Donnerstag, 22. Oktober 2026

Intelligente MesssystemeSmart Metering vereinfachen

[14.04.2025] Da sich der Roll-out intelligenter Messsysteme noch über einige Jahre hinziehen wird, möchte die Initiative Simplify Smart Metering Lösungen voranbringen, die bereits heute das Potenzial der Digitalisierung im Messwesen nutzbar machen.

Wasserzähler können schon über LPWAN ausgelesen werden. Über die Technologie ließen sich auch die Messwerte von Stromzählern sicher übertragen.

(Bildquelle: สมเจตน์ หนูแก้ว/stock.adobe.com)

Der Roll-out intelligenter Messsysteme ist ein zentraler Bestandteil der Energiewende und wird sich noch über einige Jahre hinziehen. Gleichzeitig bietet die Digitalisierung heute bereits viele Möglichkeiten, die nicht ungenutzt bleiben dürfen, will man dem Ziel der Klimaneutralität näher kommen. Die Initiative Simplify Smart Metering hat sich zum Ziel gesetzt, Lösungen voranzubringen, die heute schon das Potenzial der Digitalisierung im Messwesen nutzbar machen.

Hoher Aufwand bis zum iMSys

Die erfolgreiche Integration erneuerbarer Energien in das Stromsystem erfordert Anreize, den Stromverbrauch an die Verfügbarkeit anzupassen. Ein zentrales Element des zukünftigen Strommarktdesigns sind daher dynamische Tarife, die sich an den aktuellen Börsenpreisen orientieren. Diese bilden Angebot und Nachfrage unmittelbar ab. Ab 2025 sind alle Energieversorger verpflichtet, solche Tarife anzubieten. Damit diese korrekt abgerechnet werden können, ist eine Verbrauchsdatenerfassung in exakten 15-Minuten-Intervallen erforderlich.

Die derzeitige Infrastruktur stellt allerdings eine erhebliche Hürde dar. Der gesetzlich vorgesehene Weg zur Datenübermittlung führt über das intelligente Messsystem (iMSys), das allerdings an den meisten Messstellen noch nicht installiert ist. Für Versorger, deren Kunden einen dynamischen Tarif wünschen, entsteht somit ein Problem. Felix Zösch, Geschäftsführer der Stadtwerk Haßfurt GmbH, erklärt: „Wenn wir den Kunden und die Messstelle nicht verlieren möchten, müssen wir dort ein intelligentes Messsystem installieren.“ Der damit verbundene Aufwand ist jedoch enorm: Von der Beschaffung über die Montage bis hin zum Betrieb in der vorgeschriebenen sicheren Infrastruktur sind zahlreiche aufwendige Prozesse notwendig. Zudem entstehen Kosten für zertifizierte IT-Systeme, Dienstleister, SIM-Karten und weitere technische Komponenten.

Technische Schwierigkeiten

„Die bestehenden Preisobergrenzen decken diese Aufwendungen nicht einmal ansatzweise. Hinzu kommen praktische Herausforderungen“, erklärt Zösch weiter. „Wenn es dumm läuft, steht der Monteur am Ende im Keller und stellt fest, dass es dort keinen Netzempfang gibt.“ Auch Marcel Linnemann, Stabsbereichsleiter Energiewirtschaft der Firma items aus Münster, bestätigt die wirtschaftlichen und technischen Schwierigkeiten intelligenter Messsysteme: „Ich habe gewisse Zweifel, ob die Prozesse wirklich massentauglich sind.“ Vor diesem Hintergrund ist es nachvollziehbar, dass sich viele grundzuständige Messstellenbetreiber beim Smart Meter Roll-out auf die gesetzliche Mindestanforderung beschränken.

Die gesamte Situation führt aktuell dazu, dass die Digitalisierung der Messstellen und damit eine essenzielle Voraussetzung für den klimaneutralen Umbau des Energiesystems noch lange nicht flächendeckend umgesetzt wird. Dies betrifft auch wichtige Anwendungen im Netzbetrieb, wie die stichtagsgenaue Abrechnung kleiner PV-Anlagen unter sieben Kilowatt, zeitvariable Netzentgelte für Betreiber steuerbarer Verbrauchseinrichtungen oder eine Netzplanung anhand realer Lastprofile.

