Dienstag, 8. September 2026

Kritische InfrastrukturenZukunftsfähig verbessern

[14.04.2016] Betreiber kritischer Infrastrukturen stehen hinsichtlich der Zuverlässigkeit, Sicherheit und Zukunftsfähigkeit aktuell vor wesentlichen Herausforderungen. Das wird mit Blick auf den Sachstand im Bereich Mission-Critical-Netze in Deutschland deutlich.

Energieversorger, Betreiber von Öl- und Gaspipelines oder Regional- und Fernbahnen sind auf hochverfügbare und sichere Kommunikationsnetze angewiesen. Sie steuern damit die effiziente Verteilung von Strom, Gas und Wasser oder bringen Menschen und Güter verlässlich an ihr Ziel. Die Telekommunikationsnetze wie auch die Leitungs- und Schieneninfrastruktur sind über viele Jahre gewachsen und müssen stetig erneuert und modernisiert werden. Andernfalls können sie ihre Aufgabe einer zuverlässigen und sicheren Versorgung eines Landes nicht erfüllen. Deshalb wird diese Infrastruktur auch als anwendungskritisch, als mission-critical bezeichnet. Der Begriff mission-critical stammt aus der Raumfahrt und charakterisiert Bauteile und Komponenten, die für den Erfolg einer Mission unverzichtbar sind. Ihr Ausfall kann nicht zuletzt Millionenschäden verursachen. Die Betreiber von Kommunikationsnetzen stehen aktuell vor drei zentralen Herausforderungen. Zum einen müssen die seit 10 bis 15 Jahren im Einsatz befindlichen Kommunikationsnetze und -systeme schrittweise um zukunftsfähige IP-Lösungen erweitert oder ersetzt werden. Darüber hinaus sind die Anforderungen aus dem seit Ende Juli 2015 geltenden IT-Sicherheitsgesetz umzusetzen und kritische Infrastrukturen besser zu schützen. Die dritte Herausforderung ist im Bereich der Wettbewerbsfähigkeit angesiedelt. Um diese aufrechtzuerhalten, müssen Verwaltung und Betrieb vereinfacht und die laufenden Kosten gesenkt werden. Traditionelle Energieversorger geraten durch neue Wettbewerber zunehmend unter Druck.

Netze effizienter schützen

Energieversorger beaufsichtigen und lenken den kontinuierlichen Betrieb ihrer Mission-Critical-Kommunikationsnetze heute noch vorrangig mit Systemen, die auf Synchrone-Digitale-Hierarchie-Technologien basieren. Die leitungsbasierte SDH-Technik gewährleistet höchste Zuverlässigkeit bei der Übertragung von Daten und Steuersignalen. Zur Überwachung unbemannter Stationen oder von Verkehrsknotenpunkten kommen jedoch vor allem Ethernet/IP-basierte Systeme zum Einsatz. Bei der Modernisierung ihrer Mission-Critical-Netze müssen die Betreiber daher auf absehbare Zeit sowohl die Bestandssysteme als auch die zunehmende Integration neuer IP-basierter Systeme berücksichtigen. Die allmähliche Migration herkömmlicher leitungsvermittelter hin zu einer paketbasierten Übertragung wird sich über einen langen Zeitraum hinziehen. Eine weitere Anforderung betrifft regulatorische Änderungen. Ein Beispiel dafür ist das Gesetz zur Erhöhung der Sicherheit informationstechnischer Systeme, das IT-Sicherheitsgesetz. Es ist in Deutschland seit dem 25. Juli 2015 in Kraft. Die Betreiber von Mission-Critical-Kommunikationsinfrastrukturen, beispielsweise in den Branchen Energie, Telekommunikation und Verkehr, werden damit verpflichtet, ihre Netze effizienter vor Cyber-Angriffen zu schützen. Im Kern sind die Unternehmen in den betroffenen Branchen gefordert, ihre IT-Sicherheitsmaßnahmen auf den aktuellen Stand der Technik zu bringen. Was der Gesetzgeber im Detail darunter versteht, ist noch offen. Notwendig ist an dieser Stelle ein umfassendes IT-Sicherheitskonzept, das bei der Gewährleistung der Integrität, Ausfallsicherheit und Verfügbarkeit der Netze anfängt. Ein wichtiger Bestandteil ist die Umsetzung von Anforderungen wie Authentifizierung, Autorisierung, Intrusion Detection sowie eine verschlüsselte Datenübertragung.

