Energy SharingH2 selbst erzeugen

Mit Energy Sharing die lokale Wertschöpfung sichern.
(Bildquelle: i-picture/stock.adobe.com)
Die grüne Energietransformation kann nur gelingen, wenn wir über Elektrizität hinaus denken. Denn gerade im Bereich der Schwerindustrie – etwa bei der Stahlerzeugung – ist grüner Wasserstoff (H₂) essenziell. Doch auch im Bereich der Stadtbusse, Müllfahrzeuge und kommunaler Gewerbebetriebe kann Wasserstoff wichtige energetische Transformationsaufgaben erfüllen. Der Wasserstoffhochlauf ist jedoch ins Stocken geraten. Er leidet an einem bekannten Henne-Ei-Problem: Die notwendigen Strukturen benötigen Investitionen und investiert wird nur, wenn klar ist, was die Rendite sein wird.
Enorme Chance für Kommunen
Dabei bietet sich den Kommunen eine enorme Chance, selbst als Erzeuger grünen Wasserstoffs aktiv zu werden: Tausende Quadratmeter kommunaler Dachflächen in Deutschland bleiben bislang ungenutzt. Dies ist ein enormes Potenzial: Würde man diese Flächen konsequent für Solarenergie nutzbar machen und nur ein Drittel des erzeugten Solarstroms in lokale Elektrolyseure einspeisen, könnten Kommunen jährlich bis zu 200 Terawattstunden (TWh) grünen Wasserstoff erzeugen – genug, um Stadtbusse, Müllfahrzeuge und viele Gewerbebetriebe emissionsfrei zu versorgen. Und das weitgehend ohne Netzentgelte.
Die Nationale Wasserstoffstrategie sieht bis 2030 eine installierte Elektrolysekapazität von zehn Gigawatt vor. Doch bislang wurden nur zwei Gigawatt final beschlossen. Förderprogramme wie IPCEI oder H₂Global richten sich überwiegend an Großindustrien – nicht aber an Stadtwerke, Kläranlagen oder kommunale Netzbetreiber. Dabei liegt gerade hier ein Schlüssel zur Energiewende: Die Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) erlaubt es Kommunen, mithilfe von Energy Sharing lokal erzeugten Strom innerhalb von Energiegemeinschaften weiterzugeben – und das unter erleichterten Bedingungen und zu reduzierten Netzentgelten. Gleichzeitig verpflichtet die europäische RED-III-Richtlinie die Industrie dazu, ab 2030 mindestens 42 Prozent des eingesetzten Wasserstoffs aus erneuerbaren Quellen zu beziehen. Daneben schafft das EnWG neue Anschluss- und Duldungsrechte für Wasserstoffinfrastrukturen. Wenn Kommunen jetzt ihr Potenzial nutzen und ihre Ressourcen beim Wasserstoffhochlauf einbringen würden, könnte das viel bewegen.
Energy Sharing nutzt allen
Energy Sharing funktioniert in vier Stufen: Strom aus kommunalen oder genossenschaftlich betriebenen Photovoltaik- und Windanlagen wird zunächst in eigenen Liegenschaften genutzt. Nicht genutzter Strom wird dann an Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen oder Nachbargemeinden weitergegeben – über eine Energiegemeinschaft. Entstehende Überschüsse speisen kommunale Wasser- oder Abwasserpumpwerke, die ihren Betrieb flexibel in Sonnenstunden verlagern und so mehrere Megawattstunden kurzfristig puffern können. Bleibt immer noch Strom übrig, wandelt ein Elektrolyseur diesen in grünen Wasserstoff um – günstig und ohne volle Netzentgelte.
Regionale Wertschöpfung
Es gibt zahlreiche Gründe, warum Wasserstoff und Energy Sharing zusammen gedacht werden sollten. Indem Kommunen ihren lokal erzeugten Strom zuerst selbst nutzen und dann innerhalb der Energiegemeinschaft weitergeben, sparen sie bis zu zehn Cent pro Kilowattstunde. Dadurch wird Wasserstoff preislich wettbewerbsfähig – ein klarer Standortvorteil. Zur Netzentlastung trägt bei, dass flexible Verbraucher wie Pumpwerke und H₂-Speicher Spitzenlasten aufnehmen. So sinken Investitionen in den Netzausbau, die Versorgungssicherheit steigt. Zudem kann grüner Wasserstoff vielfältig genutzt werden – in ÖPNV-Flotten, in der Prozesswärme für Handwerksbetriebe oder in kommunalen Heizsystemen. Nebenprodukte wie Abwärme oder Sauerstoff lassen sich ebenfalls verwerten, etwa zur Klärwasseraufbereitung. Erlöse lassen sich aus dem Verkauf von Wasserstoff, Abwärme, Sauerstoff oder Herkunftsnachweisen generieren. Beteiligungsmodelle für Bürger sorgen für hohe Akzeptanz. So entstehen von der Installation bis zur Wartung neue Arbeitsplätze. Handwerk, Mittelstand und kommunale Betriebe profitieren von Aufträgen und Qualifizierungsmöglichkeiten. Außerdem leisten kommunale Projekte einen direkten Beitrag zur Erfüllung der EU-Quoten und der nationalen Ausbauziele für grünen Wasserstoff.