Kurzfristige Alternativen

Um Stillstand zu verhindern, setzt sich die Initiative Simplify Smart Metering für eine pragmatische Übergangslösung ein: Sie fordert, kommunikationsfähige Zähler für Abrechnungszwecke zuzulassen. Die Initiative wird mittlerweile von 32 offiziellen Unterstützern getragen – darunter Stadtwerke verschiedener Größenordnung, IT- und Metering-Dienstleister sowie Technologieanbieter. Ziel ist es, eine digitale Bereitstellung von Stromverbrauchsdaten mit einfacheren Mitteln zu ermöglichen. „Wir wollen damit keine Alternative zum intelligenten Messsystem etablieren. Wir werben lediglich darum, nicht abzuwarten, bis der Roll-out großflächig umgesetzt ist, sondern die Zeit sinnvoll zu überbrücken“, betont Gerhard Radtke, Berater mit langjähriger Managementerfahrung in der Energiewirtschaft. Er ist neben Felix Zösch, Marcel Linnemann und Andreas Fabri, Leiter Messstellenbetrieb der N-ERGIE, ein Mitinitiator der Initiative.

Bei der Suche nach kurzfristigen Alternativen konzentriert sich Simplify Smart Metering bewusst auf Abrechnungsdaten nach TAF 7. „Netzzustandsdaten und Steuerbefehle benötigen definitiv das Sicherheitskonzept des intelligenten Messsystems“, erklärt Radtke. Doch bei Stromverbrauchsdaten stellt sich für die Initiatoren die Frage, ob wirklich jeder – bildlich gesprochen – einen Porsche im Zählerkasten benötigt. Felix Zösch sieht das Argument der sicheren Datenübertragung kritisch: „RLM-Zähler übermitteln seit Jahrzehnten Daten über ein integriertes Kommunikationsmodul, das nicht nach BSI-TR-03109 zertifiziert ist. Unsere SLP-Kunden besitzen seit 2012 einen Smart Meter, der leider nicht BSI-konform ist, und übertragen ihre Zählerstandsgänge über eine Schmalband-Powerline-Technologie. Nach dem Umbau auf eine simple moderne Messeinrichtung bleibt den Kunden nichts anderes übrig, als die Ablesewerte auf Postkarten und im Kundenportal einzutragen oder sie notfalls am Telefon durchzugeben. Sie sind dann ebenfalls nicht mehr in der Lage unseren dynamischen Stromtarif zu wählen, den wir bereits seit 2016 anbieten.“

Auslesung über LPWAN

Gas-, Wasser- oder Wärmezähler werden schon erfolgreich über LPWAN (Low Power Wide Area Network) oder wireless MBus (wMBus) ausgelesen. Zu den LPWAN-Technologien zählen beispielsweise NarrowBand-IoT, Mioty oder LoRaWAN. Das Unternehmen Zenner International, ebenfalls Mitglied der Initiative Simplify Smart Metering, betreibt das derzeit größte LoRaWAN Europas mit mehr als 100.000 Gateways und über neun Millionen Messgeräten und Sensoren. René Claussen, Bereichsleiter Messsysteme, IoT und Digitale Lösungen bei Zenner, erklärt: „Technisch sind wir mit LoRaWAN in der Lage, die Messwerte – auch von Strom- oder Gaszählern – einfach, sicher und wirtschaftlich zu übertragen. Die Technologie wird heute neben den Sparten Wasser und Wärme insbesondere in der Industrie und Verwaltung für Untermessungen auch im Strom- und Gasbereich eingesetzt. Damit wird ein effizientes Energiemanagement ermöglicht. Was sich hier etabliert hat, funktioniert auch in anderen Bereichen der Energiewende.“

