Donnerstag, 7. Mai 2026

OGE/RWESchnellweg für Wasserstoff geplant

[12.04.2022] Die beiden Unternehmen OGE und RWE wollen den Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur vorantreiben. Hierfür haben sie das Infrastrukturkonzept H2ercules entwickelt. Dieses soll grünen Wasserstoff am Ort seiner Produktion im Norden zu seinen Endverbrauchern im Westen und Süden Deutschlands befördern.
Das nationale Infrastrukturprojekt H2ercules soll grünen Wasserstoff am Ort seiner Produktion im Norden zu seinen Endverbrauchern im Westen und Süden Deutschlands befördern.

Das nationale Infrastrukturprojekt H2ercules soll grünen Wasserstoff am Ort seiner Produktion im Norden zu seinen Endverbrauchern im Westen und Süden Deutschlands befördern.

(Bildquelle: RWE AG)

OGE und RWE haben jetzt das nationale Infrastrukturkonzept H2ercules entwickelt, mit dem Ziel, den Aufbau der Wasserwirtschaft in Deutschland deutlich zu beschleunigen. Wie die RWE mitteilt, wollen beide Unternehmen damit den Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur vorantreiben. Diese solle Elektrolyseure sowie Speicher- und Importmöglichkeiten für grünen Wasserstoff im Norden mit industriellen Endverbrauchern im Westen und Süden Deutschlands verbinden. Weitere in Entwicklung befindliche Import-Routen aus dem Süden und Osten sollen bis 2030 angeschlossen werden. So könne H2ercules das Rückgrat einer Wasserstoffinfrastruktur von der Nordseeküste bis nach Süddeutschland werden. Erste Großunternehmen, wie zum Beispiel thyssenkrupp, hätten ihr Interesse signalisiert, an ein solches Netz angeschlossen zu werden.
Die Umsetzung des Vorhabens erfordere voraussichtlich Investitionen in einer Größenordnung von 3,5 Milliarden Euro. Da der größte Teil von H2ercules auf der Umstellung bereits bestehender Erdgasleitungen beruht, sei der Vorschlag in Summe kostengünstiger und deutlich schneller zu realisieren als ein kompletter Neubau.

Herkules Aufgabe Dekarbonisierung

Markus Krebber, Vorstandsvorsitzender der RWE AG, erläutert: „Um ihre Klimaziele erreichen zu können, braucht die Industrie große Mengen an grünem Wasserstoff – und das so schnell wie möglich. RWE will deshalb bis 2030 an küstennahen Standorten im Nordwesten Deutschlands zusätzliche Elektrolysekapazitäten errichten und betreiben. Der erzeugte grüne Wasserstoff soll dann vom Norden dorthin transportiert werden, wo er gebraucht wird, etwa zu Stahlerzeugern, Chemieunternehmen und Raffinerien im Ruhrgebiet und in Süddeutschland. Diese Herausforderung gehen wir mit OGE an. Gemeinsam wollen wir den ersten Wasserstoff-Schnellweg in Deutschland schaffen.“
Jörg Bergmann, Sprecher der Geschäftsführung der OGE, ergänzt: „Das Konzept ist als umsetzbarer Vorschlag zu verstehen, um die Herkules-Aufgaben Dekarbonisierung und Diversifizierung der Energieversorgung zu lösen. Diese Aufgabe ist nur durch eine intensive wertschöpfungsstufen­übergreifende Zusammenarbeit der Unternehmen mit Unterstützung der Politik durch kurzfristige Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen zu meistern. RWE als führendes Unternehmen in der Stromerzeugung und OGE als führendes Unternehmen im Transport gasförmiger Energie bringen die notwendigen Voraussetzungen und den Willen zur Gestaltung zusammen. Wir überwinden das Henne-Ei-Problem im XXL-Format und bieten damit anderen Wasserstoff-Akteuren eine verlässliche Basis für ihre Projekte.“

Klare Rollenverteilung

Angaben der RWE zufolge sind die Rollen bei H2ercules klar verteilt: RWE wolle bis zu ein Gigawatt an neuen Elektrolyse-Anlagen bis 2030 realisieren und damit grünen Wasserstoff erzeugen. Zudem plane RWE, große Mengen Wasserstoff zu importieren. Auch beabsichtige RWE, wasserstofffähige Gaskraftwerke mit einer Leistung von mindestens zwei Gigawatt in Anschlussnähe zur geplanten H2ercules-Trasse zu errichten und ihre Gasspeicher nahe der niederländischen Grenze an die Wasserstoffleitung anbinden zu lassen. Beides sei wichtig, um grüne flexible Backup-Kapazität zu schaffen. OGE wolle dafür sorgen, dass der grüne Wasserstoff zum Kunden kommt, indem bestehende Erdgasleitungen für den Wasserstofftransport umgestellt und ergänzend neue Leitungen gebaut werden. So könne ein Leitungsnetz von circa 1.500 Kilometern entstehen, das sich in die deutschlandweite Wasserstoff-Netzplanung einfügt. Über den Abstimmungsprozess für den Netzentwicklungsplan Gas (NEP Gas) sei das Zusammenspiel mit den Wasserstoff-Aktivitäten der anderen Marktakteure sichergestellt.
H2ercules eröffne neue Möglichkeiten, um Deutschland an wesentliche Import-Routen anzuschließen – zunächst über Pipelines aus Belgien und den Niederlanden, später über Norwegen sowie aus Süd- und Osteuropa; perspektivisch auch über Importterminals für grüne Moleküle im Norden Deutschlands. Damit trage das Projekt zum Entstehen eines europäischen Wasserstoffmarktes bei.
Das Projekt sei offen für weitere Partner entlang der Wasserstoff-Wertschöpfungskette. Mit diesem integrierten Ansatz und einem auf Wachstum ausgelegten Umsetzungspfad werde H2ercules bis 2030 überregional zwei Drittel des für Deutschland bekannten Wasserstoffbedarfs in den Verbrauchszentren entlang des empfohlenen Korridors erreichen können. So könne zügig der Schritt in eine großskalige Wasserstoffwirtschaft gelingen. Neben großen industriellen Abnehmern könnten dabei auch kleinere Unternehmen profitieren.
Die Umsetzung des Vorhabens bedürfe passender Rahmenbedingungen, die RWE und OGE in Kürze mit der Politik erörtern wollen.



Stichwörter: Wasserstoff, RWE, H2ercules, OGE


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