Hamburger EnergienetzeStart von Fair-Grid-Projekt

Die Hamburger Energienetze führen mit Fair Grid ab der zweiten Jahreshälfte ein neues Vergabeverfahren für große Stromanschlüsse ein.
(Bildquelle: adobestock)
Die Hamburger Energienetze werden neue Netzanschlüsse mit einem Leistungsbedarf von mehr als 1,5 Megavoltampere (MVA) künftig über ein Repartierungsverfahren vergeben. Wie das Unternehmen mitteilt, startet das sogenannte Fair-Grid-Projekt im zweiten Halbjahr 2026 und ersetzt für diese Anschlussklasse das bisherige Windhundprinzip, bei dem die Reihenfolge der Antragseingänge über die Vergabe entscheidet.
Betroffen sind ausschließlich neue Anschlüsse in der Hoch- und Mittelspannung. Für Privathaushalte sowie die große Mehrheit der Gewerbekunden ändert sich nichts. Anlagen mit einer Leistung unter 1,5 MVA bleiben von den neuen Regelungen ausgenommen. Nach Angaben der Hamburger Energienetze bleiben damit rund 99 Prozent aller Anschlussverfahren unverändert. Auch bestehende Großkunden können ihre bisherige Anschlussleistung weiterhin nutzen.
Mit dem neuen Verfahren reagiert der städtische Verteilnetzbetreiber auf die stark gestiegene Zahl von Anträgen für besonders stromintensive Anlagen. Dazu zählen vor allem Batteriespeicher und Rechenzentren. Gleichzeitig verzögern sich der Aus- und Neubau von Netzverknüpfungspunkten durch den Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz Transmission.
Das Repartierungsverfahren soll verfügbare Netzkapazitäten transparent und diskriminierungsfrei auf mehrere Antragsteller verteilen. Zudem setzen die Hamburger Energienetze auf flexible Anschlussvereinbarungen. Sie ermöglichen es, hohe Leistungen gezielt in Zeiten mit geringer Netzauslastung abzurufen. So sollen vorhandene Kapazitäten besser genutzt und gleichzeitig die Versorgungssicherheit auf dem bisherigen Niveau gehalten werden.
Vergleichbare Verfahren kommen bereits bei Verteilnetzbetreibern in Ballungsräumen wie Berlin, Frankfurt am Main, Bremen oder Duisburg zum Einsatz. Nach Angaben der Hamburger Energienetze soll Fair Grid sicherstellen, dass die Leistungsanforderungen neuer energieintensiver Anlagen die verfügbaren Netzkapazitäten nicht übersteigen.
Hintergrund ist der erwartete Anstieg des Strombedarfs in Hamburg. Prognosen gehen davon aus, dass sich der Leistungsbedarf in den kommenden 20 Jahren etwa verdreifacht. Treiber dieser Entwicklung sind unter anderem der Umstieg von Gasheizungen auf Wärmepumpen, die zunehmende Elektrifizierung des Verkehrs sowie neue Rechenzentren für KI-Anwendungen. Hinzu kommen zahlreiche Großbatteriespeicher, deren Bau durch regulatorische Rahmenbedingungen wirtschaftlich attraktiv geworden ist.
Die Hamburger Energienetze investieren nach eigenen Angaben jährlich rund 600 Millionen Euro in den Ausbau und die Modernisierung der Infrastruktur. Parallel arbeitet das Unternehmen mit 50Hertz am Ausbau bestehender sowie am Bau zusätzlicher Netzverknüpfungspunkte, über die Strom aus dem Übertragungsnetz in das Hamburger Verteilnetz eingespeist wird.
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