Technologien wie LPWAN oder wMBus schlägt die Initiative als Übergangslösung für die digitale Auslesung des Stromverbrauchs vor. Marcel Linnemann beschreibt den Ansatz: „Eine moderne Mess­einrichtung könnte über ein LPWAN oder wMBus ausgelesen und nach dem Einbau eines Smart Meter Gateways an dieses angebunden werden.“ Eine solche Lösung wäre kostengünstig, schnell umsetzbar und erfordert keinen aufwendigen Sicherheitsprozess. „Eine moderne Messeinrichtung kostet einen Bruchteil eines zertifizierten Gateways, muss nicht über eine sichere Lieferkette vom Hersteller zum Kunden gebracht werden und lässt sich in wenigen Minuten einbauen.“ Technologisch wäre der Weg frei: LPWAN oder wMBus-Gateways sind vielerorts bereits vorhanden oder könnten mit geringen Kosten installiert werden. Die Netze decken heute bereits über 90 Prozent der Fläche ab und ermöglichen vollständig automatisierte Prozesse.

Problemlos umsetzbar

„Seitens der Zählerhersteller hören wir, dass Konzepte für solche smarten modernen Messeinrichtungen (mME) problemlos umsetzbar sind – und vielfach schon in der Schublade liegen“, ergänzt Radtke. Das Hauptproblem ist derzeit, dass die verwendeten Zähler und Übertragungstechniken nicht für Abrechnungszwecke zugelassen sind. Die Initiative steht hierzu bereits in engem Austausch mit den zuständigen Behörden. Radtkes Fazit: „Es gibt bei unserem Konzept keine Verlierer, und wir freuen uns über jede Unterstützung.“

Patrik Sartor verantwortet als Teamleiter Corporate Communications unter anderem die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei der Minol-ZENNER-Gruppe.




Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Smart Metering
bericht

Smart Metering: GWA-Wechsel unter Zeitdruck ­erfolgreich ­gemeistert

[15.10.2026] Der Wechsel der Gateway-Administration ist für Energieversorger eine Herausforderung. Alliander und Kisters haben innerhalb kurzer Zeit gleich drei solcher Migrationen umgesetzt und dabei Erfahrungen gesammelt, die auch für zukünftige Wechsel relevant sind. mehr...

EWE Netz: Smart-Meter-Ausbau über Bundesschnitt

[30.09.2026] EWE Netz hat nach eigenen Angaben 12,1 Prozent seiner Messstellen mit intelligenten Messsystemen ausgestattet. Damit lag der Anteil Ende Juni rund doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt. mehr...

PwC-Studie: Smart-Meter-Roll-out mit Schwächen im Prozess

[28.09.2026] Der Smart Meter Roll-out in Deutschland hat das gesetzliche Etappenziel für Ende 2025 übertroffen. Eine PwC-Studie zeigt jedoch deutliche Unterschiede zwischen den Messstellenbetreibern und Schwächen bei Planung, Einbau und Kundenfeedback. mehr...

Smart-Meter-Initiative: Roll-out kommt nur langsam voran

[23.09.2026] Der Smart Meter Roll-out ist im ersten Halbjahr 2026 langsamer vorangekommen. Nach Angaben der Bundesnetzagentur stieg die Roll-out-Quote bis Ende Juni auf 5,9 Prozent. mehr...

Smart-Meter-Initiative: Anbieter kritisieren Westnetz

[22.09.2026] Die in der Smart-Meter-Initiative zusammengeschlossenen Energieanbieter beklagen Probleme beim Smart-Meter-Betrieb im Netzgebiet von Westnetz. Fehlende oder widersprüchliche Messdaten führten dazu, dass Kunden nicht auf Basis ihres tatsächlichen Verbrauchs abgerechnet werden können. mehr...

Smart Meter Roll-out: Gateway für Schleupen-Systeme freigegeben

[09.09.2026] Das Smart Meter Gateway von Sagemcom Dr. Neuhaus ist in die Whitelist des Software-Anbieters Schleupen aufgenommen worden. Damit kann das Gerät in der Schleupen-Systemlandschaft eingesetzt werden. mehr...