Im Wettbewerb behaupten

Der Wettbewerb auf dem Markt der Energieversorger hat sich in den vergangenen Jahren weiter verschärft. Die Verbraucher können je nach Versorgungsgebiet unter Dutzenden von Strom- und Gasanbietern wählen. Um sich eindeutiger positionieren zu können, setzen vor allem die regionalen Anbieter darauf, ihre Infrastrukturen effizienter zu nutzen, um neue Märkte und Kundengruppen zu erschließen. Wo es um die Steuerung und Zukunftsfähigkeit von Mission-Critical-Kommunikationsnetzen geht, sollten sich Netzbetreiber für Plattformen entscheiden, mit denen sie auch künftig die Anforderungen ihrer bewährten Systeme abbilden können und die ihnen gleichzeitig die Möglichkeit einer reibungslosen Migration in Richtung paketorientierter Übertragungslösungen bieten. Netzbetreiber sind damit in der Lage, die Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit von Diensten zu steigern, die Netzkomplexität zu reduzieren und letztlich Betriebskosten zu senken. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Implementierung eines effizienten IT-Sicherheitskonzepts mit einer verschlüsselten Datenübertragung als Herzstück.

Axel Föry ist CEO bei der Keymile GmbH, Hannover.




Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Informationstechnik

cortility: KI automatisiert Standardanliegen

[03.09.2026] cortility und Pipeforce wollen Künstliche Intelligenz stärker für die automatisierte Bearbeitung von Kundenanliegen bei Energieversorgern einsetzen. Standardvorgänge wie Zählerstandsmeldungen, Umzüge oder Abschlagsfragen sollen sich damit weitgehend ohne manuelle Eingriffe verarbeiten lassen. mehr...

Illustration eines Laptops, aus dessen Bildschirm eine Rechnung in Papierform ausgegeben wird. Die Darstellung symbolisiert den digitalen Rechnungsversand.

E-Rechnung: Versandpflicht wird ausgeweitet

[26.08.2026] Für Unternehmen mit mehr als 800.000 Euro Umsatz verschärfen sich zum Jahreswechsel die Vorgaben für elektronische Rechnungen. Ab Januar 2027 müssen sie E-Rechnungen nach der europäischen Norm EN 16931 versenden. Ein Jahr später gilt die Vorgabe für alle Unternehmen. mehr...

bericht

KRITIS-Schutz: Resilienz ist Pflicht

[18.08.2026] Mit dem KRITIS-Dachgesetz sind Städte und Gemeinden unter Zugzwang: Bis Mai 2027 müssen Schutzkonzepte stehen. Doch zwischen gesetzlicher Pflicht und gelebter Resilienz klafft häufig noch eine gefährliche Lücke. mehr...

Maingau: Portfoliomanagement in der Cloud

[14.08.2026] Maingau hat sein Portfolio-Management auf eine Cloud-Lösung von Kisters umgestellt. Damit will der Energieversorger Handelsprozesse stärker automatisieren und weitere Funktionen in die Systemlandschaft integrieren. mehr...

bericht

Kundenservice: Vom Antrag zur Lösung

[13.08.2026] Stadtwerke können ihre Kundenservices mit durchgängigen End-to-End-Prozessen effizienter gestalten. Standardisierte Abläufe, intelligentes Routing und KI sollen Bearbeitungszeiten verkürzen und Mitarbeitende entlasten – entscheidend bleibt dabei die Verbindung von Technik, Daten und Menschen. mehr...

