WärmeplanungVorteile durch Location Twins

Für die kommunale Wärmeplanung sind gebäudescharfe Daten nötig.
(Bildquelle: Shutterstock/Andrey_Popov)
Mit dem Gesetz zur Wärmeplanung und zur Dekarbonisierung der Wärmenetze verpflichtet die Bundesregierung die Kommunen zur Erstellung von Wärmeplänen. Diese sollen aufzeigen, wie die lokale Wärmeversorgung in Richtung Klimaneutralität umgebaut werden kann. Entsprechend positionieren sich die Unternehmen, die bei der kommunalen Wärmewende eine wichtige Rolle spielen können und wollen.
Ein Beispiel ist E.ON: Der Energiekonzern hat im November 2023 eine frei zugängliche digitale Wärmekarte veröffentlicht – eine interaktive Anwendung, die für alle rund 11.000 Kommunen und jedes Postleitzahlengebiet in Deutschland verschiedene Informationen zu Wärmeversorgung, Technologien, CO2-Emissionen und Sanierungsstand liefert (wir berichteten). Grundlage sind Geo-Informationsdaten der Firma Nexiga, die von der E.ON-Tochter DigiKoo entsprechend aggregiert und aufbereitet wurden. Die Wärmekarte zeigt beispielsweise, dass im Boitzenburger Land (Brandenburg) bereits 16 Prozent der Haushalte über eine Wärmepumpe verfügen, während es in Mannheim nur 0,6 Prozent sind.
Daten für die kommunale Wärmeplanung
Ähnliches leistet das „Wärmekataster NRW“ – eine Online-Plattform, die ebenfalls zahlreiche Daten für die kommunale Wärmeplanung zur Verfügung stellt und viele Themen abbildet: vom Solarkataster, das auch zur Analyse von für PV-Anlagen geeigneten Dachflächen genutzt werden kann, über ein Gründachkataster bis hin zum Wärmekataster. Letzteres visualisiert beispielsweise Wärmequellen und Wärmesenken. Ab 2024 werden zusätzlich gebäudescharfe Daten integriert, um den Wärmebedarf noch genauer abbilden zu können. Ziel ist es auch hier, ein Werkzeug zur Verfügung zu stellen, mit dem Kommunen ihre Wärmebedarfsdeckung klimaneutral simulieren und prognostizieren können.
Während die frei zugängliche Online-Version der E.ON-Wärmekarte auf einzelne Städte und Gemeinden heruntergebrochene Daten liefert, benötigen Kommunen in jedem Fall auch gebäudescharfe Daten, um einen digitalen Location Twin als Grundlage für ihre Wärmewende-Planung erstellen zu können. Die dafür notwendigen Daten stammen sowohl aus privaten und kommerziellen Quellen wie Immobilienportalen als auch aus öffentlichen Quellen wie dem Statistischen Bundesamt.
So ist der Geodatenspezialist Nexiga in der Lage, für jedes einzelne Gebäude unterschiedlichste Daten zu liefern: vom Baujahr über die Anzahl der Haushalte und Gewerbe im Gebäude, die Heizungsart, den Wärmebedarf, das Alter der Heizungsanlage bis hin zum Sanierungsstand und der Leistung einer eventuell installierten Solaranlage. Diese Daten liegen flächendeckend für über 22 Millionen Gebäude in Deutschland vor und werden mindestens jährlich, teilweise sogar vierteljährlich aktualisiert.
Planungs- und Analyse-Tool DigiPAD
Die Firma DigiKoo nutzt diese Daten nicht nur für die öffentlich zugängliche Wärmekarte, sondern viel detaillierter für das Planungs- und Analyse-Tool DigiPAD. Dieses Tool kann auf Knopfdruck einen individuellen Wärmeversorgungszwilling als Bestandteil einer ganzheitlichen Wärmeplanung erstellen. Dies entlastet die kommunalen Planer von der aufwendigen Selektion, Aggregation und Präsentation der Rohdaten. Mit dem Tool können sie zunächst eine schnelle Bestandsaufnahme durchführen und dann beispielsweise Infrastrukturdaten des lokalen Netzbetreibers und auf Wunsch auch Echtdaten der Kommune integrieren, um die verschiedenen Szenarien der Wärmewende für ihre jeweilige Kommune durchzuspielen und zu visualisieren.
