Sonntag, 15. März 2026

Baden-WürttembergKWK macht Kommunen energieeffizient

[19.12.2014] Vertreter der Wissenschaft, Landes- und Kommunalpolitik diskutierten in Stuttgart Maßnahmen für mehr Energieeffizienz in Baden-Württemberg. Deutlich wurde: Viele Akteure müssen mitgenommen werden. Außerdem spielen die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) und Kommunen eine wichtige Rolle.
Die Energieeffizienz in Baden-Württemberg sorgte auf dem siebten Parlamentarischen Abend in Stuttgart für Diskussionen.

Die Energieeffizienz in Baden-Württemberg sorgte auf dem siebten Parlamentarischen Abend in Stuttgart für Diskussionen.

v.l.: Maike Schmidt, Fachgebietsleiterin Systemanalyse am Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW); Professor Frithjof Staiß, Geschäftsführendes Mitglied am ZSW; Gudrun Heute-Bluhm, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied

(Bildquelle: KEA/ZSW/Martin Stollberg)

Energieeffizienz jetzt! – Macht die Politik ernst? Unter diesem Motto luden die Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA) und das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) vergangene Woche (11. Dezember 2014) zum vierten Parlamentarischen Abend nach Stuttgart ein. Vertreter der Wissenschaft und der Landes- und Kommunalpolitik tauschten sich vor allem über Maßnahmen für mehr Energieeffizienz im Ländle aus. Energieeffizienz trägt wesentlich zum Erreichen der im Aktionsprogramm Klimaschutz 2020 festgelegten Ziele bei. Daran erinnerte Professor Frithjof Staiß, Geschäftsführendes Mitglied am ZSW, in seinem Vortrag. Zwei Drittel der angestrebten Minderung von Treibhausgasemissionen sollen über den Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz (NAPE) (20375+wir berichteten) erreicht werden. Mehr aus Energie machen kann laut Maike Schmidt, Fachgebietsleiterin Systemanalyse am ZSW, vor allem die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK): „Keine andere Technologie macht den Energieeinsatz so effizient, wie die KWK.“

Kommunen sind gefragt

Kommunen sind die natürlichen Partner der Energiewende, so der O-Ton von Gudrun Heute-Bluhm, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Städtetags Baden-Württemberg. „Ohne die Städte ist die Energiewende nicht denkbar. Sie leisten wertvolle Netzwerkarbeit zwischen Energieerzeugern und Abnehmern. Städte und Gemeinden sind es außerdem, die den Transmissionsriemen zu den Bürgern herstellen müssen.“ Etwa im Bereich der Kraft-Wärme-Kopplung ist die Mittlerfunktion zwischen Unternehmen und Privaten bedeutend. Denn es macht Sinn, dass umliegende Gebäude mit einer Anlage versorgt werden, die in einem Unternehmen realisiert wird. Oft sei das Potenzial hinter der KWK aber nicht bekannt. Es werde an Einzelanlagen gedacht, während Contracting-Möglichkeiten meist unbekannt sind. Aus ihrer 19-jährigen Erfahrung als Oberbürgermeisterin von Lörrach weiß sie außerdem: „Unternehmen sind sehr auf ihr Kerngeschäft konzentriert und beschäftigen sich deshalb gar nicht mit diesem Thema.“ An dieser Stelle sind kommunale Akteure gefragt. Bürgermeister müssen beispielsweise auf die Unternehmen zugehen. Ein guter Beratungsansatz könnte sein, dass Contracting für die Unternehmen mit einem Outsourcing im Management einhergeht. „Es muss klar gemacht werden, dass sie sich, nachdem sie den Contracting-Antrag auf den Weg gebracht haben, um nichts weiter kümmern müssen, im Gegenteil – damit sogar eine Dienstleistung verbunden ist.“ Diese vermittelnde Position müsse ebenfalls die kommunale Ebene übernehmen. Sie neutralisiert das Verhältnis zwischen Unternehmer und Anwohnern. „Wenn es gelingt, in einem KWK-Projekt Unternehmen und Bürger zusammenzuschalten, dann hat man mit Blick auf die kommunalen Möglichkeiten viel getan“, so Heute-Bluhm. Da es sich bei Vernetzungsaktivitäten aber um ein komplexes Thema handelt, müssen laut Volker Kienzlen, Geschäftsführer der KEA, zunächst einfache Dinge umgesetzt werden. „Der erste Schritt muss darin bestehen, die niedrig hängenden Früchte in einem Unternehmen zu sichten. Das könnte beispielsweise die Art und Weise des Anlagenbetriebs betreffen.“ So lassen sich schnell Erfolge einstreichen. Vernetzungsaktivitäten sollten erst in späteren Schritten angestrebt werden. Als vernetzende Einrichtung bieten sich laut Kienzlen die Stadtwerke an. „Deren originäre Funktion ist es, das Bindeglied zwischen Lieferant und Abnehmer zu sein. Wo es keine Stadtwerke gibt, ist es viel schwieriger diesen Mittler zu finden.“ Heute-Bluhm ergänzt: „Unternehmen wollen zudem einen direkten Ansprechpartner und nicht in Netzwerken diskutieren. Auch hier erweisen sich die Stadtwerke in ihrer Mittlerfunktion als Vorteil.“