kraftwerk Software Gruppe: Joules erhält KI-Funktionen

[13.08.2026] Die kraftwerk Software Gruppe hat die Software Joules erweitert. Das aktuelle Release bringt KI-gestützte Funktionen für verschiedene Arbeitsabläufe sowie ein neu aufgebautes Kunden-, Lead- und Servicemanagement. mehr...

bericht

IT-Infrastruktur: Vollumfassende Integration

[11.08.2026] Neue digitale Angebote und gesetzliche Anforderungen überfordern die IT-Landschaften der Stadtwerke zunehmend. Insbesondere bei systemübergreifenden Prozessen reichen punktuelle Integrationen nicht mehr aus. Gefragt sind vielmehr durchgängige Prozessketten, die verteilte Anwendungen zuverlässig verbinden. mehr...

cortility: EDM-Kooperation mit endica

[11.08.2026] Das Unternehmen cortility überträgt die bislang von endica eingesetzten Lösungen für das Energiedatenmanagement auf SAP S/4HANA Utilities. Damit soll das Energiedatenmanagement für Strom und Gas auch in der neuen Systemlandschaft von endica verfügbar sein. mehr...

Kraftwerk Software Gruppe: Neue KI-gestützte Wissensplattform vorgestellt

[24.07.2026] Die Kraftwerk Software Gruppe hat mit der Lösung kraftwerk.Knowledge eine KI-gestützte Wissensplattform für Versorgungsunternehmen vorgestellt. Sie soll Stadtwerke bei der Dokumentation, der Einhaltung regulatorischer Vorgaben und der schnellen Suche nach Fachinformationen unterstützen. mehr...

Civitas Connect: Offene digitale Basisinfrastrukturen

[20.07.2026] Ein offener Brief fordert, bestehende offene Daten- und Integrationsplattformen stärker in die föderalen Digitalstrukturen einzubinden. Laut Initiator Civitas Connect richtet sich die Initiative an Bund, Länder und weitere zuständige Gremien. Kommunen, öffentliche Unternehmen und andere Organisationen können sich der Erklärung bis Ende September anschließen. mehr...

cortility: SAP-Umstellung bleibt eine Herausforderung

[17.07.2026] Mit dem Ende des Supports für SAP R/3 Ende 2027 wächst der Zeitdruck für Energieversorger. Nach Einschätzung des IT-Dienstleisters cortility werden jedoch zahlreiche Unternehmen den Termin nicht einhalten können. mehr...

enercity: Test für KI-Energie-Assistenten

[16.07.2026] enercity hat die Testphase eines KI-Energie-Assistenten gestartet, der Kundinnen und Kunden die Verwaltung ihres Energievertrags direkt über ChatGPT ermöglichen soll. Nach Angaben des Unternehmens können unter anderem Vertragsdaten eingesehen, Rechnungen abgefragt und Zählerstände übermittelt werden. mehr...

Stadtwerke Baden-Baden: Neue GIS-Plattform für alle Versorgungssparten

[10.07.2026] Die Stadtwerke Baden-Baden stellen ihre Geoinformations- und Netzsysteme schrittweise auf eine neue webbasierte Plattform um. Nach Angaben von VertiGIS soll damit eine integrierte Arbeitsumgebung für die Sparten Strom, Gas, Wasser und Fernwärme entstehen. mehr...

bericht

Mahnwesen: Lücke im SAP-System

[09.07.2026] Stadtwerke, die SAP im Mahnwesen einsetzen, müssen Mahngebühren manuell verbuchen. Das kostet wertvolle Arbeitszeit und birgt die Gefahr von Fehlbuchungen und Compliance-Risiken. Eine SAP-basierte Erweiterung automatisiert den Prozess und beseitigt diese Schwachstelle. mehr...

cortility: Einfacher Lieferantenwechsel

[08.07.2026] Der IT-Dienstleister cortility hat eine Software vorgestellt, die Energieversorger beim seit 2025 geltenden 24-Stunden-Lieferantenwechsel unterstützen soll. mehr...