Freitag, 3. Juli 2026

VDE|FNNPlanungsgrundsätze für 110-kV-Netze

[26.06.2017] Erneuerbare-Energien-Anlagen speisen vorzugsweise in die Verteilnetze ein. Deshalb müssen die Hochspannungsnetze in vielen Regionen Deutschlands ausgebaut werden. Nun liegen erstmals Planungsgrundsätze für 110-kV-Netze vor.
Entwurf einer Anwendungsregel Planungsgrundsätze für 110-kV-Netze (E VDE-AR-N 4121)

Entwurf einer Anwendungsregel Planungsgrundsätze für 110-kV-Netze (E VDE-AR-N 4121)

(Bildquelle: VDE|FNN)

Das Forum Netztechnik/Netzbetrieb im VDE (VDE|FNN) hat jetzt erstmals einheitliche Planungsgrundlagen für Hochspannungsnetze beschrieben. Mit der Anwendungsregel Planungsgrundsätze für 110-kV-Netze (E VDE-AR-N 4121) lassen sich Hochspannungsnetze nachhaltig planen, sagt Heike Kerber, Geschäftsführerin VDE|FNN. Kerber: „Die beschriebenen Grundsätze sorgen für einen insgesamt wirtschaftlichen Netzausbau bei gleichzeitig weiter hoher Versorgungszuverlässigkeit.“ Der Planungshorizont umfasst laut VDE zehn Jahre und mehr.
Die Anwendungsregel folgt den folgenden Prinzipien: Es sollen aktive Konzepte in der Planung berücksichtigt werden, das NOVA-Prinzip (Netzoptimierung vor Verstärkung und Ausbau) soll Anwendung finden und die Versorgunszuverlässigkeit oder die n-1-Sicherheit müsse gewährleistet sein. Dabei umfassen aktive Konzepte zum Beispiel den witterungsabhängigen Freileitungsbetrieb, Spitzenkappung oder das Last-Management. So lassen sich nach Angaben des VDE Betriebsmittel besser auslasten, vorhandene Infrastruktur besser ausnutzen und der Netzausbaubedarf könne verringert oder verschoben werden.
Die Dimensionierung des Netzes erfolgt laut Anwendungsregel auf Basis prognostizierter Entwicklungen von Last und Erzeugung. Zeigt die Prognose eine gefährdete Versorgung an, werden Maßnahmen nach dem NOVA-Prinzip geplant. So sei gewährleistet, das Netzoptimierung vor Netzverstärkung und vor Netzausbau erfolgt.
Ziel der Planung sei es außerdem, das der Ausfall eines Betriebsmittels nicht zu einem unzulässigen Betriebszustand führt, ein Planungsgrundsatz, der auch als n-1-Prinzip bekannt ist. Darüber hinaus definiert die Anwendungsregel spezielle Ausfallszenarien, für die selbst der gleichzeitige Ausfall mehrerer Betriebsmittel zu berücksichtigen ist. Alle drei Prinzipien sorgten in der Summe dafür, dass die Kapazität des Netzes weitgehend genutzt werden kann und ein bundesweit einheitliches Verständnis für Mindestanforderungen geschaffen wird.
Nach Angaben des VDE wird die Anwendungsregel die Arbeit der Netzbetreiber erleichtern, weil sie auf sorgfältig abgestimmte, bundesweit einheitliche Planungsgrundlagen zurückgreifen können. Am 28. Juni 2017 veranstaltet VDE|FNN in Berlin den Infotag Netzplanung zu dieser Anwendungsregel. Bis zum 9. August 2017 können außerdem Änderungsvorschläge zum Entwurf abgegeben werden.





Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Netze | Smart Grid

Thüga: Regler für mehr Solarstrom im Netz

[01.07.2026] Ein Pilotprojekt in Thüringen erprobt eine neue Technologie zur besseren Nutzung bestehender Stromnetze. Nach Angaben der Thüga kann ein neuer Mittelspannungslängsregler die Aufnahme von Photovoltaik-Strom deutlich erhöhen und so den Ausbau erneuerbarer Energien beschleunigen. mehr...

Ein Techniker installiert ein intelligentes Messsystem (Smart Meter) in einem Stromzählerkasten. Das digitale Messgerät mit Kommunikationsmodul wird in die bestehende Strominfrastruktur eingebaut und ermöglicht die automatische Erfassung und Übermittlung von Verbrauchsdaten.

Stadtwerke Düsseldorf / EnBW: Kooperation für intelligente Stromnetze

[22.06.2026] Die Stadtwerke Düsseldorf und EnBW Utility Services bauen ihre Zusammenarbeit bei intelligenten Messsystemen aus. Künftig umfasst die Partnerschaft auch das sogenannte CLS-Management zur Steuerung dezentraler Energieanlagen. mehr...

Zwei Monteure in orangefarbener Schutzkleidung steigen an einem Hochspannungsmast aus Stahl empor. Im Hintergrund sind Stromleitungen vor blauem Himmel mit wenigen Wolken zu sehen.

