Samstag, 26. September 2026

ElektromobilitätLadepunkte richtig setzen

[16.06.2020] Wachsende Planungssicherheit und neue digitale Angebote bieten Chancen für Stadtwerke, die den Aufbau der Lade-Infrastruktur aktiv mitgestalten wollen. Drei Kriterien sind bei der Standortsuche für Ladepunkte entscheidend.
Bei der Suche nach den perfekten Standorten für neue Ladepunkte

Bei der Suche nach den perfekten Standorten für neue Ladepunkte, sollte zunächst die bestehende Lade-Infrastruktur betrachtet werden.

(Bildquelle: Patrick Daxenbichler/stock.adobe.com)

Die Elektromobilität kommt. In diesem Jahr rollen in Deutschland zum ersten Mal im Minutentakt Elektroautos vom Band. Und die europäischen Flottengrenzwerte setzen die Produzenten zusätzlich unter Druck: Verkaufte Autos eines Herstellers müssen im Mittel einen bestimmten Kohlenstoffdioxid-Grenzwert einhalten. Dies führt zu einer Rabattschlacht. Der Marktanteil von E-Autos in Deutschland wird nun deutlich steigen. Die zum Laden der E-Autos benötigte Infrastruktur ist bisher allerdings nur eingeschränkt vorhanden. Zudem stellt der Lade-Infrastruktur-Ausbau Marktakteure vor ein Investitionsproblem. Ladepunkte zu bauen, ist teuer und langwierig, schlecht genutzte Ladepunkte sind sogar unwirtschaftlich. Aber wie können die perfekten Standorte gefunden werden, und wie können diese schnell ans Netz gehen?
Fördergelder sind reichlich vorhanden: Das große Lade-Infrastruktur (LIS)-Förderprogramm der Bundesregierung wurde gerade von 300 Millionen Euro auf 3,5 Milliarden aufgestockt. Gefördert wird bis 2023 die Tank- und Lade-Infrastruktur für Autos und Lastkraftwagen mit CO2-freien Antrieben, also neben E-Ladepunkten auch beispielsweise Wasserstoff-Tankstellen.

Standort-Tool in der Entwicklung

Im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur wird aktuell ein Standort-Tool entwickelt. Daran beteiligt sind die Ingenieurgruppe IVV, die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen (RWTH), das Institut für Verkehrsforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt sowie das Reiner Lemoine Institut in Berlin. Dieses Werkzeug soll zeigen, welche Orte sich besonders für Investitionen eignen und zwar auf Basis verschiedener standortbezogener Daten, soziodemografischer Faktoren, der Beschaffenheit der vorhandenen Stromnetze und des Verkehrs. Am Ende des Projekts soll eine Karte entstehen, welche die Ergebnisse der Bewertungen von Standorten für die Infrastruktur alternativer Kraftstoffe zeigt.
Wichtigster Punkt für ein langfristig funktionierendes System bleibt jedoch die Wirtschaftlichkeit. Stadtwerke haben dabei einen Heimvorteil und können sich früh die besten Standorte sichern. Schon jetzt helfen digitale Tools dabei, diese zu finden. Hierzu gehört etwa der Fast Finder des Berliner Start-ups Localiser. Localiser setzt auf Datenanalyse und Geodaten, analysiert Standortfaktoren und gewichtet diese so, dass die besten und wirtschaftlichsten Standorte automatisch identifiziert werden können.

Drei Kriterien

Worauf es bei der Suche ankommt, lässt sich in drei Kriterien zusammenfassen: Zunächst sollte die bestehende Lade-Infrastruktur betrachtet werden. Wo sind schon Ladepunkte installiert und welchen Bedarf decken diese ab? Entsprechend sollten neue in sinnvoller Ergänzung geplant werden. Informationen über bestehende Ladepunkte sind online auffindbar über Datenbanken oder Landkarten der Anbieter.
Das zweite Kriterium ist das lokale Elektromobilitätspotenzial: Wo genau sind in der Stadt die Hotspots im Hochlauf der Elektromobilität. Forschungsprojekte haben ergeben, dass eine Reihe von soziodemografischen Parametern hierfür ausschlaggebend ist. Es geht im Kern um folgende Fragen: Wie ist die Verteilung von Einfamilienhäusern im Vergleich zu Mehrfamilienhäusern? Wie ist die Altersstruktur in der Umgebung, wie ist die Kaufkraft? Wertet man diese Daten aus, identifiziert man die Gegenden mit dem größten Wachstumspotenzial.