Erste Kommunen sind bereits aktiv geworden, wie folgende Beispiele aus Nordrhein-Westfalen zeigen. So deckt im Wasserwerk Echthausen bei Wickede (Ruhr) eine sechs Megawatt (MW) starke PV-Freiflächenanlage in sonnenreichen Stunden den Strombedarf des Pumpwerks. In schwachen Verbrauchszeiten produziert ein Fünf-MW-Elektrolyseur grünen Wasserstoff, der zwölf Busse im ÖPNV des Kreises Soest antreibt und zusätzlich Wärme für ein metallverarbeitendes Unternehmen liefert. Der lokale Strompreis sinkt, ebenso der CO₂-Ausstoß. Hier werden rund 6.000 Tonnen jährlich eingespart. In Lichtenau sichern 200 MW Windleistung jährlich sieben Millionen Euro Haushaltsmittel. Die Abwärme eines geplanten Zehn-MW-Elektrolyseurs soll künftig ein Wärmenetz speisen – zusätzlich zur Wasserstoffproduktion für lokale Betriebe. Die Stadt Warendorf nutzt die Ems als Wärmelieferant: Zwei Großwärmepumpen versorgen Altstadtgebäude über ein 14 Kilometer langes, unauffälliges Wärmenetz – unabhängig von Gas und Öl.
Fünf Schritte zu klimafreundlicher Infrastruktur
Für Stadtwerke empfehlen sich folgende fünf Schritte, um dem Ziel sinkender Stromkosten und einer resilienten, klimafreundlichen Infrastruktur näherzukommen. Zunächst sollten Potenziale auf kommunalen Dächern und Flächen für Wind und Solar erhoben werden. Um Pumpwerke zu flexibilisieren, sollten Lastmanagement-Systeme nachgerüstet werden. Die erforderlichen Investitionen sind niedrig – aber die Wirkung groß. Um kommunale Mobilität und Nahwärme mit grünem Wasserstoff zu versorgen, genügen drei bis 20 MW – Elektrolyseure sollten entsprechend skaliert werden. Um den ÖPNV und kommunale Fahrzeuge einzubeziehen, gilt es, Bus- und Müllfahrzeuge auf Brennstoffzellen und H₂ umzurüsten.
Indem Bürger und lokale Unternehmen einbezogen werden, können Kommunen für mehr Akzeptanz und lokale Rendite sorgen. Energy Sharing in Kombination mit Wasserstofftechnologie eröffnet Kommunen neue Spielräume – finanziell, ökologisch und planerisch. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, damit Kommunen Taktgeber der Energiewende werden.
Der Beitrag ist im Schwerpunkt Wasserstoff der Ausgabe September/Oktober 2025 von stadt+werk erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren.
Saarland: ZeMA übernimmt Wasserstoffinfrastruktur von Bosch
[05.03.2026] Das ZeMA – Zentrum für Mechatronik und Automatisierungstechnik übernimmt die Wasserstoff-Infrastruktur von Robert Bosch in Homburg für Forschungszwecke. Damit startet das Land das 22,5-Millionen-Euro-Projekt HyCATT und schafft die Basis für praxisnahe Tests entlang der gesamten H2-Wertschöpfungskette. mehr...
Hamburg: Digitaler Wasserstoffmarktplatz veröffentlicht
[27.02.2026] Erneuerbare Energien Hamburg hat einen digitalen Wasserstoffmarktplatz für die Metropolregion Hamburg veröffentlicht. Die Plattform soll Produzenten, Abnehmer und Dienstleister entlang der Wertschöpfungskette vernetzen und so den Hochlauf der regionalen Wasserstoffwirtschaft beschleunigen. mehr...
ZSW/Holst Centre: Projekt entwickelt AEM-Elektrolyseure
[25.02.2026] ZSW und Holst Centre entwickeln im Projekt genAEMStack einen kosteneffizienten, großskalierbaren AEM-Elektrolyse-Stack für die Wasserstoffproduktion. Das Vorhaben soll Europas technologische Unabhängigkeit stärken und die industrielle Wertschöpfung in Baden-Württemberg und Noord-Brabant ausbauen. mehr...
