Freitag, 27. Februar 2026

Stadtwerke MünsterKalte Nahwärme im Neubaugebiet

[27.02.2026] Im Neubaugebiet Albachten-Ost setzen die Stadtwerke Münster auf ein zentrales Wärmesystem, das mit Erdwärme betrieben wird. Rund 100 Erdsonden werden künftig rund 500 Wohneinheiten mit Wärme versorgen. Die Investitionskosten belaufen sich auf 8,5 Millionen Euro.
Bohrgerät bei der Verlegung von Erdsonden für ein kaltes Nahwärmenetz: Auf einer Baustelle sind gestapelte Sondenrohre zu sehen, während ein Arbeiter die Tiefenbohrung zur Nutzung von Erdwärme vorbereitet.

Lokale erneuerbare Energiequellen kommen im Neubaugebiet Albachten-Ost zum Einsatz.

(Bildquelle: Stadtwerke Münster)

Die Stadtwerke Münster haben im Neubaugebiet Albachten-Ost mit dem Bau eines Erdsondenfeldes begonnen. Wie das Unternehmen mitteilt, sollen die Bohrungen dort bis in eine Tiefe von rund 250 Metern reichen. Auf dem Gelände sind derzeit zwei etwa zehn Meter hohe Bohrtürme zu sehen. Die Erdsonden sind Teil eines Systems für kalte Nahwärme. Dabei wird Wärme aus dem Erdreich gewonnen und über ein Nahwärmenetz verteilt. Nahwärme bedeutet, dass mehrere Gebäude über ein gemeinsames Netz versorgt werden.

Über 100 Erdsonden geplant

Laut den Stadtwerken sind bis zu 102 Erdsonden in fünf Feldern geplant. Diese nehmen Wärme aus dem Boden auf. Die Temperatur liegt dabei bei rund zehn Grad Celsius. Zum Heizen reicht diese Temperatur jedoch nicht aus. Deshalb kommen in den Gebäuden Sole-Wasser-Wärmepumpen zum Einsatz. Diese erhöhen die Temperatur so weit, dass Wohnräume beheizt und Wasser erwärmt werden können.

Das System arbeitet ohne fossile Brennstoffe. Es nutzt lokale erneuerbare Energiequellen. Laut Stadtwerken kann es im Sommer auch zur Kühlung eingesetzt werden. Dabei sollen sich die Innentemperaturen um einige Grad Celsius senken lassen. Auch im Neubaugebiet Handorf-Kirschgarten errichten die Stadtwerke ein solches Netz.

Investition von 8,5 Millionen Euro

In Albachten-Ost sind rund 500 Wohneinheiten geplant. Die Investition in die Wärmeversorgung beläuft sich auf 8,5 Millionen Euro. 40 Prozent davon werden über die Bundesförderung für effiziente Wärmenetze finanziert. „Die Umstellung auf klimaneutrale Heizsysteme wird die große Herausforderung der kommenden Jahrzehnte sein”, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Sebastian Jurczyk. Mit der kalten Nahwärme in Albachten-Ost zeigen wir, dass die Wärmewende technologisch vielfältig und ein Innovationsmotor ist.“

Jurczyk führt weiter aus: „Die Vollkosten für kalte Nahwärme sind geringfügig niedriger als bei einer individuell umgesetzten Heizlösung. Der große Unterschied ist jedoch, dass sich die Stadtwerke um alles rund um den Betrieb und die Technik kümmern. Ein solches System rechnet sich aber nur, wenn alle mitmachen.“ Deshalb gilt im Neubaugebiet eine Abnahmeverpflichtung für 20 Jahre. Das heißt, Eigentümer müssen die zentrale Wärmeversorgung nutzen.





Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Geothermie

Berlin: Kicken und wärmen

[23.02.2026] Unter einem Fußballspielfeld in Berlin entsteht ein großflächiges Geothermie-Kollektorfeld, das vier öffentliche Gebäude vollständig mit erneuerbarer Wärme versorgt. Das Projekt am Maikäferpfad gilt als wirtschaftlich tragfähiges Modell für die kommunale Wärmewende und zeigt, wie sich Sportflächen energetisch doppelt nutzen lassen. mehr...

Praxisforum Tiefengeothermie: Neuer Name spiegelt Aufschwung

[23.02.2026] Das Praxisforum Geothermie Bayern firmiert künftig als Praxisforum Tiefengeothermie und richtet sich damit neu aus. Die Umbenennung reagiert auf das Geothermie-Beschleunigungsgesetz und den bundesweiten Ausbau der Tiefengeothermie – und markiert einen strategischen Schritt für das Branchentreffen im Oktober 2026. mehr...

