Sonntag, 8. November 2026

ThügaAlleine oder im Verbund

[08.02.2017] Mit IT-Dienstleistungen der Thüga-Tochter Conergos können Stadtwerke ihre Strukturen schlank halten. Das Unternehmen bietet Templates für SAP-basierte Anwendungen, unterstützt beim Smart-Meter-Roll-out und kümmert sich um das Thema Sicherheit kritischer Infrastrukturen.
Conergos bietet Templates für SAP-basierte Anwendungen

Conergos bietet Templates für SAP-basierte Anwendungen, unterstützt beim Smart-Meter-Roll-out und kümmert sich um das Thema Sicherheit kritischer Infrastrukturen

(Bildquelle: MEV Verlag/PEAK Agentur für Kommunikation)

Wie ist ein Stadtwerk auf der Kostenseite richtig aufgestellt? Diese Frage ist seit Jahren ein Dauerbrenner in der Energiewirtschaft. Schließlich geht es darum, die eigene Position im zunehmenden Wettbewerb zu halten oder gar auszubauen – schlanke Strukturen spielen dabei eine zentrale Rolle. So ist zu klären, ob bestimmte Arbeitsabläufe in Eigenregie durchzuführen oder über Dritte effizienter zu gestalten sind. Beispiele finden sich in vielen Bereichen. Sie reichen von Verbrauchsabrechnungen über die IT-Sicherheit und den technischen Netzservice bis hin zu Marketing-Support und Energiebeschaffung. Vor diesem Hintergrund hat die Stadtwerke-Kooperation Thüga schon im Jahr 2006 Dienstleistungsangebote in einer eigenen Gesellschaft, der Conergos, gebündelt.

Standardisierte IT-Anwendungen

Mittlerweile haben rund 60 Unternehmen – überwiegend aus dem Thüga-Verbund – Leistungen von Conergos eingekauft. Im Mittelpunkt stehen so genannte Templates, standardisierte digitale Anwendungen, die auf jeweils individuelle Bedürfnisse angepasst werden. Es handelt sich dabei unter anderem um Programme für die Netzabrechnung, die Buchhaltung, das Personalwesen und die Verbrauchsabrechnung. Dabei läuft die Software über ein zentrales Rechenzentrum, das mit den zuständigen Abteilungen in den einzelnen Unternehmen direkt verbunden ist. Parallel dazu gibt es Schulungen und zweimal jährlich Updates, die veränderte rechtliche Rahmenbedingungen berücksichtigen. Ein Angebot, das laut Conergos-Geschäftsführer Ralf Winter deutliche Vorteile mit sich bringt: „Wir setzen bei der Weiterentwicklung der Templates gezielt auf SAP-basierte Anwendungen. Um sie wirtschaftlich betreiben zu können, ist jedoch eine kritische Größe erforderlich. Dadurch, dass wir nur eine Musteranwendung kaufen und sie für mehrere Kunden individuell aufbereiten, wird diese kritische Größe erreicht. Würde ein Unternehmen das für sich alleine umsetzen, entstünden ungleich höhere Kosten.“
Hinzu kommt, dass die Prozesskosten, wie Conergos betont, aufgrund des geringeren Personalaufwands deutlich geringer sind. Umgerechnet würden die Einsparungen gegenüber einer Stand-alone-Lösung im deutlich fünfstelligen Bereich liegen. Auch habe man anonym bei den eigenen Gesellschaftern ein Benchmark durchgeführt, um die Vorteile der Templates besser einschätzen zu können. Dabei habe sich gezeigt, dass die individuell ausgerichteten SAP-Anwendungen die beste wirtschaftliche Lösung hinsichtlich der Prozesskosten darstellen. Das Geschäftsmodell von Conergos ist laut eigener Aussage nicht primär gewinnorientiert; vielmehr steht die Dienstleistung für die Gesellschafter als solche im Vordergrund. „Die Kosten für die Programme und der damit verbundene Service sind in der Regel von der Anzahl der Zählpunkte abhängig“, berichtet Winter. „Werden über Einzelprojekte Gewinne erzielt, fließen sie in die Gesamtkostenrechnung ein. Dadurch ist es uns gelungen, die Konditionen über die vergangenen zehn Jahre hinweg weitgehend stabil zu halten“. Eingesetzt werden die Templates von den meisten Unternehmen gleich in mehreren Bereichen, da sie über gemeinsame Schnittstellen verfügen und so einen unkomplizierten Datentransfer erlauben.

