EttlingenGrünes Quartierskonzept
Wie die Energiewende auf kleinster Ebene funktioniert, zeigt ein Projekt aus der baden-württembergischen Stadt Ettlingen. Die Umwelt- und Energieagentur des Landkreises Karlsruhe (UEA) und das Beratungsunternehmen Tilia arbeiten dort im Auftrag des Landkreises in Kooperation mit der Stadt und den Stadtwerken Ettlingen an der Umsetzung eines integrierten Quartierskonzepts. Das Ziel: Die komplette Selbstversorgung des Stadtteils Musikerviertel mit Strom und Wärme aus erneuerbaren Energien.
Für die Umsetzung des Konzepts sind laut einer Pressemeldung des Unternehmens Tilia zwei Ausbaustufen vorgesehen: In der ersten Phase wird die ohnehin anstehende Komplettsanierung des Beruflichen Bildungszentrums genutzt, um dessen Gebäude für die erneuerbare Energieversorgung auszustatten. So entstehen hier bis zu 1.000 Quadratmeter Kollektorfläche für Solarthermie. Zudem werden ein Biogas-BHKW und ein Gas-Spitzenlastkessel mit einem Pufferspeicher installiert. Der Ausbau im Berufsbildungszentrum wird ergänzt durch einen Pelletkessel mit rund einem Megawatt Leistung, der in die Realschule des Viertels kommt. Die Kombination verschiedener Technologien soll die ganzjährige Energieversorgung des Quartiers sichern. Tilia-Projekt-Manager Uwe Gährs erklärt: „Im Sommer deckt größtenteils die Solarthermieanlage des Berufsbildungszentrums den Wärmebedarf. Im Winter liefert vorrangig die Pelletanlage der Realschule Energie.“
In der zweiten Ausbaustufe des Quartiersprojekts soll dann der Abnehmerkreis der vor Ort produzierten Energie erweitert werden: Unter anderem entstehen 40 neue Wohnungen und ein Kindergarten im Viertel – auch sie sollen an das neue Nahwärmenetz angeschlossen werden. Gleichzeitig erstellen die Stadtwerke Ettlingen als Betreiber der Anlagen individuelle Angebote für bestehende Gebäude im Quartier, die noch nicht an die regenerative Energieversorgung angeschlossen sind.
Birgit Schwegle, Geschäftsführerin der UEA, sagt: „Künftig sollen Wärme und Strom im Viertel zu 90 Prozent von Erneuerbaren bereitgestellt werden. Vorrangiges Ziel ist es, die Energiekosten der Bewohner im Gebiet deutlich zu senken – indem einerseits durch Dämmung Energie gespart und andererseits regenerative Energie im Viertel produziert und verbraucht wird.“ Das Projekt im Ettlinger Musikerviertel habe Anschauungscharakter. Schwegle: „Wir wollen zeigen, wie hinter der Verwirklichung des großen Ziels einer CO2-freien Energieproduktion der systematische und ganzheitliche Ausbau auf kleinster Ebene steht. Denn der Erfolg der Energiewende entscheidet sich in den Kommunen.“
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