Inzwischen nehmen viele Kommunen die Planung der Wärmewende zum Anlass für eine ganzheitliche Planung, die neben der Wärme- auch die Mobilitäts- und Strom-Infrastruktur umfasst. „Wir verstehen kommunale Wärmeplanung ganzheitlich im Sinne einer integrierten Energieleitplanung“, betont Manuel Baur, Leiter der Stabsstelle Integrierte Infrastrukturplanung bei badenovaNETZE, einem Verteilnetzbetreiber für weite Teile Südbadens. „Nur durch die Betrachtung aller Sektoren ist eine ganzheitliche und zukunftsfähige Wärmeplanung möglich“, so Baur. Diese Sektorenkopplung integriere beispielsweise E-Mobilität, Strom für Industrie, Gewerbe und Haushalte sowie die verschiedenen Wärmetechnologien wie Solar, Wind oder industrielle Abwärme.
Location Twin Ausgangspunkt der Planungen
Auch bei badenova ist der digitale Location Twin Ausgangspunkt der Planungen. Er ermöglicht zunächst eine Bestandsaufnahme, mit deren Hilfe das Unternehmen dann die zukünftige Versorgungsaufgabe der notwendigen Energienetze bestmöglich prognostiziert und konkrete Sanierungsmaßnahmen für die vorhandenen Gebäudetypen modelliert. Für jedes Quartier entsteht so ein Steckbrief des Status quo und der notwendigen Maßnahmen. Diese Planung kann bis auf einzelne Gebäude heruntergebrochen werden. Das macht die Wärmeplanung für jeden Betroffenen konkret und greifbar, so Baur.
Darüber hinaus werden in der Detailplanung mittlerweile teilweise 3D-Gebäudedaten verwendet, um etwa den Wärmebedarf auch für Gebäude zu modellieren, für die keine weiteren Parameter wie Anzahl der Haushalte oder Wohnfläche oder Baujahr vorliegen. Grundlage hierfür sind vor allem die amtlichen 3D-LoD2-Daten (LoD, Level of Detail), mit denen eine Wärmebedarfsberechnung unter Berücksichtigung von Boden-, Dach- und Wandflächen sowie des Gebäudevolumens (Dach- und Baukörpervolumen) möglich ist.
Modellierung des Wärmebedarfs
Patrick Heinrich ist Projektingenieur beim Gasversorgungsdienstleister DBI Gas- und Umwelttechnik, der eine solche Modellierung auf Basis von 3D-Daten zur Praxisreife bringt. „Wir entwickeln eine GIS-gestützte Berechnungsmethodik für die simultane Modellierung des Wärmebedarfs einer großen Anzahl von Gebäuden“, sagt Heinrich.
Stadtwerke und andere kommunal tätige Energieversorger haben es letztlich mit zwei unterschiedlichen Datensätzen zu tun, die sie miteinander verknüpfen müssen: zum einen die Top-down-Daten, bei denen die allgemeinen Wärmemarktdaten für Deutschland auf die jeweilige Kommune und ihr Stadtwerk heruntergebrochen werden, zum anderen die Bottom-up-Daten, bei denen die einzelnen Gebäudeinformationen zu einer kommunalen Gesamtplanung aggregiert werden müssen.
