewende voran. Das Pionierprojekt im Energiepark Hafen demonstriert, wie Städte ihre lokalen Energiepotenziale nutzen können. mehr...

bericht

Wärmeversorgung: Das Jahrhundert der Großwärmepumpe

[05.01.2026] Vor einem Jahr ging auf dem Hafengelände der dänischen Stadt Esbjerg die weltweit größte Meerwasserwärmepumpe mit CO2 als natürlichem Kältemittel in Betrieb. Die Anlage produziert nicht nur klimaneutral Wärme, sondern trägt auch zur Netzstabilisierung bei. mehr...

Stiftung Umweltenergierecht: Leitfäden für die Wärmewende

[05.01.2026] Neue Leitfäden sollen Kommunen, Energieversorgern sowie Bürgerinnen und Bürgern den Weg von der kommunalen Wärmeplanung in die praktische Umsetzung erleichtern. Sie bündeln rechtliche Hinweise, Handlungsempfehlungen und Beispiele aus der Praxis für die lokale Wärmewende. mehr...

Osnabrück: Kommunale Wärmeplanung abgeschlossen

[18.12.2025] Die Stadt Osnabrück hat ihre kommunale Wärmeplanung abgeschlossen und damit frühzeitig die Grundlage für eine klimaneutrale Wärmeversorgung bis 2040 gelegt. Der Stadtrat hat das Konzept samt erster Umsetzungsaufträge beschlossen und damit den Übergang von der Planung in die Praxis eingeleitet. mehr...

Nordrhein-Westfalen: Bündnis für Heizwende gegründet

[15.12.2025] Nordrhein-Westfalen bündelt Kräfte aus Politik, Wirtschaft und Verbraucherschutz, um den Umstieg auf moderne und sparsame Heizsysteme zu erleichtern. Ein neues Bündnis startet unter dem Titel „Heizkeller der Zukunft“ eine landesweite Offensive für bezahlbares und klimafreundliches Heizen. mehr...

Schornsheim: Klimaneutrales Neubaugebiet fertiggestellt

[11.12.2025] Schornsheim hat das neue Neubaugebiet Gänsweide übernommen, das komplett auf Erdwärme setzt. MVV zufolge ist es das erste Gebiet der Verbandsgemeinde Wörrstadt, das mit einem kalten Nahwärmenetz erschlossen wurde. mehr...

Agentur für Erneuerbare Energien: Hintergrundpapier bewertet Wärmewende

[11.12.2025] Ein Hintergrundpapier der Agentur für Erneuerbare Energien zeigt deutliche Unterschiede beim Fortschritt der Wärmewende in den Bundesländern. Die Analyse beleuchtet sowohl den Ausbau erneuerbarer Wärme als auch den Stand der kommunalen Wärmeplanung. mehr...