BDEW: Schnellere Genehmigungen für den Netzausbau

[19.06.2026] Der BDEW hat Vorschläge zur Beschleunigung des Stromnetzausbaus vorgelegt. Nach Angaben des Verbands könnten Änderungen im Energiewirtschaftsgesetz und im Infrastruktur-Zukunftsgesetz dazu beitragen, Planungs- und Genehmigungsverfahren zu verkürzen. Im Fokus stehen Vereinfachungen bei der Modernisierung bestehender Netze und bei Genehmigungsprozessen. mehr...

bne: Studie verweist auf Rekordrenditen bei VNB

[18.06.2026] Eine Analyse des Bundesverbands Neue Energiewirtschaft zeigt Rekordrenditen bei Deutschlands größten Verteilnetzbetreibern. Gleichzeitig verschärfen sich die Probleme beim Netzausbau und bei neuen Netzanschlüssen für die Energiewende. mehr...

TransnetBW/EWE Netz: Energiewende-App bald in Niedersachsen verfügbar

[18.06.2026] Die Energiewende-App StromGedacht wird künftig auch im Netzgebiet von EWE Netz in Niedersachsen verfügbar sein. Die Kooperation mit TransnetBW erweitert das Konzept netzdienlichen Verbrauchs erstmals auf ein großes Verteilnetz und soll Verbraucher stärker in die Netzstabilisierung einbinden. mehr...

Mitnetz Strom: Einbindung der Bürgerinnen und Bürger in die Planung

[16.06.2026] Mitnetz Strom setzt beim Bau einer neuen Hochspannungsleitung auf einen frühen und intensiven Dialog mit den Bürgern. Der Netzbetreiber will Konflikte vermeiden, die Feinplanung verbessern und Akzeptanz für den Ausbau der Energieinfrastruktur schaffen. mehr...

Netzanschluss: Software beschleunigt Berechnungen

[12.06.2026] Das Kölner Unternehmen envelio hat nach eigenen Angaben eine neue Technologie für die Berechnung von Stromnetzen entwickelt. Die Lösung soll Netzsimulationen erheblich beschleunigen und damit Netzanschlüsse schneller ermöglichen. mehr...

KIT: Transparenz für KI-gestützte Vorhersagen in Energiesystemen

[05.06.2026] KIT-Forschende haben mit SHAPformer eine Methode entwickelt, die KI-gestützte Vorhersagen für Energiesysteme nachvollziehbar macht. Die Lösung soll Transparenz bei kritischen Anwendungen wie Stromnetzsteuerung, Lastprognosen und Strompreisvorhersagen erhöhen und regulatorische Anforderungen erfüllen. mehr...

Hamburger Energienetze: Start von Fair-Grid-Projekt

[02.06.2026] Die Hamburger Energienetze führen mit Fair Grid ein neues Vergabeverfahren für große Stromanschlüsse ein. Das Projekt soll knappe Netzkapazitäten fair verteilen und reagiert auf den stark steigenden Leistungsbedarf durch Rechenzentren, Batteriespeicher und die Energiewende. mehr...

Smight/Thüga SmartService/Robotron: Vollständige Steuerkette umgesetzt

[06.05.2026] Smight, Thüga SmartService und Robotron haben eine vollständige Steuerkette nach §14a EnWG erstmals im Realbetrieb durchgängig umgesetzt. Damit steht Verteilnetzbetreibern eine standardkonforme End-to-End-Architektur zur Verfügung, die Netzengpässe automatisiert erkennt, marktseitig verarbeitet und steuernd auf Verbrauchseinrichtungen zugreift. mehr...

Pilotprojekt: Wärmepumpen entlasten Stromnetz

[27.04.2026] Wärmepumpen können als flexible Verbraucher aktiv zur Stabilisierung des Stromnetzes beitragen. Ein Pilotprojekt von Viessmann Climate Solutions mit Übertragungsnetzbetreibern zeigt erstmals unter Realbedingungen, wie sich Haushaltsgeräte ins Engpassmanagement integrieren lassen. mehr...

München: Supraleitung für Stromnetz soll kommen

[16.04.2026] Die Stadtwerke München und der Kabelhersteller NKT möchten ihre Zusammenarbeit ausbauen. Ziel ist ein besonders leistungsfähiges Stromkabel im Zentrum der Stadt. Es könnte das weltweit längste supraleitende Hochspannungssystem werden. mehr...

bericht

Voltaris-Expertengespräch: Fachkräfte bleiben Engpass beim Smart-Meter-Roll-out

[15.04.2026] Der Einbau intelligenter Messsysteme in Deutschland nimmt Fahrt auf, bleibt aber hinter den langfristigen Zielen zurück. Das wurde bei einem digitalen Expertengespräch des Messdienstleisters Voltaris deutlich. Als größte Hürden nannten die Fachleute fehlende Montagekapazitäten, Datenqualität und technische Anbindung. mehr...

Elektriker installiert und verdrahtet Komponenten in einem geöffneten Zählerschrank mit Kabeln und Klemmenleisten

Hager: Zählerplätze für EnWG-Vorgaben

[09.04.2026] Seit 2024 gelten für leistungsstarke Stromverbraucher neue gesetzliche Anforderungen. Diese sollen dabei helfen, die Stromnetze bei steigender Belastung stabil zu halten. Der Hersteller Hager präsentiert dazu angepasste Lösungen für Zählerplätze. mehr...

Netzentwicklungsplan: Zweiten Entwurf bei Bundesnetzagentur eingereicht

[18.03.2026] Die Übertragungsnetzbetreiber haben den zweiten Entwurf des Netzentwicklungsplans Strom 2037/2045 veröffentlicht. Der Plan integriert nun auch das Szenario C und zeigt damit neue Perspektiven für den Ausbau des Höchstspannungsnetzes. mehr...