Partner benötigt

Im Contracting sieht auch Martin Sawillion, Prokurist Fachrichtung Maschinenbau und Leiter Förderprogramme, Kooperation UM bei der KEA, ein starkes Entwicklungsfeld für Energieversorger. „Dahinter verbirgt sich doch eine richtige Win-Win-Win-Strategie“, sagt er. Laut Volker Kienzlen geht der Gewinn für die Kommune beim Einspar-Contracting sogar weit über die Finanzierung hinaus. „Es ist für Kommunen wirtschaftlich interessant, wenn sie die komplette Planung, Konzeption und den Bau an einen Dritten abgeben können. Es hilft, jemanden zu haben, der garantiert, dass eine bestimmte Einsparung erreicht wird.“ Auch Gudrun Heute-Bluhm betont, dass Kommunen einen Partner brauchen, der ihnen bei diesen Themen das nötige Know-how liefert, sie auf Synergieeffekte aufmerksam macht, als Transmissionsriemen in die Ministerien dient oder dabei unterstützt, Contracting-Offensiven in Rechtsform umzusetzen. Ein solcher Partner sei beispielsweise die KEA. „Auf kommunaler Ebene bestimmen zudem konkrete Handlungsanweisungen das Leben“, sagt Heute-Bluhm. „Auch Erfolgserlebnisse sind wichtig. Großwettbewerbe wie der european energy award ermöglichen es zum einen, eigene Erfolge zu zeigen. Zum anderen sehen die Teilnehmer dort, wie solche Vorhaben bei anderen Kommunen gelingen.“

Individuell entscheiden

Dass die Klimaschutzziele auf die Möglichkeiten der einzelnen Kommune heruntergebrochen werden sollten, betonte Volker Kienzlen. „Standortbedingt kann nicht jede Kommune die baden-württembergischen 50-80-90-Ziele – 50 Prozent Energie sparen, 80 Prozent erneuerbare Energien, 90 Prozent weniger Treibhausgase – erreichen. Beispielsweise entsteht Biomasse vor allem auf dem Land und weniger in der Stadt. Auch Windräder sollten dort errichtet werden, wo sie Ertrag bringen – und nicht in Stuttgart auf dem Schlossplatz, nur, damit diese Ziele erreicht werden.“ Der ländliche Raum muss laut Kienzlen wieder mehr zum Energieexporteur werden. Ländliche Gemeinden müssten Überschuss produzieren, der in den Ballungszentren genutzt werden kann. „Wir steuern wieder auf eine energetische Vernetzung zwischen Stadt und Land zu.“ Damit Kommunen die Energiewende erfolgreich voranbringen können, fordern sie von Baden-Württemberg unter anderem entsprechende Rahmengesetze – eine Forderung, die das Land jedoch nur bedingt erfüllen kann, da die Gesetze rund um die Energiepolitik vorrangig von der Bundes- oder EU-Ebene ausgehen. Das sagt Johannes Stober (SPD), Mitglied des Landtags Baden-Württemberg. Was aber wünscht sich die Landesebene von den Kommunen? „Es müssen Dialoge geführt werden, zwischen dem, der die Rahmengesetzgebung macht, und dem, der sie umsetzt“, sagt Stober. „Vor allem bei Energiewendemaßnahmen wie dem Netzausbau oder der Errichtung von Windkraftanlagen entstehen Streitigkeiten um den Standort. Wenn eine solche Anlage am vorgeschlagenen Standort abgelehnt wird, sollten alternative Vorschläge gemacht werden – und zwar in der eigenen Region und nicht abgeschoben an andere.“

