Dienstag, 8. September 2026

Koblenzevm prüft Wasserstoff im Gasnetz

[12.03.2026] Die evm hat in Koblenz untersucht, ob die bestehenden Gasnetze für die Nutzung von Wasserstoff geeignet sind. Das Pilotprojekt lief eineinhalb Jahre. Die Ergebnisse sollen als Grundlage für künftige Entscheidungen über den Umbau der Gasversorgung dienen.

Teile des Netzgebiets von Kesselheim, Wallersheim und des Rheinhafens dienten als Pilotgebiet für einen möglichen Einsatz von Wasserstoff im Gasnetz der evm-Gruppe.

(Bildquelle: Niklas Oster/evm)

Die Unternehmensgruppe Energieversorgung Mittelrhein (evm) hat ein Wasserstoff-Pilotprojekt in Koblenz-Kesselheim abgeschlossen. Ziel war es, die Eignung des bestehenden Gasnetzes für Wasserstoff zu untersuchen. Dies teilte das Unternehmen in einer Pressemitteilung mit.

Das Projekt lief rund anderthalb Jahre. Neben der Energieversorgung Mittelrhein war auch das Energieunternehmen Thüga aus München beteiligt. Innerhalb der Gruppe war der Netzbetreiber Energienetze Mittelrhein verantwortlich.

Projektleiter Tobias Eberhardt erklärte: „Ziel war es, die Wasserstofftauglichkeit zu untersuchen und daraus belastbare Erkenntnisse für die zukünftige Entwicklung der Gasversorgung zu gewinnen.“ Neben technischen Fragen habe auch der wirtschaftliche Aufwand eine Rolle gespielt. So wurde beispielsweise untersucht, welche Kosten bei einer Umwidmung bestehender Leitungen entstehen könnten.

Hendrik Majewski, technischer Geschäftsführer der Energienetze Mittelrhein, sagte: „Unser Auftrag als regionaler Netzbetreiber ist es, die Versorgung von morgen frühzeitig zu planen und unsere Netze Schritt für Schritt so vorzubereiten, dass sie auch in Zukunft sicher, verlässlich und nachhaltig sind.“

Testgebiet im Norden von Koblenz

Die Fachleute wählten ein Gebiet im Norden von Koblenz als Untersuchungsraum. Dieses liegt zwischen der Autobahn A48, der Bundesstraße B9 und dem Stadtteil Wallersheim. Dazu gehören das Ortsnetz Kesselheim, einige Bereiche des Ortsnetzes Wallersheim sowie das Industriegebiet Rheinhafen.

Laut dem Unternehmen eignet sich das Gebiet als Testfeld. Es vereint verschiedene Netztypen und viele Anschlüsse. Dazu zählen Hoch-, Mittel- und Niederdruckleitungen. Außerdem gibt es dort sowohl Industriebetriebe mit hohem Energiebedarf als auch zahlreiche Haushalte mit Gasanschluss.

Mehrere Szenarien möglich

Zu Beginn der Untersuchung wurde eine Bestandsaufnahme des Netzes durchgeführt. Dazu sammelten Fachleute Daten aus dem Geografischen Informationssystem (GIS). Ein GIS ist eine digitale Datenbank für räumliche Informationen. Hinzu kamen digitalisierte Archivunterlagen sowie technische Daten zu Leitungen, Zählern und Gasdruckregelanlagen. Diese Anlagen steuern den Druck im Gasnetz.

Auf dieser Grundlage prüfte ein externer Dienstleister die Wasserstofftauglichkeit der Infrastruktur. Parallel dazu entwickelten Fachleute der Energieversorgung Mittelrhein gemeinsam mit Experten von Thüga mehrere Zukunftsszenarien für die Jahre 2035 und 2040, die von einer vollständigen Umstellung des Netzes auf Wasserstoff über eine Teilumstellung auf der Hochdruckebene bis zu einem Mischmodell reichen. In diesem Modell würden sowohl Industriebetriebe als auch Haushalte berücksichtigt.

Am Ende fassten die Beteiligten die Ergebnisse zusammen und erarbeiteten einen möglichen Transformationspfad für das Netz. Demnach könnte ein Teilnetz vom Erdgasnetz getrennt und für Wasserstoff genutzt werden. Der Aufwand dafür gilt laut Unternehmensangaben als vertretbar.

Majewski ordnete die Ergebnisse wie folgt ein: „Wir befinden uns weiterhin in einer frühen Phase der Transformation. Mit dem Projekt haben wir die technischen Grundlagen auf Basis realistischer, zukünftiger Bedarfe erarbeitet und gezeigt, dass eine Umwidmung bestehender Assets wie Rohrleitungen, Schieber sowie Regel- und Messanlagen grundsätzlich technisch möglich ist. Wie und wann eine tatsächliche Umstellung erfolgt, hängt maßgeblich vom Gelingen des übergreifenden Aufbaus einer Energieversorgung mit Wasserstoff, den regulatorischen Rahmenbedingungen und dem Ausbau der überregionalen Infrastruktur ab – also von Faktoren, die weit über den Verantwortungsbereich der ENM hinausgehen. Der erste große Schritt ist getan, doch der weitere Weg ist ein gemeinsamer Transformationsprozess vieler Akteure.“

Laut der Energieversorgung Mittelrhein liefert das Projekt konkrete Daten aus der Praxis. Diese könnten dabei helfen, die zukünftige Rolle von Gasnetzen bei der Nutzung von Wasserstoff besser zu bewerten.



Stichwörter: Wasserstoff, Thüga, evm, Gasnetz, Koblenz


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