BBH-Gruppe/co.met: Digitale Lösung für den Smart Meter Roll-out

[09.09.2026] Die BBH-Gruppe und co.met verknüpfen ihre digitalen Systeme, um Messstellenbetreiber bei Zutrittsproblemen im Smart Meter Roll-out zu unterstützen. Die gemeinsame Lösung soll die operative Bearbeitung mit der rechtlichen Durchsetzung von Zutrittsrechten verbinden. mehr...

metering days: Den Smart Meter Roll-out vorantreiben

[31.08.2026] Die metering days 2026 befassen sich mit dem beschleunigten Smart Meter Roll-out und der Digitalisierung der Stromverteilnetze. Im Mittelpunkt stehen auch mögliche neue Vorgaben der Bundesregierung, europäische Pläne und Kooperationen von Stadtwerken. mehr...

Hertener Stadtwerke: Smart Meter Roll-out läuft

[21.08.2026] Die Hertener Stadtwerke haben inzwischen rund 1.250 intelligente Messsysteme installiert und die gesetzliche Ausbauquote erreicht. Nun bereiten sie den nächsten Schritt vor: die Erprobung von Steuerboxen für die netzorientierte Steuerung. mehr...

rku.it: SMGWA Roadshow macht Station in Dortmund und Ludwigshafen

[21.08.2026] rku.it setzt seine SMGWA Roadshow im September in Dortmund und im November in Ludwigshafen fort. Im Mittelpunkt stehen der Smart Meter Roll-out, regulatorische Anforderungen und weitere Digitalisierungsthemen für Stadtwerke und andere Energieversorger. mehr...

Smart-Meter-Initiative: Leitlinien für Smart Meter Light vorgelegt

[27.07.2026] Die Smart-Meter-Initiative hat technische Leitlinien für ein kostengünstiges Smart Meter Light vorgelegt. Das Konzept soll den Roll-out für Haushalte ohne steuerbare Verbrauchseinrichtungen beschleunigen und setzt auf einfache, aufrüstbare Technik. mehr...

Voltaris: Rezertifizierung erhalten

[22.07.2026] Voltaris ist erneut nach ISO/IEC 27001 für sein Informationssicherheits-Managementsystem zertifiziert worden. Die Rezertifizierung bestätigt die Sicherheitsstandards für Gateway-Administration und CLS-Betrieb und stärkt die Planungssicherheit beim Smart Meter Roll-out. mehr...

Stadtwerke Neustadt: Einführung von aEMT-Basismodul

[01.07.2026] Die Stadtwerke Neustadt an der Weinstraße führen für das CLS-Management das aEMT-Basismodul von Voltaris ein. Damit schaffen sie die technischen Voraussetzungen für die netzdienliche Steuerung nach § 14a EnWG und treiben den Steuer-Roll-out im intelligenten Messwesen voran. mehr...

Advertorial: Rollout zwischen Regulierung und Praxis

[11.06.2026] Der Smart-Meter-Rollout nimmt Fahrt auf – doch zwischen regulatorischen Vorgaben, technischen Anforderungen und Marktprozessen bleibt die Umsetzung anspruchsvoll. Die BDEW-Fachtagung Messwesen 2026 bringt am 29. und 30. September in Köln Expertinnen und Experten aus Behörden, Verbänden und Unternehmen zusammen, um gemeinsam Antworten auf die drängendsten Praxisfragen zu finden. mehr...

M-TEC: Präsentation von intelligentem Einspeisezähler

[09.06.2026] M-TEC stellt mit dem ENERGY-HERO einen intelligenten Einspeisezähler für systemoffene Energielösungen vor. Die auf der Intersolar Europe präsentierte Lösung soll PV-Anlagen, Speicher und Wärmepumpen herstellerübergreifend vernetzen und ab September auch in die Kostal-Welt integriert werden. mehr...