„Mit unseren BET-Energiewelten zeigen wir verschiedene Entwicklungspfade zur Klimaneutralität in Deutschland auf“, sagt Carsten Bode. Als Berater beim BET Büro für Energiewirtschaft und technische Planung unterstützt er unter anderem Stadtwerke bei der Planung der Wärmewende. Er betont: „Mit unserem Top-down-Ansatz werden die Entwicklungen mit wenig Aufwand auf die Kommune übertragen, der eigentliche Aufwand entsteht beim Bottom-up-Ansatz, also bei den Detailbetrachtungen.“
Beide Herangehensweisen seien notwendig, denn nur „die Kombination von Top-down- und Bottom-up-Ansatz gewährleistet die Konsistenz zwischen den Deutschland-Szenarien und der lokalen Situation“, so Bode. Zudem bringe ein solches ganzheitliches Verständnis der Zusammenhänge im Wärmemarkt die wichtigen Akteure zusammen. Bode: „Das wiederum ist eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen der Wärmewende.“
Externe Partner für die Wärmeplanung
Es ist zu erwarten, dass sich rund um die einzelnen Kommunen, Stadt- und Gemeindewerke Ökosysteme bilden, die vor allem das Ziel haben, eine belastbare Datenbasis für die Wärmewende zu schaffen. Zwar liegen die wichtigsten lokalen Daten wie Verbräuche ohnehin bei den Stadtwerken. Relevante Basisdaten wie Gebäudemerkmale, soziodemografische Daten oder Katasterdaten lassen sich jedoch in der Regel einfacher und schneller zentral von einem externen Dienstleister beziehen.
Hinzu kommt, dass die internen Prozesse der Datenbeschaffung oft höhere Kosten verursachen als der externe Einkauf der benötigten Daten. Zudem wird die Wärmeplanung häufig für ein größeres Versorgungsgebiet erstellt, für das intern noch keine Echtdaten vorliegen, sodass externe Lieferanten einspringen müssen. Nicht zuletzt verfügen externe Partner über Erfahrungen aus anderen kommunalen Wärmewendeprojekten. So müssen die Kommunen bei ihrer Planung das Rad nicht neu erfinden und profitieren von den Erfahrungen und Vorgehensweisen, die andere bereits gemacht haben.
Region Mitte Niedersachsen: Förderung dreier Klimaschutz-Projekte
[02.03.2026] Die Zukunftsregion Mitte Niedersachsen fördert drei Projekte zu Mikrowärmenetzen, energetischer Sanierung und Abfallpädagogik mit rund 540.000 Euro. Die Bescheide übergab Landesbeauftragter Ottmar von Holtz in Rehburg-Loccum und setzte damit ein Signal für die interkommunale Zusammenarbeit in Klimaschutz und Kreislaufwirtschaft. mehr...
Braunschweig: Holzheizkessel in Betrieb genommen
[27.02.2026] BS Energy und SH Kraft & Wärme haben im Braunschweiger Energie Effizienz Quartier Gliesmarode/Querum einen zweiten Holzheizkessel in Betrieb genommen. Mit der Leistungssteigerung um 50 Prozent wächst der Anteil erneuerbarer Wärme im Quartiersnetz weiter und das Ziel einer vollständig regenerativen Versorgung bis 2040 rückt näher. mehr...
Gebäudemodernisierungsgesetz: Kritik und Lob von Branchenverbänden
[26.02.2026] Das neue Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) setzt auf eine Grüngasquote, eine entfristete Bio-Treppe und stärkere Förderung für Fernwärmenetze. Verbände aus der Energie- und Wärmewirtschaft begrüßen den Kurswechsel, warnen aber vor Preisrisiken, fehlender Planungssicherheit und offenen Detailfragen. mehr...
Böhl-Iggelheim: Entstehung von kaltem Nahwärmenetz
[26.02.2026] In Böhl-Iggelheim entsteht an der Jakob-Heinrich-Lützel-Grundschule ein kaltes Nahwärmenetz auf Basis von Erdsonden und Sole-Wasser-Wärmepumpen. Das Projekt soll die kommunale Wärmeversorgung ab 2026 klimafreundlich sichern und perspektivisch ein ganzes Quartier einbinden. mehr...
Vaillant: XL-Wärmepumpe für Mehrfamilienhäuser
[23.02.2026] In Dortmund wurde erstmals eine sechsstufige Wärmepumpenanlage der XL-Variante in Betrieb genommen. Das System versorgt zwei Mehrfamilienhäuser aus den 1960er-Jahren. Laut den Beteiligten spart es jährlich 20,5 Tonnen CO₂ ein. mehr...