Kritische Infrastrukturen

Conergos kümmert sich auch um das Thema Sicherheit kritischer Infrastrukturen. Ganz aktuell geht es in diesem Zusammenhang um Information-Security-Management-Systeme (ISMS). Laut IT-Sicherheitsgesetz muss auch bei Betreibern von Strom-, Gas- und Wassernetzen bis Ende 2018 die erfolgreiche Auditierung eines ISMS stattgefunden haben. Georg Lessak, Geschäftsführer von Conergos, erläutert, dass Versorgungsunternehmen grundsätzlich mehrere Möglichkeiten zur Umsetzung haben. „Sie können die komplette Auditierung über einen externen Berater durchführen lassen oder ein entsprechendes Template zur Reduzierung der Kosten zwischenschalten. Das erfordert zwar mehr Eigenleistung, hat aber den Vorteil, dass Prozesse dokumentiert, geprüft und damit transparenter werden. Gleichzeitig steigt die Eigenkompetenz der Unternehmen“, so Lessak. Und wie sieht es bei den Kosten aus? Die Thüga-Experten schätzen, dass für die Auditierung eines mittleren Stadtwerkes mehrere hundert Beratertage anfallen. Dem stünden je nach Unternehmensgröße zwischen 25.000 und 60.000 Euro für die Templates gegenüber, die in der Regel aber durch die eingesparten Beraterkosten deutlich überkompensiert würden.

Template für Auditierung

Das Template zur Unterstützung bei der Auditierung ist in der ersten Variante seit Mitte 2016 verfügbar. Nach Aussage von Georg Lessak nutzen bereits über zehn Versorgungsunternehmen das Werkzeug. Es steht aber nicht nur Gesellschaften der Thüga-Gruppe zur Verfügung, sondern auch interessierten Dritten. Allerdings haben die Verantwortlichen noch mehr vor. Das Programm soll weiterentwickelt werden, bis es voll auditierungsfähig ist, also als Baustein beim Nachweis eines voll funktionsfähigen ISMS anerkannt wird.
Konkreter Handlungsbedarf besteht für Stadtwerke auch bei Smart Metern, die ab Januar 2017 für Verbraucher mit einer Jahresabnahme von mehr als 6.000 Kilowattstunden verbindlich vorgeschrieben sind. Ziel ist es, über einen Gateway-Administrator ein kommunizierendes System aufzubauen, um Stromangebot und -nachfrage besser miteinander in Einklang zu bringen. Nach dem Messstellenbetriebsgesetz, kurz MSBG, liegt die Zuständigkeit für die Smart Meter bei den jeweiligen Netzbetreibern. Betroffen sind vier bis sechs Millionen Zähler in Deutschland – und damit die meisten kommunalen Versorgungsunternehmen. Für sie stellt sich jetzt die Frage, ob die Messstellen als eigenes Geschäftsmodell betrieben werden können. Nach Berechnungen der Thüga sind in der Regel Kooperationsmodelle in einer Größenordnung von mehr als einer Million Kunden erforderlich, um eine effiziente Kostenstruktur zu erreichen. Eine Option ist es, als Messstellenbetreiber über die Thüga deutschlandweit das größte Bündelungspotenzial von bis zu 7,7 Millionen Zählpunkten erschließen. Dazu haben die Thüga-Unternehmen Thüga Meterings Service (jetzt Thüga Smart Service), Conergos, E-MAKS und e.dat ein Lösungspaket entwickelt, das die Messstellenbetreiber in die Lage versetzen soll, die neuen Aufgaben wirtschaftlich zu erfüllen. Es fungiert als Schnittstelle zwischen Zähler und Gateway-Administrator, um relevante Daten zu erfassen und eine hohe IT-Sicherheit zu gewährleisten.

Hoheit behalten

Vor diesem Hintergrund empfiehlt Thüga, die Hoheit über Messstellen und Daten nicht aus der Hand zu geben. „Die Smart Meter sind ein Turbo für den Vertrieb“, betont Georg Lessak. „Wer sich hier verabschiedet, verliert den Bezug zu den Kunden, denn ohne Verbrauchsdaten lassen sich keine innovativen Angebote für unterschiedliche Zielgruppen entwickeln.“

Gerd Lengsdorf ist freier Journalist in Bonn




Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Informationstechnik

kraftwerk Software Systems: Neues Outsourcing-Angebot

[03.11.2026] Mit dem neuen Angebot xPro übernimmt kraftwerk Software Systems komplette Geschäftsprozesse für Energieversorger. Das Modell soll Stadtwerke bei Personalengpässen entlasten und die Betriebs- und Ergebnisverantwortung auf den Dienstleister übertragen. mehr...

bericht

KRITIS: Von der Risikoanalyse zur Resilienz

[29.10.2026] Cyber-Angriffe, Naturgefahren und technische Ausfälle erhöhen die Risiken für Energieversorger. Ein ganzheitlicher Ansatz hilft, Risiken finanziell zu bewerten, Maßnahmen zu priorisieren und die Versorgung schneller wiederherzustellen. mehr...

INIT: Stadtwerke Heilbronn setzen auf Cloud-Lösung

[26.10.2026] Die Stadtwerke Heilbronn haben ihr Kunden- und Vertriebsmanagement auf eine Cloud-Lösung von INIT umgestellt. Damit wollen sie interne Abläufe vereinfachen und neue digitale Angebote für Fahrgäste ermöglichen. mehr...