Baden-Württemberg: Land stellt 50 Millionen Euro für Elektrolyseure bereit
[25.02.2026] Baden-Württemberg startet die zweite Runde seines Förderprogramms für Elektrolyseure und stellt weitere 50 Millionen Euro für die regionale Wasserstofferzeugung bereit. Das Umweltministerium reagiert damit auch auf fehlende Vorgaben des Bundes und will den Aufbau lokaler Wasserstoff-Hubs beschleunigen. mehr...
BDEW/Capgemini: Studie zum Wasserstoff-Hochlauf vorgestellt
[12.02.2026] Eine Studie von BDEW und Capgemini warnt vor einem Stillstand beim Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft in Deutschland. Regulatorische Vorgaben, fehlende Absicherung und hohe Investitionsrisiken entlang der gesamten Wertschöpfungskette verhindern bislang belastbare Investitionsentscheidungen. mehr...
GET H2: Karte zum Wasserstoffhochlauf veröffentlicht
[10.02.2026] Die Wasserstoffinitiative GET H2 hat ihren Webauftritt erneuert und zeigt erstmals eine interaktive Karte mit 30 realen Wasserstoffprojekten entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Die Übersicht macht sichtbar, wie weit der Wasserstoffhochlauf in Deutschland bereits vorangekommen ist und warum belastbare Projekte jetzt den Unterschied machen. mehr...
Aachen: Grenzprojekt für Wasserstoff startet
[02.02.2026] Ein neues Projekt soll Unternehmen dabei unterstützen, auf klimafreundliche Energie umzusteigen. Dafür arbeiten Partner aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden zusammen. Im Mittelpunkt steht der Aufbau einer grenzüberschreitenden Wasserstoffwirtschaft. mehr...
Sachsen: Fortsetzung der zentralen Wasserstoff-Anlaufstelle
[12.01.2026] Sachsen setzt die Arbeit seiner zentralen Wasserstoff-Anlaufstelle fort und beauftragt die bisherige Trägergemeinschaft erneut. Damit soll der Aufbau einer durchgängigen Wasserstoffwirtschaft bis 2030 weiter unterstützt werden. mehr...
Stuttgart: Hub erhält vierten Elektrolyseur
[22.12.2025] Der Green Hydrogen Hub Stuttgart soll um einen vierten Elektrolyseur erweitert werden. Dadurch steigt die geplante Elektrolyseleistung der Anlage im Endausbau von neun auf zwölf Megawatt. mehr...
Hamburger Energienetze: Einspeiseanlage geht in Realisierungsphase
[08.12.2025] Die Hamburger Energienetze starten die Realisierungsphase für die Einspeiseanlage des künftigen Großelektrolyseurs in Moorburg. Ab 2027 soll grüner Wasserstoff aus dem Hamburg Green Hydrogen Hub in das Industrie-Netz HH-WIN fließen. mehr...
EWE: Drei Wasserstoffspeicherprojekte auf PCI-Liste
[05.12.2025] Die EU-Kommission hat drei geplante Wasserstoffspeicherprojekte von EWE in Huntorf, Jemgum und Rüdersdorf auf die PCI-Liste gesetzt. Der Schritt gilt als Anerkennung ihrer Bedeutung für Versorgungssicherheit und den künftigen Wasserstoffhochlauf. mehr...
Thüringen: IWO-Vorsitz an Berlin abgegeben
[03.12.2025] Thüringen hat zum 1. Dezember den Vorsitz der ostdeutschen Wasserstoffinitiative IWO an Berlin abgegeben. Nach Angaben des Thüringer Umweltministeriums stehen nun der Ausbau der Geschäftsstelle, eine Verteilnetzstudie und die Vorbereitung eines Ostdeutschen Wasserstoffkongresses im Mittelpunkt. mehr...
Emden: Baustart von Erzeugungsanlage für grünen Wasserstoff
[02.12.2025] EWE hat in Emden den Bau einer 320-Megawatt-Erzeugungsanlage für grünen Wasserstoff gestartet und damit ein zentrales Vorhaben im Programm Clean Hydrogen Coastline auf den Weg gebracht. Der Energiekonzern erwartet ab Ende 2027 die erste Produktion im industriellen Maßstab. mehr...
Deutscher Bundestag: Anhörung zu Wasserstoffgesetz
[26.11.2025] Zum Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Beschleunigung des Wasserstoffhochlaufs hat der Ausschuss für Wirtschaft und Energie jetzt eine öffentliche Anhörung durchgeführt. Dabei zeigte sich ein breiter Wunsch nach mehr Tempo und einem deutlich erweiterten Anwendungsbereich des geplanten Gesetzes. mehr...
BMWE: Plattform für Wasserstoffleitungen geht in Pilotbetrieb
[19.11.2025] Eine neue digitale Plattform soll Genehmigungsverfahren für Wasserstoffleitungen bundesweit beschleunigen. Das System ist nun in einer ersten Pilotphase gestartet. mehr...