Stadtwerke Lemgo: Beteiligungsvolumen für Großwärmespeicher ausgeschöpft
[20.02.2026] Das Beteiligungsvolumen für den Großwärmespeicher der Stadtwerke Lemgo ist binnen weniger Tage vollständig ausgeschöpft. Zwei Millionen Euro flossen in das Projekt zur klimaneutralen Wärmeversorgung und zeigen die breite Unterstützung für die Wärmewende vor Ort. mehr...
Enpal: Wärmepumpe kompensiert Fernwärmenetz
[20.02.2026] Enpal steigt in die kommunale Wärmeplanung ein und übernimmt für Städte und Gemeinden die Versorgung von Haushalten außerhalb bestehender Fernwärmenetze mit Wärmepumpen. Damit reagiert das Unternehmen auf den wachsenden Handlungsdruck der Kommunen und will mit hoher Installationskapazität eine Lücke in der lokalen Wärmewende schließen. mehr...
BBSR: Studie zur Wärmeplanung mit Digitalen Zwillingen
[18.02.2026] Eine neue Studie untersucht, wie Digitale Zwillinge die kommunale Wärmeplanung strategisch unterstützen. Der Bericht des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung zeigt anhand von 189 Kommunen, wann sich der Einsatz digitaler Modelle lohnt und wo ihre Grenzen liegen. mehr...
Cuxhaven: Alter Fischereihafen erhält Energiespundwand
[13.02.2026] Niedersachsen fördert im Alten Fischereihafen Cuxhaven eine bundesweit einzigartige Energiespundwand, die Wärme direkt aus dem Meerwasser gewinnt. Das 3,1-Millionen-Euro-Projekt soll ein 61.000 Quadratmeter großes Quartier klimaneutral mit Heiz- und Kühlenergie versorgen und gilt als Modell für die Wärmewende in Häfen. mehr...
SAENA: Kostenfreies Webinar zur Wärmeplanung
[12.02.2026] Die Sächsische Energieagentur SAENA bietet am 27. Februar 2026 ein kostenfreies Webinar zu Ausschreibung und Vergabe in der kommunalen Wärmeplanung an. mehr...
Stiftung Umweltenergierecht: Webinar zur Wärmeplanung
[09.02.2026] Neue Leitfäden sollen Kommunen den Schritt von der Wärmeplanung in die praktische Umsetzung erleichtern. Die Stiftung Umweltenergierecht stellt zentrale Inhalte und Empfehlungen in einem kostenfreien Online-Seminar vor. mehr...
Stuttgart: Abwärme von Rechenzentrum macht Schule
[06.02.2026] Ein Rechenzentrum in Stuttgart speist seine Abwärme erstmals systematisch in ein lokales Wärmenetz ein. Das Projekt von nLighten und Wärmelösungen Synergiepark Stuttgart zeigt, wie digitale Infrastruktur konkret zur Dekarbonisierung städtischer Wärmeversorgung beitragen kann. mehr...
Leverkusen: Wärmeplan liegt öffentlich aus
[05.02.2026] Der Entwurf der kommunalen Wärmeplanung der Stadt Leverkusen liegt nun öffentlich aus. Bürgerinnen und Bürger haben die Möglichkeit, den Plan online einzusehen und Stellung zu nehmen. Das Ziel ist eine klimaneutrale Wärmeversorgung bis zum Jahr 2045. mehr...
Darmstadt/Wiesbaden: Fortschritte bei kommunaler Wärmeplanung
[05.02.2026] Wiesbaden legt den Entwurf seiner kommunalen Wärmeplanung öffentlich aus, Darmstadt hat seine Wärmeplanung bereits beschlossen und vorgestellt. Beide Städte wollen damit den Umbau der Wärmeversorgung bis 2045 klimaneutral, wirtschaftlich tragfähig und planbar gestalten. mehr...
Gebäudeenergiegesetz: Spitzenverbände fordern Reform
[29.01.2026] Mehrere Spitzenverbände aus Energie-, Kommunal- und Immobilienwirtschaft fordern eine schnelle und grundsätzliche Reform des Gebäudeenergiegesetzes hin zu einem Gebäudemodernisierungsgesetz. Sie verlangen klare, investitionsfreundliche und praxistaugliche Regeln, die nationale und europäische Vorgaben zusammenführen. mehr...