Trier: Kaltes Nahwärmenetz im Bau

[18.02.2026] Im Trierer Stadtteil Gartenfeld entsteht derzeit ein neues Wärmenetz. Es nutzt oberflächennahe Geothermie und soll sowohl Neubauten als auch Bestandsgebäude versorgen. Laut den Projektbeteiligten ist das Vorhaben als Pilotprojekt angelegt. mehr...

Blick von oben in eine Messehalle der GeoTHERM in Offenburg: Zahlreiche Aussteller präsentieren an hell beleuchteten Ständen Bohrtechnik, Geothermie- und Energielösungen, während Fachbesucherinnen und Fachbesucher zwischen den Ständen Gespräche führen.

Fraunhofer IEG: Mehr Tempo bei Geothermie

[16.02.2026] Auf der GeoTHERM in Offenburg präsentiert das Fraunhofer IEG neue Ansätze zur Nutzung von Erdwärme. Das Ziel besteht darin, die Geothermie schneller in den Massenmarkt zu bringen. Die Forschenden sehen großes Potenzial für Kommunen und Industrie. mehr...

bericht

Potsdam: In der heißen Phase

[12.02.2026] Potsdam ist ein bundesweit und europäisch beachtetes Leuchtturmprojekt für Tiefengeothermie und erneuerbare Fernwärme. Das Vorhaben zeigt, wie die Wärmewende technisch machbar und wirtschaftlich umsetzbar ist. mehr...

bericht

Forschung: Den Blick in den Untergrund öffnen

[02.02.2026] Um das Potenzial von Geothermie als klimaneutrale Wärmequelle zu nutzen, brauchen Stadtwerke nicht nur Investitionsbereitschaft, sondern auch fundierte Daten und erprobte Technologien. Hier setzt das Reallabor Geothermie Rheinland des Fraunhofer IEG an. mehr...

Stadtwerke München: Bauabschnitt von Goethermie-Großprojekt abgeschlossen

[02.02.2026] Beim Geothermie-Großprojekt Michaelibad in München ist ein wichtiger Bauabschnitt abgeschlossen: Die acht Standrohrbohrungen sind fertiggestellt. Damit ist der erste Meilenstein der Bauphase für die größte Geothermie-Anlage Kontinentaleuropas erreicht. mehr...

Duisburg: Ministerium unterstützt Erkundungsbohrung

[13.01.2026] Nordrhein-Westfalen fördert in Duisburg eine Erkundungsbohrung zur Tiefengeothermie mit rund 7,5 Millionen Euro. Das Projekt der Stadtwerke Duisburg soll die Grundlage für eine klimafreundliche und langfristig bezahlbare Wärmeversorgung im Fernwärmenetz schaffen. mehr...

Eckernförder Bucht: LBEG weist Erlaubnisfeld für Tiefengeothermie aus

[13.01.2026] An der Eckernförder Bucht ist ein neues Erlaubnisfeld für Tiefengeothermie ausgewiesen worden. Das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie hat dafür dem Unternehmen Moin Moin! Innovativcluster Erdwärme das Erlaubnisfeld Schwansen zugeteilt. mehr...

GeoTHERM: Fraunhofer IEG zeigt Wärmewende-Forschung

[19.12.2025] Fraunhofer IEG präsentiert auf der GeoTHERM 2026 in Offenburg anwendungsnahe Forschung für die Wärmewende und positioniert Geothermie als zentrale Säule nachhaltiger Wärmeversorgung. mehr...

Schornsheim: Klimaneutrales Neubaugebiet fertiggestellt

[11.12.2025] Schornsheim hat das neue Neubaugebiet Gänsweide übernommen, das komplett auf Erdwärme setzt. MVV zufolge ist es das erste Gebiet der Verbandsgemeinde Wörrstadt, das mit einem kalten Nahwärmenetz erschlossen wurde. mehr...

AGFW: Statement zum Geothermie-Beschleunigungsgesetz

[10.12.2025] Der Bundestag hat das Geothermie-Beschleunigungsgesetz beschlossen und damit neue Standards für schnellere Planfeststellungsverfahren bei Wärmeleitungen gesetzt. Der Energieeffizienzverband AGFW warnt vor möglichen zusätzlichen Hürden durch unklare Formulierungen im Gesetz. mehr...

badenovaWÄRMEPLUS: Plan für Erdwärmeprojekt eingereicht

[09.12.2025] badenovaWÄRMEPLUS hat jetzt den Hauptbetriebsplan für das Projekt Erdwärme Breisgau beim Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau eingereicht. Die Behörde prüft nun die technischen Unterlagen für die geplanten Tiefenbohrungen im Oberrheingraben. mehr...

GeoTHERM: Kongressprogramm online

[08.12.2025] Die GeoTHERM 2026 präsentiert ein umfangreiches zweitägiges Kongressprogramm mit internationaler Expertise aus Wissenschaft und Industrie. Erstmals werden alle Vorträge per App simultan in drei Sprachen übertragen. mehr...