Points of Interest im Versorgungsgebiet

Drittens, der Ladebedarf und die passende Technik: Aktuell findet ein Großteil der Ladevorgänge noch zu Hause statt. Wenn die Anzahl der E-Fahrzeuge steigt, werden immer mehr Personen auch auf der Arbeit laden wollen, beim Einkaufen oder in anderen Situationen, in denen das Auto länger als fünfzehn Minuten parkt. Bedarfsgerechte Verteil-Algorithmen können diese Standorte identifizieren und Entscheidungshilfen anbieten, welche Ladeleistung oder -technik die passende ist. Und für Stadtwerke lohnt sich der Blick auf die Points of Interest im Versorgungsgebiet, denn die dort vorhandenen Parkplätze können in Kooperation mit den Parkplatzbetreibern in Ladestandorte umgewandelt werden.
Für den konkreten E-Mobility-Hochlauf an diesen Standorten liefert Localiser dann noch die Zahlen, sodass sich die Wirtschaftlichkeit der Ladepunkte berechnen und vergleichen lässt.

Geodatenbasierte Kundenanalyse nutzen

Stadtwerke können dadurch schneller ein gutes Ladenetz im eigenen Versorgungsgebiet schaffen, als das per Hand möglich wäre – und so die besten Standorte erschließen. Neue Geschäftsfelder sind dabei ebenfalls denkbar, wie etwa die geodatenbasierte Kundenanalyse. Mit ihrer Hilfe lassen sich ganz analog zur Suche von geeigneten Standorten auch so genannte High Potential Regions, also Regionen mit großem Potenzial, identifizieren, in denen gezielt private Ladetechnik wie Wallboxen vermarktet werden kann. Digitale Lösungen können demnach sowohl den Aufbau der öffentlichen, wie auch der halb-öffentlichen und privaten Lade-Infrastruktur beschleunigen.

DIN-Spezifikation erarbeitet

Ein weiteres Hindernis beim Ausbau wird gerade vom Deutschen Institut für Normung aufgelöst: die bislang fehlende Standardisierung. Gemeinsam mit dem Reiner Lemoine Institut, hat Localiser die DIN-Spezifikation 91433 zur automatisierten Standortsuche erarbeitet. Diese beinhaltet einen Leitfaden zur Suchraum- und Standortidentifizierung sowie Empfehlungen für Melde- und Genehmigungsverfahren. Für Stadtwerke bedeutet das neben klareren Prozessen vor allem eine verbesserte Planungssicherheit.
Es ist also ein guter Zeitpunkt für gezielte Investitionen: Der steigende Bedarf zeichnet sich deutlich ab, die Planungssicherheit ist gegeben und der Planungsaufwand ist durch die vorhandenen digitalen Tools geringer denn je. Eine aktive Rolle der Stadtwerke bietet dabei nicht nur Potenziale für die Stadtentwicklung, sondern auch wirtschaftliche Chancen.

Dr. Kathrin Goldammer

Dr. Goldammer, KathrinDr. Kathrin Goldammer studierte Elektrotechnik und promovierte 2007 in Physik; danach begann sie ihre Karriere in der Energiewirtschaft. Seit Februar 2016 ist sie Geschäftsführerin des Reiner Lemoine Instituts. Dort beschäftigt sie sich momentan mit Mobilitätskonzepten für Städte und ländliche Räume. 2018 gründete Goldammer die Firma Localiser RLI.



Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Elektromobilität
Elektrische Lkw an einer Ladesäule im E-Ladepark Niederzissen.

NEW: Ladehub für E-Lkw eröffnet

[25.09.2026] NEW hat in Niederzissen im Landkreis Ahrweiler einen öffentlichen Ladehub für Elektro-Lkw in Betrieb genommen. Vier Ladepunkte mit bis zu 400 Kilowatt Ladeleistung sollen vor allem Speditionen und Logistikunternehmen eine Alternative zu eigener Ladeinfrastruktur bieten. mehr...

Stadtwerke München: Erster Schnellladepark am Olympiazentrum

[24.09.2026] Die Stadtwerke München haben am ehemaligen Busbahnhof Olympiazentrum ihren ersten HPC-Ladepark eröffnet. Zehn Ladepunkte bieten jeweils bis zu 400 Kilowatt Leistung und werden mit Strom aus erneuerbaren Energien versorgt. mehr...

Stadtwerke Stuttgart: Einladung zu Ladegesprächen

[17.09.2026] Wie sich Lade-Infrastruktur zu einem wirtschaftlichen Kundengeschäft weiterentwickeln lässt, wollen Stadtwerke und Energieversorgungsunternehmen im November in Stuttgart diskutieren. Die Stadtwerke Stuttgart rufen dafür mit den „Ladegesprächen“ einen neuen geschlossenen Arbeitskreis ins Leben. mehr...