Verena Barth




Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Politik
Hauptverwaltung des Energieversorgers Badenova in Freiburg mit moderner Glasfassade, Eingangsbereich und Skulptur vor dem Gebäude.

Badenova: Forderungskatalog nach Landtagswahl

[13.03.2026] Nach der Landtagswahl 2026 in Baden-Württemberg fordert der Energieversorger Badenova ein schnelleres Vorgehen bei der Energie- und Wärmewende. Das kommunale Unternehmen hat dazu ein Papier mit zwölf Punkten vorgelegt. Darin geht es unter anderem um Finanzierung, Genehmigungen, Wärmenetze und den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft. mehr...

KRITIS-Gipfel: Forderung nach stärkerer Resilienz

[11.03.2026] Energieverbände fordern eine stärkere Ausrichtung auf Resilienz und Schutz Kritischer Infrastrukturen in Deutschland. Anlass war der erste KRITIS-Gipfel, der gestern in Berlin stattfand. Dort berieten Vertreter der Branche, der Politik und der Bundeswehr über neue Bedrohungslagen und konkrete Schutzmaßnahmen. mehr...

Bundesverband Solarwirtschaft: Frontalangriff auf die Energiewende

[03.03.2026] Ein geleakter Entwurf zur Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes sieht die Streichung der Förderung für neue private Solaranlagen und eine Pflicht zur Direktvermarktung vor. Die Solarbranche warnt vor massiven Folgen für Investitionen, Arbeitsplätze und die Klimaziele. mehr...

bericht

Gebäudemodernisierungsgesetz: Städte sehen Hürden

[02.03.2026] Die ostdeutschen Städte arbeiten an der Wärmewende. Nun liegen Eckpunkte für ein neues Gebäudemodernisierungsgesetz vor. Der Deutsche Städtetag begrüßt die Einigung, sieht jedoch noch offene Fragen und warnt vor Risiken für Investitionen und Klimaziele. mehr...

Baden-Württemberg: 22 Windpark-Projektierer warnen vor Aus von Windenergie

[02.03.2026] 22 Windpark-Projektierer aus dem Südwesten warnen vor einem faktischen Aus für neue Anlagen in Baden-Württemberg. Sie sehen den Ausschreibungsmechanismus des EEG als Ursache und drängen die Bundesregierung zu raschen Korrekturen. mehr...

Gebäudemodernisierungsgesetz: Kritik und Lob von Branchenverbänden

[26.02.2026] Das neue Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) setzt auf eine Grüngasquote, eine entfristete Bio-Treppe und stärkere Förderung für Fernwärmenetze. Verbände aus der Energie- und Wärmewirtschaft begrüßen den Kurswechsel, warnen aber vor Preisrisiken, fehlender Planungssicherheit und offenen Detailfragen. mehr...

Baden-Württemberg: Land stellt 50 Millionen Euro für Elektrolyseure bereit

[25.02.2026] Baden-Württemberg startet die zweite Runde seines Förderprogramms für Elektrolyseure und stellt weitere 50 Millionen Euro für die regionale Wasserstofferzeugung bereit. Das Umweltministerium reagiert damit auch auf fehlende Vorgaben des Bundes und will den Aufbau lokaler Wasserstoff-Hubs beschleunigen. mehr...