Karlsruhe: KI-Anwendungen für die Energieversorgung entwickeln

[26.10.2026] Bei einer KI-Challenge in Karlsruhe haben Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Kommunen Ansätze für den Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Energieversorgung entwickelt. Im Mittelpunkt standen Genehmigungsverfahren, der Betrieb Kritischer Infrastruktur und die Widerstandsfähigkeit von Energiesystemen. mehr...

bericht

Organisation: Cyber-Schutz ist Chefsache

[22.10.2026] Wer Cyber-Resilienz auf technische Schutzmaßnahmen reduziert, greift zu kurz. Die Technik muss auch in entsprechende organisatorische Prozesse eingebettet sein, mit klaren Verantwortungsstrukturen und Entscheidungswegen. Cyber-Sicherheit wird somit zur Managementaufgabe. mehr...

bericht

Cyber-Sicherheit: NIS2-Konformität ­wirtschaftlich umsetzen

[20.10.2026] Im Rahmen der NIS2-Richtlinie sind auch kleinere Stadtwerke dazu verpflichtet, verbindliche Anforderungen an die Cyber-Sicherheit, das Risikomanagement und die Meldeprozesse umzusetzen. Aufgrund fehlender Security-Experten und begrenzter IT-Budgets ist das jedoch eine große Herausforderung. mehr...

dena: Konzept für Energiedatenraum bis 2032 vorgelegt

[19.10.2026] Die Deutsche Energie-Agentur (dena) hat ein Konzept für einen branchenübergreifenden Energiedatenraum vorgestellt, der den Datenaustausch im Stromsektor bis 2032 verbessern soll. Eine Studie zeigt am Beispiel variabler Netzentgelte, welche Vorteile eine gemeinsame digitale Infrastruktur bieten könnte und wie sich diese schrittweise einführen ließe. mehr...

EnBW: Energiewelt-App überarbeitet

[16.10.2026] Die EnBW hat ihre Kunden-App überarbeitet und um neue Funktionen zur Verbrauchsüberwachung und Steuerung von Energieanlagen erweitert. Die Anwendung integriert nun auch ein Heim-Energie-Management-System, mit dem sich unter anderem Wärmepumpen und Elektroautos steuern lassen. mehr...

Schleupen/Hansen: Zusammenarbeit verlängert

[16.10.2026] Die Softwareunternehmen Schleupen und Hansen Technologies setzen ihre Zusammenarbeit im Energiedatenmanagement für weitere fünf Jahre fort. Mehr als 80 Energieversorger mit über drei Millionen Messstellen nutzen die gemeinsame Lösung bereits. mehr...

Cyber-Sicherheit: Risiken für Wind- und Solarparks

[13.10.2026] Eine neue Studie hat Tausende über das Internet erreichbare Systeme im Umfeld europäischer Wind- und Solarparks identifiziert. Der Cyber-Sicherheitsrat Deutschland warnt vor wachsenden Risiken für die Energieversorgung durch die zunehmende Dezentralisierung. mehr...

Stadtwerke Flensburg: Instandhaltung auf neue Softwarelösung umgestellt

[06.10.2026] Die Stadtwerke Flensburg haben ihre mobile Instandhaltung auf eine neue Softwarelösung umgestellt. Das Maintenance Portal von argvis soll papierbasierte Abläufe ersetzen und die Arbeit in Netzen, Erzeugung und Service auf einer gemeinsamen Plattform bündeln. mehr...

Soluvia: Abrechnungsplattform für Stadtwerke eröffnet

[29.09.2026] Soluvia Energy Services bietet seine Abrechnungsplattform SESuite erstmals Energieversorgern außerhalb des MVV-Energie-Konzerns an. Das Full-Service-Angebot richtet sich vor allem an kleinere und mittlere Versorger, die ihre Abrechnungssysteme ablösen oder neu aufstellen wollen. mehr...

data analytics institute: Neuer Konsortialpartner von energy data-X

[28.09.2026] Das data analytics institute wird Konsortialpartner von energy data-X und bringt seinen Datenraum HEAT-X für die kommunale Wärmeplanung ein. Damit sollen Daten aus Strom- und Wärmesektor künftig über eine gemeinsame Infrastruktur verknüpft werden. mehr...

Greenflash: Dezentrale Energiesysteme in Echtzeit steuern

[25.09.2026] Greenflash hat mit Greencore AI eine Software zur Echtzeitsteuerung dezentraler Energiesysteme entwickelt. Sie soll Erzeugung, Speicherung und Verbrauch anhand von Prognosen und aktuellen Marktdaten wirtschaftlich aufeinander abstimmen. mehr...

items: ITS Group übernimmt Fernwärme-Software

[24.09.2026] items überträgt seine Fernwärme-Software Grid Insight: Heat zum 1. November 2026 an die ITS Group. Mit der Software wechselt auch das zuständige Team zum Dortmunder Unternehmen. mehr...