Kulmbach: E.ON eröffnet Schnellladepark

[16.09.2026] E.ON hat in Kulmbach einen neuen Schnellladestandort mit zwölf Ladeplätzen in Betrieb genommen. Der Ladepark ist Teil des Deutschlandnetzes und bietet eine Ladeleistung von bis zu 400 Kilowatt je Ladestation. mehr...

München: Neues Vergabeverfahren für Ausbau der Lade-Infrastruktur

[09.09.2026] München will den Ausbau öffentlicher Lade-Infrastruktur künftig über Konzessionen organisieren und damit das bisherige Verteilverfahren ablösen. Anlass für den Wechsel ist ein Urteil des Verwaltungsgerichts München, das Mängel am bisherigen Auswahlverfahren festgestellt hatte. mehr...

KVG: Betriebshof wird auf emissionsfreien Busverkehr umgestellt

[07.09.2026] Der Eigenbetrieb Beteiligungen der Landeshauptstadt Kiel modernisiert den KVG-Betriebshof in der Werftstraße für den weiteren Ausbau des Elektrobusverkehrs. Mit dem Abriss einer alten Wagenhalle entstehen Flächen für zusätzliche Fahrzeuge und Lade-Infrastruktur. mehr...

M3E: Aktualisiertes Whitepaper zur GEIG-Novelle

[24.08.2026] Die GEIG-Novelle verschärft die Vorgaben für Lade-Infrastruktur an Wohn- und Nichtwohngebäuden. M3E hat die neuen Pflichten und Fristen in einem aktualisierten Whitepaper zusammengefasst. mehr...

Hansen powercloud: Elli verlängert Vertrag für Abrechnungsplattform

[24.08.2026] Elli verlängert den Vertrag für die energiewirtschaftliche Abrechnungsplattform Hansen powercloud bis 2030. Die Plattform soll künftig auch neue Geschäftsmodelle und Vehicle-to-Grid-Anwendungen unterstützen. mehr...

Lichtblick: Schnellladestandorte erhalten Batteriespeicher

[18.08.2026] LichtBlick setzt erstmals Batteriespeicher ein, um Schnellladen auch bei begrenzter Netzanschlusskapazität zu ermöglichen. Zwei neue Standorte in Norddeutschland zeigen, wie Speicher hohe Ladeleistungen absichern und zugleich Lastspitzen abfangen können. mehr...

Würselen: Schnellladepark in Planung

[17.08.2026] EWV und Caritas planen in Würselen einen öffentlich zugänglichen Schnellladepark mit acht Ladepunkten und bis zu 400 Kilowatt Ladeleistung. Der Standort an der Krefelder Straße soll 2027 in Betrieb gehen und schnelles Laden mit Einkaufsmöglichkeiten verbinden. mehr...

swb: Webinare rund um Wärme, Solarenergie und E-Mobilität

[14.08.2026] swb bietet im August und September kostenfreie Webinare zu Wärme, Solar und E-Mobilität an. Im Mittelpunkt stehen neue Förderbedingungen, technische Lösungen und Fragen, die für geplante Investitionen im Land Bremen relevant sind. mehr...

Öffentliche Ladesäule der Stadtwerke Tübingen: Förderung durch den Bund ist laut BDEW zu bürokratisch.

E.ON-Umfrage: Zulassungsrekord von E-Autos

[12.08.2026] E-Autos erreichen 2026 einen neuen Zulassungsrekord, zugleich nennen Fahrer vor allem niedrigere Energiekosten und mehr Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen als Kaufgründe. Eine E.ON-Umfrage zeigt, welche Faktoren den Umstieg prägen und wo vor allem beim Laden, bei der Reichweite und beim Fahrzeugwert noch Informationsbedarf besteht. mehr...

Karlsruhe: Lade-Infrastruktur wächst

[12.08.2026] Karlsruhe hat fünf weitere Schnellladestandorte für Elektrofahrzeuge in Betrieb genommen. Damit wächst das öffentliche Ladenetz auf rund 530 Ladepunkte, während die Stadt bereits weitere Standorte prüft. mehr...

BSI: Eckpunkte zur Cyber-Sicherheit von Ladesäulen

[03.08.2026] Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik hat ein Eckpunktepapier zur Cyber-Sicherheit öffentlicher Lade-Infrastruktur veröffentlicht. Es soll den Ausbau der Elektromobilität mit einheitlichen Sicherheitsmaßnahmen begleiten und den Schutz vor künftigen Cyber-Risiken verbessern. mehr...

Stadtwerke Stuttgart: Ausbau von digitaler Ladeplattform

[31.07.2026] Die Stadtwerke Stuttgart bauen ihre digitale Ladeplattform für Elektrofahrzeuge aus. Die neue Systemarchitektur soll neue Tarife, eine Fahrer-App und zusätzliche Angebote für Privat- und Geschäftskunden ermöglichen. mehr...