Montag, 16. März 2026

Baden-WürttembergTeststrecke für Oberleitungs-LkW

[14.09.2017] Auch Baden-Württemberg bekommt eine Teststrecke für elektrische Oberleitungs-Lkw. Das Besondere: Sie verläuft entlang der vielbefahrenen Bundesstraße 462 durch das Murgatal. Das Bundesumweltministerium fördert das Projekt mit 16,8 Millionen Euro.
Bundesumweltministerin Barbara Hendricks lässt sich einen Oberleitungs-Lkw vor Ort zeigen.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks lässt sich einen Oberleitungs-Lkw vor Ort zeigen.

(Bildquelle: BMUB / Inga Wagner)

In Baden-Württemberg entsteht bis Ende 2019 eine weitere Oberleitungs-Teststrecke für schwere Lkws mit elektrischem Antrieb. Diese umfasst zwei Teilstücke der Bundesstraße 462 im Murgatal zwischen Gernsbach-Obertsrot und Kuppenheim mit einer Gesamtlänge von etwa sechs Kilometern in beide Richtungen. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) fördert das Projekt mit 16,8 Millionen Euro. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hat jetzt den Förderbescheid an den Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Bündnis 90/Die Grünen) übergeben.
Hendricks sagte: „Um die Klimaschutzziele zu erreichen, muss auch der
Straßengüterverkehr klimafreundlicher werden. Elektrisch betriebene
Oberleitungs-Lkws sind eine besonders interessante Lösung auf dem Weg zu
einem klimaneutralen Güterverkehr.“ Sie ermöglichten mit wenig erneuerbarem Strom viele emissionsfreie Kilometer. Im Rahmen einer nicht-öffentlichen Teststrecke habe sich die Technik bereits bewährt, jetzt sei es an der Zeit, diese im Realbetrieb auszuprobieren.
Bereits seit Jahresbeginn fördert das Bundesumweltministerium den Aufbau von zwei Teststrecken für Elektro-Lkw in Hessen (wir berichteten) und Schleswig-Holstein. Die neue Teststrecke soll laut dem BMUB dabei helfen, das Erfahrungsspektrum noch mal deutlich auszuweiten. Hendricks: „Jede der drei Pilotstrecken hat ihre eigene Strecken- und Verkehrscharakteristik. In Baden-Württemberg wird das System erstmals auf einer Bundesstraße mit Ortsdurchfahrten erprobt. Die B 462 zeichnet sich zudem durch eine besondere Tallage aus. Die Teststrecke steht daher exemplarisch für die besonderen Anforderungen auf Bundesstraßen mit teilweise sehr anspruchsvollen straßenbaulichen Verhältnissen.“

eWayBW: Fingerzeig in die automobile Zukunft

Die Bundesministerin machte darauf aufmerksam, dass auch die lokale Bevölkerung von dem Projekt durch weniger Verkehrslärm und den reduzierten Ausstoß von Luftschadstoffen profitiere. Und auch Verkehrsminister Hermann zeigte sich erfreut über das Vorhaben: „Die Landesregierung hat es sich zum Ziel gesetzt, dass Baden-Württemberg zu einem Wegbereiter einer nachhaltigen und modernen Mobilität der Zukunft wird. Dank der Förderung des Bundes leisten wir mit dem Feldversuch eWayBW Pionierarbeit und können hier im Murgatal entsprechende Impulse setzen.“ Der Verkehrsminister wies darauf hin, dass die Teststrecke auch am Daimlerwerk in Gaggenau vorbeiführe, in dem ab dem Jahr 1895 das erste Serienauto der Welt produziert wurde. Hermann: „Vor diesem Hintergrund darf eWayBW umso mehr als Fingerzeig in die automobile Zukunft verstanden werden.“
Auf der Pilotstrecke werden jährlich über 500.000 Tonnen Papier und Pappe
im 24 Stunden/7 Tage-Betrieb von drei Papierherstellern in Obertsrot in
ein Logistikzentrum nach Kuppenheim verbracht. Damit ergebe sich pro
Kalendertag die hohe Anzahl von durchschnittlich 64 Umläufen. In Summe
legen die Oberleitungs-Lkw damit pro Jahr über 250.000 km im Bereich der
Oberleitungen zurück. „Es freut mich, dass wir eine Strecke mit einer
so hohen Auslastung gefunden haben, denn diese Randbedingungen lassen
belastbare Erkenntnisse aus dem Feldversuch erwarten“, so Hermann.
Das Verkehrsministerium in Stuttgart kooperiert als Vorhabenträger bei
dem Piloten mit der Südwestdeutschen Verkehrs-Aktiengesellschaft
(SWEG), dem Regierungspräsidium Karlsruhe, dem Landkreis Rastatt sowie
dem Konsortium Forschung e-WayBW. Letzteres besteht aus dem Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung Fraunhofer ISI, dem IT- und Beratungsunternehmen PTV Transport Consult, dem FZI Forschungszentrum Informatik und dem Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie. Weitere Projektbeteiligte sind unter anderem der Verteilnetzbetreiber Netze BW, der zum EnBW-Konzern gehört.





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