Speicherbranche: Kritik an AgNes-Prozess

[24.02.2026] Die geplante Neuordnung der Netzentgelte im AgNes-Prozess stellt die bisherige Befreiung von Stromspeichern infrage. Vertreter der Speicherbranche warnen, dass ohne Vertrauensschutz Milliardeninvestitionen und bis zu 16 GW Batteriespeicherleistung auf der Kippe stehen. mehr...

Sachsen-Anhalt: Resilienz-Stab zum KRITIS-Schutz eingerichtet

[24.02.2026] Sachsen-Anhalt richtet einen ressortübergreifenden Resilienz-Stab zum Schutz Kritischer Infrastrukturen ein. Das neue Gremium soll angesichts wachsender Risiken durch Extremwetter, Cyber-Angriffe und hybride Bedrohungen die Krisenvorsorge des Landes neu ordnen. mehr...

Hamburg: Firmen warnen vor Netzplänen

[23.02.2026] Mehr als 20 Energieunternehmen aus Hamburg wenden sich gegen das vom Bundeswirtschaftsministerium geplante „Netzpaket“. Sie befürchten Nachteile für den Ausbau erneuerbarer Energien und für den Standort. In einem Brief an die Hamburger CDU fordern sie eine Kehrtwende. mehr...

Berlin: Gesetzentwurf zum besseren Schutz von KRITIS

[23.02.2026] Der Berliner Senat will das Datenschutz- und Sicherheitsrecht anpassen, um Kritische Infrastruktur besser vor Anschlägen zu schützen. Hintergrund sind gezielte Attacken auf die Stromversorgung; der Gesetzentwurf soll moderne Schutztechnik rechtlich absichern und Informationsrisiken begrenzen. mehr...

VKU/BDEW: Stellungnahme zum Diskussionspapier der Bundesnetzagentur

[19.02.2026] Die Branchenverbände VKU und BDEW haben sich jetzt jeweils zum Diskussionspapier der Bundesnetzagentur zu möglichen Einspeisenetzentgelten positioniert. Beide Verbände begrüßen Reformschritte bei den Stromnetzentgelten, lehnen dynamische Einspeiseentgelte jedoch ab. mehr...

Bundesnetzagentur: Orientierungspunkte für Einspeiseentgelte vorgelegt

[19.02.2026] Die Bundesnetzagentur hat jetzt Orientierungspunkte für Einspeiseentgelte vorgelegt. Daraus geht hervor, dass die Behörde Stromerzeuger ab 2029 systematisch an den Netzkosten beteiligen und dafür ein Kapazitätsentgelt sowie dynamische Einspeiseentgelte einführen will. mehr...

bericht

Solarenergie: Verstärkte Investitionen gefragt

[16.02.2026] Solarenergie ist die günstigste und populärste Art der Stromerzeugung. Bis 2030 soll die bundesweit installierte Solarleistung noch einmal nahezu verdoppelt werden. Wie gestaltet sich die Energiewende in Photovoltaik, Speichern und Solarthermie? mehr...

Einzelne Windkraftanlage auf einer leicht hügeligen, abgeernteten Feldfläche. Der hohe Turm mit rot-weißen Markierungen ragt in einen blauen Himmel mit großen, weißen Wolken. Die Landschaft wirkt weit und offen, im Vordergrund erstreckt sich ein goldenes Getreidefeld.

Offener Brief: Länder fordern mehr Ausschreibungen

[12.02.2026] Auf eine schnelle Anhebung der Ausschreibungsvolumina für Windkraft an Land drängen mehrere Energieministerinnen und -minister. In einem gemeinsamen Brief wenden sie sich deshalb an die Bundesnetzagentur und das Bundeswirtschaftsministerium. Hintergrund sind verfehlte Ausbauziele bei den erneuerbaren Energien. mehr...