BDEWIm Dreiklang zu mehr Wachstum

BDEW-Hauptgeschäftsführer Stefan Kapferer: In der Energiebranche herrscht Aufbruchstimmung und Optimismus.
(Bildquelle: BDEW)
Nach Jahren heftiger politischer Debatten und massiver Umbrüche kann die Energiebranche nach Einschätzung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) wieder zur Wachstumsbranche werden. Stefan Kapferer, Vorsitzender der BDEW-Hauptgeschäftsführung, erklärte gestern (7. Mai 2019) in Berlin: „Um die Energiewelt von morgen aufzubauen, muss massiv in die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien und in neue Speichertechnologien investiert werden. Die Branche hat zudem die große Chance, sich mit der Mobilität ein ganz neues Geschäftsfeld zu erschließen.“ In der Energiebranche herrsche deshalb Aufbruchstimmung und Optimismus.
Unternehmen erwarten gute Geschäfte
Zur positiven Stimmung passe, dass laut einer Branchen-Umfrage von BDEW und Ernst & Young fast drei Viertel der Unternehmen für 2019 gute oder sehr gute Geschäfte erwarten – dieser Wert liege um elf Prozentpunkte über dem Vorjahr.
Basis für das neue Wachstum seien die energie- und klimapolitischen Beschlüsse mit Blick auf das Jahr 2050. Kapferer: „Aus der dringenden Notwendigkeit, zügig Treibhausgas-Emissionen zu senken, entstehen Wachstumschancen: Daher unser Motto: 2050 – Wir wachsen mit Energie.“ Die Wachstumschancen lassen sich nach den Worten von Kapferer mit dem Dreiklang „Mehr Erneuerbare, mehr Elektromobilität, mehr Power to Gas“ beschreiben. Die Energiewirtschaft nutze auf diesen Feldern die laufenden Transformationsprozesse und wachse buchstäblich über sich hinaus.
Drei Wachstumsmotoren
Die Wachstumspotenziale lassen sich aus BDEW-Sicht an konkreten Zahlen und Potenzialen für neue Geschäftsmodelle illustrieren:
Stromerzeugung: Im vergangenen Jahr waren insgesamt 120 Gigawatt (GW) Erneuerbare-Energien-Anlagen im Bereich der Stromerzeugung installiert. Um das Ziel von 65 Prozent erneuerbarer Energien bis 2030 zu erreichen, müssen nach einer vorläufigen Abschätzung des BDEW im gleichen Zeitraum bis zu 100 GW zugebaut werden. Das bedeute einen Zuwachs von 83 Prozent.
Im Jahr 2038 soll das letzte Kohlekraftwerk den Markt verlassen, die Kernkraft ist bereits im Jahr 2022 Geschichte. Damit müssten innerhalb von knapp 20 Jahren 50 Gigawatt gesicherte Leistung – das entspreche mehr als der Hälfte der gegenwärtigen konventionellen Kapazität – aus dem System genommen und durch Windenergie und Solaranlagen, Speicher sowie klimafreundliche Gaskraftwerke ersetzt werden.
Elektromobilität: Mit einer wachsenden Zahl an E-Fahrzeugen wächst der Bedarf an Ladesäulen, es wächst die Nachfrage nach verbraucherorientierten Komplettlösungen. So kommen Strombezug, Elektrofahrzeugpark und Ladesäulen-Management aus einer Hand. Heute werden laut BDEW über 75 Prozent der öffentlich zugänglichen Ladesäulen von der Energiewirtschaft betrieben. Sollte der Anteil der E-Pkw-Neuzulassungen von aktuell zwei Prozent auf zehn Prozent steigen, müssten im öffentlichen Raum jährlich mindestens 9.000 neue Ladepunkte errichtet werden und mehrere Hunderttausend private Ladepunkte am Wohnort und am Arbeitsplatz des E-Auto-Fahrers entstehen. Neun Millionen E-Autos bis 2030 erfordern etwa 24 Terrawattstunden Strom jährlich. Dies entspreche rund vier Prozent des Bruttoinlandstromverbrauchs 2018.
Power-to-Gas: Die Nachfrage nach Technologien, die eine verlässliche und stabile Nutzung von grünem Strom in allen Sektoren ermöglichen, wird nach Auffassung des Branchenverbands steigen. Diese Technologie existiere bereits: Power to Gas. Deutschlandweit gebe es mehr als 30 Pilotprojekte mit einer Elektrolyse-Leistung von insgesamt rund 25 MW. Zuletzt seien mehrere größere Projekte angekündigt, deren jeweilige Elektrolyse-Leistung im dreistelligen MW-Bereich liegen. Je nach Studie könnten in den kommenden Jahre Power-to-Gas-Kapazitäten mit einer Leistung von bis zu 15 GW entstehen.
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